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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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102 ist in Berlin, nicht weil im Westen der Schwerpunkt ist, sondern weil die Umstände uns dazu zwingen. Der Schwerpunkt kann noch nicht nach Palästina verlegt werden. Ohne Eifer und sogar Uebereifer, mit kalter Ueberlegung und Rechnung hat man noch nichts in der Geschichte geschaffen, sogar auf dem Gebiete der Wissenschaft nicht. Wer kein Ahner und wer kein Sucher ist, bleibt ein guter Techniker, er wird aber nie ein Künstler sein, weder auf dem Gebiete der Kunst, noch auf dem Gebiete der Wissenschaft, noch auf dem Gebiete der ökonomischen Angelegenheiten. Wir begehen einen Fehler: Wir sitzen im Westen und glauben, hier sei der Schwerpunkt der ganzen Arbeit. Es ist beinahe so, als ob der Zionismus zur Verherrlichung der Bank und des N. F. da sei. Es muß umgekehrt werden. Diese Krankheit muß kuriert werden und dafür gibt es nur ein Mittel: Wir müssen verlangen, daß unsere Leitung sich nach dem anderen Schwerpunkte begibt und die Verhältnisse an Ort und Stelle kennen lernt. Nicht die Synthese zwischen den beiden Richtungen im Kongreß ist notwendig - das spielt keine Rolle — sondern die Synthese der beiden Zentren. Wenn diese Synthese vollzogen wird, dann wird die zionistische Partei als einheitliches Ganzes vor die ganze Welt treten können. Bis dahin, Herr Kann, haben wir nichts von der Kritik in Einzelheiten. Nichts zu arbeiten, ist kein Rat. Herr Kann hat keinen anderen Weg gezeigt, er hat nur die negative Seite betont. Wir müssen arbeiten und, verehrter Kongreß, meinen Sie nicht, daß günstige Momente sich immer wiederholen! Der Zionismus ist da, das Streben ist da, Palästina ist da, und deshalb stehe ich in schroffem Gegensätze zu Herrn Kann. Er bedauert, daß wir keine Erfahrungen haben beim Häuserbau etc. Hätten wir angehäufte Erfahrungen in Palästina, so wären sie mit fremden Mitteln erworben worden und wir hätten von den Erfahrungen gar nichts gehabt. Um Erfahrungen zu haben, muß man vorgearbeitet haben. Ich bin glücklich und die zionistische Organisation kann sich glücklich schätzen, daß in Palästina die Erfahrung einstweilen noch fehlt und wird sie auf Grund der Arbeit sammeln können. Darin soll die Synthese bestehen, und wenn sie bestehen wird, werden wir in der Organisation den inneren Frieden -haben. Wir werden die Sache dann besprechen, aber ohne Aufregung. Der Schwerpunkt wird für uns alle auf einem anderen Gebiete liegen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schließt Vors'tzender Wolffsohn die Sitzung. Nächste Sitzung Montag, 10 Uhr vormittags. (Schluß der Sitzung um 12 Uhr 10 Min.) Montag, den 8. September, Vormittagssitzung. In der Fortsetzung der Palästinadebatte entwickelt Delegierter David Yellin, Jerusalem, in längeren Ausführungen die Forderungen und Erwartungen der palästinensischen Judenheit, die etwa darin gipfelt, die durch den Balkankrieg eingetretene Auswandererbewegung nach Syrien hinzulenken und die Verbesserung des Verhältnisses zur arabischen Bevölkerung und Schaffung einer Filiale des Palästinaamtes in Jerusalem, die vorbereitende Schritte zur Schaffung einer allgemeinen Organisation der palästinensischen Judenheiten fordert. Das Mitglied des Engeren Aktionskomitees, Herr Nahum Sokolow, verbreitete sich sodann über die Bedeutung der Gewinnung der amerikanischen Juden für den Zionismus, insbesondere der in der letzten Zeit gewonnenen Persönlichkeiten der Herren Nathan Strauß und Jakob Brandeis. Der Präsident des Galizischen Zentralkomitees teilte sodann unter stürmischem Beifall der Versammlung mit, daß die von Herrn Dr. G. Zipper eingeleitete Sammlung von 100.000 Francs für das hebräische Gymnasium in Jerusalem soeben abgeschlossen sei. Ussischkin stellt fest, daß wir in den letzten zwei Jahren trotz mancher Fehler, die