Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316576--57033-3376427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. iv ■=— --- — ■ - DIEIqKELT von Geschäften nichts versteht, dann gibt man ihm wohl die Tochter, vertraut ihm aber das Geld zur Verwaltung nicht an (Heiterkeit und Beifall), und zwar im Interesse der Tochter und des Schwiegersohnes. Der Schwiegervater sorgt eben dafür, dass die Gelder gut verwaltet werden. Herr Dr. Reich wundert sich, daß man dem gegenwärtigen E. A. C. die Seele anvertraut hat und nicht das Geld. Ja, meine Herren, wenn man seine Kinder einem Lehrer anvertraut, so muß man ihm doch nicht auch sein Vermögen zur Verwaltung übergeben. Wir sind zwar keine Handelsgesellschaft, die sich mit guten Geschäften begnügt, wir haben ein hohes Ideal. Wenn wir aber etwas unternehmen wollen, was mit Geldgeschäften zu tun hat, was man ohne Geld nicht machen kann, so braucht man dazu Leute, die Geld zu verwalten verstehen. (Bravo! Beifall). Herzl war zwar kein Bankier, aber als er die Bank gründen wollte, da hat er sich die Leute zusammengesucht, denen er die Verwaltung übergeben konnte. Es hat manchmal auch Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bankleitung und Herzl gegeben. Die Bankleitung hat manchmal auf ihren Standpunkt beharrt, manchmal auch nachgegeben. Herzl hat die Bankleitung mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote gestanden, zu halten gesucht. Bei jeder Bankdebatte pflegte Herzl immer und immer wieder zu betonen: „Banksachen müssen von Leuten verwaltet werden, die mit Geld umzugehen verstehen.“ Die gegenwärtige Leitung zeigt leider weniger Verständnis dafür, indem sie mit Anträgen kommt, die es der jetzigen Verwaltung der Bank unmöglich machen könnten, weiter mitzuarbeiten. Der E. A. C. glaubt ja wohl selbst nicht, daß die Glückseligkeit der zionistischen Organisation davon abhängt, ob noch 3 Leute aus ihrer Richtung in den Aufsichtsrat hineinkommen. Man gibt Gründe dafür an, die keine Gründe sind. Die Gelder der Bank seien ja für die zionistische Organisation da, diese müsse zu jeder Zeit über das Geld verfügen können. Das E. A. C. sagt: „Wir sollen bei der Bank nicht solche Leute in der Majorität haben, die in zionistischen Fragen anders denken als wir.“ Ich möchte aber den Kongreß und unsere Leitung fragen, ob man mir einen Fall nennen kann, wo die Bankverwaltung sich geweigert hat, für zionistische Zwecke Geld herzugeben, sobald dies mit den reellen kaufmännischen Prinzipien vereinbar war. Als Herzl der Verwaltung unserer Banken sagte, er brauche 4000 Pfund für El Arisch, da haben wir ihm die 4000 Pfund ohne Zögern bewilligt, weil wir uns sagten, daß daraus eine große Sache werden kann. Und wenn in Palästina etwas Solides zu unternehmen wäre, wofür alle Gelder der Bank nötig wären, keiner von uns wird auch nur einen Augenblick sich weigern, dies zu tun. (Stürmischer Beifall.) Erst vor kurzem hat das Mitglied des E. A. C., Herr Dr. Jakobsohn, für eine Sache, die in der Schwebe ist, 10.000 Pfund verlangt und erhielt umgehend unsere bereitwillige Zustimmung. Ich will damit beweisen: Wenn Sie mit Sachen gekommen sind, die von Wichtigkeit waren, da ist die Bankverwaltung, also auch ich, der doch seit der Gründung an der Spitze der Verwaltung steht, noch nie dagegen gewesen. Wenn Sie aber mit zweifelhaften Experimenten kommen und Geld verlangen für schlechte oder schlecht geleitete Unternehmungen, da sagen wir: Nein! Das Geld ist uns anvertraut und wir wollen es reell und peinlichst gewissenhaft verwalten. Wir wollen mit dem Geld keine riskanten Versuche machen. (Zwischenruf: Wer entscheidet, was richtig ist?) Richtig ist, was nach kaufmännischen Begriffen aussichtsreich ist. (Beifall, lebhafte Zwischenrufe.) Herr Wolffsohn (fortfahrend): Ich werde auf diese Zwischenrufe nicht eingehen. Nach meiner festen Ueberzeugung ist die beste praktische Arbeit, die in Palästina von uns geleistet worden ist, die der Anglo Palestine Company. Sie haben einen Bericht über ihre