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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Kr. 38 1299 dibbelt len Erfolg der genossenschaftlichen Kolonisation zu beurteilen. Das wäre absurd. Wir haben in Mercliawia noch keine wirkliche Genossenschaft, sondern erst einen großen Betrieb, der die Arbeiter zur Genossenschaft erziehen soll. Zweitens sind wir noch hauptsächlich im Okkupationsstadium. Wir haben dort einen Boden in Arbeit genommen, der seit Jahren nicht gedüngt worden ist. Wir sind also erst im Vorbereitungsstadium. Deshalb würden wir wünschen, daß, falls die Mittel des Genossenschaftsfonds es gestatten, man den Versuch einer genossenschaftlichen Kolonie, nach welchem System immer, an einem anderen Orte in Palästina in Angriff nimmt, weil der Versuch in Merchawia von vielen äußeren Umständen abhängig ist. Nun aber gibt es Genossenschaften in Palästina, die in diesem Stadium nicht minder wichtig sind wie die Siedlungsgenossenschaft, die sogenannten Okkupationsgenossenschaften. Ich habe bereits erwähnt, daß sogar die Privatgesellschaften, wenn sie neuen Boden in Angriff nehmen wollen, Arbeitsgenossenschaften aus qualifizierten Arbeitern verwenden, um den Boden zu bearbeiten. Es herrscht aber ein großer Mißstand, denn häufig fehlt es den Gesellschaften an Betriebsfonds für die Genossenschaften. Deshalb unterbreiten wir dem Zionistenkongreß den Antrag, der Genossenschaftsfonds möge durch einen Betriebsfonds für Okkupationsgenossenschaften ergänzt werden. Der N. F. wird dann die Möglichkeit haben, seinen Boden wirklich zu kaufen und zu bearbeiten. Er wird nicht nötig haben, sein Geld zeitweilig zu verwalten Im vorigen Jahre habe ich bei der Jahreskonferenz vom Nationaifonds eine direkte Aktion für Bodenkäufe in Palästina verlangt. Man sagte mir damals, es bestehe keine Möglichkeit, Boden zu kaufen. Wer die Verhältnisse in Palästina kennt, weiß, daß der N. F., wenn er jetzt 10 oder 20 Millionen hätte, Boden genug kaufen könnte. Aber er kann den Boden nicht kaufen, wenn er ihn nicht bearbeiten kann. Deshalb ist er daran interessiert, das Genossenschaftsprinzip in Palästina zum Durchbruch zu bringen. Pächter hat der N. F. auch nicht. Diese werden erst aus dem Arbeiterstande hervorgehen. Mit Hilfe des Betriebsfonds werden die Okkupationsgenossenschaften das Inventar und ein großes Stück Land erwerben. Wir sind nicht gegen die Agrarbank, obwohl wir stets geglaubt haben, daß sie vor allem der vielgerühmten Privatinitiative zu Gute kommen wird aber gerade wir Sozialisten sind nicht so dogmatisch, um die Privatinitiative ganz ausschalten zu wollen, wir sehen übrigens kein Mittel, sie auszuschalten. Wir gönnen den Privatunternehmern in Palästina die Hilfe der Agrarbank, was wir aber verlangen, ist, daß in den Statuten der Bank die Möglichkeit vorgesehen wird, auch Arbeitergenossenschaften Kredit zu gewähren. Ich habe hier bloß über die Agrarkolonisation gesprochen, weil dies das wichtigste und schwierigste Problem in unserem Siedlungswerke ist. Wir denken uns Palästina als ein Land, das vom jüdischen Volke bearbeitet wird, von freien jüdischen Bauern oder freien jüdischen Arbeitergenossenschaften, und darum denken wir auch, daß das jüdische Volk, indem es sein Problem der Rückkehr zur Mutter Erde löst, zugleich dazu beitragen wird, die arbeitende Menschheit vor den Qualen des Grundmonopols zu befreien. (Stürmischer Beifall? Israel Schochat (hebräisch): Ich vermisse bei allen Rednern, die diese Tribüne bisher betreten haben, das einzig nützliche, einzig notwendige und einzig nottuende Wort: „Geulath-Hoarez*. Es scheint, daß dies ein bereits von allen anerkanntes Prinzip sei; aber getan wird dafür nichts. In den letzten Jahren hat man jährlich höchstens zehntausend Dunam Boden erworben; wenn man in diesem Tempo Weiterarbeiten wird, bekommen wir das Land nach einigen Jahrhunderten! Was werden uns all die Schulen helfen, die wir dort gründen, wenn der Boden nicht unser sein wird? Deshalb sage ich auch, daß ein jeder Redner, der diese Tribüne betritt und über welchen Gegenstand immer er zu reden hat, zu allererst an Geulath-Hoarz erinnern soll. Es soll ein ständiger Mahnruf für uns alle werden. Wie man diese Hauptforderung Palästinas in Erfüllung bringen soll, darüber werde ich der Kommission meine Vorschläge machen. Was ich hier sagen will, ist dies: Herr Kann hat dem Palästinaamt für die zugunsten der Jemeniten unternommene Aktion einen Vorwurf gemacht; wir machen ihn. im Gegenteil den