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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. IV macht zu bleiben, dann könnte erzwungenerweise sich eine Partei bilden zum Schutze der zionistischen Finanzinstitute. Ich richte daher den Appell an Sie: Erschütiern Sie nicht die Grundsäulen unserer Organisation. Wir haben vorhin gehört, daß in bezug auf die Dechargeerteilung ein Antrag gestellt wurde, der eigentlich aus zwei Anträgen besteht; der erste lautet dahin, der Leitung das Vertrauen auszudrücken, der zweite, daß die Leitung — Sie mögen es nennen, wie Sie es wollen, ich nenne es — die Bank in ihre Hände bekomme. (Widerspruch.) Wenn Sie diese zwei verschiedenen Dinge verquicken, so werde ich und meine Freunde gegen den Antrag stimmen müssen, weil wir es mit unserem Gewissen nicht vereinbaren können, daß man mit den Banken Experimente macht. Wählen Sie welche Personen immer in die Leitung der Bank, wenn sie nur dazu geeignet sind. Aber wählen Sie nicht Parteileute, die auf eine bestimmte Richtung eingeschworen sind. Meine Damen und Herren! Der vorige Kongreß wurde der Friedenskongreß genannt und ich darf es ohne Ueberhebung sagen, ich habe viel zu diesen Frieden 77 beigetragen. Kein Geringerer als Ussischkin hat mir dieses Zeugnis ausgestellt. Ich bitte Sie, machen Sie diesen Kongreß nicht zu einem Kongreß des Unfriedens, zerstören Sie nicht, was wir in fünfzehnjähriger schwerer Arbeit geschaffen haben. Kommen Sie in die Generalversammlung, üben Sie Kritik, aber hüten Sie sich vor einem Schritte, der vielleicht geeignet ist — verzeihen Sie das harte Wort, das aber meinen innersten Ueberzeugungen entspricht —, unsere Banken zugrunde zu richten, das wollen wir nicht erleben. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall und Bravo- Rufe.) Auf Antrag des nächsten zum Worte gelangenden Generalredners Motzkin, der erklärt, er fühle sich zu erschöpft, um seine Rede, die längere Zeit in Anspruch nehmen werde, zu beginnen, wird die Sitzung um 8'/2 Uhr abends geschlossen. Wir bitten, in dem Bericht über die Mittwoch-Nachmittag- Sitzung in Nr. III der Kongreßausgabe, Seite 51, den Namen des Redners statt Heinrich Rosenbaum S. Rosenbaum -Minsk zu DIE3$KELT RUND UM DEN KONGRESS Nationalfonds-Ausstellung. Ein rascher Gang durch diese ganz eigenartige Exposition soll ihren Wert erläutern und ihre mitunter bescheiden verhüllten Schönheiten aufzeigen. Hart am Eingang hängt eine Palästinakarte, die eindringlich zu uns spricht. Die winzigen Fleckchen in violetter Farbe auf der weiten Fläche stellen nämlich den heutigen jüdischen Besitz an Grund und Boden dar. Jeder Besucher soll sofort von der Idee erfaßt werden, daß dieses Land ohne Volk — das Ostjordanland ist fast menschenleer — förmlich nach uns ruft und daß wir es dem Volke ohne Land erwerben müssen. Ein zweiter stimmender Akkord dieser Zweckausstellung ist eine graphische Darstellung der einzelnen Länder an den Leistungen für den Nationalfonds. Südafrika ist das Idealland. Es entfällt auf jeden jüdischen Bewohner eine Mark pro Jahr. Würden die Juden der anderen Länder dem südafrikanischen Beispiele folgen, dann müßten dem Nationalfonds jährlich 16 Millionen Mark zufließen. Die breiten Tische, auf denen die Propagandamittel in ihrer chronologischen Entwicklung ausgebreitet sind, wollen mit Muße studiert sein. Man denke: Unser