Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nt. IV ich das Recht zu haben, als Mitglied des Direktoriums zu sagen, daß wir, das Direktorium des Nationalfonds, keineswegs Hindernisse sehen, die dagegen sprechen könnten, daß die Generalversammlung des Nationalfonds mit dem Großen A. C. zusammenfallen soll. (Beifall.) Ich denke, wenn die Herren vom Direktorium der Bank auch die Kautele, von welcher ich sprach, in Betracht ziehen, werden sie zu dem Schlüsse kommen, daß wir anders nicht handeln können und dürfen. Denn, vergessen Sie nicht, meine Herren, was aus der jetzigen Ordnung folgt: Wir haben in unserem A. C. Mitglieder ersten und zweiten Ranges Wir Juden wissen, was das heißt, Bürger zweiten Ranges zu sein, und da müssen Sie auch wissen, was es heißt, ein Mitglied des A. C. zweiten Ranges zu sein. Wenn ein solches Mitglied an einer Sitzung teilnimmt, in der Fragen der Bank zur Verhandlung kommen, dann hat er ein Gefühl wie der russische Jude, wenn er vom Ansiedlungsrayon zu der Grenze kommt, die er nicht überschreiten darf. Meine Herren! Diese Grenze können wir nicht zulassen! Diejenigen Herren, denen wir alle Aufgaben des Zionismus, anvertrauen, denen wir die Ehre der Bewegung und unserer Organisation überantwortet haben, diesen können wir auch die Sorge für unsere Finanzen übertragen. Wir müssen diese Vollendung durchführen, damit wir endlich einmal mit den organisatorischen Problemen ein Ende machen; viel wichtigere Probleme stehen vor uns, und um sie zu verwirklichen, um fruchtbringend arbeiten zu können, müssen wir von diesen aufreibenden Verhältnissen befreit werden. Neun Jahre sind vorüber, seit wir in unserer Richtung in Palästina arbeiten. Vor neun Jahren ist etwas geschehen, was den Eindruck erwecken könnte, als ob unsere Bewegung eine sehr schwere Krise durchmachen müsse. Der unermüdliche Führer, der unsere Organisation in so raschem Tempo immer nach vorwärts geführt bat, hat vor seinen Augen plötzlich eine Wand gesehen, die er nicht durchdringen konnte. Als er nach rückwärts blickte und das Volk sah, welches voll Vertrauen auf ihn schaute, dachte er, daß er nicht warten und stehen bleiben könne und so hat er dann den fatalen Versuch gemacht, selbstverständlich in der Hoffnung, durch diese Ablenkung doch wieder zum ersten und großen Ziel zu gelangen; aber er hat sich bald überzeugt, daß der Weg kein richtiger war und da der direkte Weg vor ihm durch eine Wand versperrt schien und er keinen anderen Weg sah, den er das Volk hätte führen könnte, ist er in bittere Verzweiflung geraten, die einen Zusammenbruch herbeiführte. Und nun, meine Damen und Herren, seit damals haben wir einen anderen Versuch gemacht, um diese Wand zu umgehen, nicht durch Ablenkung, sondern auf Umweg um zum Ziele zu gelangen. Und darin liegt der Zweck und der Sinn unserer ganzen Arbeit in Palästina im Laufe der letzten Jahre.. Es wird von gegnerischer Seite behauptet, daß wir die großen Ideale vergessen, bagatellisiert in Kleinigkeiten umgemünzt haben. Solche Behauptungen sind auch von den Herrn Vorrednern vorgebracht worden. Meine Herren! Diejenigen, die solche Behauptungen aufstellen, verstehen nicht den Zweck und den Sinn unserer jetzigen Richtung und Arbeit. Ich will jetzt nicht von den effektiven Erfolgen und Tatsachen unserer Palästinaarbeit und der allgemeinen Richtung, der wir jetzt folgen, sprechen, ich will nur eine Seite erörtern: Die politische Bedeutung dieser Arbeit Der politische Zweck dieser unserer jetzigen Arbeit in Palästina ist folgender: Wir wollen und müssen durch Arbeit und Tatsachen dem jüdischen Volke, der Türkei und der ganzen Welt demonstrativ beweisen, was wir Zionisten in Palästina leisten wollen und auf welche Weise wir in Palästina arbeiten wollen. (Beifall.) Diese Arbeit, die wir dort leisten, wird aus kleinen Stücken zusammengesetzt, und wenn jemand nur diese kleinen Etappen beachtet und sich nicht den allgemeinen Plan vor Augen hält, so sagt er: Ja, die Herren haben sich ganz in Kleinigkeiten verloren. Aber auch das größte Gebäude ist nur aus kleinen Ziegeln und Steinen gemacht und die kleinen Steine, die wir jetzt in Palästina aufeinander legen, sind die Bausteine für das künftige Wohnhaus des jüdischen Volkes! 