Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316610--57985-3376494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1296 Nr. 38 begehe man den Fehler, daß man nur für die organisierten Arbeiter, die sich ja selber helfen können, etwas tue, während die Jaffaer Handwerker z. B. sich selber überlassen bleiben. Besonders kritisiert Redner die Arbeit der Leitung auf kulturellem Gebiete« Wenn wir nicht dafür sorgen, daß wir ein Netz von Schulen verschiedener Stufen und Arten in Palästina bekommen, die auf die Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes von entscheidender Wirkung werden sollen, so wird unsere Arbeit keine Basis haben. Jakobus Kann Geehrter Kongreß! Man hat meine Zahlen beantwortet mit schönen Reden, mit Philosophie, mit Spinoza und Kant. Ich lehne es ab, den Phrasen, die wir gehört haben, irgend welchen Wert beizulegen, sie sind nur da, um die wirkliche Lage zu verschleiern. Ich habe davon gesprochen, daß in einer Hypothekarangelegenheit durch das Palästinaamt eigenmächtig vorgegangen wurde und Herr Dr. Ruppin hat dies bestritten. Ich werde einen Zeugen aufrufen und das ist der Präsident des N. F. Dieser schrieb mir darüber: »Die ganze Sache beruht auf einer eigenmächtigen Handlungsweise des Palästinaamtes, die durch die allzugroße Bereitwilligkeit der A. P. C. ermöglicht wurde, eine Summe vorzuschießen, ehe ein Beschluß des Direktoriums des J. N. F. vorlag. Die A. P. C. weiß ebenso wohl wie Dr. Ruppin, daß eine derartige Bewilligung nur durch Direktoriumsbeschluß des J. N. F. erfolgen kann und durfte keine Zahlungen ohne den Nachweis eines solchen Beschlusses leisten, insbesondere* wenn es sich um Summen von solcher Höhe handelt.* Sie sehen also, daß ich eine gute Unterlage für meine Worte habe. Herr Dr. Ruppin hat heute morgen gesagt, daß er vergebens die leitenden Instanzen um genaue Instruktionen gebeten habe. Ich glaube, daß Dr. Ruppin sehr gut daran tun wird, auf solchen genauen Instruktionen zu bestehen, da werden solche Sachen, wie mit dieser Hypothekarangelegenheit nicht mehr Vorkommen. Dr. Ruppin hat gesagt, ich habe Tätigkeit gesucht. Das ist gerade dergefährlicheStandpunkt, das ist der Standpunkt, den man annimmt, wenn man etwas machen will. Man ist nach Palästina gekommen und nun will man partout etwas machen, sonst sind die zionistischen Massen nicht zufrieden. Herr Dr. Ruppin hat mir weiters Worte in den Mund gelegt, die ich nicht gebraucht habe. Ich habe nicht gesagt, daß 3,000.000 verloren gegangen sind. Ich habe nur gesagt, daß der N. F. drei Millionen investiert hätte und daß das für die Kräfte des N. F. zuviel ist. Diese Gelder sind investiert in Unternehmungen, die täglich neue Gelder verlangen. Wir dürfen uns nicht der Gefahr aussetzen, Herrn Dr. Ruppin eines Tages sagen zu müssen, wir haben nichts mehr, das wäre der Zusammenbruch der Palästinaarbeit. Er hat angeführt, daß 1 Million in Effekten angelegt war, er hat nicht davon gesprochen, daß sich unter diesen Aktien befinden der P. L. D. C. Ich halte diese Aktien der P. L. D. C. nicht von großem Werte. Ich verstehe es wohl, daß man versucht, die P. L. D, C. zu rehabilitieren, aber man hat dabei zuviel den Zweck ins Auge gefaßt und Mittel gebraucht, die nicht zulässig sind. Wir haben darüber von Tolkowsky genug gehört. Uebrigens bei der Arbeit, die die P. L. D. C. heute verrichtet, das ist einfacher Bodenverkauf, ist diese Gesellschaft überflüssig. Ich hoffe, daß die Landkäufe auch wirklich Kolonisten ins Land ziehen werden, dann ist dies das Verdienst des Herrn Dr. Ruppin, der sich die Mühe gegeben hat, aber nicht dieser Gesellschaft, die man mit allen Mitteln vorwärts bringen will, die es aber nicht verdient. Herr Dr. Ruppin hat heute morgens gesagt, wir befolgten bei der Pflanzungsweise der Oelbäume die Pfanzungsweise der Kolonien. Das ist aber ein Widerspruch mit dem, was die Leitung in Beantwortung auf mein Memorandum geschrieben hat. Darin steht, daß in den ersten Jahren noch keinerlei Erfahrungen mit der Pflanzung für die Oelbäume in großem Maßstabe vorlag. Ueber diese Oelbäume mag ich an dieser Stelle auch bemerken, daß Dr. Ruppin im Oktober 1911 mir geschrieben hat: .Jetzt haben wir, wie Ihnen bekannt sein dürfte, für das nächste Wirtschaftsjahr vom Oktober 1911 bis Oktober 1912 ein festes Budget aufgestellt, das wir nicht überschreiten werden.* Diese Versicherung hat sich als wertlos erwiesen. 