Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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76 Nr. IV DIESEL! Ieitung heranzuziehen gewußt, und jeder muß uns das Zeugnis ausstellen, daß wir und besonders die Herren Dr. Katzeneisohn, Kann und Cowen mit Hingebung und Aufopferung für die Kolonialbank und die A. P. C. gearbeitet haben. Wir wollen auch jetzt Weiterarbeiten, wenn man uns dies nicht unmöglich machen wird. Die Anhänger des E. A. C. sagen: Unseie Partei hat auf dem letzten Kongresse gesiegt und deshalb müssen wir die Banken haben. Ich will nicht streiten, ob das E. A. C. ohne unsere Unterstützung die Majorität gehabt hätte und ich stehe auf dem Standpunkte, daß wir überhaupt keine Parteien in unserer Organisation haben sollten. Das sind künstliche Gebilde. Wir sollten viel eher das betonen, was uns einigt, als das, was uns trennt. Ich versichere Sie, auch ich hätte die kleinen Anklagen gegen die Leitung hier nicht vorgebracht. Es liegt mir ferne, die Leitung bekämpfen oder gar herabsetzen zu wollen, denn, um ein treffliches hebräisches Wort zu zitieren: Jiphtah b’ doroh k' Schmud’l be doroh. Jeder, der die Stelle einnimmt, die einst unser Herzl eingenommen hat, muß respektiert werden. Aber es gibt etwas, was noch höher bewertet werden muß: Das Interesse der Bewegung. Geehrter Kongreß! Wir Zionisten sind große Optimisten, müssen es auch sein. Wenn Herzl keiner gewesen wäre, er hätte die Sache nicht unternommen. Wir wollen es sein, aber wir dürfen doch nur Dinge unternehmen, die wir auch durchführen können. Und noch eines: Wir dürfen die Gegensätze nicht so auf die Spitze treiben, daß wir gute Gesinnungsgenossen von uns abstoßen. Wir haben in unserer Bewegung nach dem Tode Herzls eine solche Krisis durchlebt. Da ist eine Spaltung entstanden. Ich kann mir zwar nicht denken, daß einer, der wirklich zionistisch fühlt, von uns gehen kann. (Beifall.) Aber es war damals doch ein Schaden für uns, daß wir Männer wie Zangwill und andere verloren haben. Ich darf sagen, daß ich mir alle Mühe gegeben habe, um sie unserer Bewegung zu erhalten. Unseie jetzige Leitung aber hat sehr wenig getan, um es Männern wie Nordau und Marin orek möglich zu machen, zu unseren Kongreß zu kommen. Ich muß hier noch einen nennen: Herrn Kremenezky, einen unserer besten Mitarbeiter, der ebenfalls abwesend ist. Er hat einen Brief an Professor Warburg gerichtet und die Gründe seiner Abwesenheit auseinandergesetzt. Ich will auf die Gründe hier nicht näher eingehen, aber Sie werden mir glauben, daß mir Tränen in die Augen gekommen sind, als ich den Herzenserguß und die Anklagen dieses Mannes gelesen habe. Man hat Nordau Vorwürfe gemacht, daß er vom Kongreß weggeblieben ist. Auch ich habe ihm gesagt: „Sie haben kein Recht fernzubleiben“. Er aber antwortete: „Es hätte jadoch keinen Zweck. Die Zusammensetzung des jetzigen Kongresses wird nach Vorbereitungen, die die Sekretäre und die Leitung getroffen haben, eine derartige sein, daß nicht mehr abzuhelfen ist.“ Darauf habe ich ihm optimistisch geantwortet: „Herr Dr. Nordau, ich kenne die Zionisten besser als Sie und ich sage Ihnen, die Zionisten werden es nicht zulassen, daß man unsere Banken, die der Fonds unserer Organisation gewesen sind, aufs Spiel setze. Sie werden den unberechtigten Forderungen des E. A. C. entgegentreten. Der Kongreß wird entscheiden, ob ich mit meinem Optimismus gegenüber Dr. Nordau Recht behalten werde. Hoher Kongreß! Niemand von uns verlangt, daß das E. A. C. keinen Einfluß auf die Banken habe. In der Direktion der Banken sitzt ein Mitglied des E. A. C., Herr Dr. Jakobsohn. Im Aufsichtsrate sitzen auch Mitglieder des A. C. Die Herren von E. A. C. aber behaupten, es seien ihrer zu wenig. Sie wollen es zum Prinzip machen, daß sämtliche Mitglieder des A. C. eo ipso Mitglieder des A. R. werden. Dieses Prinzip muß man bekämpfen, da zu diesen Funktionen verschiedenartige Fähigkeiten gehören. Meine