Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Augabe VI (10.9.1913)
- Date
- 1913-09-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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.- - -. ■ -1.8= -------- DIE3^KELT -- - ■ — Nr. vi Sitzungen der Landsmannschaften und Sonderverbände Deutsche Landsmannschaft Die Deutsche Landsmannschaft tagte am Montag nachmittag unter dem Vorsitz von Dr. Victor. Die Herren Dr. Hey mann und Dr. Isaac Straus berichteten, daß Verhandlungen im Gange seien, ein Kompromiß auf der Grundlage zu schließen, daß vier neue Direktoren der Majoritätspartei gewählt werden sollen, während i:n Aufsichtsrat keine Änderung eintreten solle Die Herren Wiener und Weinberg gaben ihrem Bedauern darüber Ausdruck, daß das Engere Aktionskomitee nicht strikt auf dei Annahme seiner Anträge besiehe, da man nun den unerfreulichen Kampf auch auf dem XI. Kongreß haben werde. Die Herren Victor, Stahl, H e \ m a n n und Straus baten dagegen dringend darum, dem Kompromiß zuzustimmen. Man brauche jetzt große Gelder für Palästina und würde sie nicht bekommen, wennn es nach außenbin scheinen würde, daß die Einigkeit in der Partei geschwunden sei, Dr. Hermann richtete sodann die dringende Bitte an die deutschen Delegierten, der Frage der jüdischen Universität in Palästina d.e größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es wäre außerordentlich erfreulich, daß man für diesen Zweck einmal große Summen von Nichtzionisten bekommen könne, ganz abgesehen von der großen idealen Bedeutung der Sache. Die Herren Fritsch, Straus und Stahl stimmten Herrn Dr. Heymann zu, während Herr Dr. Z 1 o c i s t i sich energisch gegen die Gründung einer Universität im gegenwärtigen Moment aussprach. Westösterreichische Landsmannschaft. Die W. Oe. L. hielt am Donnerstag nachmittags unter Vorsitz ihres Präsidenten Herrn Dr. Emil M a r g u 1 i e s ihre zweite Sitzung ab. Vor Eingang in die Tagesordnung hielt der Vorsitzende dem, während der Kongreßtagung verstorbenen Wiener Gg. Herrn Ing. Löwenbein einen warm empfundenen Nachruf. Auf Antrag des Herrn Dr. Weiner wurde beschlossen die Eintragung ins goldene Buch vorzunehmen und diese unmittelbar vollzogen. Vor der allgemeinen Diskussion nahm, lebhaft begrüßt Herr Dr. Hantke namens des E. A. C. das Wort, um die Forderungen auseinanderzusetzen, die das E. A. C. an den Kongreß stellen zu müssen glaubt, wenn es auch weiterhin mit der Leitung der Bewegung betraut werden soll. An diese Erklärung schloß sich eine lebhafte Debatte, an der sich in erster Linie Dr. Kellner, Wahltuch und F i n z i beteiligten. Zur Bank" frage nahmen insbesonders die Herren A.Böhm und L. Brunner Stellung. Fast übereinstimmend wurde von diesen und den übrigen Rednern der Landsmannschaft der Meinung Ausdruck gegeben, welche dann in der von Herrn Dr. E. Margulies beantragten Resolution zum Ausdruck kam. Gegen diese Meinung nahm in der Debatte lediglich Herr Prof. Lieben Stellung. Es wurde hierauf mit allen gegen zwei Stimmen die später dem Kongreß vorgelegte Resolution angenommen. Die Landsmannschaft wählt hierauf auf Vorschlag des Herrn Dr. Margulies als Mitglieder in die Palästinakommission die Herren: A. Böhm, Dr. Kellner und Dr. Weiner, eventuell Dr. Schönhof. An Stelle des Herrn Dr. Zweig, der erklärte auf seine Stelle im Permanenzausschuß verzichten zu müssen, wurde Herr Dr. Isidor Margulies gewählt. Nach der Abstimmung über die Decharge, welche in der Sitzung vom 5. d. M. stattfand, nahm die österreichische Landsmannschaftsitzung in einer Sitzung, bei welcher Herr Dr. Hantke ebenfalls erschien, zu der durch die Verschiebung der Abstimmung über die Bankfrage geschaffenen Situation Stellung. Einmütig nahm in dieser