Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 1293 DIE^ELT vielleicht der beste Freund der A. P. C. bin, während man sonst fortgesetzt über die A. P. C. in Palästina sich beschwert. Ich habe mich diesen Beschwerden fast stets verschlossen, aber mit einer wichtigen Einschränkung: ich habe gesagt, die A. P. C. ist keine Kolonisationsbank, sondern eine Diskontobank. Warum ist sie eine Diskonto- und Wechselbank geworden, haben wir sie als solche gewollt? Ich weiß es nicht, ich glaube aber, sie ist ein Tochterinstitut des J. C. T. und diesen haben wir wohl als ein Instrument der Kolonisation gedacht und von seiner Tochtergesellschaft dürfte das Gleiche gelten. Ich habe, wenn ich die heutige Tätigkeit der A. P. C. betrachte und sie zu dem ursprünglich bei ihrer Gründung vorschwebenden Zweck in Vergleich setze, ungefähr die Vorstellung wie bei dem Vertrag zwischen Faust und Mephistopheles. Ich denke mir, daß nach Gründung der Bank einmal der Versucher an die Direktoren herantrat und sprach: Seht, ich halte hier in der Hand „olam haseh“, diese Welt Ich verspreche Euch, Ihr werdet ruhig schlafen können, in Eurem Geschäft wird alles ruhig zugehen, Ihr werdet keine Verluste haben, hohe Dividenden bis V/J/o zahlen, aber dies alles unter einer Bedingung: Ihr dürft keine Kolonisation treiben, Ihr müßt die Seele, die Euch bei der Gründung gegeben wurde, ausziehen und eine andere, die des Geldverleihers,in Euch aufnehmen. (Sehr richtig! Beifall). Meine Herren, die Direktoren der Bank haben sich für „olam haseh“ entschieden und auf den „olam habah“ die Ewigkeitswerte, die in unserer Tätigkeit liegen, verzichtet Und ich mache den Herren keinen Vorwurf daraus. Ich bin es gewesen, der immer folgende Argumente gegenüber den Gegnern der Bank in Palästina vertreten hat: Unsere Bank, die, wie Herr Kann richtig gesagt hat, in der großen Finanzwelt als ein Parteiinstitut sich schwer Vertrauen erwerben kann, musste zuerst zeigen, daß sie Vertrauen verdient sie durfte deshalb nur Geschäfte machen, die absolut sicher sind, und ich glaube, deshalb war es besser, daß sie sich auf die Diskontierung von Wechseln und auf das Verleihen von Geld beschränkte. Aber, meine Herren! Stehen wir einmal auf dem Standpunkte, die Sicherheit sei die Hauptsache, dann sollen wir auch wissen, eine Depositenbank kann keine kolonisatorischen Geschäfte machen. Das ist in der Banktechnik Europas ausgeschlossen und in Palästina noch viel mehr. Die Bank kann nur so lange sichere Geschäfte machen, als sie sich nicht mit Kolonisation abgibt und in dem Maße, als sie sich in Kolonisation hineinwagt wird sie das Vertrauen verlieren, weil dann riskante Geschäfte unvermeidlich sind. Kolonisation ist kein Diskontgeschäft. Kolonisation erfordert Unternehmungslust keine Scheu vor Risiko. Wenn die Bank dies alles nicht tragen will, dann soll sie bestehen als eine kommerzielle Bank. Vor fünf Jahren war in Palästina der Unwille über die Tätigkeit in der Bank wahrscheinlich größer als jetzt Warum? Damals bestand die Bank sechs Jahre und sie hatte noch keine Privatinitiative angeregt, keine einzige neue Kolonie gegründet. Ich bin überzeugt wenn es so weitergegangen wäre, der Unwille hätte die Bank hinweggefegt. Warum ist es anders geworden? Weil die Kolonisationsgesellschaften die schwere und riskante Kolonisations-Arbeit auf sich genommen haben. Wenn man heute in Palästina mitriskanten Geschäften kolonisatorischer Artkommt, geht man nicht zur Bank, sondern zu den anderen Gesellschaften. Es wird hier ein künstlicher Gegensatz geschaffen, der innerlich nicht berechtigt ist. Die Bank muß Kolonisationsgesellschaften als Schrittmacher vor sich haben und diese Kolonisationsgesellschaften können nicht nach Bankgrundsätzen arbeiten. Nur dadurch, daß die Gesellschaften diesen kolonisatorischen Gesichtspunkt aufgegriffen haben, ist es möglich geworden, in den letzten Jahren zehn neue Punkte zu besiedeln, so und soviel Geld aus Privathänden nach Palästina zu ziehen und so und soviel neue Kolonien zu schaffen. Herr Kann hat dann das schwerste Geschütz auf gefahren und erklärt, daß der Bezalel, die Oelbaumspende, die P. L. D. C je 500.000 Fr. verloren haben. Ein Kaufmann soll mit Zahlen vorsichtiger sein, Herr Kann. Was den Bezalel anlangt, so hat der Bezalel niemals gesagt, daß er alles Geld, das er als Schule erhält, verzinsen oder zurückzahlen werde. Wie kann hier überhaupt von kaufmännischer Gebarung die Rede sein? Ich muß weiter sagen, daß Herr Kann, gestützt