Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Augabe VI (10.9.1913)
- Date
- 1913-09-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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DIE^EELT Elementen der Naturwissenschaft, der Gesundheitspflege, der Krankheitsbekämpfung usw. zu sorgen. Die Vorschläge, welche ich dem Kongresse zu unterbreiten habe, sind ihrer Natur nach einfach. Wir alle sind uns der schweren Aufgabe bewußt, und wir wollen uns hüten, Projekte einfach in die Welt zu setzen, ohne materielle Grundlage, ohne Mittel zur Realisierung. Wir glauben aber, daß es an der Zeit ist, ernste Vorbereitungen zu treffen. Ist das Problem in seinen Grundlagen geklärt, so kann man mit der Agitation beginnen und auch die Mittel dafür sammeln. Ich bin am Ende meiner Ausführungen, und ich hoffe, daß es mir gelungen ist, die Grundlinien unseres Planes festzulegen und den Weg vorzuzeichnen, auf welchen man zur Realisierung kommen kann. Natürlich erfordert diese Realisierung eine große Kraftanstrengung, aber ich glaube, daß der Erfolg dieser Anstrengung rechtfertigen wird. Gelingt es uns, die Idee in weite jüdische Kreise hineinzutragen, so dürfen wir auch hoffen, daß wir ein Verständnis für die hohe Aufgabe finden werden und eine kräftige Unterstützung. Die jüdische studierende Jugend wird vor allem ihre Pflicht tun und sich tatkräftig an der Propagierung der Idee beteiligen. Die studierende Jugend wird nicht vergessen, daß, während sie das Glück hat, an den Quellen der Wissenschaft zu schöpfen, Tausende ihrer Mitbrüder vor Wissensdurst vergehen und durch eine barbarische Gesetzgebung die Türen der Universitäten ihres Geburtslandes gesperrt finden. Es ist deswegen eine doppelte Pflicht der jetzt Studierenden, alles zu tun, um auch die anderen jungen Juden der Wissenschaft zuzuführen und die einzige würdige Antwort auf die jetzige Universitätssperre ist die Gründung einer eigenen Universität. (Beifall.) Ich werde am besten mit den Worten Fichtes schließen: „Welcher Edeldenkende will nicht durch Tun und oder Denken ein Samenkorn streuen zu unendlicher immer fortgehender Vervollkommnung seines Geschlechtes, etwas Neues und vorher nie Dagewesenes hineinwerfen in die Zeit, daß es in ihr bleibe und eine nie versiegende Quelle neuer Schöpfungen werde.“ Dr. Gaster: Das erlösende Wort ist gefallen, die rettende Tat ist geschehen! Das wird unzweifelhaft das Gefühl aller derjenigen sein, die das Glück haben, an dieser großartigen Manifestation des jüdischen Geistes und des vergeistigten Zionismus hier teil zu nehmen. Ich muß eingestehen, daß ich während der Diskussion der letzten Tage befürchtet habe, daß der Zionismus allmählich in die Keller der Bank versinken wird und ich freue mich und Ihr alle freut Euch mit uns, daß wir aus dieser dumpfen Luft in die höhere Sphäre des geistigen Lebens und des geistigen Strebens hinaufgetragen worden sind. Dieser Kongreß wird ein merkwürdiger bleiben, er wird in der Geschichte des Judentums eine ehrenvolle Stelle einnehmen und von diesem Kongreß geht eine der großartigsten Ideen aus, welche von weittragender Bedeutung für die Erlösung unseres Volkes nach innen und nach außen sein wird. Wenn Sie dem Verlaufe der Verhandlungen hier gefolgt sind, wenn Sie an demselben sich hier beteiligt haben, so müssen Sie sich gefragt haben, welche Bedeutung hatten diese nicht bloß für uns, sondern für die große weite Welt, in welche wir hinausgesprochen haben? Welches Urteil hat man sich über unsere Verhandlungen bilden können, wie hat sich der jüdische Geist in dem ersten jüdischen Parlament gezeigt? Wir sind hier zusammen gekommen, den gelben Fleck abzureißen und auszurotten. Der Zionismus ist die moralische Erlösung unseres Volkes. Wir sind hier zusammen gekommen, um unser Volk von der geistigen Sklaverei ein für allemal definitiv zu befreien. (Beifall.) Wir sind hier zusammen gekommen, um den ewigen Interessen der Menschheit zu dienen. Geld kann ein Mensch leicht verdienen, aber ebenso leicht verlieren, materielle Güter können wir unseren Kindern geben, aber wir können ihnen nicht auch die Versicherung geben, daß sie sie behalten werden. Die