Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
- Date
- 1913-09-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. V zu sein, denn das E. A. C. will seine Fürsorge auch auf den noch nicht investierten Rest des Jüdischen Nationalfonds ausdehnen. Ich habe verschiedene Beweise dafür, wie ungenügend die Verwaltung des N. F. in Köln von Palästina aus unterrichtet wird. Ich will Ihnen ein Beispiel geben. In einer Hypothekarangelegenheit ging das Palästinaamt ganz eigenmächtig vor. Die Verwaltung des N. F. mußte annehmen, daß die gesetzlichen Anforderungen erfüllt seien. Darüber war bei dem Hypothekenbureau keine absolute Gewißheit zu erlangen. Die Verwaltung muß ferner annehmen, daß die Hypothek auf den Namen eines gewissen Herrn eingetragen war, was sich aber später als nicht richtig herausgestellt hat. Ich will damit nicht sagen, daß die Hypothek nicht in Ordnung war, aber ich will damit zeigen, daß das Palästinaamt in einer wichtigen geschäftlichen Angelegenheit eigenmächtig vorgegangen ist und das Hauptbureau in Köln nicht genügend informiert hat. Die Ziffern aus dem Bericht des Jüdischen National, fonds beweisen, daß die Verwaltung nicht mehr frei ist in der Anlegung der Gelder. Man hat sich in verschiedenen Unternehmungen engagiert, und diese Unternehmungen erfordern weitere Investierungen. Ich verstehe, daß man nicht sofort bei allen Unternehmungen auf Einnahmen rechnen kann, aber etwas muß doch dieser große Besitz des J. N. F. eintragen, zumal er mit ungefähr drei Millionen Frcs. in Palästina engagiert ist. Statt dessen sehen wir, daß fortwährend große Zuschüsse erforderlich sind, und das ist kein gesunder Zustand. Ueber die Baumspende hat Herr Trietsch soeben gesprochen. Ich werde darüber nicht mehr viel sagen. Allein das muß ich bemerken, daß die Leitung mir in Beantwortung meiner Nota mitgeteilt hat, man habe mit der Pflanzung von Oelbäumen in größerem Maßstabe eigentlich keine Erfahrungen. Das kann ich nicht herunterschlucken. Bevor das Palästinaamt da war, waren Zehntauser.de von Oelbäumen in Palästina vorhanden, und es gibt in der ganzen Welt genug Erfahrungen über die Pflanzung von Oelbäumen. Dieselbe Antwort hört man bei dem Bau von Häusern. Bei jedem Häuserbau, der mit den Geldern des N. F. aufgeführt wird, finden sehr erhebliche Überschreitungen statt. Manchmal betragen die Kosten das Doppelte des Voranschlages, und dann heißt es, man habe bezüglich der Bauten noch keine Erfahrungen. Man versucht, die großen Ausgaben der verschiedenen Wirtschaften dadurch zu beschönigen, daß man sagt, der Boden sei durch die Okkupation im Werte gestiegen. Die Zukunft wird darüber Aufschluß geben, aber Sachverständige, wie Herr Aronsohn und Herr Direktor Auhagen, sind darin einig, daß in unzweckmäßiger und unnützer Weise viel Geld verausgabt wird. Manchmal wurden diese Ausgaben zum Bodenpreis geschlagen. Das ist der Grund, daß Bodenkäufer z. B. in Merchawia und auch die Siedlungsgenossenschaft einen so hohen Preis für den Boden bezahlt haben. Wenn wir nach einiger Zeit hören werden, daß die Siedlungsgenossenschaft keine hohen Erträgnisse abwirft, so wird dies zum Teil auf den hohen Bodenpreis zurückzuführen sein. Ich werde Herrn Dr. Ruppin nicht bei seinen Ausführungen über die Wertsteigerung folgen. Er weiß genau so gut wie ich, daß der Wert sich nicht richtet nach dem, was der Eigentümer verlangt, und selbst nicht nach dem, was ihm schon geboten wurde. Bei den besonderen Verhältnissen in Palästina muß man, wenn man durchaus Boden haben will, oft etwas mehr als den Wert zahlen. Aber ich kann nicht zugeben, daß die Wirtschaft der P. L. D. C. zu dieser Werterhöhung beigetragen hat, denn diese Wirtschaft war keine gute. Die »Welt“ publizierte einen sehr rosig gefärbten Bericht der P. L. D. C. Die Bilanz gab nach meiner Meinung kein richtiges Bild der wirklichen Lage. Trotzdem verweigerte die »Welt“ die Aufnahme meiner Kritik. (Hört! Hört!) Bezüglich der Erziehung und Ausbildung von Arbeitern gibt «s ein heute sehr populäres Schlagwort und Herr Ruppin hat hier gesprochen von der „Auslese der Tüchtigsten*. Ich verstehe, daß Arbeiter da erzogen und ausgebildet werden, wo gut und technisch gearbeitet und wo sparsam gewirtschaftet wird, nicht aber da, wo diese Bedingungen nicht erfüllt sind. Ich gehöre zu denjenigen, die die P. L. D. C. bei der Gründung unterstützt haben, allein die schlechte Verwaltung, die fortwährenden Fehlschläge, die der Oeffentlichkeit mundgerecht 99 