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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 38 LT 1297 wie für jeden von Ihnen und das hat mir auch die Kraft gegeben. Ländern, Holland und Frankreich, wo doch die Fahnenträger der so lange Stand zu halten. politischen Richtung zu Hause sind, dazu getan? Eine Aktie von Vizepräsident Dr.Ehrlich erteilt Herrn Goldberg das Wort 25 Kronen ist verkauft worden. (Rufe: Was hat Rußland verkauft?)' B. Goldberg: Ich habe mich zu Worte gemeldet, um Man spricht hier sehr viel von Parteipolitik. Nach den vorliegenden Antrag auf Billigung der Prinzipien der Tätigkeit des Palästinaden Ziffern ist die Palästinapolitik leider eine Parteisache der Amtes in entschiedenster Weise zu unterstützen. Vor allem muß russischen Zionisten geworden. Die Ziffern, die mir aus Palästina ich auf einige eben von Herrn Kann gehörte Worte eingehen. zugekommen sind, lauten folgendermaßen : In den letzten zwei Sein erster Vorwurf bestand darin, daß man ihm auf Tatsachen Jahren ist durch das Palästinaamt im Betrage von 901.000 Fr. mit Philosophie geantwortet habe. Alle hier Anwesenden haben ganz klar gehört, wie Dr. Ruppin Punkt für Punkt der Vorwürfe des Herrn Kann besprochen und, wie mir scheint, in genügender Weise widerlegt hat. Ich glaube, hier ist auch nicht der Ort, um genau zu untersuchen, ob man vom Nationalfonds 74% oder 751l2(llo in Palästina investiert hat. Ich weiß nur, daß der Nationalfonds uns teuer und heilig geworden ist, seit er in Palästina in energischer Weise arbeitet. (Lebhafter Beifall.) Herr Kann schlägt uns vor, daß wir an die Seite des Herrn Dr. Ruppin einen Geschäftsmann setzen sollen. Mir scheint aber, die Organisation hat das schon längst getan. Die A. P. C. ist der Geschäftsmann, der Hand in Hand mit Dr. Ruppin arbeiten soll. (Ruf: Sollte!) Hier ist verschiedene Male gesagt worden, die Palästinaarbeit sei künstlich und überstürzt. Weder das eine noch das andere ist richtig. Im Gegenteil, künstlich ist die Zurückhaltung des .größten Teiles derjenigen, die nach Palästina gehen wollen, von Palästina. Seit einigen Jahren leite ich die Palästinaabteilung der russischen Zionisten. Es gibt kaum eine größere Beklemmnis des Herzens, als wenn man von den Leuten, die sich in Palästina niederlassen wollen, 95% oder mehr abweisen muß. Sie wissen wohl, daß wir zum ersten Mal ein Objekt, das sich für systematische Parzellierung eignet, in die Hand bekommen haben, Merenawia, und wir parzellieren seit zwei Jahren eine Fläche Boden von 4600 Dunams, das ist im ganzen 600 Hektar. Wir könnten aber jahraus, jahrein, Merchawia parzellieren. Leider ist wegen des Mangels an Mitteln unsere Parzellierungsinstitution, die P. L. D. C, nicht imstande, einigermaßen normale Bedingungen zu stellen. Ich habe ganze Dutzende von Parzellierungs-Aufträgen nach Jaffa geschickt und hören Sie, unter welchen Bedingungen: Eine Hälfte sofort bar, die andere in drei bis vier Jahren abzuzahlen. Und auch diese Bedingungen konnte die P. L. D. C. nicht akzeptieren, auf alle Anfragen lautete die Antwort: Unmöglich. Das beweist uns, daß die Bedingungen, die wir den Leuten, die sich in Palästina niederlassen wollen, stellen, unmögliche sind, und deshalb ist der Erfolg unserer Palästinaarbeit ungemein gering. Wir erleben in Rußland die seltene Erscheinung, daß gerade denjenigen Schichten, die am meisten auf dem Lande wurzeln, das sind die Landwirte, Kolonisten, Pächter, Leute, die auf dem Lande und in Dörfern wohnen, die Existenzgrundlage untergraben wird und der größte Teil dieser Schichten ist auf Emigration gestimmt Wir haben in den letzten Jahren und ganz besonders in den letzten Monaten ungemein viele Vorschläge erhalten, von Kolonisten aus Jekaterinoslav, aus Lithauen, aus Polen, aus allen Provinzen, von Leuten, die auf dem Lande geboren sind und auch die Landwirtschaft kennen, die nach Palästina gehen wollen und auch die Mittel dazu haben. Diese wertvollen Elemente haben wir aber nicht ausnützen können, weil wir leider so unvorbereitet sind. Wer ist daran Schuld? Ich glaube, daß der größte Teil dieser Schuld auf die Leiter unserer Finanzinstitute fällt. Sie haben es ganz vergessen, daß die Finanzinstitute in erster Reihe von uns geschaffen worden sind, um Instrumente der zionistischen Bewegung zu sein, um die Möglichkeit der jüdischen Ansiedlung in Palästina zu erleichtern. Wir sind, scheint mir, alle verpflichtet, dem Palästinaamte die höchste