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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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96 muß sich wenigstens zur Pflicht machen, so oft wie möglich nach Palästina zu reisen und sich an irgend welchen Aufgaben in Palästina materiell zu beteiligen. Nur auf diese Weise können wir hoffen, daß unsere Arbeit in Palästina nach der Sturm- und Drangperiode, die wir jetzt hoffentlich bald hinter uns haben, lawinenartig anschwellen und uns wirklich zu dem ersehnten Ziele einer großen national jüdischen Gemeinschaft in Palästina führen wird. Das Wort erhält darauf Davis Trietsch, Berlin: (Beifall.) Geehrter Kongreß! Der Bericht, den wir eben von Herrn Dr. Ruppin gehört haben, ist ganz vorzüglich gewesen in seiner klaren Sachlichkeit und Bestimmtheit; auch den Bericht des E. A. C. zeichnen dieselben seltenen Eigenschaften aus; aber trotzdem muß ich in einer Beziehung in denkbar deutlichster Form dagegen Stellung nehmen, und zwar in der meiner Ansicht nach allerwichtigsten Hinsicht. Ich will diese Kritik nicht mit meinen eigenen Worten einleiten, sondern mit denen eines alten Zionisten, der nach der Lektüre des E. A. C.-Berichtes folgendes sagte; Der Bericht ist sehr gut, sehr ordentlich und zutreffend in jeder Weise, aber was hätte Herzl damit angefangen? Als ich fragte was, antwortete er: „Erstens hätte er ihn zerrissen.* Nach dem weiteren habe ich nicht gefragt. Dasselbe gilt aber auch von dem Bericht, den wir von Dr. Ruppin gehört haben und er selbst hat gesagt, sein einziges Bedenken sei das, ob — wie sehr ihn die Arbeit auch ausfüllt und wie sehr sie Ihnen genügt — der Maßstab dieser Arbeit ausreicht. Wenn ich nun heute komme und ausgehe von einer Gegenüberstellung der jetzigen Arbeit in Palästina mit dem Herzischen System, so will ich selbstverständlich auf keinen Fall damit sagen; Zurück zum Herzischen Charter. Aber etwas mehr von Herzls M a ß s t a b wäre nötig und etwas mehr von dem Schwung, in dem alle seine Arbeiten eingeleitet waren. Der aber fehlt uns jetzt gänzlich. Ich bin sehr zufrieden mit der Richtung, die wir heute im Zionismus haben und ich habe mein Teil dazu getan, um ihr zum Durchbruch zu verhelfen. Aber mit dem Tempo Ihrer Arbeit, mit Ihrer Auffassung vom Maßstab und vor allem mit Ihrer Zufriedenheit bin ich absolut unzufrieden» Ich bin auch mit anderen Dingen unzufrieden und ich muß hier erklären, daß ich damit in zahlreichen Fällen schon längst hätte hervortreten müssen, aber bisher bestand für mich ein großes Bedenken, gegenüber welchem ich alles andere zurückstellen mußte. Wir haben bis heute einen Kampf gehabt zwischen der sogenannten politischen und der sogenannten praktischen Richtung. Wenn ich in früheren Jahren, in der Zeit als dieser Kampf noch nicht entschieden war, scharfe Kritik geübt hätte an der Art der Durchführung der Palästinaarbeit, so würde die politische Richtung davon Vorteil gezogen haben zum Schaden der i inzig richtigen Methoden. Heute ist jener Kampf entschieden und niemals werden wir zur politischen, zu der der Palästinaarbeit feindlichen Richtung oder irgend einer Verkleinerung des Jetzigen zurückkehren. Das ist ausgeschlossen. (Beifall.i Auch die Entscheidung über die Bankfragen, die wir fällen werden, wird ein vollständiger Sieg der neuen Richtung sein und auf alle Fälle so gestaltet werden, daß eine Rückkehr zu früheren Tendenzen keineswegs mehr zu fürchten ist. Daher habe ich jetzt die Möglickeit und auch die Pflicht, vorzutragen, was ich bisher an Kritik der Palästinaarbeit im Interesse der neuen Richtung verschweigen mußte. Ich bekenne hier, was ich privatim niemals verheimlicht habe und was ich andeutungsweise auch die ganze Zeit hindurch gesagt habe, daß die Kritiker unserer Palästinaarbeit, die Herren Wolffsohn und Kann, weitaus in der Mehrzahl der Fälle in Bezug auf die Grundlagen ihrer Kritik Recht hatten. Allerdings sind sie in ihrem Uebereifer vielfach zuweit gegangen Wenn ich aber dieser Kritik innerlich meistens zustimmen mußte, so geschah es deshalb: Ich war unzufrieden, weil die Dinge nicht genügend gut, nicht genügend schnell und nicht genügend großzügig gemacht wurden. Ich wollte ein Mehr, ein so bedeutendes Mehr, daß es mit dem Bisherigen gar keinen Vergleich verträgt. Die Kritiker aber, von denen ich Nr. V eben sprach, wollten die Palästinaarbeit kritisieren, um sie unmöglich zu machen, um sie zurückzudämmen oder — nach ihren eigenen Versicherungen — um zu warten, bis sich Pläne und Projekte zeigten, mit denen man nach ihrer Ansicht Großes machen könnte. Aber solche Projekte sind nie gekommen, und es ist nichts Besseres an die Stelle dessen gesetzt worden, was sie kritisieren; wir sahen immer nur den Wunsch, das, was gearbeitet und eingeleitet wurde, aufhören zu lassen. (Sehr richtig.'