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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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DIE^EELT Sie meinetwegen nur an, es sei möglich. Leute mit 60C0 Fr. anzusiedeln. Dann müßten wir eine entsprechende Propaganda machen und müßten dafür sorgen, daß die vielen Zehntausende, die auf das Wort warten, anfangen in jahrelangen Zahlungen ihr Geld nach Palästina zu leiten, um damit ihre Uebersiedlung vorzubereiten. Die Vorbereitung dieser Heimstätten für solche Massen ist aber eine Art Industrie, die viele Tausende von Leuten beschäftigt, die wir daraufhin ins Land nehmen können. Wir denken oft an die großen Summen, die für die Uebersiedlung der Hunderttausende von Juden verloren gehen, die jährlich auswandern. Wir denken daran, daß die Hamburg-Amciikaiinie und andere Gesellschaften viele Millionen an dieser Auswanderung und Uebersiedlung der Aermsten verdienen. Der Durchschnittsjude wandert aber nur einmal aus und für seine Ueberfahrt zahlt er etwa 150 M. Von dieser Summe verdienen dann die Dampfergesellschaften jene Millionen. Wenn die Auswanderung jedoch in die Hände einer zionistischen Instanz kommt, so ergeben sich viel größere Möglichkeiten Denken Sie einmal darüber nach, was für große Summen da für die Errichtung der neuen Heimstätten zur Verfügung stehen, und was für ein Arbeitgeber ersten Ranges eine solche Instanz wäre. Meine Damen und Herren! Ich bringe noch eine Einzelheit vor, die die zionistische öffentliche Meinung in sehr hohem Maße in Anspruch genommen hat und von der man meint, daß sie Hindernisse der Kolonisation bildet. Herr Dr. Ruppin hat uns heute gesagt: Wir brauchen Kolonisation und Agrarkredit. Ein Agrarkredit sei aber erst möglich auf Grundlage einer schon bestehenden Kolonisation. Wir haben viel von Agrarkredit gesprochen, viel von Hypothekenwesen und anderen Dingen, die damit in Verbindung stehen und viele glauben, aus dem Mangel an solchen Einrichtungen resultiere die Notwendigkeit des klein'n Maßstabes unserer Arbeit. Das ist aber nicht richtig. Wenn Sie freilich einen Hypothekarkredit verlangen, genau wie in Preußen oder Baden, dann werden Sie nichts erreichen, Sie müssen sich nach den Möglichkeiten der Gegenwart richten und nicht eine ferne Zukunft abwarten wollen, bis sie anfangen zu arbeiten. Absolut nichts steht heute einem vollgültigen Ersatz für den fehlenden Agrarkredit im Wege, einem vollgültigen Ersatz für die fehlende hypothekarische Basis. Wenn heute der Nationalfonds, der dazu da ist, oder eine Gesellschaft, die Sie zu diesem Zwecke erst gründen, es auf sich nimmt, Land und Häuser zu günstigen Bedingungen zu verpachten, oder Land und Häuser unter irgend welchen Vorbehalten und Kautelen zu verkaufen, wenn also der Nationalfonds oder eine zu gründende Gesellschaft auf diese Weise Heimstätten, Land und Häuser vergibt, wozu brauchen Sie <iann den Agrarkredit? Der Jude, der mit ein par 100 Mark ins Land kommt, kann dann Land und Haus pachten, oder durch Zahlung von Zinsen und Amortisation, erwerben. Es kann so gemacht werden, daß er nicht mehr zu zahlen hat. als heute für eine schlechte Wohnung in Jaffa. Und dann haben sie die Grundlage für landwirtschaftliche Kolonisation. Uns fehlt aber bis heute noch ein System des Nationalfonds. Es ist unglaublich, aber wahr. Wenn Sie ein System gesucht hätten, hätte ich Ihnen Beiträge dazu liefern können und innerhalb dieser Beiträge vollwertige Ersatzformen für den Agrarkredit und für hypothekarische Beleihungen. Ich werde in der Palästinakommission dieses Kongresses versuchen, in ganz kurzen Worten ein System des Nationalfonds zu zeigen, durch das er weit über seine Sammlungen hinaus die Hand auf Ländereien in Palästina legen kann und durch das Juden in Palästina sich auf dem Lande — ebenfalls weit über den heutigen Maßstab hinaus — ansässig machen können. Sie sehen immer nur Schwierigkeiten und bei den ersten Schwierigkeiten schließen Sie das Kapitel. Es gibt keine Schwierigkeiten, die ein daran arbeitender Kopf nicht würde beseitigen können. Sie müssen nur in ihrer ganzen Art der Arbeit und Ihrem Maßstab zeigen, daß Sie für die Sache sind und daß es sich lohnt, darüber nachzudenken. Was uns fehlt, ist vor allem der Mut zur eigenen Aufgabe, der Mut zu den eigenen Uebcrzeugungen, der Mut, in die jüdischen Massen zu gehen und zu sagen, Palästina ist ein Einwanderungsland für die Juden, in der Zukunft für große Massen, aber auch in