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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. IV 69 DIE^ELT daß er in kaufmännischen Dingen unzuverlässig ist. (Beifall und Händeklatschen.) Es ist von einigen Herren von einem „Ultimatum“ gesprochen worden. Herr Motzkin oder Herr Weizmann sagte, „wir nehmen das nicht ernst“, ich möchte mich nicht so ausdrücken. Ich weiß, daß es in der zionistischen Bewegung keine Ultimaten geben darf. Ein Zionist, der sich aus der Organisation zurückzieht, weil seine Ansicht nicht durchgedrungen ist, von dem wissen wir, er war kein Zionist. (Beifall und Händeklatschen.) Und die Männer, um die es sich hier handelt, sind Zionisten und deswegen können sie sich hier nicht zurückziehen. Aber ich bitte, daß man im Interesse der Zukunft unserer Organisation sich scheut, solche Worte auch nur zu gebrauchen. Wir stehen noch in den Anfangsstadien unserer Bewegung, noch haben wir für alle Plätze, die wir besetzen müssen, sehr wenige Kandidaten. Wir erklären Ihnen ohne weiteres, es ist eine moralische Notwendigkeit für uns, daß Sie diesen Beschluß revidieren. Welche Form Sie finden, ist Ihre Sache. Wir sind nicht hergekommen, um jemanden zu verdrängen, wir dürfen es nicht. Aber wir sind überzeugt, daß die zionistische Atmosphäre bei uns so zionistisch ist, daß jeder von uns die Möglickheit hat mit jedem von uns in ihr zu arbeiten. (Stürmischer Beifall.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich werde jetzt die Anträge verlesen. Nach dieser Verlesung werde ich einen jeden Antrag und zwar nach der Geschäftsordnung den weitestgehenden zuerst und eventuell die Frage eines Prinzips zuerst zur Abstimmung bringen. Bei den einzelnen Anträgen erhält je ein Redner pro und einer kontra je fünf Minuten das Wort. Ich werde jetzt die Anträge nicht übersetzen lassen, sondern erst, wenn sie zur Abstimmung gestellt werden. Der erste Antrag lautet: „Der XI. Kongreß spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen und seinen tiefsten Dank für die von ihm geleistete fruchibringende Arbeit aus und erteilt ihm die Decharge. Der Kongreß drückt dem Großen A. C. sein ungeschränktes Vertrauen aus und fordert, daß demselben als der höchsten Instanz der Bewegung ein entscheidender Einfluß auf die Bestimmung der Richtlinien der Tätigkeit der Finanzinstitute eingeräumt wird.“ Dieser Antrag ist geschäftsordnungsmäßig nicht zulässig, weil er nicht von 15 Mitgliedern unterschrieben ist. Der zweite Antrag lautet: „Der XI. Kongreß spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen und seinentiefstenDank für die von ihm auf organisatorischem, politischem, kolonisatorischem und finanziellem Gebiete geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt d e m E. A. C. die Decharge.' Der Antrag ist gestellt von den Mitgliedern des russischen A. C. Der dritte Antrag lautet: „Der XI Zionistenkongreß, die politisch volkstümliche Grundlage des Zionismus hervorhebend und die eminente Wichtigkeit der kulturellen, nationalen und politischen, ökonomischen Gegenwartsarbeit in Palästina betonend, spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen aus.“ Der Antrag ist unterzeichnet von Syrkin und wird genügend unterstützt. Der vierte Antrag ist gestellt von der westösterreichischen Landsmannschaft und lautet: „Der Kongreß spricht dem E. A. C. in Billigung der von diesem geleisteten erfolgreichen Tätigkeit seinen Dank und sein uneingeschränktes Vertrauen aus. Der Kongreß hält es in Uebereinstimmung mit den Forderungen des E. A. C. für eine unerläßliche Voraussetzung der Fortentwicklung der zionistischen Arbeit, daß dem Großen A. C. über die Finanzinstitute und den Jüdischen Nationalfonds der entscheidende Einfluß eingeräumt werde.“ Der Antrag ist unterzeichnet von Dr. Emil M a r g u 1 i e s. Der fünfte Antrag ist von der sozialistischen Fraktion Poale Zion eingereicht: „Wir beantragen, die Abstimmung über die Vertrauensfrage von der Resolution über die Einheitlichkeit der Bewegung und der Banken zu trennen. Wir beantragen die Einsetzung einer Kommission für die Bankleitungsfrage, die nach dem Referate über die Banken dem Kongreß Bericht erstatten soll.