Anerkennung zu zollen, weil es unter solch schwierigen Verhältnissen doch ermöglicht hat, in der letzten Kongreßperiode zehn neue Positionen in Palästina zu schaffen. Die Leiter unserer Finanzinstitute gehören fast sämtlich der sogenannten politischen Richtung an und diese Seite ist doch in erster Reihe verpflichtet, einen Beschluß des Kongresses zu würdigen und auszuführen. Auf dem vorigen Kongreß wurde in feierlichster Weise ein Beschluß gefaßt, alle Mittel anzuwenden, um das Kapital der P. L.D.C. zu vervollständigen. Und was haben die Herren in den zwei Boden verkauft worden. Davon kommen auf die Zionisten aus Rußland 823 000 Fr. (Hört! Hört! Beifall), d. h. 82%. So groß ist sonst unser Anteil an der zionistischen Bewegung nicht. Im Schekel, im Nationalfonds erreichen wir höchstens 30% und in den wichtigsten Teile, auf dem Gebiete der Palästinaarbeit, im Bodenerwerb, erreichen wir 82%. Städtischer Boden ist verkauft worden für 580.000 Fr., davon an die russischen Zionisten 318.000 oder 55%. Im neuen Viertel Tel Awiw ist im ganzen für 350.000 Fr. Boden erworben worden, davon kommt auf die anderen Länder 22.000 Fr. oder 6%, 70% auf die Zionisten Rußlands, der Rest auf Palästina. Auch in den anderen wichtigen Unternehmungen der Palästinaarbeit, „Aguth Israel* entfällt auf die russischen Zionisten 87%. An der neuen wichtigen Unternehmung, der Bewässerungsgesellschaft in Palästina, beträgt unser Anteil 78%. Sie sehen, die Palästinaarbeit ist eine Parteiarbeit der russischen Zionisten geworden. Das ist ein unmöglicher Zustand. Wenn wir größere Erfolge haben sollen, müssen alle Föderationen daran teilnehmen und zwar wenn es möglich ist in großem Maße. Hier ist sehr viel von Privatinitiative und von Bedingungen gesprochen worden. Wenn wir aber in Palästina der Privatinitiative freie Hand ließen, könnte dies die verhängnißvollsten Folgen haben. Wenn einzelne oder Gruppen von Leuten in Palästina Boden erwerben wollen, so können wir nicht den Leuten sagen: Gehen sie kaufen wo, wie und zu welchen Preise sie wollen: im Gegenteil, wir müssen alles unternehmen, damit der Bodenerwerb in einer Hand konzentriert und systematisch und klar durchgeführt wird. Deswegen müssen Sie Institutienen haben, deswegen haben wir d. P. L. D. C. geschaffen. Noch mehr, wenn wir zur Ueberzeugung gekommen sind, daß jüdischer Grundbesitz ohne jüdische Arbeiter nur eine Halbheit ist, oder noch weniger als eine Halbheit, so war das Palästinaamt genötigt, Wirtschaftsfarmen zu errichten und so die Möglichkeit der Heranbildung eines jüdischen Arbeiterstandes zu schaffen. Ihm dafür Vorwürfe zu machenist absolut unberechtigt. Wenn Sie in Betracht ziehen, unter welchen Schwierigkeiten das Palästinaamt gearbeitet hat, so werden Sie auch dem Zusatzantrag zustimmen, den ich zu den bereits vorliegenden Anträgen stelle: .Der Kongreß spricht dem Palästinaamte und dem Leiter desselben Herrn Dr. Ruppin für seine unermüdliche Tätgkeit seine volle Anerkennung und seinen vollen Dank aus.“ Kaplansky: Gestatten Sie mir, zunächst meiner Genugtuung Ausdruck zu geben, daß wir die Möglichkeit haben, einen Bericht des Herrn Dr. Ruppin anzuhören. Es war seit langem ein Wunsch aller, denen die Palästina-Arbeit teüer ist, einen Bericht aus dem Munde des Mannes zu hören, der für alles, was in Palästina im Namen der Palästina-Organisation geschieht, verantwortlich ist Wir haben die vornehme und aufrichtige Art des Herrn Dr. Ruppin bewundert, in der er über seine Arbeit Bericht erstattet hat und es braucht nicht gesagt zu werden, daß jede Kritik, die wir gegen die Palästina-Arbeit richten, keineswegs gegen seine Person geltend sein kann, px der wir alle unbestrittenes Vertrauen besitzen. Wir sind eigentlich im Mittelpunkte der Kongreßverhandlungen, denn wenn die zionistische Bewegung eine politische Bewegung sein will muß sie vor allem die Kunst üben, soziale Probleme zu lösen. Das ist wirkliche und wähl hafte Politik. In diesem Sinne ist uns die Palästina-Arbeit stets die Grundlage des politischen Zionismus gewesen. Welcher Unterschied ist nun zwischen der philanthropischen Kolonisationsarbeit, die vor uns geleistet wurde, und der nationalen Kolonisation, wie Theodor Herzl unsere Palästina- Arbeit stets genannt hat Die philanthropische Kolonisation will heute die ökonomische Existenzfrage oder sagen wir die soziale Frage im einzelnen lösen, sozusagen hinter dem Rücken der

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