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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 38 PlEl|gELT- - 1289 Abschluß der Palästina-Debatte Erwiderung Dr. Ruppins und Dr. Bodenheimers — Anerkennung der bisherigen Grundlinien der Palästinaarbeit Neunte Sitzung Montag, am Vormittag des 8. September Beginn IOV2 Uhr. Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung und erteilt das Wort Dr. Jellin, Jerusalem: Verehrter Kongreß! Nach vielen und teueren — an Geld und Zeit teueren Diskussionen über Politik, sind wir froh, daß wir endlich zur praktischen Arbeit in Palästina gelangt sind. Wissen Sie, meine Herren, welche die richtigste Politik ist? — Das ist,wenn überhaupt keine Politik getrieben Unsere Politik ist klar: die Ruinen aufzubauen, das Verwüstete wieder herzustellen. Es sind noch genug Ruinen im Lande, die man aufzubauen hat Wer das Land von Dan bis Ber-Saba durchstreift» der sieht sie ja, die wüsten Berge, die verödeten Täler, die auf tüchtige Arbeiterhände warten. Unsere Siedlung in Palästina ist zwar ein Werk unseres Eigennutzes; aber sie kommt auch dem Lande selbst zu gute. Man befürwortet gewöhnlich die Palästina-Siedlung damit» daß sie der türkischen Regierung große Einnahmen bereite. Wohl ist auch dies eine wichtige Leistung; aber es gibt etwas noch viel Wichtigeres und das ist: die Renaissance des Landes, des Bodens. Unsere Siedlung hat die Landwirtschaft, die Industrie und den Handel des Landes gefördert Wer das Land vor dreißig Jahren kannte und es jetzt wieder sieht, kann sich der Einsicht nicht verschließen, daß hier vieles geleistet wurde. Unsere Siedlung hat die auf Wissenschaft und Fortschritt begründete Arbeit in das Land gebracht. Jede unserer Kolonien ist. ein Muster, jede Ansiedlung ein Beispiel für die ganze Umgebung. Und unsere Arbeit hat die günstigsten Aussichten! Wir wissen ganz genau, wie sich die ottomanische Regierung zu unserem Volke seit Jahrhunderten verhalten hat. Es gibt kein Land in der Welt, in dem die Juden so weitgehende Gleichberechtigung — und nicht bloß auf dem Papiere — genießen, wie in der Türkei. Die höchsten Aemter im Staat wurden an Juden gewährt, insofern sich Personen unter uns gefunden haben, die sie bekleiden konnten. Die Regierung hat auch mehrere Male ihr volles Vertrauen zu den jüdischen Bürgern ausdrücklich ausgesprochen. Wir haben auch alle möglichen politischen Rechte, von den Gemeinderatswahlen bis zur Parlamentswahl und die Regierung weiß, daß wir an dem Fortschritt des Landes ehrlich mitarbeiten. Wir sollten unseren Stolz darein setzen, so viele Staatsbeamte als möglich aus unserer Mitte zu entsenden; und wir sollten es nicht erleben müssen, daß im Jerusalemer Bezirksamte ein Vertreter der Armenier, die vielleicht einige hundert Seelen in der Gegend haben, sitzt, und die Juden, die über eine über 50.000 Seelen starke Bevölkerung verfügen, keinen haben. Wir müssen also unsere Wählerzahl vermehren, und in gleichem Maße werden wir danach auch die Zahl unserer Gewählten vermehrt haben, bis wir endlich auch unsere Vertreter in das Volkshaus werden entsenden können. Die ansässige Bevölkerung soll unseren ernsten Wunsch erkennen, im Lande mitzuarbeiten, und zwar wie Landeskinder und nicht wie Fremde, die nur auf die Exploitation der Landesgüter hinauszielen. Und wenn wir kritisieren wollen, so sollen wir nicht über das reden, was getan wurde, sondern über das, was nicht getan wurde. Da ist nun folgendes hervorzuheben: Wir setzen Vertrauen in das Palästinaamt, aber wir verlangen erstens, daß auch Jerusalem ein solches Amt bekomme und daß beiden Aemtem auch Beiräte aus Palästinensern zugeteilt werden. Wir kennen alle