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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 1295 DIE^ELT daß in Ben Schemen die Bäume nach der bei allen Kolonisten üblichen Art bearbeitet werden. Das ist nicht richtig. Herr Wilkansky hat mir in Anwesenheit zweier Zeugen erklärt, daß die Bäume im Herzlwalde einige Jahre später veredelt werden sollen, als es in Palästina Usus ist. Dadurch kommt der Ertrag auch einige Jahre später zum Vorschein. Die Quelle aller dieser Uebel ist darin zu suchen, daß wir in unserer Exekutive keinen einzigen Fachmann für Kolonisationsfragen haben. Im übrigen möchte ich ein Wort des Herrn Dr. Bodenheimer aus seinem Referat berichtigen. Es ist nicht richtig, daß die hohe Rentablität der Oelbäume auch größere Pflanzungskosten erlauben, als die im Anfang berechneten, wenigstens nicht in einem Betriebe, wo die Oelbaumzucht die Hauptsache ist. Ich komme nun zu einer sehr ernsten Frage. Man hat von den uns für Oelbäume anvertrauten Geldern 40.000 Fr. für die Errichtung einer Milchwirtschaft in Ben Schemen ausgegeben, als Spezialist für Viehzucht erkläre ich Ihnen, daß diese Milchwirtschaft in der Art und Weise, wie so vorbereitet und unternommen wurde, ein unvorsichtiges Wagnis war. Sie wissen, daß in Ben Schemen eine ganze Reihe von Kühen und Kälbern an einer Seuche zu Grunde gegangen ist. Solche Verluste waren für jeden Fachmann vorauszusehen und ich habe sie auch prophezeit und das Palästinaamt, speziell seinen landwirtschaft liehen Ratgeber gewarnt Das Mittel zur Verbesserung liegt meiner Ansicht nach in der Wahl von mehr sachverständigen Beamten. Herr Dr. Hantke hat in seinem Referat gesagt, daß dieser Kongreß dem E. A. C. die offizielle Zustimmung des palästinensischen Judentums gebracht hat Herr Dr. Hantke ist im Irrtum, er lebt in Deutschland und kennt viele von den hier anwesenden palästinensischen Delegierten nicht. Auch ich als Palästinenser bin glücklich so viele meiner palästinensischen Brüder hier zu sehen, aber es sind alle entweder Arbeiter oder Gelehrte oder Beamte. Die Kolonisten, die eigentlichen Träger der praktischen landwirtschaftlichen Arbeit, sind hier nur spärlich vertreten. Ein Grund dafür ist der, daß die Mehrzahl der palästinensischen Kolonisten die landwirtschaftliche praktische Arbeit unserer Organisation nicht ernst nimmt, weil sie jeden Tag Gelegenheit haben, sich von der mangelnden Sachkenntnis vieler unserer dortigen Angestellten zu' überzeugen. Im Gegensatz zu dem, was Herr Dr. R u p p i n soeben gesagt hat, finden die palästinensischen Kolonisten, daß, abgesehen von der A. P. C., unsere Institute von nicht genügend befähigten Männern geleitet werden. Eine rühmliche Ausnahme bildet Herr Dr. Ruppin, über dessen Tüchtigkeit und Hingabe für unsere Sache nur eine Meinung herrscht. (Bravo!) Aber bei aller Anerkennung, die wir ihm zollen müssen, darf es nicht unerwähnt bleiben, daß die Tüchtigkeit dieses seltenen Mannes dadurch nicht zur vollen Geltung kommen kann, daß er unter sich nicht die nötigen sachverständigen Beamten hat und über sich im A. C. nicht die nötigen sachverständigen Behörden findet. (Beifall!) Gewiß, ohne Fehler zu arbeiten, ist nicht möglich; niemand wird sich das anmaßen; aber es gibt gewisse beklagenswerte Erscheinungen bei unserer Arbeit, die nicht Vorkommen dürften, weil wir unseren guten Ruf wahren müssen und vor allem nur Solides schaffen dürfen. Daß in unserer Kolonisationsarbeit die wichtigsten Momente nicht zahlenmäßig abgeschätzt werden können, ist eine Selbstverständlichkeit und ist von niemandem von uns bestritten worden. Herr Dr. Schmarja Lewin, Herr Ussischkin und Herr Dr. R u p p i n haben dies also in ganz überflüssiger Weise mit so schönen Worten betont, wenn ihre Absicht nicht die gewesen ist, durch Hervorhebung dieses selbstverständlichen Momentes die Aufmerksamkeit von so manchen wunden Punkten unserer Kolonisationsarbeit abzulenken. Ich möchte den Herren Dr. Lewin, Ussischkin und Dr. R u p p i n sagen: Gewiß, die Begeisterung ist die erste Voraussetzung unserer ganzen Arbeit, sie steht höher als Berechnung und Zahlen, aber die Begeisterung dort vorzuschützen, wo Zahlen uns über den Erfolg oder Mißerfolg unserer