unvermeidlich waren, sehr Nr. V bedeutend vorwärts gekommen sind. Wenn wir jetzt mit Merchawjah im Emek Jisreel Fuß gefaßt haben, wenn wir hier jetzt nicht nur Boden, sondern auch jüdische Arbeiter haben, die ihr Leben dafür einsetzen, um uns eine neue wichtige Position zu erobern, so geht es nicht an, zu fragen, wie viel wir dafür zu zahlen hatten. Das gleiche gilt auch für Kinereth, die Lehrfarm für Arbeiterinnen in Palästina. Als die wichtigsten Aufgaben der Palästinaarbeit bezeichnet der Redner die Durchsetzung des Prinzips der jüdischen Arbeit, die Schaffung einer Agrarbank und die Einleitung einer großzügigen Aktion zur materiellen und kulturellen Hebung Jerusalems. Sodann nahm der Leiter des Palästinaamtes, Herr Dr. R u p p i n, das Wort und wandte sich insbesondere gegen die Angriffe des Herrn Kann. Er widerlegte im einzelnen die von Herrn Kann vorgebrachten Behauptungen von der angeblichen Minderwertigkeit der zionistischen kolonisatorischen Arbeit in Palästina. Es könne gar keine Rede davon sein, daß die Summen, die Herr Kann als verloren bezeichnet habe, irgendwie als Verlust zu buchen seien. Im Gegenteil, seien etwa 90% der vom Nationalfonds in Palästina angelegten Gelder nach bankmäßigen Grundsätzen gedeckt und auch der geringe Rest, der für die Vorbereitung und Besitzergreifung der Ländereien habe aufgewendet werden müssen, könne keinesfalls als verloren bezeichnet werden. Demgegenüber stände der tatsächliche und auch von Sachverständigen festgestellte Mehrwert der fraglichen Güter, stände auch das Wachstum an Einfluß des jüdischen Namens in Palästina. Er könne überhaupt nur die Kritik von solchen Leuten anerkennen, die sich durch eingehende Studien im Lande ein Urteil über die eigentümlichen Verhältnisse daselbst gebildet hätten, und er könne nur bedauern, daß durch die andauernde und keineswegs freundliche Kritik von Nichtsachverständigen, wie Herr Kann einer sei, die zionistische Palästinaarbeit gestört würde. Wenn er sich an die Grundsätze gehalten hätte, die Herr Kann hier vorgetragen hatte, so wäre überhaupt nichts geschehen. Man müße doch bedenken, daß es für unsere Arbeit in Palästina überhaupt kein Vorbild gegeben hat. Es habe sich darum gehandelt, ob man ohne jede Anleitung und auf die Gefahr hin, es falsch zu machen, die Palästinaarbeit überhaupt habe beginnen wollen, oder ob man, vorsichtig und zurückhaltend die Hände in den Schoß gelegt, habe abwarten wollen, bis andere Leute Erfahrung gemacht und dem jüdischen Volke den Boden weggenommen hätten. Natürlich sei das eine oder andere fehlgeschlagen, aber im großen ganzen seien die Versuche ausgezeichnet gelungen, und das wird auch im Lande selbst bestätigt. Das einzige, was man gegen die Palästinaarbeit sagen könne, sei, daß sie so klein sei, und er könne immer wieder die Kritiker nur darum bitten, durch eigene, intensive Betätigung in der Paiästinaarbeit selbst Hand anzulegen, daß es besser werde. Eingehend berührte Dr. Ruppin die Arbeiterfrage. Es sei doch etwas, daß mehr als tausend Arbeiter aus Rußland nach Palästina gekommen seien. Der Lohn dort sei heute noch so gering, daß Amerika oder irgend ein anderes Einwanderungsland unter ökonomischen Gesichtspunkten diese jüdischen Arbeiter zweifellos mehr hätte anziehen müssen. Sie seien nach Palästina gekommen um Palästinas willen, und das sei nicht unser geringster Erfolg. Nach Dr. Ruppin, dessen Ausführungen stürmischen Beifall fanden, kritisierte der Farmleiter Tolkowsky aus Palästina Einzelheiten der Arbeit der Palestine Land Development Company. Er verlangte einen stärkeren Einfluß auf die Alliance-Schulen im nationalen Sinne, um die Auswanderung von Kolonistensöhnen zu verhindern. Die Ausführungen des Redners, der sich allzusehr mit Details abgab, fanden Widerspruch, er wird daher seine weiteren Darlegungen im Palästinaausschuß machen. DIE2$KELT

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