Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe V (9.9.1913)
- Date
- 1913-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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89 dies|eelt wird, wenn das Defizit, das es uns in den ersten Jahren brachte und das ja übrigens durch die Weitsteigerung des Bodens mehr als gedeckt ist, längst vergessen sein wird. Was in Kinereth, im Norden des Landes, für Rechnung des P. L. D. C. geschah, erfolgte im Süden, auf dem Boden des J. N. F. in Hulda und Ben Schemen für Rechnung der Oelbaumspende. Ich sagte schon oben, daß diese Terrains wegen ihrer isolierten Lage, ihrer Kleinheit und der Schwierigkeit der Wasserversorgung für eine landwirtschaftliche Bearbeitung nicht günstig waren. Es wäre zum Beispiel viel besser gewesen, statt zweier Terrains von je 2000 ein Terrain von 4000 Dunams zu haben; die Ausgaben für Verwaltung, Gebäude, Wasserbeschaffung, Bewachung hätten sich dadurch viel niedriger gestellt. Aber es stand nicht in unserer Macht, dies zu ändern. Die Terrains waren einmal da und erheischten die Bearbeitung. Da wäre es natürlich ganz verkehrt gewesen, wenn wir diese Terrains wegen der angeführten Mängel ihrem Schicksal überlassen und für den Herzlwald ein neues Terrain gekauft hätten. Es war immer noch besser, auf diesen Terrains mit höheren Kosten den Herzlwald zu pflanzen, als sie allen Gefahren preiszugeben, die mit der bis dahin geübten Verpachtung an Araber verbunden war. Die beiden Farmen bestehen jetzt fünf, bezw. vier Jahre. Sie haben alle Aufgaben erfüllt, derentwegen sie gegründet waren. Freilich wenn man die Pflanzung des Herzlwaldes als Selbstzweck betrachtet, so hätte man wahrscheinlich leichter dazu kommen können, wenn man die Anpflanzung unter Aufsicht einiger Kolonisten durch die Araber der Umgegend hätte vornehmen lassen. Es bestand damals in unseren Kreisen große Neigung dazu. Aber ich rechne es mir zum Verdienst an, daß ich diesen Wünschen nicht nachgegeben und von vorneherein die Pflanzung des Herzlwaldes nicht als Selbstzweck behandelt, sondern aus ihr ein Mittel zur Errichtung und Unterhaltung zweier Farmen gemacht habe. Der Herzlwald selbst kommt dabei nicht zu kurz; seine Anpflanzung ist fast beendet und in drei bis vier Jahren werden wir bereits die ersten Erträge haben. Allerdings ist es möglich, daß der einzelne Oelbaum sich nicht auf sechs Mark, wie man vor mehr als zehn Jahren berechnet hatte, sondern einige Mark teurer stellen wird, oder daß der Preis von sechs Mark als Durchschnitt nur dann bestehen bleiben wird, wenn man auch die anderen, als Zwischenkulturen gepflanzten Bäume hinzurechnet. Ich weiß nicht, ob bei irgend einer anderen Wirtschaftsart, selbst mit arabischen Arbeitern, der Oelbaum heute mit M. 6 zu pflanzen ist, denn die Preise für menschliche und tierische Arbeit sind in Palästina in den letzten 10 Jahren gestiegen und man rechnet heute allgemein die Kosten für den Dunam Oliven ohne den Bodenpreis auf M. 90 bis 100, also für den Baum auf M. 9 bis 10. Aber auch selbst wenn in unserem Farmbetriebe mit jüdischen Arbeitern die Kosten höher wären, kann nach meiner Meinung noch immer nicht der geringste Zweifel darüber bestehen, daß wir doch diesen Weg gehen müssen, weil die Farmen für uns einen unschätzbaren kolonisatorischen Wert haben. Die Farm Ben Schemen z. B. hat als erste die Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien eingeführt. Bis dahin hatte keine einzige jüdische Kolonie eine rationelle Milchwirtschaft; kein einziger Liter Milch kam von den jüdischen Kolonien zum Verkauf in die Stadt. An schönen Reden an die Kolonisten, daß sie sich doch der Milchwirtschaft annehmen möchten, hat es nicht gefehlt, aber der Erfolg war gleich Null. Man hörte stets den Einwand, daß im Winter der Milchpreis zu niedrig sei, um die Milchproduktion lohnend zu machen, und im Sommer, wenn der Milchpreis hoch sei, fehle es an Futter und deshalb auch an Milch. In mehrjährigen Versuchen, bei denen wir vieles den Erfahrungen der benachbarten deutschen Kolonien verdanken, hat der Leiter unserer Farm Ben Schemen den Futterbau studiert und