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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. V mindestens große Resultate bringen muß. Warum — frage ich nun — ist dieses Geschäft in einer so absolut unzureichenden Weise proponiert worden. Warum haben wir hier nicht in größerem Maßstabe gearbeitet. (Heymann: Weil kein Mensch Geld dafür gibt!) Herr Heymann, daß stimmt höchstens für den jetzigen Maßstab, dem absolut jeder Schwung fehlt. Herr Dr. Ruppin hat gesagt: Wenn wir nicht mehr landwirtschaftliche Schulen haben, so liegt es an dem Mangel an Mitteln. Ich glaube das nicht, sondern ich glaube, die Forderung ist nicht laut und nicht energisch genug gestellt worden. Wenn die Notwendigkeit der Sache mit dem gehörigen Nachdruck gezeigt worden wäre, so hätten wir die Gelder bekommen oder hätten sie uns irgendwie beschaffen können. Darüber ist gar kein Zweifel. Sie haben in Frage gestellt, ob meine Kritik inbezug auf das Industriesyndikat etc. berechtigt ist. Ich gebe Ihnen einige Beispiele. Wir haben — und darin hat Herr Dr. Ruppin recht — heute keine Möglichkeit einer Großindustrie in Palästina. Auch mittlere Industrien entbehren heute noch der nötigen Grundlagen und Voraussetzungen, aber es gibt Kleinindustrien, die so groß sind, die so viele Arbeiter beschäftigen können, daß sie mir für unsere kolonisatorischen Zwecke unendlich wertvoller erscheinen, als noch so viele Großindustrien mit großen Maschinen und wenigen Arbeitern. Ich habe oft auf die Kleinspitzenindustrie hingewiesen. Sie sind sehr zufrieden, daß heute 400 Mädchen und Frauen dabei beschäftigt sind. Es könnten aber längst Tausende sein. Dr. Heyman ruft mir zu: Wo ist der Absatz? 1 Es äst aber keine Frage des Absatzes, sondern wo die Gelegenheit da war, fehlte es an Ware, und daß es an Ware fehlte, liegt daran, daß das Geld fehlte. Aber warum haben Sie kein Geld? Weil Sie sich nicht entsprechend darum bemüht haben! Lange nicht so wie beim Bezalel, der bei weitem nicht so gut gearbeitet hat. Es ist dasselbe wie früher bei den Oelbäumen und der P. L. D C. Sie haben eben für die beste Sache den schlechten Weg und für die minder günstige den besseren Weg gewählt. Ich habe oft die Zigarettenindustrie vorgeschlagen. Das ist eine Industrie, in der die Juden in vielen Ländern beschäftigt sind. Es gibt dabei in Palästina wohl Schwierigkeiten, die man jedoch beseitigen kann, wenn man will. Es ist aber gar kein Versuch gemacht worden, und doch ist es eine Industrie, die viele Tausende beschäftigen könnte. Ich habe von anderen kleinen Industrien gesprochen, zum Beispiel von Trikotagen. In der einen Stadt Aleppo arbeiten daran 8000 Arbeitskräfte — das können wir auch in Palästina. Man hat darauf eingewendet, die Arbeitslöhne in Aleppo seien zu gering. Nun importiert aber Deutschland nach Aegypten und der Türkei von diesem Artikel für 4,000.000 Mark. Da ist doch der hohe deutsche Arbeitslohn dabei. Wir könnten auch hier eine Millionenindustrie schaffen. Was ist aber geschehen? Wir begnügen uns in zahlreichen Fällen damit, daß irgend ein Versuch kleinsten Maßstabes nicht genügend ermutigend aussieht, dabei bleibt es dann. Es ist auch von Uhrmacherei gesprochen worden. Eine jüdische Industrie, für die der Orient ein großes Feld bietet. Wissen Sie, daß in der Schweiz in der Uhrenindustrie, in der Spitzenindustrie, in gewissen Textilindustrien, ohne daß irgend welche Materialien dafür in der Schweiz Vorkommen, je 100.000 bis 150.000 Arbeiter beschäftigt sind, zwar meist für den Export. Da haben Sie ein Beispiel für Industrien ohne Kohle und Eisen und für Industrien, für die sich jüdische Arbeiter anderwärts als besonders geeignet erwiesen haben. Ein ganz großer Kreis von Industrien ist der der landwirtschaftlichen Industrien. Hier allein könnte eine sehr große jüdische Bevölkerung ihre Existenz finden. Ich gebe mir seit langen Jahren die größte Mühe, Grundlagen für solche Industrien zu zeigen und zu verbreiten, aber kein Mensch denkt daran, die Sache aufzugreifen, ln unserer neuen Art der Arbeit, die nach der Palästinaarbeit orientiert ist, habe ich — und dieses ist eine Anomalie — die größte Schwierigkeit irgend etwas zur ordentlichen Diskussion zu stellen. Herr Dr. Ruppin hat gesagt: Alle Anregungen werden sorgfältig geprüft. Ich würde wünschen, es wäre so. Ich behaupte aber absolut: es ist einstweilen 97 noch nicht so, und