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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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74 Nr. IV DIE^EELT diesem Vergleiche bleiben. Die Idee ist die Seele des Zionismus, die Organisation ist dessen Körper. Gewiß, die Idee muß gepflegt werden, aber nicht weniger die Organisation. Denn nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde, wirkende und schaffende Seele wohnen. Mein Vorredner, Herr Dr. Tschlenow, hat unsere Lage sehr günstig beurteilt. Im Anschlüsse an einen Ausspruch Dr. Klees auf einem früheren Kongresse, sagte Dr. Tschlenow: Wir sind zufrieden. Ich kann mich auch dieser Meinung nicht anschließen; ich bin es nicht. Es ist für mich eine unangenehme Sache — ich brauche darüber nicht viele Worte zu verlieren — hier als Generalredner auftreten zu müssen, um Kritik an meinen Nachfolgern zu üben. Ich hätte dies nicht getan, wenn das E. A. C. von dem Kongresse nicht etwas verlangt hätte, das ich für ganz unberechtigt halte. Ich bitte mich nicht mißzuverstehen, wenn ich sage, daß die Forderung des E. A. C. eine Gefahr für unsere Organisation bedeutet. Sie werden also begreifen, daß ich keine Rücksichten nehmen kann und darf und Kritik üben muß. Befürchten Sie aber nicht, daß ich eine solche Kritik üben werde, wie ich sie im Laufe der drei Kongresse, wo ich an der Spitze der Leitung stand, zu hören bekam. Man hat damals der Leitung zum Vorwurf gemacht, daß sie uns nicht zu unserem Endziel geführt, man hat sie für alle Fehler, für alle Zänkereien, die in irgend einem Vereine irgend eines Landes vorgekommen sind, verantwortlich gemacht, kurz, man hat von der damaligen Leitung U nmöglichkeiten verlangt. Ich werde nichts Unmögliches verlangen. Was ich jetzt verlange, muß, wie ich glaube, jeder Zionist verlangen, ohne Rücksicht darauf, ob er dieser oder jener Richtung angehört. Ich verlange von der Leitung, daß sie sich als Leitung der Gesamtorganisation fühlt, nicht als eine Partei in der Organisation. (Beifall. Rufe: Sehr richtig!) Diese Leitung ist nach einem Kampfe auf dem vorigen Kongresse gewählt worden und das macht manches begreiflich. Aber die Leitung hätte von dem Momente an, wo sie an die Spitze der Organisation getreten war, keinen Unterschied zwischen den einzelnen Richtungen machen, sondern jede Richtung innerhalb der Organisation anerkennen und unparteiisch behandeln sollen. Sie hat es nicht getan. Daraus resultieren all die Fehler, die man heute hier in den Anklagen gegen das E. A. C. erwähnt hat und die ich nicht wiederholen will: über die „Welt“, über das Vorgehen gegen Dr. Nordau usw. Ein Zweites: Ich verlange von der Leitung, daß jedes Wort, das sie schreibt oder ausspricht von einer absoluten Glaubwürdigkeit sei, insbesondere — wenn es sich um Zahlen handelt. Diese Forderung ist ja eigentlich selbstverständlich, namentlich, wenn man bedenkt, daß die jetzige Leitung, die Bank in die Hände des A. C. gelegt wissen möchte. Nun haben wir im Berichte, den wir vom E. A. C. bekommen haben, drei Seiten — Seite 79 bis 81 — die von Zahlen handeln und die — ich möchte kein Wort gebrauchen, das irgendwie beleidigend klingen könnte — nicht richtig sind. Um nur ein Beispiel anzuführen: Herr Dr. Hantke hat uns berichtet, daß die neue Leitung — im Gegensätze zur alten Leitung — um 50% mehr Schekel hereingebracht hätte. Tatsache aber ist, daß in diesem Kongreßjahre 116.000 Schekel ausgewiesen sind und im vorigen Jahre 104.000. Nun liegt es mir fern, zu behaupten, daß uns Dr. Hantke bewußt irreführen wollte. Aber ich behaupte, daß die Bilanz nicht so ist, wie eine kaufmännische Bilanz sein soll. Eine Bilanz muß klipp und klar zeigen, wie die Verhältnisse liegen. Ich könnte noch vieles über die Bilanz sagen, die allzu stark von dem Budget-Voranschlag abweicht. Ich könnte auf Posten hinweisen, die in den „kaufmännisch-zionistischen“ Bilanzen