Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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1300 DIE3§KLT Nr. 38 für ein Kolonisationswerk unschätzbarer Vorteil wenn die Privatinitiative dazu kommt, aus Gründen wirtschaftlicher Ersparnis. Die jüdische Arbeiterfrage muß zu einer nationalen werden, wie die hebräische Sprachfrage. Allmählich müssen wir allen unseren Kolonisten zu verstehen geben, daß nicht wirtschaftliche Gründe allein in Palästina maßgebend sein müssen, sondern vor allem nationale. Alles Geld der Bewegung würde nicht ausreichend sein, all die Aufgaben zu erfüllen, wenn nicht die Privatinitiative sie begleitete. Und es muß eine Aufgabe der Behörde sein, einen Ausgleich zu schaffen. Die Kritik, die wir eben gehört haben, akzeptiere ich. Wir können miteinander reden und die Prinzipien erörtern. Aber wenn wir eine Kritik hören, wie die des Herrn Kann, der heute sogar gesagt hat: Man sei nach Palästina gegangen, und man tue dort nur deshalb etwas, weil man die jüdischen Massen befriedigen wollte, ohne inneres Bedürfnis, so glaube ich, eine solche Anschauung bedeutet eine solche Verkennung des Wertes dieser Arbeit, daß ich mich frage, ob Herr Kann überhaupt noch zu belehren sein werde. Daß die jüdischen Massen drängen, daß sie unzufrieden sind mit dem Maß unserer Arbeit, das ist eben der Beweis ihrer Notwendigkeit. Herr Kann sagte, ihm seien englische Konsols lieber als Aktien des P. L. D. C. Ich bin nicht der Meinung. Hier gilt nicht der Wert einer Aktie, sondern nur das, was sie leisten kann, und ich bin der Meinung, daß sie wichtiges geleistet hat und noch Wichtiges leisten wird. Und möge man die Aktien zu Null abschreiben, so wird eine solche Aktie in der zionistischen Bilanz einen stärkeren Aktivenstand bedeuten, als Konsols. Herr Kann sagte weiter: Als Schriftsteller wolle er Doktor Puppin keine Konkurrenz machen; aber als Geschäftsmann halte er sich für so gut, wie ihn. Wenn es sich um eine geschäftliche Tätigkeit im Haag handelt, wäre ich überzeugt, daß Herr Kann ebenso tüchtig wäre, wie Herr Dr. Puppin, vielleicht noch besser an seinem Platze, aber für Palästina leugne ich es entschieden, daß Herr Kann sich als Kaufmann in eine Parallele mi» Herrn Dr. Puppin stellen kann. Herr Kann hat keine Ahnung, was ein Pionier in Palästina auch als Geschäftsmann tun muß, und er hat einen ganz interessanten Beweis geliefert dafür in dem Berichte, den er hier verteilen ließ. Auf Seite fünf schreibt ert „Wären heute unsere Mittel intakt, das heißt noch nicht angegriffen, dann würden die Zinsen genügen, um tüchtige europäische oder amerikanische Lehrer hinüberkommen zu lassen, um die Kolonisten in den neuesten Methoden zu unterrichten.“ Das ist die Kolonisationsarbeit des Herrn Kann. Er sammelt Gelder als Nationalfonds und schickt für die Zinsen Lehrer nach Palästina. Wen sollen sie lehren? «Anstatt Selbstwirtschaften einzurichten,* sagt Herr Kann weiter, . die nur Verlust bringen, sollte der Nationalfonds die Privatinitiative unterstützen, die A. P. C.‘. Darin verrät er ein vollkommenes Verkennen des jüdischen Arbeiters in Palästina. Herr Kann hat heute noch einmal formuliert, was er als Aufgabe der zionistischen Bewegung betrachte. Opfer soll sie bringen an Schulen und Institutionen. Aber wenn unsere Bewegung sich mit derartigen Aufgaben begnügen würde, wie weit wären wir und wie weit könnten wir erwarten zu kommen? Es gibt für das Verhalten des Herrn Kann nur eine Erklärung: Er ist beruhigter, als wir es sind, über das Schicksal Paläsiinas. Er ist der Meinung, in 50 Jahren stünden wir noch so weit wie heute und wir können die nächsten 50 Jahre dazu benützen, schön ruhig Wirtschaften einzurichten, die uns Freude machen und nach 50 Jahren würden wir allmählich in einem ganz langsamen Tempo drüben eine kleine Position zur anderen schlagen. Das ist der Fehler. Wir glauben, daß uns das Blut unter den Nägeln brennt. Wir fürchten jeden Tag, etwas zu verlieren und deshalb, ich sage es klar heraus, müssen wir riskieren. (Beifall und Händeklatschen.) Wir müssen den letzten Groschen opfern und müssen überzeugt sein, daß unsere Idee so sehr Wurzel gefaßt hat und unsere Arbeit so sehr neue Wurzel schlägt, daß wenn die Fehler eintreten, uns auch nocti größere Opier zugemutet werden dürfen. Ich erinnere an das Schicksal eines der größten Industriellen der Welt, an Krupp. Der alte Krupp baute