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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. V 93 dieh|kelt Million Francs investiert werden und die P. L. D. C. hat für etwa 1 1/.2 Million Francs, die Immobiliengesellschaft für etwa 1 Million Francs Boden an Privatleute verkauft. Die Umsätze des Palästina-Amtes haben sich in den fünf Jahren verdreißigfacht. Sie betrugen in Einnahmen und Ausgaben: 1908 . 208.000 Francs 1909 . 527.000 1910 . 1,138.000 1911 . 3,490.000 1912 . 5,552.000 Im l. Halbjahre 1913 . . . 3,593.000 Die größere Hälfte dieser Umsätze betrifft Investitionen privater Kapitalisten oder Gesellschaften. Dabei wollen Sie beachten, daß diese Umsätze erzielt wurden, obwohl die von uns vertretenen Gesellschaften über lächerlich kleine Kapitalien verfügten. Der P. L. D. C. stand, da sie ihr eigenes Kapital in Kinereth festgelegt hatte, nur ein Kredit des J. N. F. von etwa 250.000 Francs zur Verfügung, die Immobiliengesellschaft hatte ein Kapital von 80.000 Mark. Wir hatten wegen dieser geringen Mittel ungeheuere Schwierigkeiten bei unseren Transaktionen und hätten sicherlich noch viel mehr erreichen können, wenn die Gesellschaften über größeres Kapital verfügt hätten. Wenn Sie bedenken, daß der Bodenkauf in Palästina zu unseren wichtigsten 'Aufgaben gehört, und daß unsere einzige Gesellschaft, welche sich — ungehindert durch einengende Statuten — dem Landgeschäft widmen kann, die P. L. D. C. ist, so werden Sie es gleich mir als einen unhaltbaren Zustand ansehen, daß diese Gesellschaft für diesen Zweck eigentlich keinerlei Mittel besitzt. Hier muß je eher je besser Abhilfe geschaffen werden. So bedeutsam die Pflanzungsgesellschaften für den Fortschritt unserer Kolonisation sind, so haben sie doch den einen Fehler, daß sie von jedem Mitgliede die Investition eines beträchtlichen Kapitals — etwa 15.000 Franken — erfordern, wovon eine Hälfte sofort und die andere in fünf bis sechs Jahresraten zu zahlen sind. Solche Zahlungen, insbesonders die hohe Anfangszahlung, sind nur den Begüterten möglich. Wir bestreben uns, für diese Pflanzungsgesellschaften Kreditquellen zu eröffnen, um wenigstens die drückende Anfangszahlung zu vermeiden und die Zahlungen auf acht Jahre gleichmäßig zu verteilen. Noch wichtiger aber ist es, auch den weniger Bemittelten, den Leuten mit nur vier- bis sechstausend Franken Vermögen, die Möglichkeit einer Uebersiedlung und selbständigen Existenz in Palästina zu verschaffen. Gelingen kann das nur durch eine stärkere Ausbildung der landwirtschaftlichen Nebenzweige, des Gartenbaues, der Milchwirtschaft, der Geflügelzucht. Ansätze zu solchen landwirtschaftlichen Kleinbetrieben finden wir in Ain Ganin und auch unsere Farmen arbeiten durch Einführung und Erprobung aller landwirtschaftlichen Nebenzweige mit Eifer an der Lösung dieses Problems. Hat unsere Arbeit in den vergangenen fünf Jahren hauptsächlich dem Pflanzungs¬ und Arbeiterproblem gegolten, so soll sie jetzt dem Kleinkolonisten gelten. Es ist zu hoffen, daß sich in absehbarer Zeit der Typus eines Kleinkolonisten herausbilden wird, der aus diesen Nebenzweigen eine ausreichende Existenz hat und für seine Installation keines größeren Kapitals als vier- bis sechstausend Franken bedarf. Wie außerordentlich dies unsere Kolonisation stärken würde, brauche ich wohl kaum zu sagen. Wenn überhaupt die landwirtschaftlichen Nebenzweige sich jetzt erhöhter Beachtung erfreuen, so ist dies — neben der schon erwähnten Bedeutung der Farmen für die Milchwirtschaft und der neu eingerichteten Wasserleitungen für den Gemüsebau — dem Umstande zu verdanken, daß die Kolonien in Judäa jetzt zum ersten Male einen Markt für diese Produkte haben. So lange Teil Awiw nicht bestand und die kaufkräftigen Juden von Jaffa in der ganzen Stadt zerstreut waren, konnten die Juden mit den Arabern