zehnjährige Tätigkeit bekommen, lesen Sie und urteilen Sie selbst, ob ich nicht recht habe. Unser Jewish Colonial Trust, die Anglo Palästinabank und unsere dritte Bank in Konstantinopel haben alle zusammen 71/., Millionen Franken und wissen Sie, geehrter Kongreß, daß wir schon über zehn Millionen in Palästina investiert haben. Wir konnten dies nur Dank dem Umstande, daß es uns nach langer und schwerer Arbeit gelungen ist, Vertrauen zu gewinnen. Als wir unsere Bank gründeten, da bin ich von einem jüdischen Großbankier zum anderen gegangen und sie — ich muß schon sagen — förmlich angebettelt, daß man sich unser annimmt. Ich ei hielt zur Antwort: Eine solche Bank kann nicht bestehen. Eine Bank, wo Leute, die fünfundzwanzig Kronen Kapital hineingesteckt haben, große Reden und Generalversammlungen halten können und über die ganze Geschäftsleitung Artikel schreiben, kann nicht Erfolg haben. Es tut mir leid, daß ich gezwungen bin, über unsere Banken öffentlich zu sprechen. Von Frauen wird gesagt, die besten sind die, von welchen man am wenigsten spricht. Von Banken darf man schon gar nicht reden. Meine Herren, Sie haben gehört, daß wir Depots von über neun Millionen haben. In der ersten Zeit haben wir keinen Pfennig bekommen. Nicht nur, daß man uns keine Depots anvertrauen wollte, man wollte mit uns überhaupt keine Geschäfte machen. (Unruhe.) Meine Herren! Ich stehe seit der Begründung an der Spitze der Bank. Wir haben uns Vertrauen in den 10 Jahren erworben. Wir haben nicht geprahlt und niemals übertrieben, niemals große Dividenden in Aussicht gestellt; sehen Sie unsere Bilanzen nach. Wir haben niemals mehr versprochen, als wir halten konnten. Dadurch haben wir uns allmählich das Vertrauen erworben, daß man uns Gelder und Depots anvertraute. Meine Damen und Herren! Es ist das erstemal, daß ich darüber spreche und ich bin mir bewußt, daß man eigentlich darüber öffentlich nicht reden soll. Aber Sie zwingen mich dazu. Meine Herren! Wäre ich nicht überzeugt, daß jeder es ebenso ehrlich meinten, wie wir, wie ich und die Direktoren, würde ich nicht so reden. Ich bin überzeugt, Sie meinen es gut, aber meine Herren, man darf nicht in alle Dinge dreinreden. Schenken Sie denen Ihr Vertrauen, die zwölf Jahre an der Spitze gestanden und gearbeitet haben und wenn Sie noch soviel Kritik üben, sehen Sie sich die Hauptarbeit, die Resultate der Anglo-Palestine Company in Palästina an. Meine Herren! Was glauben Sie, ich will die Banken für mich? (Rufe: Nein!) Die Antwort war selbstverständlich. Glauben Sie, daß ich die Bank für die Direktoren will, glauben Sie, meine Herren, daß es ein Vergnügen ist, für unsere Geldinstitute jahraus, jahrein zu arbeiten, dafür als einzige Tantieme, die man bekommt, alle zwei Jahre von oben bis unten herunterkritisiert zu werden. (Beifall und Händeklatschen.) Wissen Sie, meine Herren, was es heißt, für Banken arbeiten, deren Direktorium in der ganzen Welt zerstreut sein müssen. Die Leitung der Bank hat schwer gearbeitet und den Beweis erbracht, daß die Bank, die alle Fachleute für verloren gehalten, existenz- und entwicklungsfähig ist. Wir haben die Gelder nicht nur bewahrt, sondern sogar vermehrt. Lesen Sie den Bericht des A. P. C., sprechen Sie mit Fachleuten und die werden Ihnen sagen, daß es eine schwere Arbeit war, die wir geleistet haben. Nun, meine Herren, ich verlange keinen Lohn, keinen Dank. Was ich verlange, ist, daß Sie endlich begreifen, warum wir uns dagegen sträuben, unsere Banken zum Spielballe von Parteiinteressen machen zu lassen. (Beifall.) Geehrter Kongreß! Es war im Frühjahr 1898 hier in Wien, da waren 31 Herren auf den Ruf Dr. Herzls zusammengetreten. Dr. Herzl sagte: Wir müssen eine Bank gründen. Unter den anwesenden Herren haben nur zwei dagegen gesprochen und einer von diesen war ich. Als mir aber Herzl zurief: Solange Sie in der Bewegung sind, müssen Sie sich den Beschlüssen unterordnen, da habe ich ohne Zögern gehorcht, und ich bereue es nicht. Herzl hat auch die anderen Mitglieder der jetzigen Bank-