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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 20

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1306 Nr. 38 In erster Linie ist dies die statutarische Bestimmung, wonach der Nationalfonds ein Viertel seines Kapitals dauernd in Werten anlegen muß, die nach den Grundsätzen unserer englischen Rechtsberater als solche Werte zu betrachten sind, die jeden Augenblick flüssig gemacht werden können. Hieraus ergibt sich, daß, solange keine palästinensischen Werte existierten, die an den europäischen Börsen kursfähig sind, wir in absehbarer Zeit ein Viertel unserer Kapitalien in solchen europäischen Wertpapieren anlegen müssen. Diese Schranke ist eine feste und unüberschreitbare und wird kein Direktorium des Nationalfonds die Verantwortung für die Ueberschreitung dieser Grenze in irgend einer Form übernehmen können. Eine andere Grenze für diese Tätigkeit des Nationalfonds liegt in dem Auftreten bedeutender momentaner Bedürfnisse der Entwicklung der Kolonisation, die ein unmittelbares Eingreifen der an der Kolonisation Palästinas im allgemeinen interessierten Unternehmungen erfordert. Ich nehme an, daß beispielsweise in Zeiten einer Krise der Nationalfonds auch berufen ist, privatwirtschaftlichen Genossenschaften zur Erhaltung des jüdischen Kolonialbesitzes in Palästina Kredit zu gewähren. Auch die Erbauung von Häusern für die einwandernden Yemeniten betrachte ich unter diesem Gesichtspunkte. Nach diesen Ausführungen habe ich nur wenig über aieTätigkeit während der letzten zwei Jahre hinzuzufügen, deren Grundsätze ihnen ja aus den regelmäßigen Berichten über die Sitzungen des Direktoriums und der Generalversammlung bekannt sind. Sie wissen, daß ich in Gemeinschaft mit dem damaligen Leiter unseres Büros, Herrn H o o f i e n, im vorigen Jahre eine größere Inspektionsreise in Palästina unternommen habe. Zweck dieser Reise war vor allem, uns darüber zu vergewissern, ob unsere Unternehmungen in Palästina in Gemäßheit der ihnen eben dargelegten Prinzipien ausgestaltet worden sind. In zweiter Linie die Prüfung der Frage, ob wir uns mit diesen Prinzipien auf dem richtigen Wege befinden. Ein weiterer Grund dieser Reise waren die Beschwerden, welche gegen die Einrichtung der Oelbaumspende erhoben worden waren, insbesondere die Prüfung der Frage, ob die Pflanzung der Oelbäume in zweckmäßiger Weise erfolge und hiefür nicht ungewöhnlich hohe Spesen erwachsen. Sie wissen, daß wir behufs Prüfung der in dieser Richtung hauptsächlich von Herrn Kann erhobenen Bedenken einen Sachverständigen nach Palästina geschickt haben und ein weiteres Gutachten von einer Autorität in Palästina anfertigen ließen. Da diese Gutachten, wie es vielfach bei Sachverständigen der Fall ist, sich in einem gewissen Widerspruch befanden, der auch durch das ausführliche Gutachten .unserer eigenen Beamten nicht aufgeklärt werden konnte, galt mein Besuch in Palästina insbesondere der Klarstellung auch dieser Frage durch Besprechung mit unserem palästinensischen Sachverständigen. Die Ergebnisse meiner Reise habe ich in einer ausführlichen Denkschrift niedergelegt, die den Mitgliedern des A. C. übermittelt worden ist. Ein Auszug, soweit derselbe für die größere Oeffentlichkeit bestimmt ist, wurde in mehreren Sprachen sämtlichen Vertrauensmännern des Nationalfonds übermittelt. Ich darf diese Tatsachen demnach als bekannt voraussetzen. An dieser Stelle möchte ich nur wiederholen, daß ich die Beobachtung gemacht habe, daß unsere palästinensischen Beamten mit grosser Gewissenhaftigkeit ihre Pflichten erfassen, daß die Einrichtung der Oelbaumpflanzungen in Benschemen und Hulda durch die wirtschaftlichen Erfahrungen bedingt war, die man in Palästina gesammelt hatte. Daraus hatte sich nämlich die Notwendigkeit ergeben, ein gemischtes Wirtschaftssystem einzuführen, bei welchem die Pflanzung von Oelbäumen und anderen Bäumen als ein Hauptzweck, aber nicht als die