durchgeführt. Der Erfolg war, daß die benachbarte Kolonie Ekron die Sache sofort nachmachte und daß heute Ben Schemen und Ekron Teil Awiw täglich mit Milch und Milchprodukten versorgen. Andere Kolonien sind im Begriffe dasselbe zu tun. Was theoretische Belehrungen und Ermahnungen niemals vermocht hätten, hat das praktische Beispiel in kürzester Zeit bewirkt. Wir werden den Kolonien bei der Aufnahme der Viehwirtschaft in einiger Zeit noch eine weitere wesentliche Hilfe leisten können. Die Rinderrasse Palästinas ist schlecht und gibt wenig Milch. Wir haben uns für die Farm Ben Schemen eine Anzahl guter Zuchttiere vom Libanon beschafft und aus diesem Stamm werden wir allmählich alle Kolonien mit guten Zuchttieren versorgen können. Die Folgen dieser Aufnahme der Viehwirtschaft sind ganz unübersehbar, denn Viehwirtschaft gibt Dünger und Dünger gibt gute Ernte. Einen außerordentlichen Nutzen haben die beiden Farmen auch dadurch gebracht, daß sie als erste die Anpflanzung von Oliven und Mandeln im Großbetriebe mit jüdischen Arbeitern durchführten und dadurch für die privaten Pflanzungsgesellschaften ein lebendiges Vorbild schufen. Wenn wir den für den Fortschritt der Kolonisation so außerordentlich wichtigen Typus der Pflanzungsgesellschaften schaffen und die zahlenmäßigen und technischen Unterlagen dafür liefern konnten, so verdanken wir dies zum großen Teile den Erfahrungen, die uns unsere Farmen Als den größten Nutzen der Farmen sehe ich aber die Heranbildung von jüdischen Arbeitern an. Wenn in den letzten Jahren der fast schon versiegte Zustrom von jungen Leuten nach Palästina wieder zu fließen beginnt, wenn die Zahl der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter, die vor fünf Jahren kaum .300 betrug, sich inzwischen verfünffacht hat, so ist dies nach übereinstimmender Ansicht aller Kenner der Verhältnisse in erster Linie den neuen Farmen zuzuschreiben. Ohne die Farmen hätten die jungen Leute zum allergrößten Teile keine landwirtschaftliche Beschäftigung finden können. Der junge Einwanderer i.t im Anfänge durch den Klimawechsel und durch seine Unkenntnis meist ein so schwacher Arbeiter, daß kein privater Kolonist ihn beschäftigen will. Der Kolonist will und kann auch häufig kein Lehrer sein und will und kann seinen Betrieb nicht zu einer Schule machen. Er braucht einen Arbeiter, der die Arbeit schon kennt. Die Folge ist, daß der erfahrene jüdische Arbeiter in den Kolonien jederzeit Arbeit finden kann, der neue Ankömmling aber wochenlang vergeblich nach Arbeit sucht. Dieser Mißstand war seit langem bekannt und es sind schon viele Mittel zu seiner Beseitigung vorgeschlagen worden. Aber erst unsere Farmen haben, indem sie neue Einwanderer als Arbeiter aufnehmen und ein volles Jahr ausbilden, praktisch eingegriffen und Besserung gebracht. Im Laufe der vier bis fünf Jahre ihres Bestehens haben Ben Schemen und Hulda eine stattliche Zahl von Arbeitern ausgebildet und fast alle sind in Palästina geblieben und haben in den Kolonien ihre Existenz gefunden. Was sie ihrerseits für die Neubelebung der Kolonien leisten, dafür will ich Ihnen ein Beispiel erzählen. Im vorigen Jahre kauften wir in der seit zwanzig Jahren existierenden Kolonie Kastinieh etwa tausend Dunam Boden und verkauften ihn an auswärtige Käufer. Da die neuen Käufer nicht so schnell kamen und der Boden bearbeitet werden mußte, schickten wir zu diesem Zwecke acht Arbeiter aus Ben Schemen und Hulda nach Kastinieh. Etwa ein halbes Jahr später kamen die Käufer und wir wollten nunmehr unsere Arbeiter wieder aus Kastinieh zurückziehen. Da erschien bei mir vollzählig der Waad von Kastinieh und bat mich flehentlich, das nicht zu tun und die Arbeiter weiter in Kastinieh zu belassen. Seitdem die Arbeiter dort seien, herrsche ein ganz anderes Leben in der Kolonie; durch die Arbeiter hätten sie überhaupt erst gelernt, was Arbeit sei, und sie sähen jetzt ein, daß ihre ganze frühere Arbeit ein Gelächter gewesen sei (ich zitiere wörtlic.i). Sie seien „abgeschwächt“ gewesen und hätten die Arbeit schon verlernt; jetzt begännen sie selbst wieder aufs Feld zu gehen. Sie hätten, da sie ja nur