Herren! In die Bank gehören Bankleute, für die Leitung der Organisation Leute, die auf diesem Gebiete sich auszeichnen. (Rufe: Dr. Marmorek!) Sie sagen Dr. Marmorek! Wenn er auch sonst nicht geeignet ist, Mitglied des Aufsichtsrates zu sein, das eine schätze ich an ihm, daß er uns immer und immer wieder eingeschärft hat: „Hütet das Geld der Banken, denket an die Worte Herzls, daß diese Mündelgelder des jüdischen Volk sind“. Das jetzige E. A. C. läßt sich auch in dieser Hinsicht von Parteirücksichten leiten. Herr Dr. Hantke sagte mir voriges Jahr auf der Jahreskonferenz: „Die Bank ist für uns da und wenn die Organisation 100.000 Mark nötig hat, wird die Bank das Geld auch ohne Garantien gehen.“ Mein Freund Simon hat bei einer Debatte über den Bezalel gesagt: „Wenn es mit dem Bezalel schlecht steht, müssen wir 100.000 Francs von der Bank geben.“ Das ist eben der Unterschied meine Herren! Dr. Marmorek versteht nichts von Banksachen, bloß das eine, daß die Gelder unserer Banken mit peinlichster Gewissenhaftigkeit verwaltet werden müssen. Wenn das E. A. C. zur Bankleitung gekommen wäre und gesagt hätte, wir schlagen diese und diese Herren vor, die geeignet sind, die Bank mitzuverwalten, wir wären ihm sehr dankbar gewesen. Wenn das E. A. C. aber die Forderung aufstellt: „Wir wollen Parteimänner unserer Richtung hineinbringen, damit wir die Majorität haben,“ da können wir nicht folgen. Meine Herren! Ich komme zum Schlüsse. Ich halte Herrn Dr. Tschlenow ohne Uebertreibung für einen unserer Besten. Ich habe es ihm in Hamburg erklärt, als ich ihm schrieb: „Sie sind der Einzige, der geeignet ist, an die Spitze zu treten, bekommen Sie nach Berlin übernehmen Sie die Leitung und ich trete zurück.“ Aber ich will nicht verhehlen, daß es ihm, wie es {scheint, an Verständnis für Bankangelegenheiten mangelt. Ich glaube sogar, daß er ein schlechter Politiker ist. Er schloß seine Rede damit, daß er sagte: Erst hat man — d. h. das jetzige E. A. C. — die Leitung in die Hände bekommen, jetzt muß die Bank folgen. Wir müssen zu einem guten Ende kommen. Es ist wirklich traurig, daß Herr Dr. Tschlenow es als ein gutes Ende bezeichnet, daß man der Bankleitung, die seit der Gründung unserer Banken an der Spitze derselben gestanden hat, ihr aus den Händen nimmt, daß man es Männern, die ihr Vermögen, ihre Gesundheit, ihr Leben geopfert haben, es unmöglich macht, weiter mitzuarbeiten. (Rufe: Warum?) Warum? Hoher Kongreß! Es gibt gewisse Grenzen, wie weit man sich selbst für eine Bewegung opfern darf, die einem teuerer ist als das Leben. Wenn es sich um fremde Gelder handelt, wenn unsere Bank einer bestimmten Parteirichtung ausgeliefert wird und ich die Verantwortung nicht mehr tragen kann, dann wird mich keine Macht der Welt zwingen, ein Amt anzunehmen. Ich wiederhole, ich würde die Verantwortung nicht übernehmen können, wenn mit den Banken so verfahren werden sollte, wie man jetzt vorschlägt. Meine Damen und Herren! Ich befinde mich in einem Zustande, daß ich wahrlich nicht weiß, ob es mir vergönnt sein wird, noch einen Kongreß mitzumachen. Mein Arzt hat mich davor gewarnt, selbst zu diesem Kongreß zu gehen, aber ich sagte mir: Ich will das äußerste tun, um unsere Institute zu schützen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ich appelliere an den Kongreß, ich appelliere an die Leitung selbst, der ich die ganzen zwei Jahre hindurch als disziplinierter Zionist treu zur Seite gestanden habe: Machen Sie es uns nicht unmöglich, mitzuarbeiten. Hoher Kongreß! Bereits auf dem vorigen Kongresse hat uns eine Spaltung gedroht. Gar manche, darunter meine engeren Freunde, wollten eine separate Partei bilden. Man ist wiederholt an mich herangetreten, daß ich die.Gründung der Partei in die Hand nehme. Ich habe mich dagegen gewehrt, ich habe meine Freunde vor diesem Schritte zurückgehalten, habe sie ermahnt, treu wie Soldaten auf ihren Posten auszuharrren. Wenn man es uns aber unmöglich