Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 LT 1301 bringen, daß wir, je mehr wir arbeiten, je mehr wir investieren, umsomehr besitzen werden. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Ehrlich r Es ist bei mir von verschiedenen Seiten angefragt worden, in welcher Weise die heutige Tagesordnung abgewickelt werden wird. Wir haben im Präsidium folgendes beschlossen: Da die Debatte nunmehr geschlossen ist, kommen die beiden Berichterstatter zu Wort, dann wird über die Anträge abgestimmt. Hierauf wird eine einstündige Pause gemacht werden. In der Nachtsitzung kommen die Referate über Kulturfond „Kedem*, die Universität und das Referat des Herrn Ussischkin an die Reihe. Das Wort hat nunmehr Herr Dr. Bodenheimer als Berichterstatter. Dr. Bodenheimer: (Lebhafter Beifall.) Ich will mit einer kleinen Mitteilung beginnen: Wir haben bekanntlich einen Wettbewerb veranstaltet um die letzte und erste Eintragung ins goldene Buch des jüdischen N. F. Ich möchte Ihnen über das Resultat dieses Wettbewerbes berichten. Wir haben heute morgens die Auslosung unter 29 Bewerbern in Anwesenheit einwandfreier Zeugen vorgenommen. Das Los hat unser ältester Gönner gezogen, der Spender der 100.000-K-Spende, Baruch Kahame (Beifall). Das Los, das über die letzte Eintragung des Goldenen Buches entscheidet, trifft die Nr. 22, die auf den Namen Esther bath Araham Kratzer und Jeruchom ben Jitzchok Kaplan, Bobruisk lautet. Dann wurde das Los gezogen, welches das Recht auf die erste Eintragung des neuen Buches gewährt. Dieses Los fiel auf die Nr. 11, d. i. Herr Juda Bomstein in Debica. Das Gesamtergebnis der Ziehung beläuft sich auf Mk. 6000. Es ist an der Art Kritik geübt worden, in der wir die Placierung der letzten und der ersten Eintragung vorgenommen haben. Sie sehen aus dem Resultate, daß für den N. F. ein gewichtiger Nutzen daraus erwachsen ist und wir sind der Ansicht, daß in der Art, wie wir vorgegangen sind, jedes persönliche Moment ausgeschaltet werden sollte, und daß ein freier Wettbewerb aller derer, die Wert darauf legen, daß sie in das goldene Buch eingetragen werden, in gleichem Maße und in gleicher Weise durchgeführt worden ist. Nun möchte ich auf die Ausführungen der Redner, die hier gehört wurden, ganz kurz eingehen. Es ist gesagt worden, daß man über die guten Frauen nicht viel redet Wenn dieses Sprichwort gilt, dann glaube ich, daß der N. F. nicht zu den schlechten Frauen gehört An dem N. F. selbst und seiner Verwaltung ist hier verhältnismäßig wenig Kritik geübt worden. Die Hauptkritik traf leider den Leiter des Palästina-Amtes, Herrn Dr. Ruppin. Nun kennt jeder das nahe Verhältnis, in dem das Palästina-Amt zum Jüdischen N. F. steht und ich meine, wenn über diese Frau mehr geredet wird, als über den N. F. selbst, so habe ich wohl die Pflicht diese Frau ein bißchen zu verteidigen und ihren guten Ruf zu schützen. Da habe ich mich nun zunächst mit Herrn Kann zu beschäftigen. Ich habe in diesem Kampfe soviel Verteidiger hier gefunden, daß es kaum nötig ist daß ich darauf noch im einzelnen eingehe. Es wird allerdings nötig sein, doch einen oder zwei Punkte hier klarzustellen. Herr Kann hat gesagt daß seine Zahlen, die richtig seien, nicht bestritten werden können. Ich will, Herr Kann, auf die einzelnen Zahlen hier nicht eingehen. Es ist aber ein großer Unterschied, ob man bestimmte Zahlen angibt oder ob man Folgerungen aus diesen zieht. Ich bin der Auffassung, daß Sie in Ihrer Kritik gegen den N. F. aus diesen Zahlen nicht ganz richtige Schlüsse gezogen haben. Um nur eines zu betonen! Herr Kann sagte, nachdem er die Zahlen angegeben und die Unternehmungen erwähnt hatte, an denen der N. F. sich beteiligt hat: .Und nun sehen wir, daß der N. F. jetzt fertig ist!“ Wenn Herr Kann nicht ein so überaus gewissenhafter Zionist wäre, ein Mann, den ich seit Beginn der zionistischen Bewegung als einen überaus ernsten, klugen und kühlen Kopf kenne, da müßte ich sagen, diese Bemerkung ist vielleicht ein bißchen gar zu leichtfertig. Ich gebrauche zwar einen solchen Ausdruck nicht gerne, aber ich fürchte, daß durch solche Aussprüche unendlicher Schaden angerichtet werden könnte. Wie verhält es sich damit in Wirklichkeit? Sehen Sie sich unsere Aufstellung an. Ich appelliere an Herrn Kann als Geschäftsmann und Bankier und frage ihn, ob er bei solchen Zahlen davon reden kann, daß der N. F. fertig sei. Wir haben an Wertpapieren, und zwar an Konsuls und anderen mündelsicheren