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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. IV gebildet. Wir Zionisten waren dabei leider Fremde. Die Konferenz der kooperativen Bewegung in Kiew zählte 250 Mitglieder, darunter waren aber nur etwa 15 Zionisten. (Lärm.) Ich erdreiste mich, zu glauben, daß es eine Kongreßsache ist, denn an erster Stelle steht für uns die Einheit des jüdischen Volkes. Das ist keine Kongreßsache, sagt man und nun stehen wir vor einer anderen Schmach, und ich glaube, das E. A. C. hätte darauf reagieren müssen. Nun ist in unserem Lande ein solcher Churban Hanefesch vorgekommen, in dieser schmählichen scheußlichen Zeit des Schemad, der Taufe Und nun meine Herren! Ihr werdet mir sagen, können wir die Taufe einhalten? Verräter hatten wir immer und Zionisten sind leider noch nicht imstande, diese Epidemie aufzuhalten. Es ist noch eine andere Erscheinung, auf die das E. A. C reagieren müßte. Das Verhalten der übrigen jüdischen Gesellschaft zu diesen Verbrechern. Nun waren aber in allen Zeiten solche Verräter unter uns. Ihre Eltern haben Schiwoh gesessen und damit war die Sache erledigt. Jetzt aber zeigt sich eine andere gefährliche Erscheinung. Eine Indifferenz, eine Gleichgültigkeit solchen Erscheinungen gegenüber, die die jüdische Geschichte nicht kennt. Die Uebriggebliebenen stoßen nicht die Verräter aus ihrer Mitte aus und ich glaube, daß wir, die stolzen Zionisten, hätten verlangen können, daß die Zionisten zu allererst ihre Stimme zum Protest erheben sollten. Hikoreth tikoreth hanefesch hasoth meameoh Und nun, meine Herren! Wir formulieren unsere Forderung folgendermaßen: Wir sagen, der Zionismus ist ein historischer Evolutionsprozeß nicht nur in Palästina, sondern auch in der Diaspora. Wir fordern nicht nur die papierene Anerkennung dieses Programms, sondern seine L'ebertragung in die Wirklichkeit. In dem Sinne, daß die Gegenwartsarbeit gefördert wird, im nationalen Sinne. Nun sagt man: Wenn Sie das tun, so biingen wir in den Zionismus alles hinein, nur die reale Arbeit wird darunter leiden. Nun, das ist nur eine Kurzsichtigkeit. Wenn jemand sagt, was ich säe, muß ich bald ernten, so ist das ein großer Fehler, ein Politiker sieht weiter. Meine Herren! Ich kenne die Arbeit meiner Kollegen, die zugunsten verschiedener Institute nach verschiedenen Städten kommen. Keineswegs unterschätze ich ihre Arbeit. Meine größte Hochachtung vor dieser Arbeit. Ich kenne die Chaluzim, ich weiß sie zu schätzen. Aber meine Herren! Wenn wir diese kleinen Teilchen zum Ganzen machen, dann leidet unsere Sache darunter. Es gibt keinen politischen Zionisten, der auf dem Standpunkt stünde, die Arbeit in Palästina sei nicht notwendig. Es gibt aber einen Unterschied zwischen diesen und den Praktischen. Wir meinen, daß das E. A. C. zu allererst die Bedingungen schaffen muß, unter welchen sich eine große Kolonisation gründen könnte, wir sind nicht der Ansicht, daß wir die Arbeit des E. A. C. zu einer Kolonisationgesellschaft herunterdrücken müssen. (Rufe: „Was sollen wir tun?“) Meine Herren! Machen Sie mir die Aufgabe nicht schwer. Ich weiß, wir sind in der verschwindenden Minorität. Nie aber ist noch eine Minorität auf dem Zionistenkongresse vergewaltigt worden. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß das E. A. C. sich bemühen soll, die Privatinitiative anzuregen. In allererster Reihe hat das A. C. die Bedingungen zu schaffen, unter welchen die Kolonisation gedeihen kann. Man fragt nur immer, wie das geschehen soll. Auch dies ist eine Folge unserer kurzsichtigen Politik, man meint, wir kommen her und haben das Geheimnis in der Tasche. Die Tragödie besteht darin, daß wir diese nötigen klaren Wege erst suchen müssen. Ihr wollt sie gar nicht suchen. (Beifall und große Unruhe.) Wir sagen: Die politischen Zionisten fordern ein bestimmtes Propramm, sind aber nicht da, um in Einzelheiten einzugehen. Ich habe mehr Vertrauen zu unserem E. A. C. und ich glaube, wenn wir diese Forderung an unsere höchste Behörde stellen, so wird sie Mittel und Wege finden, die uns vorwärts bringen. Und nun komme ich zum Schlüsse noch dazu, einen anderen brennenden Punkt zu berühren. Es ist kein Geheimnis, daß in unserer Organisation wieder einmal eine Opposition entstanden ist. Es ist für keinen ein Geheimnis, daß einige hervorragende Persönlichkeiten aus ihrem zionistischen Standpunkt eine