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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1292 , - -. DIEHqEELT-T-^-r 1 -r- Nr. 38 Herrn Kann zugeben, daß wir wirklich vielleicht nicht ordernunsere Arbeit sehr viel amelioriert worden ist. Und gerade diese liehe Beamte in seinem Sinne sind. Als das Palästinaamt ge- Tatsache hebt Herr Aronsohn lobend hervor. gründet wurde, versuchte ich vergeblich, von den leitenden In- Ein zweiter Punkt. Zu einer Zeit, als Kinereth bereits drei stanzen genaue Instruktionen zu bekommen. Niemand konnte mir eine Jahre bestand und bereits die Defizite erwachsen waren, hat Herr Antwort darauf geben, was unsere Aufgabe sei. Ich mache Aronsohn im Anfang des Jahres 1911 einen Artikel in der niemandem einen Vorwurf daraus. Wenn ein Forschungsreisender Zeitschrift »Palästina“ veröffentlicht, in dem er gerade diese Farm in eine noch unbekannte Gegend zieht, so kann man nicht dem als das Musterbeispiel einer Palästinafarm hinstellte. Ich meine, Forschungsreisenden vorher vorschreiben, was er dort entdecken wenn man einen Sachverständigen für die ungünstigen Urteile soll. Erst die Arbeit kann darauf eine Antwort geben. Vielleicht hat damals den leitenden Instanzen vorgeschwebt, daß das Palästinaamt lediglich eine Art Informationsbureau sein soll, daß es sich damit zufrieden geben soll, der Leitung zu sagen: Ja, es geht nicht, es ist zu schwer, es ist zu riskant. Ich muß sagen, wenn ich mich auf diesen Standpunkt gestellt hätte und bei allem, was das Palästinaamt getan hat, zuerst gefragt hätte: Ist das nicht riskant, wird das nicht mit Unannehmlichkeiten verbunden sein? dann hätte ich überhaupt nichts tun können. Denn auf positive Anregungen hätte ich wer weiß wie lange warten können. Solche konnte man von Europa nicht bekommen und ich habe es nicht verlangt. Ich bin nicht nach Palästina geschickt worden, um mit Kadavergehorsam Instruktionen auszuführen. Ich habe verstanden, daß ich dorthin geschickt worden bin, um das Feld zu bearbeiten und selbst zu sehen, was ich dort zu tun habe. (Stürmischer Beifali.) Wir haben Tätigkeit gesucht, und weil wir sie gesucht haben, haben wir sie gefunden. (Beifall.) Die Hauptbeschuldigung des Herrn Kann bestand darin, der N. F. habe schon 3 Millionen Mark in Palästina angelegt. Meine Herren! Was soll das eigentlich sagen? Wahrscheinlich wollte Herr Kann uns damit gruseln machen, 3 Millionen Mark sind schon verloren! Wenn man mit Zahlen umgeht, muß man genau sein, Herr Kann, das wissen Sie als Kaufmann. Am 30. Juni d. J. betrug das gesamte Vermögen des J. N. F. 3,533.000 Mark, von diesen 3,533.000 Mark bestanden ungefähr 1,000 000 in Effekten, die ja wahrscheinlich nach dem Herzen des Herrn Kann sind. Es bleiben also 21/2 Millionen Mark übrig. Davon betreffen 2 Millionen Darlehen, die an die A. P. C. gegeben worden sind — auch dagegen wird Herr Kann nichts einzuwenden haben — Erwerbungen von Grund und Boden, von Häusern oder Hypotheken und Darlehen gegen Grund und Boden, die absolut gesichert sind, so sicher, wie eine Anlage ist, auch wenn sie in englischen Konsols besteht. (Beifall.) Es gibt in der Bilanz nur einen einzigen Posten, der nicht durch Immobilien gedeckt ist, das sind etwa eine halbe Million Francs, die als Pflanzungen oder Beteiligungen daran angeführt sind. Meines Erachtens ist diese halbe Million in Palästina vollständig durch das gedeckt, was wir dort an Ackerwirtschaften und Pflanzungen besitzen. Aber nehmen wir den allerschlimmsten Fall. Es seien davon 100.000 oder 200.000 Mark nicht mehr da, wir hätten für die Erfahrungen diese Summe aufgewendet. Was wäre gewesen, wenn wir das nicht getan hätten? Da hätten wir wahrscheinlich noch für 2,000.000 Mark englische Konsols gekauft und hätten dann 300.000 bis 400 0C0 Mark durch Kursverlust verloren (Stürmischer Beifall.) Herr Kann ist dann im einzelnen auf die Arbeit eingegangen, die wir auf den Farmen leiten. Er hat sich dabei auf die Herren Aronsohn und Auhagen bezogen. Der eine ist ein Botaniker, der andere ein preußischer Moorlandwirt. Herr Aronsohn hat in seinem Gutachten über Ben Schemen drei Punkte hervorgehoben. Der eine betrifft die technische Frage, wie die Bäume gepflanzt und veredelt werden. Es ist möglich, daß die Pflanzungsweise des Herrn Aronsohn besser ist als die jetzt in Palästina übliche, die Zukunft kann es entscheiden, ich kann mich aber in