Nationalfonds muß sich in 24 Sprachen verständigen. An der Eröffnung neuer Einnahmequellen arbeitet tatsächlich das ganze Volk mit. Die Leitung erhält jährlich Tausende von Anregungen, die sie prüft und fruktifiziert, und bei manchen Sammelmitteln — gerade den rühmlichsten, wie beispielsweise der Institution des Goldenen Buches — blieb der verdiente Erfinder unbekannt. Typisch ist die Entwicklung der Nationalfondsmarke: Erst ein Zionszeichen, dann Führerköpfe — jetzt aber schon durchaus Bilder aus unserem jüdischen Neuland. (In den letzten fünf Jahren hat der Nationalfonds dem Volke 10.000 Dünen Land erworben, drei Arbeiterkolonien errichtet und für 200 landwirtschaftliche Arbeiter Unterkunft beschafft.) Das wichtigste Instrument ist die Sammelbüchse. Eine Neuerung, die unser verdienstvoller Nathan Groß einführte, wird sich bestimmt bewähren: Angemessene Frist vor der regelmäßigen Büchsenleerung erhält jeder Büchseninhaber eine künstlerisch ausgestattete Zuschrift, in welcher die bevorstehende Leerung angekündigt und mitgeteilt wird, was bisher in Palästina geleistet wurde. Neben der populären himmelblauen, gibt es jetzt zwei neue Büchsen, Werke des Bildhauers Fleischhacker, Düsseldorf. Die eine ist für den Salon bestimmt und ist ein wahres Schmuckstück, die andere, eine schwere, prachtvolle Broncearbeit, wird verdienstvollen Männern verehrt, wie Lordmayor Moser (Bradford), der das hebräische Gymnasium erbaut hat, und Ing. Kremenecki (Wien), der den Nationalfonds organisierte und bis zum achten Kongreß leitete. Unter Glasschutz ruht das berühmte, nunmehr abgeschlossene erste goldene Buch, bekanntlich eine Arbeit des Wiener Künstlers Emil Ranzenhofer. Es enthält 5000 Eintragungen über die Gesamtsumme von einer Million Mark und das schöne Diplom mit der populären symbolischen Zeichnung Ranzenhofers hängt jetzt in 5000 jüdischen Häusern. Das neue goldene Buch ist schon ein palästinensisches Kunstwerk von E. Goldberg. Es ist im B e z a 1 e 1 entworfen und gearbeitet worden — der Clou der Ausstellung, dicht umdrängt und bewundert. Elfenbeinreliefs, inkrustierte Edelsteine und herrlich getriebene Ornamente vereinigen sich zu eindrucksvoller Gesamtwirkung. Das neue Diplom für Spender — König David schlägt die Harfe — hat L e s s e r U r y gemalt. Stimmungsvoll ist die „Herzl-Ecke“. Sie besteht aus dem Schreibtische, auf welchem Herzl den „Judenstaat“ schrieb — in der Tischlade sind unter Glas zwei an dieser Stelle Vorgefundenen französische Visitenkarten Herzls und seiner Gattin angebracht — eine Büste Herzls aus der Pariser Zeit, von Heinrich Beer modelliert und von Tobias Markus (Florenz) dem Nationalfonds geschenkt, sowie ein Gemälde, Herzl am Schreibtische darstellend. Nur im Fluge seien noch aus derFülle der Gegenstände hervorgehoben: Eine rührend schöne Gedenkmünze für Kinder, die fleißige Nationalfondssammler sind, das Modell des Verwaltungsgebäudes im Herzl-Wald, die interessante „goldene Säule“, die das Wachstum der Spenden versinnbildlicht und die Jemenitenbilder. Möge die Ausstellung des Nationalfonds, die von so viel heiliger Arbeit, Liebe und Volkstreue erzählt — ist doch der Nationalfonds ein kostbares Mosaik aus den Gaben der Kleinsten — dieser unserer populärsten und wichtigsten Institution zahlreiche neue Mitarbeiter werben!

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