falsche 71 Konsequenz gezogen haben und unserem Kongresse ferngeblieben sind. Es sind Leute da, die meinen, daß es uns nicht schaden werde, wenn eine Gruppe, die in der Opposition ist, fernbleibe, und daß man über sie zur Tagesordnung hinweggehen könne. Ich behaupte nun, es gibt keine solche große Kluft zwischen dieser Opposition und der jetzigen Majorität, daß man sie nicht überbrücken könnte. Ich appelliere an Sie, die Kluft jetzt nicht zu erweitern, sondern im Gegenteil eine Brücke des Friedens zu bauen und diejenigen, die jetzt in der Opposition stehen, heranzuziehen suchen. (Beifall.) Es wird von großem Nutzen für unsere Bewegung sein, wenn wir mit großer Toleranz die Stimme dieser Opposition anhören, vorausgesetzt, daß sie in unserer Mite ertönt. Vorausgesetzt, daß sie zwischen uns bleibt und von hier aus sende ich den Ruf einerseits an die Opposition, daß sie zurückkehrt und andererseits an unsere Majorität, daß man Wege und Brücken suche, wie man diese Kluft überbrücken könne. Und nun zum Schlüsse schlage ich fogende Resolution vor (liest hebräisch und übersetzt dann deutsch): „Der XI. Kongreß, die politische volkstümliche Grundlage des Zionismus hervorhebend und die Wichtigkeit der kulturellen, nationalen, politischen, ökonomischen Gegenwartsarbeit in Palästina und in der Diaspora betonend, spricht dem E. A. C. sein volles Vertrauen aus.“ Dr. Tschlenow (stürmisch, mit tosendem Beifall akklamiert): Geehrter Kongreß! Vor vier Jahren war es, in Hamburg, da hatte ich auch die schwierige und ehrenhafte Aufgabe, vor Ihnen als Generalredner in der Frage, die damals den Kongreß aufregte, hervorzutreten, und auch heute ist mir von den vielen Rednern, statt deren Sie sechs Generalredner gewählt haben, die Pflicht auferlegt worden als Generalredner in der Frage, die auch diesmal unsere dichten Reihen so tief bewegt und interessiert hervorzutreten. Der Unterschied zwischen damals und heute besteht darin, daß der Ankläger Verteidiger wurde. Derjenige, der damals die Aufgabe hatte, gegen die Leitung zu kämpfen, der ist froh, daß er jetzt dieser Aufgabe enthoben ist, und daß er in die beneidenswerte Lage gekommen ist, in der sich Dr. Klee am II. Kongresse befand, und wo er sagte: Wir sind zufrieden. Meine Damen und Herren! Ich muß Ihnen etwas Geschichte vorführen und Ihnen jene Tatsachen in Erinnerung bringen, die in Hamburg noch ein Schreckensgespenst waren, nämlich die sogenannten „Petersburger Beschlüsse*. Eine grundlegende Reform, aber nicht, wie es manche Leute hier gedeutet haben, des Programms, eine Aenderung der Prinzipien unserer Arbeit. Die Grundprinzipien sind bereits auf dem VII. und VIII. Kongresse festgelegt worden und werden eben jetzt erst verwirklicht. Worunter unsere Bewegung gelitten hat, war, daß diejenigen, die nach diesen Richtlinien unsere Arbeit führen sollten, nicht von ihrer Wichtigkeit durchdrungen waren, und zweitens, daß wir zu wenig Kräfte für ihre Durchführung hatten Von der Glanzperiode des Zionismus her haben wir uns daran gewöhnt, daß wir den ganzen Stimulus von einer Person erwarten Wir haben uns daran gewöhnt, daß in einer Person alle Initiative konzentriert war. Ja, eine Sonne kann wirklich eine Welt beleuchten. Eine gewöhnliche Menschenkraft kann dafür nicht ausreichen. Unter diesen zwei Umständen hat unsere Sache gelitten, sehr gelitten. Und darum sagten wir, wir müssen zum Prinzip der kollegialen Arbeit übergehen. Das war die Grundlage des Kampfes, der jahrelang geführt wurde und endlich am letzten Kongresse fast sein Ende erreicht hat. Wir haben folgende Grundlagen festgestellt und das waren auch die Grundlagen der sogenannten Petersburger Beschlüsse; ein verkleinertes, nur aus europäischen Mitgliedern bestehendes Großes A. C, welches statt einer dekorativen Rolle eine aktive und kontrollierende bekommen soll. Ein E. A. C., welches ein Kollegium darstellen soll aus Männern, welche von den festgelegten Prinzipien des VII. .und VIII. Kongresses durchdrungen sind, welche kollegial die Arbeit entwickeln sollen, und das dritte, was wir forderten, das war die gleichmäßige Arbeit in allen Teilgebieten des syethetischen zionistischen Programms. Ein dirigierendes A. C„ ein kollegiales E. A. C. und ein gleichmäßiges Arbeiten an allen Teilen des zionistischen Programms. Nun, meine Herren! Zwei Jal.re sind DIE2$K£LT

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