Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316577--57948-3376455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. V wurde. Ich habe meine Pflicht getan, mehr kann ich nicht. Ich unterschätze keineswegs die große Schwierigkeit, mit der alle an der Palästinaarbeit Beteiligten zu kämpfen haben. Wir können dieselben aber nur überwinden durch solide Geschäftsgebarung ohne die selbst eine so ideale Sache, wie die unserige, nicht existieren kann. (Beifall und Zwischenrufe.) Dr. Schmarja Lewin (stürmisch begrüßt): Geehrter Kongreß! Wenn ich auch gezwungen sein werde, auf die Einzelheiten der Beschuldigungen meines Vorredners einzugehen, so geschieht es nicht deswegen, weil ich Dr. Ruppin in Schutz nehmen will. Ich habe die Geberzeugung, daß er die Kraft selbst besitzt, sich zu verteidigen. Es ist ihm sehr leicht gelungen, manches zu widerlegen und manches anders zu beleuchten; und darauf kommt alles an. Im Jüdischen behauptet man, es komme auf den Nigen an. Ich aber behaupte, auf die Beleuchtung. Ich will den Unterschied zwischen Herrn Kann und Dr. Ruppin erörtern und den Standpunkt, den die Leitung vertritt. Vor ungefähr 20 Jahren fragte mich ein Professor der hebräischen Sprache an der Wiener Universität: Ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit der hebräischen Sprache und wenn ich eine hebräische Zeitung in die Hand bekomme, kann ich kaum eine Zeile verstehen und kleine jüdische Kinder lesen diese Zeitungen. Wie kommt das? Ich habe ihm folgende Erklärung gegeben: Eine Sprache kann man anatomisch und physiologisch erlernen. Sie kennen die Anatomie der Sprache. W i r besitzen Physiologie und deshalb verstehen unsere Kinder gut hebräisch, auch wenn sie keine Grammatiker sind, und Sie verstehen es nicht, weil Sie die Sprache nur anatomisch kennen. Man hat hier von Palästina gesprochen, als ob es ein anatomisches Objekt wäre. Was man mit Zahlen beurteilen kann, davon kann man sagen: Hier ist es gut, hier ist es schlecht. Wir dürfen aber nicht vergessen: wir haben es mit einer Bewegung zu tun, die auch eine physiologische und psychologische Erscheinung hat. Herr Kann sagt, ich bin auch für die Palästinaarbeit, aber sie soll gut sein. Nun ist das Unglück, daß wenn man mit einem Palästinaprojekt kommt, Herr Kann jedesmal behauptet: Dies ist unpraktisch. Herr Kann hat noch etwas vorgeführt. Er hat gesagt: Wie würde es heute aussehen, wäre der Bezalel geschlossen worden? Das ist eine anatomische Betrachtung. Ich sage, wie hätte es ausgesehen, hätten wir auf das Menschenmaterial gewartet und keinen Bezalel gehabt. Herr Kann, Sie berufen sich oft auf Auhagen und Aronsohn. Wir haben ja noch andere Fachleute, die nicht minderwertig sind, und entgegengesetzter Meinung sind! (Beifall.) Wir haben Angestellte des Palästinaamtes, wie D y k in Merchawia, wie W i e 1 k a n s k i und verschiedene andere. Kann sagt, man wirtschafte sehr schlecht Z. B. beim Häuserbau bestreite man den Kostenanschlag. Er sagt: Erst soll man Erfahrung sammeln und dann Häuser bauen. Erfahrung für Häuserbau kann man nur bei Häusern sammeln. (Beifall.) Meine Damen und Herren! Kann behauptete, alles was wir in Palästina gemacht, ist schlecht Und wissen Sie, weswegen? Ich bin überzeugt, daß es leider seine Ueberzeugung ist, sonst hätte er dieses nicht behauptet. Ich erblicke in dieser Kritik nur den einzigen Fehler: Die Herren urteilen auf Grund von Berichten, die ihnen zugeschickt werden. Sie stehen an der Spitze unserer Banken, sie wissen, in Palästina geschieht etwas. Es wird gearbeitet Kolonien werden geschaffen, Farmen ins Leben gerufen. Da wäre es doch interessant, nach Palästina hinzugehen, einige Monate dort zu verbringen. Ich bin überzeugt, Sie würden dann ein besserer Fachmann sein als Herr Direktor Auhagen. Meine Damen und Herren! Wenn man mit Beschuldigungen kommt, so muß man doch eine gewisse Autorität besitzen. Worin besteht der Vorzug des Herrn Kann gegen Dr. R u p p i n. Herr Dr. R u p p i n arbeitet in Palästina und Herr Kann verwaltet auf Grund von Berichten die Sache im Haag. Herr Kann hat davon gesprochen, der Boden wir nicht teurer. Die Zukunft wird uns belehren. Wenn man von der Zukunft spricht, wollen wir abwarten und nicht Akzepte auf