gemachten Mitteilungen haben mich stutzig gemacht. Man sagt, daß ich im Unrecht bin, weil ich von Palästinaunternehmungen Zinsen verlange. Ich verlange dies aber nur da, wo sie ausdrücklich in Aussicht gestellt wurden. Der Nationalfonds hat noch nie die vereinbarten Zinsen von der P. L. D. C. erhalten. Dieselbe Methode wie bei der P. L. D. C habe ich leider bei der Berliner Verwaltung des Bezalel konstatiert. Ich werde nicht auf Details eingehen, aber ich weiß, daß es der Verwaltung bekannt war, daß die Bilanz des Bezalel frisiert war. Und das wohl zu dem Zwecke, um die Beschaffung neuer Betriebsmittel für die Schule zu erleichtern. Ich habe mich immer diesem unreellen Vorgehen widersetzt. Meine Kritik wird mir zum Vorwurfe gemacht, aber hätte man eine so gründliche Untersuchung, wie sie jetzt durch Herrn Estermann gemacht wurde, wenn ich nicht fortwährend meine Kritik hätte hören lassen? Um wieviel besser wäre es gewesen, man hätte die Untersuchung früher gemacht! Die Gelder, die im vorigen Jahre verschwendet wurden, wären heute ein schönes Betriebskapital. Die Berichte des Herrn Ester mann zeigen, wie berechtigt die von mir und anderen geübte Kritik gewesen ist. Wenn man mich fragt, weshalb ich noch jetzt eine Kritik an dem Bezalel vorbringe, nachdem doch Herr Estermann die Reorganisation in die Hand genommen hat, so muß ich darauf hinweisen, daß der Vorstand, der doch für die heutige Lage verantwortlich ist, die Reorganisation viel zu lange hinausschleppt. Ich könnte noch sehr viel über den Bezalel sagen, will es aber unterlassen, aus Achtung für Herrn Schatz, der, wenn er auch durch seine Verwaltung eine bedeutende Schuld auf sich geladen hat, doch der Schöpfer der großen Sache ist. Auch will ich Herrn Estermann die Arbeit nicht erschweren. Dieselben Herren, die solche Sachen machen, lassen in der „Welt“ schöne Artikel schreiben, voll Lobes und so nebenbei wird ein Wort gesagt über die unzulängliche Leistung der Bank, ohne irgendwelche Begründung Jedes Mittel ist recht, wenn die Herren nur die finanziellen Instistute in ihre Hände bekommen können. Ich sage Ihnen, daß die Banken bis jetzt Ausgezeichnetes geleistet haben. Ohne die Bank wäre die Palästinaarbeit überhaupt unmöglich. Es ist zur Genüge bekannt, daß ich niemals optimistische Erwartungen bezüglich unserer Bankinstitute gehegt habe, im Gegenteile, solange keine Gruppe der Haute Finance sich der zionistischen Banken annimmt, sind wir ganz allein auf uns selbst angewiesen und gezwungen unsere Mittel flüssiger zu halten, als irgend eine andere Bank der Welt. Ich glaube, daß vorläufig über die Bank schon genug gesprochen worden ist. Uebrigens wird in der Generalversammlung Gelegenheit sein, noch weiter darüber zu sprechen. Ich möchte hier nur ein Wort sagen, über die sogenannte Argrarbank. Ich bin durchaus dafür, daß wir einen Argrar- Kredit schaffen, aber für eine Argrar bank ist die Zeit noch nicht reif. Von einer Ausgabe von Pfandbriefen, was bekanntlich die erste Voraussetzung ist für eine Agrarbank, kann vorläufig noch keine Rede sein. Von anderen Hindernissen will ich ganz absehen. Herr Dr. Ruppin hat über die neue Gesetzgebung gesprochen, aber abgesehen davon, daß die neuen Gesetze noch nicht einmal da sind, auch wenn sie da sein werden, kann man nicht auf einmal alte Gebräuche beseitigen. Deshalb sollen wir uns an das anpassen, was heute da ist, was heute möglich ist. Wir wollten den Argrar-Kredit bei der P. L. D. C. einrichten — ich verweise auf den Bericht — aber der Nationalfonds, der dafür einen Betrag geben sollte, hatte seine Mittel schon festgelegt und aus dem Projekt ist nichts geworden. Statt dessen wählte das A. C. im vorigen Jahre ein Subskriptionskomitee für diese Agrarbank mit dem Sitze in Berlin; das Komitee hat nichts ausgeführt. Es wurden aber schon nahezu 40.000 Frs. an Unkosten durch die Banken, die da herhalten mußten, verausgabt. Die Leitung nannte diesen Betrag von 40.000 Frs. in der Antwort auf meine Note eine Lappalie. So werden andere Beträge für die Herren auch bloß eine Lappalie sein. Die ganze Angelegenheit ist in einer wilden Weise behandelt worden. Wir haben gar keine Unterlage, daß das gewählte Direktorium dieser Agrarbank auch wirklich seine Wahl angenommen hat. Und wir wissen nicht einmal, ob das Direktorium sich konstituiert hat. Herr Weizmann will Bedingungen schaffen. So schafft man aber keine Bedingungen. Diese Ueberstürzung ist bei uns leider symptomatisch geworden. DIE2$EELT