“ (Beifall,) Der sechste Antrag ist von Herrn Simon: Der Kongreß gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die oberste Leitung der zionistischen Bewegung in organisatorischer, politischer und finanzieller Hinsicht in den Händen des Großen A. C. als Vertreters des Kongresses liegen muß. Der Kongreß erwartet, daß durch Verhandlungen zwischen den Vertretern des E. A. C. und den Vertretern der Finanzinstitute die Grundlage geschaffen wird für die Verwirklichung dieses Prinzips.“ Mehr als 50 Delegierte beantragen namentliche Abstimmung über den zweiten Absatz des Antrages der westösterreichischen Landsmannschaft. Die palästinensische Landsmannschaft stellt folgenden Antrag: Der Kongreß spricht dem A. C. sein Vertrauen und seinen Dank aus und übergibt ihm die Aufsicht und den Einfluß über alle zionistischen Institutionen. Die amerikanische Landsmannschaft beantragt, daß der Bericht des E. A. C. angenommen wird, mit Billigung und Anerkennung seiner Arbeit. Vizepräsident Bodenheimer erteilt Herrn Simon das Wort zur Geschäftsordnung. Del. Julius Simon: Ich habe heute früh den eben verlesenen Antrag gestellt, in dem Wunsche, daß der Kongreß klar das Prinzip zum Ausdruck bringt, das in diesem Antrag niedergelegt ist, daß er aber dem A. C. und der Leitung der Bank die Möglichkeit gibt, sich über die Durchführung dieses Prinzipes noch zu verständigen. Nachdem mir aber jetzt Wünsche vorgetragen worden sind, denen zufolge es für notwendig erachtet wird, zuvor in die sachliche Beratung bezüglich der Paläsiinadebatte bezüglich des Nationalfonds und bezüglich der Bank einzutreten, habe ich für meinen Teil kein Interesse daran, diesen Antrag in diesem Augenblicke zur Abstimmung zu bringen. Ich bin tief davon überzeugt, daß dieser Kongreß seinen entschiedenen Willen nach der Richtung dieses Antrages auf dieser Tagung zum Ausdruck bringen muß, wenn er die gedeihliche Weiterführung der Arbeit will. Aber niemand soll sagen dürfen, daß wir uns sachlichen Auseinandersetzungen, sei es auch in noch so detaillierter Form, entzogen hätten. (Sehr richtig.) Aus diesem Grunde stelle ich in Übereinstimmung mit den Vertretern der russischen Landsmannschaft diesen meinen An rag zurück, ich ziehe ihn nicht zurück, sondern ich halte ihn aufrecht — ich stelle ihn nur in diesem Augenblicke zurück. Zur Geschäftsordnung sprechen noch die Delegierten S y rkin, Dr. Margulies und Blumenfeld. Vizepräsident Bodenheimer erteilt dem Delegierten Kaplansky das Wort zur Begründung seines Antrages. Delegierter Kaplansky: Meine Parteifreunde Dr. Rosenfeld und Chasanowitz haben bereits erklärt, daß wir über die Decharge für das E. A. C. nicht abstimmen können, bevor wir einen mündlichen Bericht, und zwar seitens der Herren Doktor Bodenheimer und Dr. Ruppin angehört haben. Ferner erkläre ich, daß es nicht üblich ist, die Vertrauensfrage für das A. C. mit prinzipiellen Resolutionen zu verquicken. (Sehr richtig! Beifall.) Ich zum Beispiel bin für dieses Prinzip, aber man zwinge uns nicht, bevor wir in einer besonderen Kommission die Erklärung des E. A. C. angehört und das Tatsachenmaterial gesichtet haben, das uns beweisen soll, daß das Baseler Kompromiß sich nicht bewährt hat, schon jetzt über die Frage zu entscheiden. Ich verlange die Einsetzung einer Bankkommission, die diese ungemein wichtige Frage, die für einen Teil des Kongresses eine Kriegsfrage ist, eingehend studieren und nach Anhörung des Bankreferates uns Bericht erstatten soll- (Zustimmung.) Del. Dr. Tschlenow: Die russische Landsmannschaft hat nach mehrfachen Beratungen in folgender Weise Stellung zu der uns beschäftigenden Frage genommen : Der Kongreß bestimmt, daß dem Großen A. C. ein entscheidender Einfluß

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