Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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70 Nr. IV DIEE^ELT ----- auf die Bestimmung der Tätigkeit unserer Finanzinstitute eingeräumt werden soll. Dieser Standpunkt ist mit Dreiviertelmajorität angenommen worden. Die russische Landsmannschaft hat wegen des Zeitpunktes, wann über diese Resolution abgestimmt werden soll, keinen Beschluß gefaßt. Wir, die Vertreter der Landsmannschaft haben uns daher für berechtigt gehalten, die Erklärung abzugeben, die Herr Simon heute abgegeben hat, aber der prinzipielle Standpunkt der Landsmannschaft ist durch diese Resolution klar dargelegt. Wolffsohn (mit stürmischem Beifall begrüßt): Ich muß mich ganz entschieden gegen den Antrag der westösterreichischen Organisation wenden. Sie erweist damit weder dem E. A. C., noch dem Kongreß, noch - der Organisation einen Gefallen. (Sehr richtig!) Sie machen es einem großen Teil des Kongresses — wer die Majorität hat, wissen wir noch nicht! — unmöglich, für die Entlastung des E. A. C. zu stimmen (Sehr richtig!) weil Sie damit Prinzipien verknüpfen, die damit garnichts zu tun haben. Es gibt nur einen Antrag, der annehmbar ist, das ist der Antrag der Poale Zion. Dieser Antrag ist vernünftig und parlamentarisch richtig. Wir können nur heute für die Decharge stimmen. Für die Bank sind noch Referate zu erstatten und Sie wollen schon heute den Kongreß durch einen Trick majorisieren. (Sehr richtig! Stürmischer Beifall, heftige Protestrufe.) Vorsitzender Bodenheimer: Ich bin in der peinlichen Lage, Herrn Wolffsohn zu bitten, den Ausdruck, den er eben gebraucht hat, zurückzuziehen. Wolffsohn: Ich nehme ihn zurück, aber geben Sie mir ein anderes Wort dafür. (Widerspruch seitens der Westösterreicher.) Vorsitzender Bodenheimer: Da Herr Wolffsohn den Ausdruck zurückgenommen hat, ist die Angelegenheit parlamentarisch erledigt. (Rufe: Er soll die zweite Bemerkung zurückziehen.) Herr Wolffsohn nimmt auch diese Bemerkung zurück. Nach Bemerkungen der Delegierten Dr. Thon, Böhm und Struck erklärt Vorsitzender Bodenheimer: Wir kommen nun zur Abstimmung. Ich werde in erster Linie über den prinzipiellen Antrag der Föderation Poale Zion ab. stimmen lassen, and zwar über den ersten Teil des Antrages. Dieser Antrag regelt das Prinzip der Abstimmung. Wenn dieser Teil des Antrages angenommen ist, kommen wir zur Abstimmung überden Antrag der Russischen Landsmannschaft und der Dechargeerteilung als den weitestgehenden. ( Zwischerufe der Westösterreichischen Landsmannschaft: Der Antrag der Westösterreichischen Landsmannschaft ist der weitestgehende!) Wer für die T r e n n u n g der Abstimmungen über die Vetrauensfrageund über die Einheitlichkeit der Leitung ist; und zwar für den Antrag der Poale Zion, der folgendermassen lautet: .Wir beantragen die Abstimmung über die Vertrauensfrage von der Resolution über die Einheitlichkeit der Leitung der Bewegung und der Banken zu trennen* erhebe die Hand. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Geschieht). — Der Antrag ist mit überwiegender Majorität angenommen. (Stürmischer Beifall, Hedadrufe.) Es kommt nun der Antrag der Russischen Landsm annschaft zur Abstimmung, der folgendermaßen lautet: „Der XL Zionistenkongreß drückt dem Engeren Aktionskomitee sein vollstes Vertrauen und seinen tiefsten Dank für die von ihm auf organisatorischem, politischem, kolonisatorischem und finanziellem Gebiete geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt ihm die Decharge“. Selbstverständlich kommt dann die Frage der Bankleitung später zur Abstimmung. (Zustimmung.) Wer dafür ist, daß die Generaldebatte mit dem Anträge auf Dechargeerteilung geschlossen ist, und daß die Bankfrage separat behandelt wird erhebe die Hand. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Geschieht.) Der Antrag ist mit großer Majorität angenommen- Wer für den Antrag der Russischen Landsmannschaft ist. möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Geschieht.) — Der Kongreß hat dem E. A. C. einstimmig Decharge erteilt. