Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
- Date
- 1913-09-09
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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100 Nr. V DIE^ELT Unsere Arbeit leidet darunter in jeder Beziehung. Heute gilt das von der Propaganda für eine Argrarbank, die noch nicht existieren kann, das anderemal ist es die Propaganda für eine Jemeniten- EinWanderung, auf die man in Palästina noch nicht vorbereitet war. Ich bin mir wohl bewußt, daß ich eine Sache berühre, die sehr populär bei uns allen ist, dennoch halte ich es iür meine Pflicht, dies vorzutragen. Es liest sich sehr schön im A. C.-Bericht, daß ein Kenner der Landesverhältnisse nach dem Jemen entsendet wurde, um die dortigen Verhältnisse zu studieren. Die Sache ist uns allen sympathisch, aber für Propagandazwecke ist sie zu ernst. Man hätte doch wissen können, daß man nicht vorbereitet war. Ich möchte jetzt noch einiges über die Palästinaarbeit im allgemeinen sagen: Man sagt, es müssen Fehler gemacht werden, es gehe nicht anders, bei Kolonisationsarbeiten gehen immer große Summen verloren. Sehr richtig! Aber wir müssen versuchen, diese Fehler, diese Verluste auf ein Minimum zu beschränken. Wenn es irgendwo brennt, da kann man auch sagen, Gott hat es so gefügt; es ist einmal nicht anders. Aber man wird doch denjenigen verurteilen, der durch seine Nachlässigkeit den Feuerschaden verursacht hat. So verurteile ich diejenigen, die durch ihre Nachlässigkeit die großen Verluste, die in Palästina erlitten wurden, verursacht haben. Früher hat unsere Leitung sich öfter bei ihrer Arbeit in Palästina von Herrn Auhagen, der Ihnen allen aus den Berichten von früher bekannt ist, leiten lassen. Aber seitdem dieser vor der Art und Weise, wie gewirtschaftet wird, gewarnt hat, ist die Bedeutung des Herrn Auhagen für unsere Leitung erledigt. Lieber die Auffassung, die im Palästinaamte vorherrschte, schrieb mir Auhagen der mit eigenen Augen gesehen hat, im Juli d. J.: „Ich halte diese Auffassung geradezu für ein Verhängnis. Daß kann sich wohl die königliche Ansiedlungskommission mit ihren Millionen ä fond perdu leisten, nicht aber die zionistische Organisation. „Wenn wir es als unsere Pficht betrachten, an unseren zweifelhaften Unternehmungen Kritik zu üben, dann werden wir gleich als Gegner der Palästinaarbeit hingestellt. So werden künstliche Gegensätze unter uns geschaffen. Wir sind aber nur Gegner unsolider, abenteuerlicher Versuche, die man mit Unrecht praktische Arbeit nennt. Für gute Arbeit in Palästina sind die Direktoren der Bank immer bereit, Gelder zu bewilligen und werden es immer tun, so lange die Mittel ausreichen. (Beifall.) Man hat mir vorgeworfen, daß meine Kritik unfruchtbar sei, weil sie negativ ist und man verlangt Fingerzeige, welche andere Wege hier eingeschlagen werden müßten. Man hat gesagt, daß man in diesem Falle meine Kritik freudig begrüßen würde, ich habe aber nicht gemerkt, daß z. B. die Kritik der Herren Aronsohn und Auhagen freudig begrüßt wurde und d i e haben es gewiß nicht an Fingerzeigen fehlen lassen. Zum Beispiel wurde Herrn R u p p i n schon mehrmals empfohlen, anstatt selbst Großbetriebe einzurichten, kleine Betriebe auch mit Viehwirtschaft soviel als möglich zu unterstützen und nicht selbst zu machen. Aber die Herren DDr. R u p p i n und Thon wissen es besser, als alle Fachleute zusammen. Und darum fürchte ich, daß unsere Kritik wenig nützen wird. Das ist praktische Arbeit, was die Anglo- Palestine Company in zehn Jahren geleistet hat und ich zolle Anerkennung unserem Herrn Levontin und dem ganzen Stabe seiner Mitarbeiter, sowie auch Herrn Hirsch in London, der die sehr schwierige Arbeit hat, das Gleichgewicht zwischen den Palästinageschäften und unseren Mitteln zu überwachen. Auch die Direktoren haben einen bescheidenen Anteil an dieser Arbeit. Wir werden uns nicht stören lassen, wenn Herr M o t z k i n ungestüm verlangt, daß wir etwas tun sollen, ich sagte Ihnen schon, wenn wirklich etwas vorkommt, was in unseren Arbeitskreis-fällt, wir werden es tun. Man sage doch nicht, daß wir, die Kritiker, nichts tun. Ich erinnere nur an die belgische Gruppe, der Herr Jean Fischer angehört. Und was mich persönlich anlangt — ich liebe es nicht, über solche Privatangelegenheiten zu sprechen — aber ich nehme es auf mich mit den meisten