auf die Berichte des neuen Geschäftsführers, den Bezalel viel zu düster gemalt hat. Hiei wird den bisherigen Leistungen der Schule und ihrem Leiter sicher unrecht getan. Der neue Geschäftsleiter ist nach Jerusalem gekommen und fand, nur in europäischen Begriffen bewandert, daß der Bezalel, an europäischem Maßstab gemessen, noch Fehler hat. Niemand hat es je bestritten. Der Bezalel ist noch kein ausgewachsener Mensch, er ist ein Kind von sieben oder acht Jahren, da kann natürlich die gute Freundin kommen und sagen: Ein schönes Kind, aus dem wird etwas werden, und die schlechte Freundin kann kommen und sagen: schon sieben Jahre und hat noch keinen Schnurrbart! (Heiterkeit) Es kommt immer auf den Standpunkt an, von dem aus man die Sache betrachtet. Wir, die wir die Vergangenheit miterlebt haben, wir wissen, daß dort aus dem ursprünglichen Chaos etwas Bedeutsames hervorgegangen ist. Wii kennen auch die Fehler. Schon in Europa fehlen uns für viele Aufgaben die Menschen, um wie viel mehr in Palästina und für eine so spezielle Aufgabe, wie es die Leitung des Bezelal ist! Bis vor kurzem war der Betrieb so klein, daß es unrentabel gewesen wäre, für den Vertrieb der Waren einen besonderen Leiter anzustellen. Und noch weiter: Ein Initiator in Palästina muß in der besten Art behandelt werden. Wir können nicht einen Mann wie Prof. Schatz einschwenken lassen wie ein Unteroffizier seine Rekruten. Wir müssen ihn nehmen wie er ist, mit Vorzügen und Fehlern Wir müssen uns bemühen, diese zu mildern. Der Bezalel hatte von vornherein ein Janusgesicht. Er war Schule und Fabrik, erst allmählich hat sich aus dieser Zwitterstellung etwas herauskristallisiert. Sieben Jahre sind keine lange Zeit, für Palästina gewiß nicht. Ich glaube, daß die Produkte, die Sie hier in der Ausstellung sehen, Ihnen Beweise sind, daß dort wirklich Arbeit geleistet worden ist (Beifall.) Meine Herren! Die Arbeit in Palästina gebt nicht in einer geraden Linie vor sich, sie kann nicht so gehen, weil wir keine Vorbilder haben. Es muß im Zickzackwege gehen, man muß vieles versuchen und kommt nur per exclusionem, auf dem Wege des Ausschlusses ahlmählich zum Guten. Herr Kann behauptet die Oelbaumspende soll Mk. 500.000 verloren haben. Der größte Teil des Betrages besteht in Bäumen, die Bäume sind da. Wie kann da das ganze Geld als verloren angesehen werden? Man kann sagen, ein kleiner Teil ist zu viel ausgegeben worden, aber es ist doch falsch zu sagen, daß das ganze Geld verloren, gegangen ist. Auch dieP.L.D.Chat nach Herrn Kann Frs. 500.000 verloren. Wie ist das möglich, da sie im ganzen nur 250.000 Frs. Kapital hat? Und für diese 250.000 Frs. ist eine Farm Kinereth da, lassen Sie sie schätzen. Es ist möglich, daß Mk. 50.000 Defizit da sind, aber wo sind die Mk. 500.000, von denen Herr Kann spricht? Herr Kann hat gesagt, er sei ein Freund der P. L. D. C. gewesen. Mich friert bei Ihrer Freundschaft, Herr Kann! Sie haben sich wohl mit einer Grunderaktie von 50 Pfund beteiligt. Heißt das eine Parzellierungsgesellschaft fördern? Ich habe niemals das Recht einem Gesinnungsgenossen Hintergedanken zuzumuten und glaube deshalb, daß Herr Kann es mit seiner Kritik gut meint. Aber die Resultate Ihrer Kritik sind schlecht. Ich kann von meiner Person abstrahieren und die Dinge objektiv betrachten- Ich sage nun, daß die Aufgabe, die wir jetzt in Palästina zu lösen haben, zu den schwersten Aufgaben gehört, die seit Jahrhunderten vielleicht dem jüdischen Volke vorgeschwebt haben. Es muß dort alles aus dem Allergröbsten herausgehauen werden, und wir haben — darin hat Herr Kann recht — kein tüchtiges Personal. Wie werden wir es aber bekommen, wenn wir nicht arbeiten? Nur durch Schmieden kann man Schmied werden. Ich sehe hier einen circulus vitiosus, aus dem Herr Kann gar keinen Ausweg uns zeigt. Ich sehe in der Meinung des Herrn Kann etwa den letzten Ausfluß des Manchester-Liberalismus, dessen letzte Weisheit darin bestand: Man kann alles nur erwarten vom freien Spiel der Kräfte, vom Egoismus der Privaten. Dieser Grundsatz ist schon heute in der Nationalökonomie der europäischen Länder überwunden. Aber dieser Grundsatz ist absolut falsch in unserer Palästinaarbeit. Wenn wir darauf warten, daß das Eigeninteresse Leute nach Palästina zieht, können wir eine Ewigkeit warten. (Beifall.) Meine Herren! Die tausend Arbeiter, die in den letzten Jahren aus Europa nach Palästina gezogen sind, verdienen 50 Frs. monatlich. Glauben Sie, daß sie die nicht auch hätten in