Arbeit belehren sollen, heißt diese Begeisterung mißbrauchen (Beifall) und unser Werk schädigen- Unsere Leitung tut vielleicht ihr möglichstes für die Schaffung eines jüdischen Landarbeiterstandes in Palästina. Man soll weiter die Lage des Arbeiters zu verbessern suchen durch Gewährung von Krediten zum Hausbau, zur Pachtung von Gemüsegärten, durch Gründung von Milch- und Viehgenossenschaften, um dem Arbeiter die Anschaffung von Vieh zu erleichtern und vor allem nicht Mädchenfarmen gründen, sondern landwirtschaftliche Haushaltungsschulen, wo man aus den Töchtern der Arbeiter und Kolonisten tüchtige, für Palästina geeignete Hausfrauen machen soll. (Beifall.) Soviel von den Arbeitern. Die Leitung mögeaber, auch an die Kolonisten 'denken. Alljährlich verläßt, wie Sie vielleicht wissen eine gewisse Anzahl von Kolonistensöhnen Palästina, ohne daß wir bisher irgend etwas Ersprießliches unternommen haben, um sie dem Lande, zu erhalten. An dieser Auswanderung sind nicht nur die allgemeinen Verhältnisse, sondern auch manche Schulen Schuld. Insbesondere die landwirtschaftliche Schule, der »Alliance Israel ite" in Mikweh Israel, an welcher das Hebräische stiefmütterlich behandelt und der ganze Unterricht in französischer Sprache erteilt wird. Die Folge davon ist, daß viele Schüler nach Beendigung der Schule auswandern. Die. Organisation müßte alles tun, um entweder die „Alliance Israelite“ zur Aenderung des Lehrplanes zu bewegen oder aber um die Schule mit allen dazugehörigen Anstalten pachtweise in die Hand zu bekommen. Präsident Wolffsohn teilt nunmehr mit,, daß ein Antrag auf Schließung der Rednerliste und Wahl von Generalrednern vorliegt. Der Antrag auf Schließung der Rednerliste und Wahl von Generalrednern wird mit großer Majorität angenommen. Präsident Wolffsohn: Es liegt mir nun ein Antrag auf Wahl von zehn Generalrednern vor. Ich bin der Ansicht, daß wir insbesondere unseren Arbeitern, den Poale Zion, einen Redner geben müssen. Ich wollte sogar ex präsidio einem Redner außerhalb der Liste das Wort geben. Das geht aber nicht mehr. Ich möchte daher bitten, sich auf sechs Generalredner zu einigen darunter zwei.v.on den Poalien. Wir haben ziemlich viel gearbeitet“ und müssen \die Arbeit bis morgen nachts erledigen. Wir werden abstimmen ilassen. Wer dafür ist, daß die Redezeit auf 20 Minuten beschränkt,werde, erhebe die Hand. Der Antrag wird »mit überwiegender Majorität angenommen. Wer dafür ist, daß sechs Generalredner gewählt werden, erhebe die Hand. (Angenommen.) Ich bitte nun,, die in die Liste Eingetragenen mögen sofort nach der Sitzung'zusammehtreten, um ihre Generalredner zu wählen. Das Wort hat Dr. Halpern: Im Namen der >. folgenden Delegierten # und meinem eigenen habe ich die Ehre,'Ihnen zu der Debatte,'die uns jetzt beschäftigt, folgendes vorzubringen und ich werdemir gestatten, zunächst die Namen der. Einbringer zu verlesen; Tschlenow, Ussischkin, Dr. Emil M a r g u 1 i e s, Simon, Goldberg, Podlische wski, Moser, Dr. Heymä^nn, Slatopolski, Hausmann, Böhm, Dr. Thon und Weiz- Also Sie gestatten uns, folgende Resolution zu unterbreiten: Der Kongreß billigt die vom E. A. C. und dem Palästinaamte geleistete Kolonisationsarbeit. und fordert deren Fortsetzung und Ausbreitung auf Grundlage der bisherigen Prinzipien. Präsident Wolffsohn schließt die Sitzung. Nächste Sitzung 4 Uhr. _ Zehnte Sitzung Montag, am Nachmittag des 8. September Beginn 3/p Uhr. Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung und erteilt das Wort Herrn Dr. Halpern, der über die Wahl der Generalredner zur Palästinadebatte Mitteilungen macht. Es wurde statt 6 Rednern mit 20 Minuten, die der Kongreß beschlossen hatte, 8 Redner mit 15 Minuten Redezeit gewählt. Dr. Bogratschow hat Verschiedenes an der Palästinaarbeit auszusetzen. Redner kritisiert im einzelnen die Arbeit der Leitung auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete. Das Palästinaamt lasse sich viel zu hohe Provisionen bei Landkäufen zahlen, die dem kleinen Manne den Landerwerb in Palästina erschweren, Das Palästinaamt interessiere sich viel zu wenig für die industrieller! Möglichkeiten in Palästina. In der Arbeiterfrage

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