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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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X B Nr. 38 1291 DIE^ELT das in vollem Bewußtsein meiner Worte: Wir haben in den letzten Jahren sehr vieles erzielt, so vieles, daß an von den Mängeln und Fehlern ruhigen erzens absehen kann. Wenn ich nach Merchawia oder einem sonstigen Orte komme und dort Juden vorfinde, wo sie früher nicht zu finden waren; wenn ich jüdische Arbeit und eine aufopferungsbereite und opferfreudige Jugend dort vorfinde, so muß ich mir sagen, daß dies doch viel mehr wert ist als das ausgegebene Geld. Ich verstehe auch etwas von Rechnungen und Ziffern; aber wenn man mir Merchawia und sogar Millionen gegenübersteilen möchte, werde ich ohne jedes Bedenken ausrufen: Gebt uns Merchawia, Merchawia, Merchawia! (Andauernder Beifall!) Wir haben in Palästina Positionen erobert und diese sollten wir um jeden Preis erobern! Wir haben in den letzten Jahren etwas in Palästina geschaffen, das zum Ruhm des jüdischen Volkes beiträgt. Und wenn Sie dabei noch die Riesensummen in Betracht ziehen, die wir jährlich für .Awoda-Sara“ ausgeben, so werden Sie erst recht erkennen, wie lächerlich das ist, von .zu teurem Preis* zu sprechen. Nun will ich Ihnen aber in kurzen Worten die Grundprinzipien darlegen, nach denen wir in Erez-Israel, meiner Meinung nach, arbeiten sollen. Niemand wird mir Zutrauen, daß ich irgendwie mit den Weltanschauungen der .Hapoel Hazair* oder „Poale Zion* übereinstimme oder etwas gemeinsam habe. Aber ein Übereinkommen habe ich mit den Herren getroffen, daß wir uns in der Palästinaarbeit gegenseitig unterstützen. Wir haben uns auf einer Plattform gefunden, und die heißt: das jüdische Volk zu seinem Lande zurückzubringen. Auf dieser Plattform kann uns keine Weltanschauung trennen! (Beifall.) Und ich will es gerne gestehen: die Herren haben treu auf dieser Plattform mitgearbeitet. Es war gerade vor ungefähr zehn Jahren, als ich zu dieser Jahreszeit den Kongreß in Sichron-Jacob schloß. Damals sagte ich in meiner Schlußrede folgendes zu den dort anwesenden jungen Leuten: .Ihr habt hierher die Arbeit gebracht und dafür gebührt Euch der Dank. Denn Erez Israel wird nicht mit Geld, auch nicht mit Weisheit, sondern allein nur mit dem Schweiße erobert. Damals waren noch keine Poale Zion und keine Hapoel Hazair, und als sie später kamen, ging ich mit ihnen Hand in Hand. Denn ich habe die Ueberzeugung, daß nur das eine Weit haben kann, was in Palästina durch Juden gemacht wird. Wenn einmal die Frage so steht, dann ist kein Platz mehr für allerlei Nörgleien und Berechnung, ob es uns teuer oder billig zu stehen gekommen ist Und ich verlange vom Kongreß, daß er unseren Instituten den strikten Befehl erteilt: Jüdische Arbeit in jüdischen Unternehmungen! Ich bin froh zu konstatieren, daß unser A. C. tatächlich in dieser Richtung auch tätig war. Allein ich möchte auf einiges aufmerksam machen; Meine Herren! Das Beste wäre gewiß, wenn die ganze Palästinaarbeit durch unsere Institute gemacht worden wäre. Aber das ist leider eine Sache der Unmöglichkeit. Wir werden gewiß für unseren Nationalfonds alle unsere Kräfte in Bewegung setzen. Aber ich kann trotzdem nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß wir schon in den nächsten Jahren in die Lage versetzt sein werden, durch den Nationalfonds eine großzügige Kolonisation zu betreiben. Es steht deshalb immer noch fest, daß, wenn wir etwas Großzügiges erzielen wollen, wir immer noch auf die Privatinitiative angewiesen sind, und es gilt daher immer und immer wieder die Losung von einer Agrarbank für Palästina. Ja, ich weiß welche Schwierigkeiten da im Wege liegen, aber einen anderen Weg zum Gedeihen der Kolonisation gibt es nicht und wir müssen von unserem A. C. verlangen, daß es die Sache in die Hand nimmt. Ohne eine Agrarbank werden wir fortwährend nur kleine Schritte in Palästina machen können. Durch eine Agrarbank wird auf einmal die Privatinitiative einen kräftigen Ansporn erhalten. Und