31.000 Frs. wurden überschritten. Herr Dr. Ruppin hat sehr richtig gesagt, daß man nicht über Dinge urteilen soll, die man nicht genau kennt und er hat mein Buch kritisiert, daß ich vor fünf Jahren geschrieben habe. Ich werde Herrn Dr. Ruppin als Schriftsteller keine Konkurrenz machen. Dagegen in praktischen Sachen, meine Damen und Herren, dagegen nehme ich es noch mit ihm auf. Wenn Herr Ruppin sagt, man muß an Ort und Stelle sein, wenn man die Arbeiten kritisiert, ist nicht richtig. Wenn man die Arbeiten ausführt, muß man an Ort und Stelle sein, aber für eine Kontrolle ist es nicht durchaus notwendig. Ich habe es bewiesen beim Bezalel. Ich war im Haag und Dr. Ruppin in Jaffa. Ich habe es besser eingesehen als er. Dr. Rupin hat gesagt, die A. P. C. sei keine eigentliche Kolonisationsbank, daraus mache et keinen Vorwurf, im Gegenteil, er hat die A. P. C. in Schutz genommen, aber diese Inschutznahme hat noch etwas Beigeschmack eines Vorwurfes. Wenn die A. P. C. auch keine Kolonisation macht, so hat sie doch die Kolonisation derart gefördert wie keine andere Institution in Palästina. Wenn die A. P. C. keine Agrarkredite hat einrichten können, so ist es nur schuld, daß der N. F. den Betrag, der sonst zur Verfügung gestanden hätte, in Institutionen angelegt hat, die zum Teil verfehlt sind. Auch wird die A. P. C die Initiative nehmen, soweit es in ihren Kräften sein wird. Herr Dr. Ruppin hat von mir gesagt, ich habe von der Oelbaumspende gesagt, daß eine halbe Million verloren ist; dies ist nicht richtig. Ich habe nur gesagt von Bezalel, daß vielleicht eine halbe Million hätte erspart werden können bei einer ordentlichen Leitung. Was den Bezalel anbelangt, da hat Dr. Ruppin nicht das richtige Verständnis gehabt, wie ernst die Lage war. Ich stimme mit ihm vollauf überein, daß Prof. Schatz in der Schaffung des Unternehmens unsere dankbare Anerkennung verdient, aber das ist keine Entschuldigung für das Palästinaamt, das die Mißwirtschaft zugelassen hat. Es ist vom Palästinaamt nie auf die große Gefahr hingewiesen worden, statt dessen haben wir Jahresberichte bekommen, die kein rechtes Bild der wirklichen Lage gaben. In die zionistische Presse wurde noch voriges Jahr die Nachricht verbreitet, der N. F. habe dem Bezalel dazu verholten, eine Kolonie auf seinen Ländereien zu betreiben. Wie es in dieser Kolonie aussieht, darüber weiß Herr Estermann zu erzählen. Ich habe nie davon gesprochen, daß Herr Prof. Schatz entfernt werden müsse, im Gegenteil, ich weiß, daß Herrn Schatz das größte Verdienst um das Zustandekommen des Bezalel zukommt und möchte einen Vergleich ziehen zwischen Herrn Schatz im Bezalel und Dr. Ruppin im Palästinaamte. Dr. Ruppin ist auch ein Schatz, ein teurer Schatz, nicht nur in dem Sinne, daß er uns viel Geld gekostet hat, durch die Art und Weise, wie die Palästinaarbeit geleistet wurde, sondern ich meine es, und ich glaube, Dr. Ruppin glaubt es mir, daß er uns unersetzlich ist Aber genau so wie Herrn Schatz beim Bezalel ein tüchtiger Geschäftsmann zur Seite kommt, muß das auch bei ihm geschehen, weil er allein nicht alles leisten Ich soll gesagt haben, daß Herr Dr. Ruppin mit den Worten »kaufmännisch* und .geschäftsmäßig“ gewissermaßen jongliert. Gewiß, Ihre Geschäftsführung bei Bezalel, Herr Dr. Ruppin, ist nicht kaufmännisch und nicht geschäftsmäßig. Und wenn wir heute von Tolkowski gehört haben von der Verwahrlosung des Herzlhauses, so sage ich, es ist nicht alles so in Ordnung, wie es Herr Dr. Ruppin behauptet. Geschäftliche Unternehmungen müssen geschäftlich geleitet werden, das Bild vom Dachdecker, das Herr Dr. Ruppin gebraucht hat, nehme ich auf; ein Dachdecker ergreift die nötigen Vorsichtsmaßregeln, wenn er das Dach besteigt, damit er nicht abstürzt Wenn die Palästinaarbeit so weitergeht, wird Dr. Ruppin abrutschen, und wir mit ihm, und davor möchte ich uns bewahren. Ich verstehe nicht, warum Herr Dr. Ruppin sich soviel Mühe gibt, jeden Punkt meiner Kritik zu bestreiten. Möglicherweise bin ich hie und da im Unrecht, aber Herr Dr. Ruppin sollte mir lieber zugeben, wo ich Recht habe, dann werden wir uns verstehen und Zusammenarbeiten können. Wenn ich auch Kaufmann bin, so bin ich doch imstande, die Arbeit in Palästina zu beurteilen. Man braucht nicht selber Musiker zu sein, um Musik zu verstehen. Und schließlich, man soll mich nicht persönlich angreifen. {Sehr richtig! und Beifall.) Unsere Sache, für die ich durch 15 der besten Jahre meines Lebens gearbeitet habe, ist für mich genau so heilig,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.