wohlhabenden Zionisten hier m Saale, darin was der Zionismus mir in Zahlen wer t ist. Allein; Boden kaufen in Palästina, dort den Bauer spielen und in Holland wohnen bleiben, das tue ich nicht. Wenn ich einmal in Palästina Boden kaufen werde, so wird es sein, um selbst darauf zu wohnen. (Beifall.) Herr M o t z k i n, der große Redner, wußte schon im voraus alles, was ich sagen würde, er gab sogar schon die Antwort darauf, auch wenn sie nicht ganz gestimmt hat. Auch hat er ein Rezept gemacht, wie die Personen der früheren Leitung sich verhüten müssen: Sie sollen nicht kritisieren. Herr Motzkin, es ist unsere Pflicht, zu kritisieren, weil wir die Sache kennen und die Mitglieder des A. C. wissen ganz genau, daß unsere Kritik nicht aus den letzten zwei Jahren stammt. Wenn ich heute die gesamte Leitung und auch das A. C. verantwortlich mache für die Lage der Palästinaarbeit, so ist dies mein Recht, ich habe unaufhörlich gewarnt, aber meine Warnungen wurden nicht genügend beachtet. Nie und nimmer habe ich beantragt, unsere Institutionen zu liquidieren, wie verbreitet wurde. Ich habe nur gewünscht, daß sie nach kaufmännischen Prinzipien geführt werden, und zwar kaufmännisch in dem Sinne von geschäftsmäßig. Herr Dr. R u p p i n hat von dem Worte „kaufmännisch und geschäftsmäßig“ etwas merkwürdig gesprochen. Als ob kaufmännisch bedeute, daß imme r aus jeder Sache ein Profit hervorkommen müsse. Auch ich weiß, daß nicht jede Sache einen Profit geben kann, und daß dies auch viele Jahre dauern kann, aber geschäftsmäßig muß jede Sache behandelt werden. Diese Prinzipien sind nicht gewahrt worden. Deshalb erheben wir unsere Stimme und wenn ich gekämpft habe und noch kämpfe, so ist es gegen den Geist der Unaufrichtigkeit, des Vertuschens der Tatsachen, der Schönfärberei, der uns manchmal aus den Mitteilungen der Leitung und sogar aus den Berichten von Dr. R u p p i n entgegentritt. (Ruf: Bitte beweisen Sie!) Dies ist das System der Praktischen: Vieles zu gleicher Zeit unternehmen. ohne ordentliche Vorbereitung, ohne taugliche Grundlage, ohne gutes Personal und die Folgen sind: Mißwirtschaft, Schönfärbei und Unaufrichtigkeit. Ich weiß, die Herren haben alles, was sie getan haben, in der besten Absicht getan, aber z. B. wie würden wir heute dastehen, wenn wirklich der „Bezalel“, von dem die „Welt“ schon berichten mußte, daß er für kurze Zeit geschlossen war, für immer hätte geschlossen werden müssen. Wenn bei uns in solcher Weise geschäftliche Dinge behandelt werden, wie bisher bei dem „Bezalel“ gesehen ist, dann müßte man eigentlich verzweifeln. Ich habe aber soviel Vertrauen zu dem gesunden Kern unserer Idee, daß ich überzeugt bin, unsere Organisation wird die Kraft haben, die heutige Lage zu überwinden. Neue Wege angeben kann ich nicht. Mein Rat ist: Daß wir die alten und bewährten Wege gehen sollen. Die erste Bedingnung für einen Erfolg ist O rd n u n g in unseren geschäftlichen Angelegenheiten. Man möge offen und ehrlich eingestehen, wenn Fehler begangen worden sind. Es ist für jede Institution ein rationelles Budget aufzustellen, für das der verantwortliche Leiter haften soll. Ich will nicht leugnen, daß in Palästina etwas geschaffen worden ist; gewiß, ich behaupte aber, daß weit über unsere Kräfte gewirtschaftet wurde, und wenn das so weiter geht, wir daran verbluten müssen. Alle Reden, die wir hören und wir werden noch sehr schöne Reden zu hören bekommen, werden nichts an dieser Tatsache ändern: Der Nationalfonds ist momentan am Ende seiner Leistungsfähigkeit. (Zwischen,ufe: Was heißt das?) Ich werde das Ihnen erklären: Wenn heute die türkische Regierung, wie die Zeitungen offiziell mitgeteilt haben, Staatsdomänen verkaufen will, dann ist der Nationalfonds nicht im stände, sich daran zu beteiligen. Man liest die schönen Berichte, die uns vorgelegt werden, man hört die schönen Reden, aber was man nicht hört und nicht sieht, das ist, daß man beim „Bezalel“ allein eine l/* Million bei besserer Verwaltung hätte ersparen können. Und so ist es bei der Oelbaumspende, und so ist es bei der P. L. D. C. und so ist es bei vielen anderen Sachen. Alle diese Gelder, die unnütz ausgegeben wurden, ständen sonst für nützliche Zwecke zur Verfügung. Ich habe den vorigen Kongreß gewarnt und habe die Jahreskonferenz auf die Gefahr aufmerksam gemacht, in die unsere Organisation gebracht