Palästina auf der Farm des N. F., wo wir schon ohnehin soviel experimentieren müssen, nicht auf botanische Experimente einlassen. Ich muß die dort bewährte Pflanzungsweise weiter befolgen. Herr Aronsohn hat ferner die Verwendung von jüdischen Arbeitern getadelt, das gehört nicht in die Kompetenz des Herrn Aronsohn, das ist eine kolonisatorische Frage, die nicht Herr Aronsohn entscheiden kann. (Stürmischer Beifall.) Aberdasselbe Gutachten des Herrn Aronsohn über Ben Schemen besagt gleichzeitig, daß der Boden in Ben Schemen und Hulda durch zitiert, muß man ihn auch für günstige Urteile geltend machen können. Meine Herren! Das Gutachten des Herrn Auhagen war für mich wertlos von dem Momente an, als ich darin folgende Stelle gefunden hatte: In der Farm Dagania wird Raubbau getrieben. Bei diesem Worte mußte jedermann das Gruseln bekommen, wir rauben den Boden Palästinas aus! Ja, meine Herren, Herr Auhagen hat ja nicht die Grundbegriffe des palästinensischen Grundeigentums begriffen, wenn er so etwas schreibt. Zu dieser Zeit mußten wir den Boden in Dagania mit den Nachbarn jedes zweite Jahr wechseln, hätten wir also den Boden gedüngt, so hätten wir für andere gedüngt. Wir waren also an die primitive Wirtschaftsweise gebunden. Nur vollkommene Unkenntnis der Landesverhältnisse macht es möglich, daß man solche Urteile fällt, Urteile, die unsere Arbeit in Mißkredit bringen. Ich muß Herrn Kann dabei den Vorwurf machen, daß er selbst Schuld daran ist, daß jedermann kommen und nach vier Wochen Aufenthalt in Palästina ein Gutachten abgeben kann, das von uns mit großer Andacht gehört wird, während wir unsere jahrelang im Lande arbeitenden Leute nicht mit der gleichen Andacht hören. Herr Kann hat ein Buch geschrieben — da Herr Kann mich, einen Schriftsteller, in meiner Tätigkeit als Kaufmann kritisiert hat, so erlaube ich mir über ihn, den Kaufmann, als Schriftsteller zu sagen: Ihr Buch ist ein Beweis, daß man über Dinge nicht urteilen soll, die man nicht kennt. (Widerspruch.) Auf diesem Wege sind ihm dann solche Touristen, wie Herr Auhagen, gefolgt. Wir müssen dagegen arbeiten, daß jedermann bei uns auftritt und unsere Arbeiten in Verruf bringt. (Zustimmung.) Was kann man von einem Sachverständigen denn überhaupt verlangen? Es gibt ja doch keinen Sachverständigen für alle Fächer — außer bei uns! Man kann einen Sachverständigen, wenn er etwa Botaniker ist, über Botanik hören, man kann von einem Geologen etwas über Geologie hören, von einem Bauern über praktische Landwirtschaft; aber der Komplex der kolonisatorischen Fragen in Palästina ist so groß, daß e i n Sachverständiger unmöglich alle Dinge gleichzeitig beurteilen kann. Sie können mir Vorhalten, wie denn gerade ich dazu komme: Ich antworte, weil ich schon seit sechs Jahren dort tätig bin und weil an mich alle diese Fragen herangetreten sind. Wenn ich mir also ein besseres Urteil zuspreche als Sachverständigen, so ist es, weil ich in einer günstigeren Position war, weil ich daher alle diese Dinge besser kennen lernen konnte. Herr Kann hat gesagt: Ja warum macht Ihr keine Kleinbetriebe? Das ist der einzige positive Vorschlag Kanns. (Zwischenrufe.) Ueber diese Frage kann man sprechen. Ich bin Anhänger der Kleinbetriebe, aber um diese zu schaffen, müssen wir gerade diese Vorarbeit auf uns nehmen, die wir jetzt leisten. Wir müssen Farmen haben, um dort technische Neuerungen zu studieren. Wir müssen ein Arbeiterelement heranbilden. Wir machen ja nicht die Farmen bloß, um sie als Farmen zu haben. Ich würde in Palästina nicht sechs Jahre gesessen haben, wenn mein letzter Zweck wäre, Farmen zu errichten. Sie haben für mich nur einen Sinn als Basis einer großen Kolonisationstätigkeit, für die wir jetzt in den Farmen die Bedingungen und Grundlagen schaffen. (Beifall.) Der Vorschlag des Herrn Kann kommt ungefähr auf das hinaus, was ein scholastischer Philosoph des Mittelalters erklärte, er müsse erst schwimmen lernen, bevor er sich ins Wasser wage; wir müssen uns ins Wasser wagen, um schwimmen zu lernen. Die Quintessenz der Ausführungen des Herrn Kann bestand darin, daß alles, was die A. P. C. in Palästina tut, gut ist und alles übrige nichts taugt. Herr Kann hat den Beamten der A. P. C. sein uneingeschränktes Lob gespendet und ich schließe mich Herrn Kann darin vollständig an. Ich kann sagen, daß ich in Palästina

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