ich will Ihnen hiefür ein Beispiel von einer unglaublichen Drolligkeit geben. Ich habe vor vielen Jahien als eine der wichtigsten Industrien für Palästina die Fabrikation von Baumaterialien, speziell aus Zement und Sand, vorgeschlagen. Die Herren vom Industriesyndikat fanden die Sache sehr interessant und baten mich, ihnen Grundlagen auszuarbeiten. Ich habe es getan, gratis und franko. Diese Grundlagen blieben erst einmal drei oder vier Jahre liegen und dann kam folgendes heraus: In einer Sitzung im Jahre 1907 oder 1908 wurde die Sache verhandelt. Ich hatte gezeigt, daß man mit ca. 5000 Mk. eine Reihe verschiedener Baumaterialien auf ihre praktische Herstellungsmöglichkeit in Palästina prüfen kann. Darauf sagten die Herren: Eine Reihe von solchen Artikeln ist uns zuviel, wir wollen einen einzigen annehmen, und da kam man auf die Dachziegel. Mitten in der Verhandlung aber kam Herr Keßler aus Transvaal herein und als man ihm erzählte, wovon die Rede sei, sagte er: Das ist eine veraltete Geschichte; in Südafrika hat man jetzt statt dessen Asbestziegel, und daraufhin ließ man die Dachziegel-Sache fallen, und die übrigen Baumaterialien waren doch schon früher erledigt. Als ich davon hörte, fragte ich: Haben Sie sich wenigstens erkundigt, ob man Asbestziegel in Palästina auch fabrizieren kann, oder wenn dies nicht möglich, ob man sie wenigstens importieren könne (wir hatten ja damals noch die Handelsgesellschaft), und darauf bekam ich die klassische Antwort: „Dafür lag kein Antrag vor.“ Meine Damen und Herren, ich hoffe, daß es inzwischen besser geworden ist; aber ich konstatiere, das bis zum heutigen Tage mir nicht möglich war, irgendwelche Projekte kolonisatorischer Natur an einer entsprechenden Stelle anzubringen, und ich bin doch nicht der Letzte hier, der zu diesen Sachen zu sprechen hätte. Sie wissen, wenn es gilt über Palästina etwas zu sagen, dann wird mein Urteil als ziemlich maßgebend hingestellt. Ich bin nicht unfehlbar, aber besser Unterrichtete sind noch nicht da. Wenn ich, der ich eine gewisse Landeskenntnis habe, und auch eine gewisse Kenntnis von kolonisatorischen Dingen, die nicht von vielen übertroffen wird — wenn ich mir Mühe gebe, Grundlagen auszuarbeiten und keine Möglichkeit finde, diese in die Praxis zu übersetzen, oder ihre Prüfung zu erzielen, dann ist etwas faul im Staate. Wenn wir in der Industrie noch nicht viel weiter halten, so hat es den Grund, daß die zionistische Organisation und ihre Vorläufer ein Vorurteil gegen alles was nicht landwirtschaftlich ist hatten. Dieses Vorurteil ist aber völlig unberechtigt. Wenn wir ein ganzes Volk sein wollen, so müssen wir alle Berufe umfassen und wir dürfen am allerwenigsten an den Berufen Vorbeigehen, die uns so viel näherliegen und in denen wir schnell Großes erreichen können. (Beifall.) Weil ich diese Selbstverständlichkeit ausgesprochen habe, gelte ich als ein Gegner der Landwirtschaft. Das ist aber vollständig falsch. Ich habe mir alle Mühe gegeben, landwirtschaftliche Grundlagen auszuarbeiten, mehr als irgend ein Fanatiker der Landwirtschaft. Wir haben sogar eine kolossale Chance für Land - Wirtschaft, besser als alle andern landwirtschaftsgewohnten Völker. Die Landwirtschaft industrialisiert sich überall und in dem Maße, in der sie das tut, wird sie würdiger der Arbeit intelligenter Leute. Wir haben die große Chance, die Landwirtschaft der Zukunft besser zu machen, als irgend welche andern Völker. Auch eine Art landwirtschaftiche Industrie gibt es, die ich erwähnen möchte. Dies ist die allergrößte Chance, die wir gegenwärtig und für absehbare Zeit haben. Es ist die Industrie der Vorbereitung von Heimstätten für die Einwanderung, die wir erstreben und auf die wir selbstverständlich in viel höherem Maße hinarbeiten müssen als bisher. Wir müssen dahin kommen, die Einwanderung zu ermutigen und Mittel und Wege zu zeigen für Einwanderung möglichst breUer Schichten, auch der armen Klassen. Es ist uns eine grosse Einwanderung möglich auf einer finanziellen Basis, die vielleicht innerhalb der Differenz der Uebersiedlungskosten zwischen der amerikanischen und orientalischen Auswanderung bleibt, mit Beträgen, die Ihnen unwahrscheinlich Vorkommen werden und die jedenfalls weit unter der Ziffer von 4000-6000 Fr. stehen, die Dr. Ruppin genannt hat. Aber nehmen DIE3|EELT

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