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Die Welt · 1913-09-09 · Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
Date
1913-09-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE3$KELT mit kolonisatorischer Tätigkeit zu vergleichen. Geldverleihen ist ein Geschäft, das wir Juden leider seit zwei Jahrtausenden mehr als zuviel betreiben; es wäre also mehr als merkwürdig, wenn wir auf dem Gebiete, auf dem wir in allen Ländern der Welt exellieren, nicht auch in Palästina etwas leisten sollten. Aber wo in der Welt finden Sie jüdische Kolonisatoren, wo finden Sie Sachverständige, Leiter und Arbeiter auf diesem Gebiete, wo finden Sie ein Schema oder Vorbild für solche Arbeit? Hier müssen wir selbst erst mit Schweiß und Blut durch dichtestes Gestrüpp unseren Weg bahnen, dort finden wir einen breiten ausgetretenen Weg. Ist es da möglich, die Leute, welche auf dem ersten Wege sich Schritt für Schritt das Vorwärtskommen erkämpfen müssen, mit jenen zu vergleichen, die auf dem anderen Wege freie Bahn vor sich haben? Mancher meint, daß unsere kolonisatorische Tätigkeit in Palästina schon ungeheuer groß sei. Mir kommt sie leider im Verhältnis zu unserer Aufgabe jämmerlich klein vor. Diese Kleinheit ist sogar meine größte Sorge. Alle Schwierigkeiten unserer Arbeit werden mich nicht abschrecken, solange diese Arbeit selbst eine große Perspektive hat und mir ein Anfang zu Größerem scheint. Aber ich müßte und wir alle müßten in dem Moment verzweifeln, wo wir diese Perspektive nicht mehr haben. Deshalb ist es nötig, daß die Anfänge nicht gar zu winzig sind, die Basis unserer Arbeit nicht gar zu schmal ist, denn der Anfang bestimmt die Expansionsbreite in der Zukunft. Selbst wenn unsere Arbeit nur vorbereitender Art ist und nur Versuche darstellt, so muß sie doch gewisse Dimensionen haben. Sie wissen aus den Naturwissenschaften, daß e i n Versuch oft gar nichts besagt, aber eine Reihe von Versuchen mit variierten Bedingungen liefert entscheidende Resultate. Und noch eins. Früher hatte unsere Bewegung in der Charter-Idee ein großes Ideal. Wir haben uns jetzt damit abgefunden, daß wir unser Ziel nicht durch den Charter, sondern durch praktische Arbeit in Palästina erreichen müssen. Auch aus diesem Grunde darf die Arbeit nicht zwerghaft sein. Ich würde es deshalb als ganz falsch ansehen, wenn wir aus übergroßer Vorsicht uns zur Maxime machten, Reserven anzusammeln, und auch das Wenige nicht zu tun, was wir mit unseren Mitteln tun können. Bei meiner Tätigkeit mußte stets der letzte Pfennig mitarbeiten. Für eine Sparbüchsenpolitik ist die Zeit zu kurz und die Aufgabe zu dringend. Alle aufgesammelten Millionen werden bei der fortschreitenden Entwicklung Palästinas das nicht gut machen können, was wir jetzt versäumen und Millionen werden vielleicht da nicht ausreichen, wo jetzt Hunderttausende genügen. Ich will noch ein Argument der Kaufleute berühren, das ich manchmal gehört habe. Man sagt, daß unsere Farmen schon deshalb auf Erzielung von Profit ausgehen müßten, weil nur dadurch das Privatkapital herangezogen werden kann. Aber um sich zu überzeugen, daß die Landwirtschaft in Palästina profitabel sein kann, braucht der Privatkapitalist gar nicht die Ergebnisse unserer Farmen abzuwarten. Er kann in jeder judäischen Kolonie erfahren, daß Pflanzungen einen hohen Gewinn abwerfen. Man soll die Ziele nicht verwirren. Unsere Farmen haben vorläufig noch andere, höhere Aufgaben, als die Erzielung von Profiten. Was man von ihnen verlangen kann, ist, daß diejenigen unter ihnen, die nicht alljährlich neue Arbeiter aufnehmen, sondern größtenteils mit gelernten Arbeitern arbeiten, Rente bringen. Das bahnt sich in Kinereth und Daganiah auch bereits an. Es geht langsam, weil die Erfahrungen im Farmbetrieb mit jüdischen Arbeitern noch sehr jung sind und eine neue Technik erst im Entstehen begriffen ist. Nach all dem oben Gesagten kann ich mich über eine andere häufig gehörte Frage, weshalb