und der weiteren Sitzung vom 6. d. M. die Landsmannschaft für die Uebertragung der Leitung der Banken an das Große A. C Stellung. Mehrere Redner gaben dem Wunsche Ausdruck, daß das E. A. C. in dieser prinzipiellen Sache nicht nachgeben möge. Eine Festschrift der jüdischen Turnerschaft Der elfte Zionistenkongreß ist gleichzeitig das zehnjährige Jubiläum der jüdischnationalen .Turnbewegung. Aus diesem Anlasse ist eine Festnummer der „Jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport* erschienen, die einen Ueberblick über die Entwicklung des national-jüdischen Turn- und Sportwesens in den letzten zehn Jahren gibt und jedem Kongreßteilnehmer zur Orientierung empfohlen sei. Eingehend ist der Stand der Turnbewegung in Palästina, Deutschland, Oesterreich und Galizien behandelt. Max Nordau, von dem das Wort „Muskeljudentum* stammt, schreibt in einem Artikel „Jüdische Turner“ unter anderem: „Der Nichtjude darf sich gestatten, schlapp und linkisch zu sein. Man dreht ihm aus dieser Unvollkommenheit keinen Strick. Man zieht aus ihr keinen Schluß auf sein geistig-sittliches Wesen. Man spricht sie nicht mit gehässiger Verallgemeinerung als einen vollgültigen Beweis der gründlichen Minderwertigkeit seines Volkes an. Dem allen setzt der Jude sich selbst und sein Volk aus, wenn er nicht die Strammheit und Geschmeidigkeit zeigt, die das an Soldatendrill und Sportwirkung gewöhnte Europäerauge von einer Manneserscheinung erwartet, soll sie nicht physisch, ästhetisch und moralisch widerwärtig wirken. Aber das Turnen, das aus scheuen Juden selbstvertrauende und zuversichtliche, aus schleichenden fest auftretende machen soll, muß in jüdischen Vereinen geübt werden. Nicht etwa nur wegen des offenen Antisemitismus, der zwar nicht in allen, aber doch in sehr vielen allgemeinen Turnvereinen herrscht und dem eintretenden Juden, falls er nämlich überhaupt aufgenommen wird, die schlimmsten Demütigungen zufügt, sondern auch aus einem anderen, subtileren Grunde. Wo der Jude sich allein oder als winzige Minderheit einer ungeheuren Mehrheit Nichtjuden gegenübersieht, da fühlt er sich wenig angeregt, sein Judentum heivorzukehren. Er bemüht sich vielmehr, es möglichst im Hintergrund zu halten. Er verheimlicht es vielleicht nicht geradezu, aber er wünscht nicht, daß es auffällt. So gewöhnt er sich an die Nichtjudenmaske und erwirbt Fertigkeit in ängstlicher Mimicry. Der Turnverein, statt ihn zum charaktervollen Bekenner zu erziehen, wird sein Erzieher zur Assimilation. Es liegt auf der Hand, daß der jüdische Turnverein die genau entgegengesetzte Wirkung auf seine Mitglieder übt. Dazu kommt ein Zweites. Der Jude ist empfindlich; er ist es in seiner doppelten Eigenschaft eines Nervenmenschen und eines Verfolgten und Verleumdeten. Er weiß, daß die Nichtjuden ihn ohne Wohlwollen betrachten und immer geneigt sind, ihn zu verhöhnen, wenn sie an ihm irgend eine Unvollkommenheit beobachten. Der junge Jude, der in einen allgemeinen Turnverein eintritt, schämt sich als Anfänger seiner Unbeholfenheit, was seine Fortschritte ernstlich hemmt. Gar mancher wird von der Vorstellung, antisemitischen Zuschauern zu Spott Anlaß zu geben, überhaupt abgehalten, es mit dem Turnen zu versuchen. Bei einem jüdischen Turnverein fallen alle diese Bedenken weg. Hier weiß der junge Jude sich von freundlichen Gesinnungen umgeben. Er weiß, daß man seine Unzulänglichkeit nachsichtig beurteilt. Er fürchtet nicht, ungeschickt zu beginnen. Er tut immer sein Bestes und kommt daher weit rascher und ohne Unlustgefühle voran, deren Überwindung den besten Teil seiner Energie in Anspruch nehmen Außerdem enthält die Festschrift Beiträge von Richard Blum, Henri Unna, Robert Weltsch und Arnold Katzinsky.