niemals vorgekommen sind, wie z. B. Handlungsunkosten von über Mk. 12.000, könnte darauf hinweisen, daß für die „Welt“ kolossale Ueberschüsse versprochen wurden, die ausgeblieben sind usw. Ich habe von all den Dingen gesprochen, weil ich zeigen wollte, daß es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen kaufmännischer und nicht kaufmännischer Geehrter Kongreß! Ich bin jahrelang von manchem bekämpft worden, hauptsächlich deshalb, weil ich angeblich zu viel Kaufmann gewesen bin. Man warf mir vor, daß ich es deshalb nicht verstanden habe, unser Ideal in die Höhe zu bringen und die zionistische Idee zu vertiefen. Man hat dafür den Ausdruck „echt kaufmännisch“ geprägt, den besonders unsere Hebräer und die jiddisch Sprechenden gebrauchen. Da sagte man: Wir können die Bewegung nicht dem Kaufmann in Köln überlassen, dazu müssen wir geistig hochstehende Männer wählen, die das jüdische Geistesleben besser kennen. Das ist auf dem letzten Kongresse geschehen, unter den Bedingungen, die Herr Jean Fischer Ihnen heute auseinandergesetzt hat. Es war ein Friedensvertrag: Ihr bekommt die Leitung der Organisation, damit für unsere geistigen und kulturellen Bedürfnisse besser gesorgt sei, Ihr erhaltet auch den gebührenden Einfluß auf unsere Banken, die Leitung der Banken aber bleibt in den bewährten Händen der bisherigen Verwaltung. Nun kommt das E. A. C. und sagt zum Kongresse: Gebt uns die Banken. (Stürmischer Beifall.) Meine Herren! Das Geld unserer Banken ist uns unter ganz besonderen Umständen und für ganz besondere Zwecke anvertraut worden. Es muß doppelt so gut wie anderes Geld verwahrt werden. Das sollte jeder von Ihnen begreifen. Nun kommen die Herren und sagen: Ich habe es heute von sehr gescheiten Leuten gehört, von Dr. Reich und sogar von Ussischkin, das Geld unserer Bank ist zionistisch! Meine Herren. Sie irren sich. Die Schekelgelder sind zionistische Gelder, auch der Nationalfonds. Da hat man uns die Gelder direkt für bestimmte zionistische Zwecke zur Verfügung gestellt, für die wir nur moralisch Rechenschaft schuldig sind. Wenn wir unser Bestes tun und die Gelder verwenden, kann uns kein Mensch einen Vorwurf machen. Die Gelder unserer Banken aber sind fremde Gelder (Zwischenrufe: Unser Geld! Lärmender Widerspruch. Zwischenruf: Sie provozieren uns!) Vorsitzender Bodenheimer: Ich bitte, meine Herren, um Ruhe. Herr Wölffsohn hat das Recht, seine Ansicht dem Kongresse mitzuteilen. (Rufe: Sehr richtig!) Herr Wolffsohn (fortfahrend): Ein Herr hat hier gerufen: „Das ist eine Provokation!“ Ich meine trotzdem, daß die Gelder der Banken fremde Gelder sind. (Sehr richtig! Widerspruch.) Wenn Sie sich über meine Meinung, daß die Aktien nicht unser Geld sind, so aufregen, so sagen Sie mir: Sind auch die 10 Millionen Depots, die wir verwalten, unsere, zionistischen Gelder? (Lebhafte Rufe: Nein! Stürmischer Beifall, Lärm. Vorsitzender Bodenheimer mahnt wiederholt zur Ruhe und droht, falls der Redner weiter gestört werden sollte, die Sitzung zu suspendieren.) Herr Wolffsohn (fortfahrend): Meine Herren! Ich fürchte nicht, daß man meinetwegen die Versammlung wird auflösen müssen. Sie werden mir Zutrauen, daß ich weiß, ob ich zur Sache rede und daß ich meine Ausdrücke zu wählen weiß, wenn ich auch ein bißchen temperamentvoll bin, wie ein Zionist eben sein soll. (Bravo!) Nun zur Sache. Herr Dr. Reich hat ein sehr schönes Wort gesagt: „Die Bewegung sei die Seele und wenn man diese der gegenwärtigen Leitung anvertraut, so sei es unwürdig, ihr das Geld nicht geben zu wollen“. Ein anderer Herr hat auf einer A. C.-Sitzung einen anderen guten Vergleich angestellt. Er sagte: „Es komme ihm so vor, als wenn einer, der seine Tochter dem Schwiegersohn gibt, ihm die Mitgift nicht anvertrauen will.“ (Heiterkeit). Das ist aber ganz richtig. Wenn man r :h e:~ien Schwiegersohn nimmt, der

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