und baute und entwickelte sein Geschäft immer mehr. Immer energischer und wagemutiger wurde seine Arbeit und es kam der Moment, wo er vis-ä-vis de rien stand; wäre er nun wie Herr Kann gewesen, er hätte sich eingeschränkt und wäre ein mittlerer Kaufmann geworden, aber er tat es nicht. Seine Phantasie trieb ihn fort, wie uns die nationale Not treibt und, da er sein Werk geschaffen hatte und davor stand, entweder jetzt fremde Gelder zu nehmen oder sein Lebenswerk vernichtet zu sehen, war es selbtverständlich, daß man einem Mann von dieser Tatkraft die Mittel zur weiteren Entwicklung zur Verfügung stellte. Der Erfolg war, daß sein Wagemut und seine Energie ein Welthaus zustande brachte. Wir dürfen noch wagemutiger sein und dürfen nicht nach kaufmännischen Gesichtspunkten verfahren. Ich glaube, daß niemand, der dem N. F. Spenden zuweist, auch besorgt ist, ob die Gelder derart angelegt werden, daß sie in der nächsten Bilanz des N. F. als Aktivum erscheinen. Ich glaube, daß alle nur von dem einem Wunsche beseelt sind, daß sie ein nationales Aktivum bilden mögen. Das Allerunverständlichste aber ist die Kritik des Herrn Kann bezüglich der Yeneniteneinwanderung. Wir wissen wie schwer die jüdische Arbeiterfrage in Palästina ist Dr. Puppin hat die Notwendigkeit, hier Remedur zu schaffen erkannt und hat seinen Sendboten nach den Jemen geschickt Herr Kann hat gesagt vielleicht kommen zu viele vielleicht sind die Opfer zu groß, lassen wir die Sache gehen, wir können sie nicht überschauen. Das wäre die Psychologie des Herrn Kann, und das andere war die Psychologie des Herrn Dr. Puppin. Die Kritik der P. L. D. C aber ist das Schädlichste, was sich denken läßt. (Sehr richtig!) Kann ist daran schuld, er und seine Freunde, daß diese Gesellschaft sich heute noch nicht so entwickeln konnte, wie sie sich entwickeln muß. (Sehr richtig!) Ich will nicht leugnen, daß es der P. L. D. C. ging, wie es anderen unserer Unternehmungen drüben gehen muß, daß sie Erfahrungen sammelt daß sie Fehler machen und daß sie Geld verlieren wird. Wir haben vorhin von Herrn Goldberg gehört, und ich stimme vollkommen mit ihm überein, daß für die Anregung der Privatinitiative kein Institut wichtiger ist als dieses. Die P. L. D. C. muß ausgebaut werden, und ich persönlich stehe auf dem Standpunkte, daß auch der N. F. dazu mit seinen Kräften beitragen muß. Man versteht das nicht man hört lyrische Töne über die Groschen des jüdischen Volkes, die geschützt werden sollen. Der kleine Mann, der diese Groschen gibt denkt anders. Schaffen Sie der P. L. D. C. das Kapital, das nötig ist, damit sie in großem Maßstabe arbeiten kann, schaffen Sie ihr den Kredit und das Ansehen nach außen, dessen sie bedarf, und dann kritisieren Sie, wenn sie dann nicht nach ihren Mitteln arbeitet. Aber das Werk der Palästinabesiedelung in diesem Momente in seinem Lebensnerv anzugreifen, zeugt von einem außerordentlichen Mangel an geschäftlichem und an nationalem Weitblick. Ich glaube, daß Herr Kann die Art der Kritik, wie er sie bisher geübt hat einstellen muß. Ich glaube, daß Herr Kann sich erst mit den Bedürfnissen unserer Arbeit vertraut machen muß, ehe er kritisiert, dann wird seine Kritik willkommen. Diese Kritik wird dann nicht darauf hinausgehen, man soll nichts tun. Dann wird die P. L. D. C. zur geschäftlichen Tüchtigkeit gebracht werden können. Herr Kann wird seine Verwaltungsfähigkeit uns zur Verfügung stellen, und wir werden uns seiner freuen, weil wir wohl wissen, daß er der Sache ergeben ist. Er kann sich nicht jetzt in den Weg stellen mit Warnungen. Das ganze Volk drängt zur Palästinaarbeit er kann das Drängen nicht aufhalten, er kann nur wichtige Momente der Arbeit stören und er kann für die Mitarbeit wichtige Kräfte stutzig machen, nationale Kräfte wohl nicht, aber andere jüdische Kräfte, die nicht gleich uns durchdrungen sind von der Notwendigkeit der Arbeit, und die deshalb kühler empfinden als wir. Herr Kann sollte überlegen, ob es wichtiger ist, daß in Palästina langsam Stein auf Stein gelegt wird in einem Umfang, wie wir ihn von vomeherein übersehen können, oder ob es wichtiger ist, daß wir in Palästina uns ausbreiten mit der ganzen Wucht der Notwendigkeit und daß wir uns ausbreiten in der Erkenntnis, daß alle Positionen, die wir schaffen, neue Impulse in der Diaspora geben, neue Kräfte für Palästina, neue Gelder freimachen, neue Gelder für den N. F.