Papieren einen Effektenbestand von über 900.000 Mark in der Bank liegen, über den wir jederzeit verfügen können. Wir haben weiters in landwirtschaftlichen Unternehmungen investiert einen Betrag von etwa ll/2 Millionen. Bei diesen Unternehmungen haftet uns für alles, was wir hineingesteckt haben der Grund und Boden. Wir haben auf denselben nicht einen Pfennig Schulden. Die Unternehmungen sind vollkommen schuldenfrei. Unser ganzer palästinensischer Besitz ist ohne jedehypothekarische Belastung. Sodann haben wirin Palästina widerum ungefähr l1/» Millionen investiert. Der größere Teil dieser Investitionen ist ein Kredit, den wir der A. P. C. gewährt haben für die Förderung des Häuserbaues und für die Förderung der kooperativen Genossenschaft in Palästina und nun frage ich Herrn Kann, der uns doch erklärt, und ich glaube es ihm, daß die A. P. C. eine überaus gute und sichere Bank ist, der man vertrauen kann, wenn wir dieser Bank einen solchen Betrag anvertrauen, ist er vielleicht gefährdet? Wir haben ferner einen Betrag von 200.000 Mark, und das ist glaube ich der strittige Punkt, auf den Kann das Hauptgewicht legt, der P. L. D. C. kreditiert. Dieser ganze Betrag, den wir hingegeben haben, ist durch die Erwerbungen gesichert, die die P. L. D. C. in Palästina gemacht hat. Der ganze Besitz der P. L. D. C. haftet uns für die Kreditgewähr. Ich glaube nicht, daß man unter solchen Umständen von einem unvorsichtigen Vorgehen des jüdischen N. F. reden kann. Darf man von einer Gesellschaft, die keinen Pfennig Schulden hat und einen schuldenfreien Besitz von über U/» Millionen Wert, die 1 Million mündelsichere Effekten im Schrank hat, sagen, sie ist fertig? Dafür liegt nicht die geringste Veranlassung vor (Beifall). Herr Kann bemängelt nun, daß wir die Aktien der P. L. D. C. zum Parikurs aufgeführt haben. Ich will kein Urteil über den Wert der Aktien der P. L. D. C. abgeben, denn, obwohl sie jeden Tag noch zu Parikurs verkauft und gekauft werden, weiß doch Herr Kann ganz genau, wie dieser Posten von P. L. D. C.-Aktien in unseren Besitz gekommen ist. Es ist doch der Gegenwert für unsern Grund und Boden, den wir der P. L. D. C. in Erbpacht gegeben haben, für Kinereth und Dagania, und Kann weiß ganz genau, daß wir einen Vertrag geschlossen haben, wonach es uns in jedem Augenblick freisteht, unsern Grund und Boden zurückzunehmen. Ich glaube, ein Boden, auf dem durch drei Jahre hindurch landwirtschaftlich gearbeitet worden ist, kann doch unmöglich in der Zwischenzeit weniger wert geworden sein. Es liegt in unserer Hand, diesen Vertrag mit der P. L. D. C. jeden Augenblick zu lösen, so daß kein Zweifel bestehen kann, daß wir vollauf berechtigt sind, diese Aktien zum Parikurs in unsere Bilanz aufzunehmen. Damit halte ich die Einwendungen des Herrn Kann für erledigt. Jetzt komme ich zu Herrn Tolkowsky. Er hat in einem Punkt recht gehabt, und zwar betrifft dies den Zustand des Herzlhauses. Ich habe mich selbst bei meinem Aufenthalt in Palästina überzeugt, daß dieser Zustand kein würdiger ist. Wir haben uns unter einem Gebäude, das den Namen Herzl trägt, in dem Walde, den wir dort zu seinem Andenken pflanzen wollen, etwas Idealeres vorgestellt, als eine einfache Arbeiterbaracke, in der Arbeiter wohnen. Doch hat mir Dr. Ruppin erklärt, die pure Notwendigkeit habe ihn dazu gezwungen, denn wir haben kein Gebäude, in dem wir die Arbeiter unterbringen können. Geben Sie uns 10.000 Frs. für die Errichtung von Arbeiterhäusern und wir schaffen aus dem Bau, das was er sein soll, ein Herzlhaus, in dem wir später ein Herzlmuseum unterbringen können. Der Nationalfonds ist nicht fertig, aber er war genötigt manche Investitionen dringendster Natur vorzunehmen, so daß wir uns in der Bewilligung von Mitteln für Arbeiterhäuser einigermaßen Schranken auferlegen müssen. Ich hoffe, daß diese Periode jetzt überwunden ist, daß wir in aller Kürze das Herzlhaus in einen des Namens Herzl würdigen Zustand versetzen können. In allen anderen Punkten habe ich nichts gefunden, was Herrn Tolkowsky zu seinen Angriffen berechtigen könnte. Ich habe selbst in meinem Referate betont, daß wir zu einer gemischten Wirtschaft übergehen mußten, und daß wir zur Ueberzeugung gekommen sind, daß die Pflege des Oelbaumes allein und die Pflanzung von Oelbaumwäldem nicht unsere einzige Aufgabe zur Aufforstung und Verschönerung des Waldes sei. Wenn also Herr Tolkowsky nachträglich dasselbe sagt, so hat er rrich das