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Die nächste Sitzung findet um V25 Uhr nachmittags statt. Schluß der Sitzung um V,3 Uhr nichmittags. (Der Bericht über die Nachmittagssitzung mit dem Referat des Herrn Justizrat Dr. Bodenheimer folgt in der nächsten Nummer.) Schluß der Nachmittag-Sitzung vom Donnerstag den 4. September Fortsetzung der Generaldebatte. Syrkin (fortfahrend): Ist das aber der Weg einer Volkspartei? Ich glaube kaum, daß dies uns zum Erfolge führt. Wir befinden uns jetzt in einer Periode des merkantilen Zionismus, wie er bis jetzt nicht war. Das ist geschehen, weil wir aus dem Zionismus alles entfernt haben, was den früheren Glanz ausmachte. (Lärm) Die Agitation für unsere Bewegung hat auch einen schlechten Weg eingeschlagen. Sic beschränkt sich jetzt nur auf eine kleine Schicht des Volkes, auf eine kleine Gruppe von kapitalskräftigen Zionisten. Wir haben aufgehört, in den großen Volksmassen zu agitieren. (Beifall und Widerspruch.) Ich komme aus einem Lande, wo die großen Meetings und Volksversammlungen unmöglich sind, aber ich muß doch behaupten, daß vieles unterlassen worden ist, weil wir zur Grundlage unserer Tätigkeit nur die Sammlungen gemacht haben. Sie können nicht bestreiten, daß wir vom X. Kongreß bis zum jetzigen verhältnismäßig nicht fortgeschritten sind. In den Ländern der Diaspora herrscht jetzt ein kläglicher Zustand, der für den Zionismus den besten Boden abgibt. Wir haben aber diesen Zustand nicht auszunützen verstanden. Wir Zionisten sind die stolzeste Partei in unserem Volke und was wir geleistet haben, ist das Minimum dessen, was wir leisten können. (Beifall und Widerspruch.) Nun komme ich zu einem Punkte, der wahrscheinlich noch mehr Widerspruch hervorrufen wird, das ist der politische Zionismus. Ich bin ein Bekenner des politischen Zionismus. Unter Politik verstehen wir den Komplex aller kulturellen, wirtschaftlichen und ökonomischen Kräfte, die dazu beitragen, das Leben der Juden in Erez Israel und in der Diaspora zu heben. (Beifall.) Sie rufen „richtig!*, sagen aber .unrichtig!“, wenn Sie es tun sollen. Es ist eben eine kolossale Kluft zwischen Bekenntnis und Handeln, zwischen Programm und aktiver Tätigkeit. Das eben wollen wir politische Zionisten vermeiden. Viele Jahre haben wir die Palästinaarbeit vernachlässigt. Das scheint sich nun zu rächen. Statt der Palästinaarbeit, als einem der hervorragendsten Teile der Bewegung, den ihr zukommenden Platz zuzuweisen, verfallen wir jetzt wieder in den anderen Fehler, daß wir die Palästinaarbeit allein betreiben, aber auch nicht vollenden. Die reale Arbeit in Palästina kann nur dann gedeihen, wenn wir den Zionismus in seinem ganzen Umfange bearbeiten und verbreiten, wenn wir anfangen, eine zionistische Stimmung mittelst politischer Arbeit in den verschiedenen Ländern zu schaffen. Glauben Sie nicht, daß die Arbeit in den Golusländern und in Palästina so grundverschieden ist. Das A. C. hätte sich größere Ziele setzen müssen. Wir wollen an den Mitgliedern des A. C- Führer haben und nicht Verwalter. (Beifall und Widerspruch.) Wir wollen, daß das E. A. C. ein politisches Synhedrion werde für das ganze Judentum. Kalt verhält sich das A. C. angesichts verschiedener Erscheinungen, die jetzt in unserm Leben Vorkommen. In Rußland haben wir jetzt einen Kampf um Erziehungsprobleme. Meinen Sie, daß wir Zionisten, deren eigentliche Spezialität doch die nationale Erziehung ist, in diesem Kampfe an die Spitze gegangen sind? Leider waren wir nur mit „Sympathien“ beteiligt. Wir standen in den hinteren Reihen, weil uns die Initative der Führer fehlte. Die ökonomische Lage in Rußland war nie glänzend, nun ist ein neuer Faktor dazu gekommen, die kooperative Bewegung, die den Vermittler, den Juden, aus prinzipiellen Gründen au> schaltet. Es haben sich nun als Gegenmittel jüdische kooperative Institutionen