Grund eines prophetischen Geistes aufstellen. Jeder Boden, das wird Herr Kann zugeben, der in sich Blut hat, muß teuer sein Wenn nicht auf der Börse, so doch in nationalem Sinne. Sie haben gesprochen von 101 Der Universitäts-Fonds In der gestrigen Nachtsitzung teilte Ussichkin mit, daß die Zeichnungen für den Universitäts- Fonds bereits die Hohe von 365.000 Frs. erreicht hätten. Fischer und haben gesagt, Sie können seine Methode nicht gut heißen: In Antwerpen zu sitzen und in Palästina Boden zu kaufen. Wenn S i e kaufen, gehen sie nach Palästina. Ich ziehe seine Taktik vor. Das ist Gegenwart und jenes ist Zukunftsmusik. Wenn Sie ein Haus kaufen in Palästina, dann wird es Ihnen ja leicht fallen. Wer aber hat das zustande gebracht? Die Vorarbeiter. Der Boden steigt in seinem Preise in doppeltem Sinne. Er ist gestiegen und es sind noch manche andere Käufer da, die mit uns konkurrieren und mehr zahlen. Sie erzählen hier immer nur Teile. Entweder sagt man alles oder gar nichts. (Beifall.) Es ist doch eine Tatsache, der ganze Boden von Marchawia ist verkauft worden an Privatpersonen und diese sind dem Rate des Herrn Fischer gefolgt. Manche sind noch im Auslande, manche haben sich auch bereits niedergelassen. Ich wollte persönlich in Marchawia Boden kaufen und habe drei Tage mit Herrn Dr. Ruppin verhandelt. Er wollte nicht auf einen niedrigeren Preis eingehen. Betrachten Sie das Ganze, den ganzen Prozeß als den Ausdruck eines intensiven Wunsches, Palästina zu erobern. Zwischen uns ist ein quantitaver Unterschied. Wir verlangen, und sie wollen. Die jüdische Nation sucht wieder den verlorenen Zusammenhang zwischen Boden und Menschen zu finden (Beifall und Händeklatschen.) Ihre Weltanschauung zu kaltblütig und bei einer solchen Kaltblütigkeit kann man nicht weit kommen. Wenn man ein Streben nach dem Orient hat, muß man eine Sehnsucht haben und kalte Sehnsucht gibt es nicht. Etwas haben Sie von den Arabern gelernt und das raten Sie uns. , Langsam, langsam!“ Wir hätten die Jemeniten zu Propagandazwecken ausgenützt? Haben Sie die Jemeniten und ihre Not gesehen? Wir haben Tausenden von Brüdern, die sich in schrecklicher Not befanden, geholfen. Wo haben wir sie ausgenützt zu Propagandazwecken? Haben wir sie hieher zum Kongreß gebracht? Nein, wir haben ihnen Arbeit gebracht. Wir brachten sie von einem finstern Galuth in ein schönes freies Land und daraus soll man uns.* einen Vorwurf machen? Ich halte Sie wohl für einen tüchtigen Zionisten, aber auf diesem Gebiete fehlt Ihnen das G efühl die Ahnung. Wissen Sie, ein Stummer, der die Sprache wieder gewinnt, der kann eine leise Ahnung haben, was es für eine stumme Nation bedeutet, ihre Sprache wieder gefunden zu haben. (Beifall und Händeklatschen.) Meine Damen und Herren! Innerhalb der zionistischen Organisation sind wir gezwungen, uns mit allen Richtungen zu versöhnen. Denn im Piozesse des Werdens müssen verschiedene Richtungen Platz haben. Wenn aber hier von einer Partei gesprochen wird, wenn es sich um die Bank handelt, sagen Sie, wir wollen sie einer Partei ausliefern. Der Unterschied besteht darin, wir bilden die Partei Palästinas. Denn im Zentrum, im Schwerpunkt unserer Weltanschauung, liegt die Palästinaarbeit. Sie bilden auch eine Partei, die aber sehr klein ist, die Partei des Herrn Kann. Denn was Sie betrifft, Sie wollen es, aber Ihnen fehlt die Kraft, und wenn man von der Bank spricht, Herr Kann, Sie machen uns Vorwürfe, hier wird schlecht gearbeitet und dort wird schlecht gearbeitet und zum Schluß wollen Sie die Gelegenheit ausnützen, um Herrn Levontin eine Huldigung darzubringen; ich habe nichts dagegen, ich bin auch dabei. In Palästina merken wir ein Wachstum mit jedem Jahre. Die Zahl der Häuser wird vermehrt, ebenso auch die Zahl der Glieder und Schulen. Merken wir aber ein Wachstum in der Bank? Herr Kann, was wir von Ihnen verlangen und auch von allen anderen, ist — ich habe schon in der Einleitung darüber gesprochen — jede Bewegung hat nur e i n Zentrum, wir aber sind in Galuth in viele zerstreut. Wir müssen arbeiten in Rußland und Amerika, in Galizien und Oesterreich, unser Ziel ist weit im Osten und der Schwerpunkt unserer Leitung DIE^ELT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.