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Die Welt · 1913-09-10 · Kongreß-Augabe VI (10.9.1913) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Augabe VI (10.9.1913)
Date
1913-09-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. VI 113 DIE3$EELI Israels mitgeben; von jetzt ab, wenn wir eine Universität haben werden, werden wir jedem jüdischen Lebendigen ein Stückchen Geist von Palästina mitgeben. Jeder Student der jüdischen Geschichte und der jüdischen Bibelkunde wird es für eine Pflicht halten, mindestens ein Jahr auf der Hochschule auf dem Berge Zion zuzubringen. Wie wird es da mit der jüdischen Wissenschaft aussehen! Kann man die Bibel, die jüdische Geschichte irgendwo so studieren, wie in Palästina? Darüber brauche ich nichts zu erzählen. Durch die Blätter unserer Thora wird ein neuer Hauch wehen und heute haben wir den Moment erlebt, wo dieser Grundstein zur neuen Generation des jüdischen Volkes gelegt ist. (Beifall.) Dr. Mossinsohn, Jaffa: Es haben bereits Redner Pro gesprochen und ich finde es dennoch für geeignet, daß ich dazu noch ein Wort sage. Wir haben in Palästina einen Versuch zur Schaffung eines nationalen Erziehungswesens gemacht; wir sind durch die Volksschule zur Mittelschule gelangt, und wollen wir eine ganze Sache ins Leben gerufen wissen, so müssen wir den Schritt noch weiter und bis zu Ende führen, nämlich von der Mittelschule zur Universität Wir sind es auch unseren Gymnasialzöglingen schuldig, daß wir ihnen die Möglichkeit verschaffen, ihre Bildung in demselben Geiste fortzusetzen, wie wir sie ihnen in unserer Mittelschule gegeben haben. Dann kommt noch eine Hinsicht ernstlich in Betracht. Heutzutage gehen die arabischen Studenten auf die amerikanische und französische Kollegs in Beyruth und dort nehmen sie samt der Fachbildung, auch eine hübsche Dosis von Antisemitismus auf. Wenn wir nicht rechtzeitig diese arabische Jugend an sieh ziehen werden — und sie sollen auf unserer Hochschule die wärmste Aufnahme finden — so könne ein Tag kommen, wo die ganze arabische Intelligenz in Palästina gegen uns sein würde Und die Zehntausende jüdischer jungen Leute, die jahrein, jahraus von den russischen Hochschulen weggejagt werden? Und diese jungen Leute, die hier id Wien, auf der Schwelle ihrer Alma mater geprügelt wurden, weil sie nämlich ihres Judentums sich bewußt sind, tragen diese denn nicht den Goluth auf ihren Schultern? Diese alle sollen auf der künftigen jüdischen Hochschule in Jerusalem, versammelt werden, um da ein ungestörtes nationales Leben und Gefühl zu bekunden. Aber noch ehe die Universität da ist, haben sich schon ihre Gegner gefunden. Es bekämpfen sie auch ein Teil derjenigen, die für sie sein sollen. Und da heißt es: die Universität würde für sich Kräfte und Mittel in Anspruch nehmen, diefür kolonisatorische Zwecke verwendet werden sollten. Darauf erkläre ich: wenn ich ebenfalls diese Befürchtung hegen möchte, so würde ich ebenfalls gegen die Universität sprechen. Ich halte auch den Bodenankauf als die Grundlage aller unserer Aufgaben in Palästina. Aber ich halte es für eine falsche Befürchtung, was hier gesagt werde. Unser Gymnasium ist neben seinem Kulturwert auch ein ökonomischer und kolonisatorischer Faktor für das Land geworden. Und noch in größerem Maße wird dasvon der Universität gesagt werden können. Dr. J. Klausner, Odessa: Das Hauptargument, das von den Gegnern in die Wagschale gegen die Universität geworfen wird, ist dies, daß die Arbeit für die Universität unsere Organisation durch eine Reihe von Jahren so sehr in Anspruch nehmen wird, daß dies sicherlich sich auf die Förderung des Bodenerwerbs arg abrufen wird. Ich teile diese Ansicht nicht. Wenn aber darin auch irgend ein Teil der Wahrheit stecken sollte, so müßten wir auch darauf bestehen, weil wir es hier mit einem Prinzip zu tun haben, das bei uns einmal Aufklärung finden soll. Seit jeher stoßen wir an ein Wort, das bei uns beinahe zum Schimpfwort geworden ist: Geistiges. Aber wissen Sie, meine Herren, daß gerade die materiell gesunden Völker auf das Geistige mehr Gewicht legen als wir? Dann sollen Sie erfahren, daß heutzutage sämtliche Völker