einzigen Schätze, die unveräußerlich sind, sind die Schätze des Geistes und diese haben wir stets gepflegt und treu gehegt durch die Jahrtausende. Das ist die Bank, die wir anlegen wollen, das ist das geistige Institut, die Schatzkammer die wir in Palästina hersteilen wollen. Schon der Gedanke allein wird erlösend wirken durch die Judenheit, noch bevor wir den ersten Stein in Palästina dafür gelegt haben. Wir sehen uns wohl hier unter unseren Arbeitern. Es sind dieselben alten Arbeiter, die jahraus, jahrein die Last des Zionismus mit Freuden getragen haben. (Lebhafter Beifall.) Aber wir sind nicht zufrieden damit, wir möchten noch die anderen großen Geister des Judentums hier in unserer Mitte sehen. Wir können sie bekommen in dem Momente, wo wir zu einem Ideal emporsteigen, den Enthusiasmus der Massen und auch der großen Geister entzünden kann. Kaufleute sind unzweifelhaft von großer Bedeutung, aber wer hat unser Volk aus dem Exil von Babylon zurückgebracht? Nicht die reichen Kaufleute, sondern der arme Schreiber Esra, Esra Hasofer, der Begründer des Synhedrions, der Mann, der die Schätze der Vergangenheit in seinem Geiste mitgebracht und uns bis heute vererbt hat. Es war der Mann des Wissens, der der Mann der Tat geworden ist und das soll auch für uns die Universität werden. Als ich vor 15 Jahren auf dem zweiten Kongreß zum ersten Male die Universitätsfrage aufgeworfen habe, da schüttelten die Herren die Köpfe und verstanden nicht, was ich wollte. Heute aber haben Sie von Herrn Ussischkin gehört, wie freudig man heute diesen Plan begrüßt. Die Universität wird die große rettende Tat bedeuten. Die Männer der Wissenschaft werden sich an unserer Universität zusammenfinden. Haben wir denn nicht große Männer an allen Universitäten der Welt und können wir sie denn nicht für uns gewinnen? Nicht Geld wird uns erlösen, aber wir werden die Träger der Kultur sein, die die Regeneration im Osten in wundervoller Weise erzielen können. Wir werden die Kultur des Westens in den Orient bringen, wir werden dort die Keime des Lebens hineinpflanzen und so der Menschheit dienen. Die Psychologie unseres Volkes hat sich noch nicht genügend entwickelt, daß sie als vollständig jüdisch bezeichnet werden kann. Man hat von der hebräischen Sprache gesprochen, für uns ist sie eine heilige Sprache. Man hat von Palästina gesprochen, für uns ist es das Heilige Land. Ehret und heiliget, schaffet ein neues Heiligtum im Heiligen Lande. Jetzt stehen wir auf heiligem Boden, weg mit den Schuhen, mit dem Materialismus. Dort steht die wahre Flamme, die Flamme des Lichtes, der Hoffnung, der Zukunft und Begeisterung. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Dr. Daiches: Ich glaube, daß ich durchaus nicht übertreibe, wenn ich sage, daß wir seit dem I. Kongresse solche erhabene und erhebende Momente wie wir es in dieser Nacht erleben, nicht erlebt haben. Wir kommen unserem wahren Ziele näher, ein neues Heiligtum, einen Sitz der wahren Erkenntnis und der wahren Wissenschaft auf dem Berge Zion wieder zu sehen. Wie Ussischkin vorher gesagt hat: wir sind wahrlich gesegnet, gesegnet von Gott, daß wir eine solche Stunde erlebt haben und wir müssen nur die Bedeutung dieser Stunde erfassen. Herr Ussischkin und Dr. Weizmann haben sich notwendigerweise vielleicht mehr auf die Bedeutung der Universität für Palästina beschränkt, aber die Universität hat eine lebendige Bedeutung für die gesamte Diaspora. Jetzt wird die Frage mehr gestellt werden können von den Juden Chinas, von den Juden in allen Erdteilen: „Was sollen wir mit dem Zionismus, was bietet er uns für diejenigen, die außerhalb Erez Israels leben.“ Jetzt ist ein Band geschmiedet zu allen Juden der Welt. Ich bin in der Lage, verkündigen zu können, daß ein Herr aus Odessa für die Errichtung der Universität 100.000 Fr. versprochen hat. Der Herr ist unter uns, sein Name ist Bespalow. (Stürmischer Beifall.) Er selbst gibt 75.000 Fr. und im Namen seines Schwiegersohnes, der, weil er sich nicht taufen lassen wollte, nach Bern gegangen ist, 25.000 Fr. Meine Damen und Herren! Wir haben die Sitte, daß wir jedem jüdischen Toten ein bißchen Erde aus Erez