Vorwurf, daß er diese Aktion unter Druck von außen eingestellt hat. Denn es ist für uns ein Gebot der allerwichtigster Notwendigkeit, daß wir mehr arbeitsfähige Bevölkerung für das Land heranziehen. Redner befürwortet besonders eine Erziehungsarbeit unter den arabisch sprechenden Juden. Wir müssen es wünschen, daß bei jedem größeren Länderkauf, sei es seitens Institutionen oder seitens Privatleuten, auch unser Nationalfonds beteiligt sein soll, damit er um die neue Siedlung ein Arbeiterdorf gründe, das die neue Siedlung umzingle und vor dem Eindringen fremder Arbeit schütze. Es genügt ja nicht, Ländereien einzukaufen; sie müssen erst mit jüdischen Händen bearbeitet und von Juden gehütet werden. Abraham Goldberg (spricht jüdisch): Die alte Leitung kann sich es als Ehre anrechnen, einen Mann, wie Dr. Ruppin gefunden zu haben. Ich bin überzeugt, daß das System überhaupt nicht bestritten werden kann, weil auch Kann, der gegen Dr. Ruppin aufgetreten, nicht von dem System gesprochen, sondern sich nur mit der Frage befaßt hat, ob er das System ausgeführt hat oder nicht. Die Kritiker haben nicht erklärt, daß sie gegen praktische Arbeit sind, im Gegenteil. Alle Redner haben erklärt, daß sie für die praktische Arbeit sind. Wir sollen vorsichtig mit dem Gelde Vorgehen und es ist meiner Meinung nach ganz gut, daß wir solche Warner in unserer Partei haben. Wenn Herr Jakobus Kann hie und da etwas auszusetzen hat, darf man ihn nicht deswegen als Feind betrachten, vielleicht ist in seiner Warnung etwas Richtiges. Die amerikanische Delegation ist der Anschauung, daß alles gut geleitet wurde. Wir haben eine Leitung, die der radikalen Ansicht huldigt und vieles leisten will Anderseits ist es gut, daß wir einen Aufsichtsrat haben, welcher kühler denkt und uns auch auf die Fehler aufmerksam macht. Julius Simon: Wir haben es jetzt endlich erkannt in der ganzen Organisation, daß die praktische Arbeit in Palästina das Rückgrat der Bewegung bildet, daß ohne sie keine Entwicklung der Organisation weder in bezug auf politische noch in bezug auf organisatorische, noch propagandistische Art möglich ist. Angesichts der Bedeutung dieser Arbeit muß jede Kritik, die an einzelnen Punkten der Arbeit Ausstellungen zu machen hat, dankbar begrüßt werden. Aber wir wissen, daß es zweierlei Arten von Kritik gibt: solche, die fördern will, solche, die einzelne Mißstände in Zukunft abgestellt wissen will, und solche Kritik auf der anderen Seite, die — ohne daß es die Kritiker wollen — zur ganzen Vernichtung der Arbeit führen muß. Die eine Kategorie dieser Kritik haben wir heute vertreten gesehen durch Tolkovsky, Ahronowitsch, Schochat, Kaplansky. Sie haben alle gewisse Ausstellungen zu machen gehabt, aber sie haben das Prinzip der Arbeit auf das energischte bejaht. Die schädliche, ja die vernichtende Kritik, die wir gehört haben, war einzig und allein die des Herrn Kann. Und darin liegt die Gefahr seiner Kritik. Ich werde Herrn Tolkovski auf die Einzelheiten seiner Ausstellungen nicht folgen. Es sind die Ausstellungen eines Fachmannes und ich bin überzeugt, daß unsere Vertreter diesen Teil seiner Kritik mit der Achtung und Aufmerksamkeit aufnehmen, die sie verdienen. Wir haben eben ein schweres Kolonisationswerk mit unvorbereiteten Kräften begonnen. Diese Kräfte können nur durch die Erfahrung im Lande allmählich für unsere nationalen Zwecke ausgebildet werden. Ebenso werde ich im einzelnen aui die Ausführungen der Herren der Poale Zion nicht eingehen. Ich sympathisiere persönlich mit ihren Grundgedanken, und ich kann da zu meiner Freude konstatieren, daß sie auch Widerhall finden an einer viel wichtigeren Stelle, in der Verwaltung des Nationalfonds. Wir haben von Herrn Dr. Bodenheimer gehört, daß sich die Leitung des Nationalfonds der ausschlaggebenden Bedeutung der Landarbeiterfrage bewußt ist. Ich wünsche ebenfalls, daß dieser Landarbeiterfrage, soweit es unsere Mittel gestatten, immer mehr Bedeutsamkeit zuerkannt werde. Aber so weit dürfen wir nicht gehen, daß wir, wie es Kaplanski gesagt hat, einfach zur Vernichtung jeder Privatinitiative kommen. Sie hängen auch in der Luf ohne diese Privatinitiative. Sie können nicht Palästina aufbauen, als ob wir jetzt am Anfänge der Welt wären, und als ob alle kapitalistische Entwicklung von Jahrtausenden nicht mehr da wäre. Der Zionismus muß alle Anschauungen, nicht nur die politischer, religiöser, sondern auch sozialer Art dulden. Es ist ein

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