nun erlauben Sie mir noch eine Frage zu berühren, die für uns noch ganz neu ist. Es ist dies die Frage wegen Jerusalem. Es hat Dr. R u p p i n hier einiges darüber gesagt und auch von Herrn J e 11 i n wurde sie angeschnitten. Ich bin von Jerusalem delegiert und auch deshalb bin ich verpflichtet, darüber zu sprechen. Ich muß offen unser aller große Sünde bekennen, die wir an Jerusalem begangen haben, eine Sünde, die neben dem National-kulturellen auch eine politische war. Vor Jahren, als wir mit der Kolonisation Palästinas angefangen haben, hat man bei uns die Ansicht verbreitet, Jerusalem sei ganz faul, für eine moderne Kultur ganz unzugänglich und man hat die neuen Ansiedlungen um Jaffa konzentriert. Nun rächt es sich jetzt: Jerusalem geht zu Grunde, es wird uns allmählich entfremdet. Zwei Kriterien gibt es für diese Frage: Das der Vernunft und das des Gefühls. Der Vernunft: Jedermann versteht jetzt, daß die Palästinafrage für uns Juden keine Frage der weiten Zukunft, sondern eine der allernächsten Zukunft ist. Jetzt heißt es, auf allen Wegen aufmarschieren, da es sonst zu spät werden kann. Es ist ohne weiteres klar, daß ein lebendiges Zentrum mit einer jüdischen Majorität, wie es Jerusalem für uns werden kann, auch einen wichtigen politischen Rückhalt bedeutet. Wir müssen daher mit diesem System, die Hauptstadt zu ignorieren, ein für allemal brechen. Es kam bei uns soweit, daß junge Leute, die ihr ganzes Leben für Palästina hingeben, in der nächsten Nähe von Jerusalem leben und kein Bedürfnis empfinden, Jerusalem zu sehen. Ich kannte eine junge Dame, die zwei Stunden von Jerusalem sich niedergelassen hat und dort mit bewundernswerter Hingabe für die Renaissance arbeitete. Und als ich sie einst fragte, ob sie schon Jerusalem gesehen hat, erwiderte sie mir: .Was soll ich denn in dieser faulen Stadt suchen!“ Und da stoßen wir ebenfalls auf eine Sünde, die wir in unserer Propaganda für Palästina begangen haben: wir haben uns allzu rationalistisch gebärdet. Wir haben alles auf das rein-vernünftige lenken wollen und keine Rücksicht genommen auf das Sentiment. Aber das Volk hat gesunde Instinkte. Sehen Sie: wenn etwas dem Volke über Jerusalem gesagt wird, so fängt sein Puls zu schlagen an. Wir verstanden das nicht und wir wollten auf Jerusalem verzichten; aber dann würde das Volk auf ganz Palästina Verzicht leisten. Wir müssen und sollen unsere Arbeit an Jerusalem knüpfen, als an das natürliche Zentrum Palästinas und des jüdischen Nationalgefühles. Nun haben Sie hier drei Prinzipien: jüdische Arbeit, Argrarbank und Jerusalem, die ich als Grundlage unserer bevorstehenden Palästinaarbeit wissen möchte. Uebergeben wir diese Prinzipien dem Palästinaamte und dem A. C. als Richtlinien für ihre künftige Tätigkeit. (Andauernder Beifall.) Dr. Ruppin (mit lebhaftem Beifall empfangen): Geehrter Kongreß! Ich bin genötigt, noch einmal das Wort zu ergreifen, um auf die Angriffe zu antworten, die Herr Kann gegen die Palästinaarbeit in seiner vorgestrigen Rede gerichtet hat. Herr Kann hat damit begonnen, daß er erzählte, das Palästinaamt habe zum Beispiel in eigenmächtiger Weise eine Hypothek auf ein Terrain in Palästina gegeben, ohne dazu vom N. F. bevollmächtigt zu sein. Die Sache war bereits ungefähr vor einem Jahr Gegenstand einer langen Erörterung in Köln, als ich von Palästina nach Köln kam. Ich habe damals in Gegenwart der Herren Dr. Bodenheimer und Wolffsohn aus den Akten nachgewiesen, daß ich mich durchaus für bevollmächtigt halten dürfte, diese Hypothek zu Es ist ein Protokoll darüber aufgenommen worden, das, wie ich glaube, die Herren Dr. Bodenheim er und Wolffsohn unterschrieben haben und in dem dies festgestellt wurde. Ich bin daher erstaunt, daß Herr Kann dies nicht gewußt hat, denn ich nehme an, daß er dann nicht diese Kritik an mir geübt hätte. Der Beweis, den Herr Kann anscheinend führen wollte, daß wir ganz eigenmächtig und ohne Beamtendisziplin in unserer Arbeit Vorgehen, ist nicht geglückt. Ich will allerdings

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