schon deshalb nicht konkurrieren, weil der Araber seine Produkte nicht nur produziert, sondern auch direkt durch seine Familienmitglieder auf dem Wochenmarkt verschleißt. Seine Frau oder ein Kind sitzen den ganzen Tag mit ein paa. Hühnern oder etwas Gemüse auf dem Markt. Das konnten und wollten die Juden nicht nachmachen und sie konnten deshalb ihre Produkte gar nicht oder nur zu niedrigen Preisen im Kleinverschleiß absetzen. Jetzt ist es, wenigstens in Teil Awiw, anders geworden. Da die Konsumenten zusammen wohnen, ist es möglich, große Verkaufsstellen für alle Produkte einzurichten und so die jüdischen Produzenten, sei es durch ihren Zusammenschluß zu Konsumvereinen, sei es durch einen von Produzenten und Konsumenten gleichmäßig kontrollierten Zwischenhändler, in nahe Verbindung zu bringen. Diese Bedeutung der Konzentration der Juden in eigenen Stadtteilen ist bisher noch wenig gewürdigt worden; und doch ist sie vielleicht berufen, uns den so lange vergeblich erträumten jüdischen Kleinkolonisten zu ermöglichen, der von zehn bis zwanzig Dunam Boden leben kann. Wenn nicht schon hinreichend andere Gründe sozialer und kultureller Art dafür sprechen, Stadtviertel nach dem Muster von Teil Awiw auch in allen anderen Städten zu schaffen, so sollte allein diese Rücksicht auf die Förderung der landwirtschaftlichen Kolonisationen dafür genügen. Ein Hindernis gibt es beim landwirtschaftlichen Kleinbetrieb noch zu überwinden, d. i. die Untätigkeit der Familienmitglieder. Ich hörte kürzlich ein Gespräch zwischen einem jüdischen Kolonisten aus Petach-Tikwah und einem deutschen Bauern aus Sarona. Es drehte sich um die Einführung der Milchwirtschaft bei den Juden. Der Deutsche erkannte an, daß die jüdischen Kolonien in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hätten und seine Einwendung gegen die Prosperität der Milchwirtschaft bei den Juden beschränkte sich auf die Worte: „Ich glaube nicht, daß Eure Frauen nachts um 3 Uhr aufstehen werden, um die Kühe zu melken.“ Er hat damit in der Tat den wundesten Punkt berührt. Wir haben bisher so viel mit der Heranbildung der Kolonisten zu tun gehabt, daß wir darüber die Kolonistin vollständig vergessen haben. Und doch ist ihre Mithilfe unerläßlich. Viele Kolonisten kommen im Hause nicht zur Ordnung und in der Wirtschaft nicht vorwärts, weil die Frau das Hauswesen nicht zu verwalten versteht. Gilt das schon für den heutigen Kolonisten, so gilt es noch in viel höherem Maße für den Kleinkolonisten, dessen Existenz ohne die Mithilfe von Frau und Kindern bei allen leichteren Arbeiten überhaupt undenkbar ist. Es ist eine durchaus unaufschiebbare Aufgabe, hier einzugreifen, wie es in letzter Zeit durch die Beschäftigung von Mädchen in den Farmen und in den Arbeiterküchen, durch die vom Verband Jüdischer Frauen begründete Mädchenfarm in Kinereth und durch die landwirtschaftliche Schule in Petach- Tikwah geschehen ist. Verehrter Kongreß! Ich bin zu Ende mit dem, was ich Ihnen über die landwirtschaftliche Kolonisation zu sagen hatte. Es ist sehr lang ausgefallen, aber ich wollte in dieser wichtigsten und meist umstrittenen Frage nach Möglichkeit erschöpfend sein. Ich werde mich dafür, um Ihre Geduld nicht zu sehr auf die Probe zu stellen, bei den folgenden Punkten umso kürzer fassen. Es ist mehrfach behauptet worden, daß wir infolge unserer Vorliebe für das landwirtschaftliche Problem die wirtschaftliche Stärkung der Juden in den Städten vernachlässigten. Tatsächlich ist für die Entwicklung von Industrie in den Städten wenig geschehen. Im Handel haben die Juden in den letzten Jahren meines Erachtens an Terrain gewonnen, industriell sind wir aber über den Bezalel und die Spitzenateliers nur insoweit hinausgekommen, als infolge der verstärkten Bautätigkeit der Juden ein

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