73 Nicht viele Jahre sind vergangen, seit wir in dieser Richtung arbeiten und wir können schon sehr ansehnliche Resultate konstatieren. Für das gesamte jüdische Volk ist jetzt Palästina ein so naheliegendes Objekt, sein Interesse ist so rege geworden, seine Liebe so sehr erwacht und der Wunsch, an der Arbeit teilzunehmen, nicht nur in zionistischen, sondern manchmal auch in ganz ferne stehenden Kreisen so lebhaft, daß wir von dieser agitatorischen Wirkung unbedingt sehr befriedigt sein können. Wir sehen Institutionen und einzelne Personen, die sich von uns abzugrenzen suchen, die behaupten, keine Zionisten zu sein, die aber das tun, was unser Ideal von Ihnen fordert und was unser Ideal ihnen eingeflößt hat. Die ganze Kulturwelt, von deren Sympathien man in unserer Bewegung doch viel gesprochen hat, die zu erreichen man immer gesucht hat, die Sympathien und das Interesse von wichtigen Kreisen der Kultur weit werden durch unsere Arbeit in viel größerem Maße gewonnen. Wenn Sie die ernsten Preßorgane von Westeuropa verfolgen, werden Sie sehen, mit welchem Interesse man unseren Arbeiten folgt. Ja, daß man sogar oft Neigung zeigt, unsere Arbeit sich selbst zuzuschreiben, mit der Wirksamkeit der anderen Nationen zu verknüpfen. Und nun, was von besonderer Wichtigkeit ist: Die Türkei. Wir denken, daß die Machtfaktoren der Türkei jetzt Lviel besser einsehen, was für eine Kulturkraft wir in das Land bringen, welchen Nutzen wir dem verwahrlosten Lande bringen können und werden. Wir denken, daß die Türkei jetzt auch vielmehr eingesehen hat, daß wir nicht Vorposten irgendwelcher Nation sind, sondern nur die Verwirklichung unserer eigenen Bestrebungen und Ideale in dem Lande wollen (Beifall) und ich denke, die Türkei hatte auch die Möglichkeit, einzusehen, daß wir Treue und Dank dem Volke zu bewahren wissen, welches sich niemals irgend eines Angriffes gegen die Juden schuldig gemacht hat. Wir können nur von Vermutungen sprechen, aber ich denke, wir dürfen der Vermutung Ausdruck geben, daß auf der anderen Seite von der Wand jetzt die Frage auftaucht, ob es nötig war, eine solche Wand überhaupt aufzustellen und ob es nicht Zeit wäre, diese Wand wegzuschaffen. (Beifall.) Das war, meine Herren, der politische Sinn dieser kleinen Palästinaarbeit, die wir mit solcher Mühe und Liebe in den letzten Jahren geleistet haben. Und wir denken, daß, wenn wir auf diesem Wege weiterkommen, wir erreichen werden, was wir auf anderem Wege nicht erreichen. Denn unsere Arbeit im Laufe der letzten Jahre hat uns einwandfrei bewiesen, daß nur zwei Sachen für unseren Erfolg notwendig sind, Rechte und Kredit, und wir sind überzeugt, daß wir beides erreichen werden. Rechte, weil wir keine Privilegien verlangen. Wir brauchen für unsere Arbeit diejenigen Rechte, die das türkische Reich selber für seine Entwicklung und sein Gedeihen benötigt. Und wir sind überzeugt, daß wir Kredit werden beschaffen können, denn unser Land hat das alte Renommee bewiesen, daß es die Arbeit und die Liebe lohnt, und alle Verhältnisse bietet, die ein geregeltes und geordnetes Kreditwesen schaffen lassen. Es ist unsere tiefste und feste Ueberzeugung, daß wir auf dem richtigen Wege unserer Arbeit sind. Wir machen jetzt eine senr ernste Zeit durch, die für unsere Arbeit und für unsere Bewegung von aer größten Bedeutung ist. Wir sollten uns daher bei organisatorischen Fragen nicht allzu lange aufhalten; wir wissen, daß wir kein Recht haben, in unserer Arbeit zu rasten, daß wir immer vorwärts gehen müssen, immer arbeiten, arbeiten und arbeiten. Der Weg ist uns angedeutet, die Arbeit vor uns ist noch groß, aber auch die Hoffnung. Ja, Hoffnung, Einigkeit und Arbeit! Das muß unsere Devise sein, mit der wir vorwärts gehen und schließlich auch siegen werden. (Stürmischer, sich oft erneuernder Beifall.) Wolffsohn (mit stürmischem Beifall und brausenden Hochrufen begrüßt. Die Versammlung erhebt sich von den Sitzen. Tücherschwenken.) Geehrter Kongreß! Meine verehrten Damen und Herren! Unser Freund, Herr Syrkin, hat davon gesprochen, daß unsere Organisation, unsere Idee zu einer Geldsache geworden ist. Er meint, daß man bei uns die Seele verkümmern läßt und nur den Körper pflegt. Ich teile diese Ansicht nicht, aber ich will bei DIE^EELT