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Die Welt · 1913-09-10 · Kongreß-Augabe VI (10.9.1913) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Augabe VI (10.9.1913)
Date
1913-09-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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114 Nr. VI DIE2|EELT gestellt wurde, vier Generalredner mit beschränkter Redezeit von 15 Minuten zu wählen. Außerdem sollen noch Dr. B ende r s k y, dem bereits das Wort erteilt worden, und der mit Rücksicht auf die Nachtsitzung erst am Morgen sprechen will, und schließlich zwei Redner der Fraktion Misrachi, die bisher auf dem Kongreß überhaupt noch nicht zu Worte gekommen sind, das Wort erhalten. Nach einer Geschäftsordnungs-Debatte wird beschlossen, sechs Generalredner zu wählen. Nach einem Schlußworte des Herrn J e 11 i n (hebräisch) schreitet der Vorsitzende zum Schlüsse der Sitzung. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr vormittags. Schluß der Sitzung 1 Uhr nachts. Zwölfte Sitzung. Dienstag, am Vormittag des 9. September. Beginn */s 11 Uhr. Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung und erteilt das Wort Herrn Bendersky (mit Beifall begrüßt): Viele von Ihnen wissen, daß ich vor knapp zwei Jahren die Agitation für die Errichtung einer Medizinischen Hochschule in Palästina aufgenommen habe, die Idee der Gründung einer Universität war zwar nicht neu, wie Sie gehört haben, und wenn die früheren Initiatoren mit ihren Projekten nicht bis zu Ende gekommen sind, so ist das nicht Fehlern zuzuschreiben, die sie begangen hätten, sondern dem Umstande, daß die Bedingungen, welche zur Errichtung einer solchen Institution nötig sind, damals gefehlt haben. Um einem Mißverständnisse gleich vorzubeugen, will ich sofort feststellen: Wenn ich hier nur von der Medizinischen Fakultät spreche, so beweist das nicht, daß ich gegen die Errichtung anderer Fakultäten auftrete, aber ich bin Arzt, bin nur in dieser Frage Fachmann und halle mich nur in dieser Frage für berechtigt, zu plaidieren. Ich werde nicht der Letzte sein, welcher für die Errichtung einer vollständigen Universität sein wird, aber wenn man mich fragt, welche Fakultät ich für die allerwichtigste und allernötigste halte, so werde ich ganz bestimmt und klar sagen: das ist die Medizinische Fakultät. Mein Projekt hat bekanntlich eine ganze Literatur geschaffen und eine ganze Opposition hervorgerufen. Man hat mich sogar als einen Anarchisten bezeichnet, ich meine aber eben darum, weil ich in anarchistischer Weise im Anfang eben hervorgetreten bin, ist das Projekt in die Tagesordnung des Kongresses aufgenommen worden. Sie wissen alle, daß z. B. Ehrlich, Wassermann und mein Chef Senator keine ordentliche Professur erlangen konnten und vielen Gelehrten, in Rußland insbesondere, dasselbe Schicksal beschert ist. Auch ich persönlich empfinde dieses Weh. Vielleicht habe ich deshalb die Agitation aufgenommen und habe sie an Mandelstamms Namen geknüpft, weil er als Jude niemals Professor werden konnte. Einen weiteren Grund bildet die große Zahl der jüdischen Mittelschulen, welche in Palästina jetzt bestehen. Sie haben bei den kinematographischen Vorführungen des jüdischen Lebens in Palästina gesehen, wie groß die Zahl der Schuljugend war, welche an den Festlichkeiten teilnahm. Was werden diese Kinder machen, wenn Sie ihnen nicht Fenster und Türen zum weiteren Fortkommen offenhalten wollen. Wir haben ihnen eine jüdische Erziehung gegeben. Und jetzt sollen sie vielleicht wieder anfangen Gojim zu werden. Die zweite Frage ist die: Warum bestehe ich gerade darauf, daß eine Medizininische Hochschule gegründet werde? Ich habe auf meiner Reise in Palästina gesehen, wie kläglich dort die sanitären Zustände sind, wie wichtig die Frage der Wasserversorgung, der Kanalisation ist, ich habe alle Infektionskrankheiten gesehen, welche dort wüten. Alles das erfordert Hilfe. Ist denn das normal, daß man in einem Spital Schare Zedek, wenn man einen Chirurgen braucht, ihn aus der Mission holen muß? In der Schule Saint Joseph in Beirut, wo einige jüdische Studenten leben, sind sie verpflichtet, jeden Morgen mit den anderen Studenten die katholischen Gebete