der Gegenwart schon für eine sehr erkleckliche Zahl, für ein Vielfaches des Momentanen. Wir brauchen eine Stelle, an der alle Informationen über Palästina zusammenfließen und an der diese Dinge geprüft werden. Nennen Sie diese Stelle meinetwegen Palästinaressort. HerrDr.Hantke hat ja auch in seinem Berichte die Notwendigkeit eines solchen Palästinaressorts am Sitze der Leitung (in Verbindung mit dem Nationalfonds) auseinandergesetzt. Wir brauchen absolut am Sitze der Leitung eine Palästinazentrale, denn in Jaffa ist eine Ueberprüfung vieler Materialien nicht möglich. Vielleicht werden Sie sich auf diesem Kongresse entschließen, ein Emigrationsamt zu schaffen, jedenfalls kann die Palästinazentrale uns helfen, es doch wenigstens für den nächsten Kongreß vorzubereiten. Wir brauchen auch eine Palästinazeitschrift und ein Palästinaarchiv. Heute kann ich sagen: was die Leitung getan hat, was sie uns berichtet hat, ist gut, ist ordentlich, ist lobenswert gewesen in jeder Hinsicht, außer im wichtigsten Punkte, in der Palästinaarbeit. Dort ist es absolut unzureichend. Da aber auch unsere politische Tätigkeit auf unsere Palästinaarbeit aufgebaut ist, so wird auch unsere politische Arbeit wachsen auf Grund der gesteigerten Paläslinaarbeit, und auch unsere Propaganda wird wachsen, wenn wir auf mehr hinzuweisen haben. In diesem Sinne stelle ich eine Forderung an Sie. für die ich einen Antrag formulieren werde. Es hat keinen Sinn, Ihnen heute schon den Antrag im Wortlaut vorzutragen wir werden ihn erst in der Palästinakommision genauer formulieren. Geehrter Kongreß! Dieser Antrag wird kommen, nehmen Sie ihn an. (Lebhafter Beifall.) Jacobus Kann, Haag (mit stürmischem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Meine Damen und Herren! Ich will damit anfangen, Herrn Dr. Ruppin meine Anerkennung zu zollen für die glänzende Auseinandersetzung seines Kolonisationssystems. Leider verstehe ich nicht, Ihnen theoretische Auseinandersetzungen zu geben, doch bin ich damit vertraut, mit Zahlen umzugehen. Die Zahlen sollen sprechen. Mir sagen die Zahlen, daß in der Praxis das System Dr. R u p p i n s nicht ganz durchführbar ist. Ich habe Ihnen ein Expose übermittelt, in dem ich ausführte, daß die Palästinaarbeit einer erheblichen Umgestaltung bedarf. Das war die Tendenz meines Memorandums. Wenn Herr M o t z k i n behauptet, daß ich gegen die Palästinaarbeit kämpfe, so ist das nicht richtig. I c h b i n für die Palästinaarbeit, aber da verbreitet worden ist, daß ich gegen die Palästinaarbeit bin und ich hier die Art der Palästinaarbeit einer Kritik unterziehen werde, mag es für manchen den Anschein haben, als ob ich gegen die Palästinaarbeit selbst sprechen würde. Das macht die Aufgabe für mich sehr schwer. Denn die Palästinaarbeit ist doch das Lieblingsgebiet der allergrößten Zahl der Zionisten. Als ich vor sechs Jahren in Palästina war, sagte ich Herrn Levontin: die Bank ist. doch für Palästina da, wir sollen allmählich die Geschäfte der Bank über ganz Palästina ausdehnen, aber ohne Ueberstürzung. Wenn es dann vorgekommen ist, daß nicht schnell genug irgend eine Filiale gegründet wurde, dann war dieser oder jener bald dabei, zu sagen, die Direktoren der Bank seien gegen die Palästinaarbeit. Wenn es heute mit unseren Unternehmungen nicht so sehr gut aussieht, dann braucht uns das nicht zu entmutigen. Die Vorbedingung für eine Besserung ist, daß wir der ungeschminkten Wahrheit in die Augen sehen. Ich will mit der Hauptsache, dem Jüdischen Nationalfonds beginnen. Vom Jüdischen Nationalfonds sind mehr als dreiviertel seines Vermögens in Palästina angelegt. Die Statuten schreiben eine 25°/0ige Reserve vor. Daran darf man nicht herumdeuteln. Es ist ganz gleichgültig, ob die Reserve nach dieser oder jener Methode ausgerechnet wird, jeder versteht, daß, wenn die Investierungen einmal an der äußersten Grenze angelangt sind, man diese Grenze auch bald wird überschritten haben. Tatsächlich ist das heute der Fall, und wenn wir in diese unangenehme Lage kommen, dann ist daran nicht allein die Verwaltung des Nationalfonds schuld. Man kann der Verwaltung nur vorwerfen, daß sie öfters zu rasch zugestimmt, dem Drängen zu leicht nachgegeben hat. Herrn Bodenheimer wird für sein „liebenswürdiges* Entgegenkommen, wie es in den Berichten heißt, mehrmals Anerkennung gezollt, aber in der letzten Zeit scheint Herr Bodenheimer doch nicht mehr liebenswürdig genug

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