ausschließliche Arbeit der Verwaltung erschien. Wir sind ferner zur Ueberzeugung gelangt, daß die Beschränkung auf die Pflanzung von Oelbäumenweder durch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, noch durch den Charakter des Landes bedingt sei, daß es vielmehr angezeigt erscheint, die Bepflanzung des Landes mit verschiedenartigen Bäumen vorzunehmen, deren Pflanzung vielfach bedeutend geringere Kosten erfordert, und denselben wirtschaftlichen Erfolg gewährleistet. Wir haben daher beschlossen, die Baumspende in derselben Höhe, wie bisher, aufrecht zu erhalten, aber vom vorigen Jahre ab nicht ausschließlich zur Pflanzung von Oelbäumen, sondern von anderen Frucht- und Nutzbäumen zu verwenden. Die Kosten der Pflanzung eines Oelbaumes werden erst nach einiger Zeit endgültig festzustellen sein. Diese Kosten spielen aber keinerlei ausschlaggebende Rolle in dieser Frage, da die Rentabilität der Oelbäume auch bedeutend höhere Aufwendungen rechtfertigen kann, als wie sie ursprünglich für die Pflanzung der Oelbäume in Aussicht genommen waren. Bei meiner Reise in Palästina fiel mir der Notstand auf, der in hohem Grade durch die rasche Zuwanderung desyemenitischenArbeiterelements entstanden war. Diese Unglücklichsten unserer Stammesgenossen kamen in einem trostlosen Zustand in Palästine an, und es war für ein einigermaßen den Gesetzen der Hygiene entsprechendes Unterkommen in keiner Weise vorgesorgt. Da anderseits von allen Seiten die Eignung dieses Elements für landwirtschaftliche Beschäftigung bestätigt wurde, erschien es mir eine zwingende Aufgabe des Nationalfonds, die Errichtung von einigermaßen genügenden Wohnungen für diese Einwanderer zu ermöglichen. Das Direktorium des Nationalfonds hat demnach auf meinen Vorschlag diese Sache in die Hand genommen, für die zwei ersten Jahre einen Betrag von Frs. 100.000 zur Errichtung solcher Yemenitenhäuser zur Verfügung gestellt, und eine Sammlung für diesen Spezialzweck eingeleitet. Daß wir mit diesem Unternehmen einen richtigen Weg betreten haben, und daß sich der Nationalfonds eine große Sympathie durch seine kolonisatorische Arbeit auch in weiteren jüdischen Kreisen erworben hat, konnten wir bei dieser Gelegenheit feststellen. Insbesondere haben sich an diesem Werke Kultusgemeinden in Oesterreich und Italien beteiligt, ferner der Kolonisationsverein „Esra“ in Berlin und der jüdische Kolonisationsverein in Wien der sich mit 10.000 K beteiligt hat, B’nai B’rith Logen in hervorragender Weise in Oesterreich wie z. B. die Loge in Prag mit 6000 K und auch die Großloge für Deutschland. Bei einer so umfassenden Tätigkeit, wie sie der Nationalfonds entfaltet hat, konnte es nicht ausbleiben, daß auch die Kritik zu Worte kam. Ich darf wohl sagen, daß wir alle Aeußerungen der Kritik, soweit sie uns zu Ohren kamen, mit der größten Objektivität geprüft haben und bestrebt waren, wenn sich irgendwie ein berechtigter Kern in denselben zeigte, diesen Fragen nachzugehen. Ich muß aber sagen, daß ich nicht gefunden habe, daß der Nationalfonds Veranlassung hatte, von seinen wohlerwogenen Grundsätzen der Verwaltung abzugehen. Wenn man diese Kritik einer allgemeinen Prüfung unterzieht, so ist zunächst auffallend, daß dieselbe sich gewissermaßen gegenseitig aufhebt. Herr Kann warnt vor einer weiteren Beteiligung des Nationalfonds an allen palästinensischen landwirtschaftlichen Unternehmungen und möchte denselben, wenn irgend möglich, auf die Kreditgewährung an die A. P. C. beschränken. Die Poale Zion hingegen und vor allem Herr K a p 1 a n s k y, ich bedauere, daß er bei dieser Auseinandersetzung nicht zugegen ist, verlangen, daß alle Kapitalien in landwirtschaftlichen Unternehmungen anzulegen seien. Ein palästinensischer Schriftsteller warnt wiederum davor, das Schwergewicht auf die Heranbildung und Förderung des Arbeiterelements zu legen, wogegen die Poale Zion diese Forderung auf das

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