mitzusingen, und wenn man eine Schwester sucht, muß man eine Schwester irgend eines Ordens holen, welche nicht so sehr für den Körper als für die Seele des Patienten sorgt. Wäre es nicht besser, wenn wir jüdische Schwestern, mit einem blauen Mögen Dovid-Zeichen am Arme hätten, als katholische, welche für unser Seelenheil sorgen. Die Engländer haben das verstanden. Wenn England eine Kolonie anglisieren will, so entsendet es sofort Ärzte dahin. Auf der Genfer Weltausstellung haben Sie die katholischen Missionen gesehen, ihre Tätigkeit bezieht sich hauptsächlich auf die Errichtung von Anstalten zur Bekämpfung der Schlafkrankheit. Diese sind das beste Mittel, um die eingeborene Bevölkerung zu gewinnen. Man fragt mich von Seiten der Herren Kritiker, wo werden denn die jüdischen Aerzte, die wir an unserer medizinischen Hochschule heranbilden werden, praktizieren und arbeiten? Es müssen ja nicht alle in Jerusalem arbeiten. Auch nicht in Palästina, es gibt große benachbarte Gebiete des Orients, Syrien, Mesopotamien, wo die jüdischen Aerzte werden arbeiten können. Wenn ich also für die medizinische Hochschule eintrete, so tue ich es auch deshalb, weil sie jüdische Aerzte in den Stand setzen wird, sich ihr Brot zu verdienen. Um allen diesen Notständen gerecht zu werden, muß man also eine Hochschule errichten, dabei kommt noch in Betracht, daß man durch diese Hochschule auch die Araber assimilieren kann. Die Araber stehen uns sehr nahe. Dort in Palästina ist das einzige Land, wo unsere Kultur das Uebergewicht erlangen kann, weil wir die Mehrzahl erlangen werden, wie wir z. B. in Jerusalem schon jetzt in der Mehrzahl sind. Dort haben wir die einzige Möglichkeit zu assimilieren, anstatt selbst assimiliert zu werden. Die dritte Frage: Ist es möglich, eine solche Schule in Jerusalem in unseren Tagen zu errichten? In diese Frage weiß jeder Jude Bescheid. Viele Einwände wurden mir gemacht, der Haupteinwand wurde mir von Amerika entdeckt: Man braucht viel Geld; als ob ich es selbst nicht wüßte. Es ist eine schwierige Frage und eben darum glaube ich, daß wir es aufnehmen müssen. Jeder Jude wäre ein Universitätsmacher, wenn man kein Geld dazu brauchen würde. Natürlich braucht man Geld und ich will hier einige Beispiele anführen. Chicago gibt jährlich 6,000.000 Fr. für seine Universität. Zürich eine Million usw. Es gibt dann verschiedene Städte, die nur eine ecole medicene et pharmace haben und nur sehr wenig Geld dafür ausgeben. So in Catania in Italien 42 000 Mk., Besoncon in Frankreich 46.000 Mk. für Lehrmittel und 8000 Mk. für die anderen Ausgaben. Das ist ja nicht so geheuer. Natürlich müssen wir Geld haben, denn ich denke gerade an die gute jüdische Hochschule, welche uns viel Geld kosten muß, aber übertreiben dürfen wir doch nicht. Warum sprach ich gerade von Jerusalem. Es sind ja noch andere Städte vorhanden. Aber Jerusalem ist der Brennpunkt unserer Bestrebungen. In Jerusalem haben wir noch fünf Spitäler und dort hat unsere Gesellschaft und Organisation jüdischer Aerzte und Naturforscher große Fortschritte gemacht und verschiedene Institute eingerichtet, die man als Vorgänger medizinischer Fakultät betrachten könnte. Wir müßten eigentlich einige Millionen haben, aber wenn wir auch kleinere Summen haben, werden wir bei den gegebenen Verhältnissen auskommen können. Die Erhaltung der Universität ist eine andere Frage. Für den Bau werden sich wahrscheinlich Mäzenate finden, die uns das Grundkapital zusammenbringen werden. Wozu sind denn die jüdischen Millionäre da, wenn nicht, um Geld herzugeben. Wir müssen eine Spendenatmosphäre schaffen, und ich behaupte» daß sie schon geschaffen ist. Wir haben gehört, daß wir schon beträchtliche Spenden haben, auch ich habe einen kleinen Teil beigetragen, aber ich weiß, daß mein Knödl von 20.000 Mk. ein ganz kleiner Tropfen ist, aber die Knödl werden sich mehren und wir bekommen eine reichhaltige Suppe. Man macht mir noch sehr viele Vorwürfe von allen Seiten, was werden wir mit der Sektion machen? Ja meine Herren, was macht denn Konstantinopel? Beirut? Woher nehmen sie die Leichen? Ich werde Ihnen noch ein Geheimnis verraten. Für

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