wir in unseren Farmen nur jüdische Arbeiter beschäftigen, ganz kurz fassen. Von meinem Standpunkte aus hat die Frage überhaupt keinen Sinn, denn die Farmen sind uns ja nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zu gewissen Zwecken und unter diesen Zwecken nimmt die Ausbildung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter die erste Stelle ein. Und nicht nur für einfache Arbeiter, auch für die Ausbildung von Vorarbeitern und Leitern sind die Farmen fast unerläßlich. Wir bekommen ja auch unsere Agronomen nicht fix und fertig geliefert, sondern müssen' sie erst durch die Arbeit erziehen. Solange man für die ebenso wichtige wie schwierige Erziehung von Städtern zur Landwirtschaft keinen anderen Weg zeigt, werden die Farmen diesen Erziehungszwecken auch weiterhin dienstbar sein müssen. Sie werden uns dann statt Zinsen etwas viel Notwendigeres geben: nämlich Menschen. Ich will nur nebenbei bemerken, obwohl es gar nicht so unwichtig ist, daß wir bei unserer Methode unsere Farmen zugleich zu Pflegestätten jüdischen Geistes und der hebräischen Sprache machen. Und ferner: nur wenn wir in Palästina ein „Werk unserer Hände“ schaffen und nicht Exploitatoren fremder Arbeit sind, erwerben wir uns ein moralisches Recht auf den Boden, den wir juristisch erworben haben. Damit ist auch klar, daß wir bei der Beschäftigung jüdischer Arbeiter in keiner Weise von einer Animosität gegen die Araber, die ja gute profitable Arbeiter sind, geleitet werden, sondern nur von dem Bestreben, uns selbst zur Arbeit zu erziehen und unseren Boden mit unserem eigenen Schweiße zu düngen. Es ist selbstverständlich, daß wir überall auch Nichtjuden beschäftigen sollen und können, wo die Arbeit es verlangt und uns gleichwertige jüdische Arbeitskräfte nicht zu Gebote stehen. Ich brauche kaum zu sagen, daß mit der Beschäftigung von jüdischen Ai beitem auf unseren Farmen die Arbeiterfrage noch in keiner Weise gelöst ist. Obwohl nach dem Vorbilde unserer Farmen auch alle anderen, seitdem, von Privatleuten und Gesellschaften gegründeten Farmen mit jüdischen Arbeitern arbeiten — auch ein nicht gering anzuschlagender Erfolg unserer Farmen — und obwohl in all diesen Farmen zur Zeit bereits über 400 jüdische Arbeiter beschäftigt werden, so behält die Arbeiterfrage doch noch viele Stachel. Zunächst ist klar, daß die jungen Leute nicht ewig Lohnarbeiter bleiben wollen und sollen, die nur gerade eben den knappen Lebensunterhalt für sich selbst verdienen. Sie müssen eine Möglichkeit haben, wirtschaftlich vorwärts zu kommen und eine Familie zu gründen. Da wir mit einer Wiederaufnahme des früheren Kolonisationssystems, das auch ganz unbemittelten Leuten zu einer vollen Kolonisten-Stelle verhalt, kaum rechnen können, so sehe ich nur zwei Existenzmöglichkeiten: die erste Möglichkeit ist die Existenz als Häusler, der neben seinem Häuschen auf einigen Dunam Boden etwas Gemüsebau und Geflügelzucht treibt und eine Kuh oder ein Paar Schafe hält, in der Hauptsache aber von Lohnarbeit in einer Pflanzungskolonie lebt. Vielleicht wird es mit zunehmender Erfahrung besonders auf dem Gebiete des Gartenbaues möglich sein, allmählich den Typus eines Häuslers zu schaffen, für den die eigene kleine Wirtschaft die Hauptsache ist und die Lohnarbeit nur eine Nebenrolle spielt. Die Schaffung einer Häusl erstelle kostet durchschnittlich nur 2000 bis 3000 Franks für den Bau des Häuschens, den Boden und die Wasserversorgung. Für das geringe bewegliche Inventar genügen einige 100 Francs. Solche Häuslerstellen könnten wir durch Kreditgewährung für Häuschen, Boden und Wasserinstallation auch mit unseren beschränkten Mitteln alljährlich in beträchtlicher Anzahl schaffen, zumal wir auf diesem Gebiete mit dem Odessaer Komitee, mit dem Kolonisationsverein Ezra und noch anderen Kolonisationsgesellschaften Zusammenwirken. Die Arbeitersiedlungen in Ain Ganin, Bir Jakob, Nachlath

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