gerade auf das Geistige viel ausgeben. Italien z. B., gibt enormes Geld aus, um für Abessinien Schulbücher zu schaffen. Warum? Weil in Italien braucht man nicht erst zu beweisen, daß die Schule nicht bloß ein nationalkulturelles, sondern auch ein politisches Instrument ist, manchmal von wichtigerer Tatkraft als je eine Bank. Auch eine Universität in Jerusalem wird in erster Reihe ein politischer und zuletzt erst ein geistiger Faktor werden. Und da soll ich Ihnen vielleicht in Erinnerung bringen, daß überall in der Welt die Studenten es gewesen sind, die nationale und politische Bewegungen geschaffen und ins Leben getragen haben; daß nur in Studentenkreisen solche Bewegungen anwachsen können; und wenn wir in Palästina noch einer gewissen Unreife des politischen Gedankens begegnen, so ist es auf das Fehlen einer akademischen Atmosphäre zurückzuführen . . . Genau so ist es auch in bezug auf das Ökonomische. Wir haben es bei dem Jaffaer Gymnasium gesehen. Diese „geistige“ Anstalt ist zu einem mächtigen Kolonisationsfaktor geworden, indem er als Zugkraft für viele Familien der Diaspora geworden ist. So wird es auch mit der Universität geschehen: sie wird als Zugkraft für jung und alt dienen und sie wird auch zur Popularisation Palästinas unter der „Gaulo1“ dienen. Was aber die Leistungsfähigkeit der Spender betrifft, so wird sie dadurch gewiß nichts einbüßen; im Gegenteil werden uns viele Personen zugezogen werden, die bis nun uns fern geblieben sind, weil eben sie im Zionismus für sich nichts Begeisterndes gefunden haben. Lassen wir sie sich für die Idee der Universität begeistern und sie werden dann mit uns auch für sonstige Aufgaben des Zionismus verbleiben. Es soll aber noch ein Umstand nicht unerwähnt bleiben. In Aegypten besteht eine arabische Hochschule, Al-azar, die bis achtzehntausend Studenten in sich birgt, und diese Hochschule ist ein Zentrum für die arabische Bewegung geworden. Es ist für uns einfach ein Gebot des Selbsterhaltungstriebes, daß wir im Lande ein solches Zentrum bilden. Sonst müßten wir über die arabische Bewegung sehr beängstigt sein. Ich will aber mit noch einem Argumente hervorrücken, das zwar schon purer „Geist“ sein wird, das aber dennoch gesagt werden soll. Wir klagen alle darüber, daß wir eigentlich keine jüdische Wissenschaft haben, daß sie seitens der christlichen Gelehrten einfach gefälscht wird. Ich sage aber noch etwas mehr: Auch die jüdischen Gelehrten fälschen die Wissenschaft! Es gilt hier ein Wort von Rousseau zu zitieren, der gesagt hat: Alle Forschungen über Juden und Judentum sind trügerisch. Die Christen sind ja durch ihre Dogmen gebunden; die Juden aber sind in eine Lage versetzt, daß sie ihr freies Wort verhehlen müssen. Gebet nur den Juden, sagte Rousseau, einen eigenen freien Staat und eine eigene freie Akademie und wir werden dann hören, was sie uns sagen werden. Das ist es, was uns nottut: eine freie Stätte für jüdischen Geist, und dann wird auch die richtige freie jüdische Wissenschaft entstehen. Im weiteren führt Redner aus, daß eine Universität, wie ein Staat nicht in einem Nu geschaffen wird, sondern sie werden. Wir sollen mit Bezug auf die Universität nicht wiederum den Fehler machen, den wir schon bei der Idee des Judenstaats gemacht haben. Jetzt gilt es bloß den Kern zu werfen, von dem die Universität dann herauswachsen wird. Redner tritt für eine philosophische Fakultät als Anfang ein. Zum Schlüsse wendet er sich noch gegen die Einwendung, als haben unsere Weisen immer die positiven Wissenschaften der Philosophie vorgezogen und weist darauf hin, daß Halewi und Maimonides die Medizin dazu benützt haben, um in Ruhe den „Chuzari“ und „More“ schaffen zu können. Es sei dieses ausdrücklich betont, und man möge nicht mit tendenziösen Beleuchtungen geschichtlicher Tendenzen herumrennen. Redner wendet sich dann an den Kongreß mit einem warmen Appell, man möge die Universitätssache sehr beherzigen. Es wird einst eine Generation kommen, die mit Weihe und Dankbarkeit unserer heutigen Initiative gedenken wird. Vorsitzender Simon bringt zur Kenntnis, daß der Antrag

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