- Insoferne sind also die Kritiken, die ich verschweigen mußte, und mit denen die anderen hervorgetreten sind, von zwei absolut verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen, und wenn ich heute mich zu vielen Einzelheiten bekenne, die die Herten voigebracht haben, so werden Sie das nicht weiter mißverstehen können. Ich will absolut keinen Zweifel daran lassen, daß die neue Richtung meiner Ansicht nach gegenüber der früheren einen ganz außerordentlichen Fortschritt bedeutet, daß wir uns durch die neue Richtung auf dem wahren Weg befunden haben, aber im Vergleiche zu den großen Möglichkeiten in Palästina und vor allen Dingen im Vergleiche zu den unbedingten Notwendigkeiten der Judenheit war das Bisherige nichts, es war vollständig unzureichend, es war mit einem Mangel an Schwung und Maßstab gemacht, den ich für die Vergangenheit scharf verurteile, und von dem ich erwarte, daß er mit diesem Kongreß, der die praktische Arbeit als unzweifelhaften Weg auch für die politischen Ziele hinstellt, ein Ende findet. Ich möchte den Kongreß möglichst wenig mit Einzelheiten aufhalten, und nur das Wichtigste sagen. Ich habe beispielsweise in bezug auf die nicht hinreichend geschäftsmäßige Durchführung unserer Angelegenheiten auf Folgendes hinzuweisen; Wir machen seit vielen Jahren Propaganda für die Oelbaumspende. Es wird geltend gemacht, daß nach einer Reihe von Jahren eine Rentabilität von 40% herauskommt. Dieselben Herren haben uns die P. L. D. C. proponiert, bei der eine Rentabilität von 5V2°/o berechnet wurde, die aber Jahre hindurch nicht in die Erscheinung getreten ist. Nun frage ich; Wie kommt es, daß man aus der höheren Rentabilität eine Sammlung macht und aus der kleinen Rentabilität ein Geschäft? Wir müssen versuchen, solide Grundlagen aufzustellen und die beste Rentabilität wollen wir dann geschäftlich fruktifizieren und nicht die kleinsten Rentabilitäten, hinter denen das Resultat doch meistens noch zurückzubleiben pflegt. Ein anderes Beispiel: Wir haben ein Industriesyndikat, dieses Industriesyndikat existiert seit vielen Jahren, ist aber bis heute nicht zur Wirksamkeit gelangt. Und wenn jemand in diesen vielen Jahren mit irgend einem Industrieprojekt gekommen ist — und ich bin öfters gekommen — dann wurde gesagt: Wenn es gut wäre, würde das Industriesyndikat es machen. Wenn das Industriesyndikat es nicht macht, wird es wohl nicht gut sein 1 Und so schadet uns die untätige Existenz dieses Industriesyndikates bei allen industriellen Unternehmungen. Aehnlich wie hier, sind andere Gebiete monopolisiert worden. Professor W a i b u r g, der bei vielen von Ihnen in dem Rufe steht, allzu viele Sachen zu gründen und nicht richtig durchzuführen, hat in der Tat fast auf jede Art der Palästinaarbeit ein Monopol gelegt, ohne es doch auszuüben und dadurch geht nichts vorwärts. Von der Palästina-Handelsgesellschaft will ich nicht einmal reden. Da ist vor vielen Jahren ein Unternehmen gegründet worden, es ist in der bösesten Weise zugrunde gegangen. Wenn wir aber unter zionistischer Mithilfe mit zionistischer Initiative eine Palästina-Handelsgesellschaft gründen und sie muß außer Landes gehen, um Geschäfte zu machen, wie soll man dann von dem Handelsvolke der Juden verlangen, daß es seine Blicke nach Palästina, als nach dem Lande der Zukunft, richte. Und seit diese Sache zugrunde gegangen ist, ist von der Organisation nichts Neues aufgetaucht und von privaten Seiten ist auch kein Handelsunternehmen ermutigt worden. Wir haben auch eine Immobiliengesellschaft. Wenn diese gute Geschäfte macht, trotz kleinen Kapitals, so sollte das zeigen, daß das Immobiliengeschäft — einigermaßen richtig angefangen — bei den merkwürdigen Verhältnissen Palästinas und in Verbindung mit der jüdischen Einwanderung und Kolonisation enorme oder DIEl^ELT

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