die Tüchtigkeit des Herrn Dr. Ruppin und wir preisen sie. Aber es ist unmöglich, daß eine Person allein alles machen soll. Ziehen wir die Männer heraus, die unsere Sache machen können und sollen, und stellen wir jeden Mann auf seinen richtigen Platz. Redner entwickelt schließlich die Forderungen und Erwartungen der palästinensischen Judenheit, die darin gipfeln, die durch den Balkankrieg eingetretene Auswandererbewegung nach Syrien hinzulenken und die Verbesserung des Verhältnisses zur arabischen Bevölkerung und Schaffung einer Filiale des Palästinaamtes in Jerusalem, sowie vorbereitende Schritte zur Schaffung einer allgemeinen Organisation der palästinensischen Judenheiten fordert. Nahum Sokolow: Gestatten Sie mir, hier eine Parenthese zu machen. Was ich Ihnen mitteile, steht nicht im direkten Zusammenhänge mit der Palästinadebatte, aber — bei uns steht alles im Zusammenhänge mit Palästina. Ich will Ihnen ein Sendschreiben mitteilen, welches wir von Mr. Brandeis erhalten haben. Ich muß Ihnen in kurzen Worten die Persönlichkeit des Mr. Brandeis charakterisieren: Es ist hier eigentlich nicht der Ort dieses zu tun, aber der Anteil Amerikas an der zionistischen Arbeit ist so bedeutend, daß wir davon nicht absehen können, uns über die Kräfte, die jetzt in der zionistischen Arbeit in Amerika tätig sind, zu orientieren. Geehrter Kongreß! Bei der Propagandaarbeit — und ich behaupte, daß die Propagandaarbeit eigentlich für die Diaspora die wichtigste, vielleicht die einzige sei — muß uns daran liegen, außer den Massen, auch die führenden Persönlichkeiten zu gewinnen. Sie werden sich an die alte Parole .Eroberung der Gemeinden“ erinnern, die doch denselben Zweck hat. Wir wollten die Gemeinden erobern, nicht wegen der Eroberung, damit unseren Gesinnungsgenossen die Ehre zuteil werde, in den Gemeindeverwaltungen zu sitzen, sondern um durch die führenden Persönlichkeiten in den Gemeinden das Volk zu gewinnen. Und wenn wir uns die Frage stellen: Wie weit sind wir damit gekommen, so ist absolut dieser eine Augenblick dazu geeignet, darauf Antwort zu geben. Was ich Ihnen sagen will, bezieht sich nur auf Amerika und ich beantworte diese Frage dahin: In Amerika könnte ich Ihnen drei Persönlichkeiten nennen, die jetzt eine führende Rolle im Zionismus zu spielen bestimmt sind, und diese drei Persönlichkeiten sind sehr interessant. Wir hatten hier die Ehre, Herrn Professor Schechter in unserer Mitte zu begrüßen. (Beifall.) Ich hatte die angenehme Gelegenheit, Ihnen eine Depesche des Nathan Strauß vorzulesen, jetzt habe ich den Vorzug, einen Brief von Mr. Brandeis vorzulesen. Das sind drei Persönlichkeiten, die ganz verschiedene Typen darstellen. Schechter ist ein Vertreter jüdischer Wissenschaft Nathan Strauß ist der Typus eines Großjuden oder eines sehr reichen jüdischen Finanziers. Mr. Brandeis repräsentiert den Typus eines amerikanischen Staatsmannes und Nationalökonomen. Und, geehrter Kongreß, wie verschieden die Eigenschaften dieser drei Persönlichkeiten, so sind auch die Wege verschieden, wie die drei Persönlichkeiten zu uns gekommen sind. Die alten Kongreßbesucher werden den Namen des von uns allen verehrten Professors Schechter nicht in den ersten Berichten der Kongresse finden. Er war nicht unter uns in den ersten Jahren. Er kam erst in den letzten Jahren und wir begrüßen ihn um so herzlicher. Prof. Schechter, der jetzt für Palästina besonders tätig sein will, der auch schon Palästina besucht hat, und sich jetzt zu einer neuen Reise anschickt, ist zu uns gekommen als derjenige, der jetzt an der Spitze einer großen Unterrichtsanstalt, des Rabbiner-

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