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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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68 Nr. IV DIE3$KEIT suchen Sie nicht unsere Arbeit zurückzuführen auf das Geschäftsprinzip. Das Wort „merkantilistisch“ habe ich aufgegriffen. Wir sollen einsehen, daß wir zwar Institutionen haben, daß diese Institutionen geschäftliche Einrichtungen sind, daß wir aber nicht zu vergleichen sind mit Privatleuten, die Geschäfte machen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir sind vielmehr mit öffentlichen Korporationen zu vergleichen, welche das Recht haben, alle Gelder, die sie einnehmen können, für die Zukunftsarbeit auszugeben. (Beifall und Händeklatschen.) Ehe ich weitergehe, muß ich eine Kleinigkeit aus der Debatte ausschalten. Es ist ein Angriff auf die Zuverlässigkeit unserer Zahlen im Berichte erfolgt. Dieser Angiiff beruht auf einem Irrtume. Die Zahlen des Berichtes sind absolut richtig, mit einer einzigen Ausnahme. Sie sind nämlich durch die Wirklichkeit noch günstiger geworden. Richtig ist, daß die Summe der abgelieferten Schekel gegen früher von zirka Mark 55.000 auf 85.000 gestiegen ist. Das macht eine Steigerung von mehr als 50‘'/0 aus. Richtig ist, daß die Zahl der gesammelten Schekel von 104.000 auf 127.000 gestiegen ist. Dies ist eine Steigerung von über 20°/0; mehr haben wir nicht behauptet. Was Sie von uns verlangten, ist, daß wir uns im Rahmen desjenigen halten, was Sie uns bewilligen wollten, und das ist ungefähr geschehen (Rufe: Was ist mit der Presse?) Die Ausgaben, welche wir für die Presse gehabt haben, stimmen ganz genau mit den Zahlen des Etats überein. Nicht ein Pfennig mehr ist ausgegeben worden und diejenigen von Ihnen, welche mit unseren Arbeiten näher vertraut sind, wissen, wie schwer es ist, in solchen Dingen einen Etat einzuhalten. Handlungsunkosten ist ein Ausdruck, den ich Ihnen preisgebe. Das sind die Materialien fürs Bureau, der Fernsprecher, die Postgebühren, vielleicht hätten wir das Bureauutensilien nennen sollen. Aber haben müssen wir das doch jedenfalls. Nun gestatten Sie mir, von diesen Punkten auf die ich nur ungern eingegangen bin, auf die Hauptsache zu kommen. Was die Abschreibung der „Welt“ anlangt, — da ich dazu gezwungen werde, es zu sagen — so hat sich leider herausgestellt, daß die von uns übernommene Grundlage der Führung der Administration der „Welt“ sich tatsächlich als auf Unrichtigkeiten beruhend herausgestellt hat. (Rufe: Hört!) Wir sind bereit, einem von Ihnen gewählten Finanzauschusse die Sache genau darzulegen, ebenso wie wir es den Revisoren gegenüber getan haben. Wir glauben nicht, daß es angebracht ist, vor dem Kongresse eine solche Frage zu behandeln, die mit unseren Ideen nichts zu tun hat. Unsere Schuld ist es nicht, das erkläre ich hier, wenn die „Welt“ auch in diesen zwei Jahren soviel gekostet hat wie früher. Und wenn sie uns dasselbe gekostet hat, wie in den früheren Jahren, dann dürften Sie doch nicht den Männern der Kultur und den Männern der Ideen dafür Vorwürfe machen. Nun halten Sie das eine fest, billigen Sie die Richtung der Arbeit, die Richtigkeit unserer Arbeit, verlangen Sie von uns die Fortsetzung, verlangen Sie Aenderung, das ist Ihr Recht, aber ich glaube, Sie verlangen es nicht. Und was wir sagen, . ist, die Arbeit soll so fortgesetzt werden, wie sie bisher geführt wurde, deswegen, weil wir alle es für richtig halten, nicht deswegen, weil wir zufrieden sind. Es ist sehr liebenswürdig von Herrn Dr. Tschlenow zu sagen, er ist zufrieden. Wir als Ihre Leitung, wir dürfen sagen, wir sind nicht zufrieden und wir haben es selbst in unseren Berichten gesagt. Eine Bewegung, die auf dem Standpunkt angelangt ist, daß sie zufrieden ist, hat die Selbstkritik verloren. Wir können nie zufrieden sein. Der ganze Zionismus ist eine einzige Unzufriedenheit. (Beifall und Händeklatschen.) Wer ein Ziel hat, wie es uns Dr. Herzl gezeigt hat, kann nicht zufrieden sein. Wir haben Fehler gemacht, wie in jeder Verwaltung Fehler gemacht werden. Und wir haben vor allem viele Dinge nicht getan, weil wir keine Möglichkeit hatten, sie zu tun. Nur das können wir sagen, daß wir uns Mühe gegeben haben und daß Sie den Eindruck bekommen haben werden, daß wir einen Schritt vorwärts gekommen sind. Nun sagen Sie mir: „Warum begnügen Sie sich nicht mit der Anerkennung der Arbeit, warum bringen Sie Fragen auf den Kongreß, über die es Streitigkeiten geben kann?“ Gestatten Sie, daß ich einen einzigen Satz aus dem Berichte vorlese: „Wir haben verlangt, daß Sie dem Großen A. C. die Machtmittel der Organisation zur Verfügung stellen.“ Dem A. C., aber nicht dem E. A. C. Sie dürfen überzeugt sein, daß auch unter den Freunden der Richtung des E. A. C. im A. C. nur Männer sind, die ihre eigene Meinung haben und das E. A. C. weiß genau, daß es auch einmal in der Minorität bleiben kann, wenn die Mitglieder des A. C. sämtlich Mitglieder des Aufsichtsrates der Bank und Mitglieder des Nationalfonds sind. Es handelt sich uns nicht darum, Mamelukengehorsam zu finden für ein Kollegium von fünf Personen. Es handelt sich nicht darum, daß wir die Machtmittel der Organisation für eine Partei haben wollen. Herr Mo t z k i n hat die politische Bedeutung des Aufsichtsrates auseinandergesetzt. Der Aufsichtsrat ist dazu da, um den politischen Einfluß der Organisation auf die Institutionen zu wahren. Solange das Große A. C. aus sehr vielen Mitgliedern bestand, mußte natürlich ein Ausschuß desselben einen Aufsichtsrat bilden. Dieser Ausschuß war nie nach Parteien zusammengesetzt, sondern aus Männern, die im wesentlichen den Stamm des A. C. bilden. Erst auf dem vorigen Kongreß ist der Fehler begangen worden, daß man uns gezwungen hat, uns damit einverstanden zu erklären, daß der Aufsichtsrat zu einer Parteisache wird, und wir verlangen, daß dieser Beschluß des vorigen Kongresses wieder aus der Organisation entfernt werde, daß der Aufsichtsrat nicht eine Parteisache ist, sondern daß die Organisation den Einfluß bekommt, der ihr zusteht. Es tut mir sehr leid, daß ein Diskussionsredner von der Gefährdung der Depots der Banken gesprochen hat. Ihr Weisen, seid vorsichtig mit Euren Worten! Das E. A. C. wird nie solche Ausdrücke gebrauchen. Die Depots sind sicher, ob Herr Fischer oder Herr Marmorek oder Herr Ussischkin sich im Aufsichtsrat der Bank befinden, und wir werden nie unsere Hand dazu bieten, daß die Bankgelder wirklich für Zwecke, mit denen die Bank nichts zu tun hat, genommen werden. Wir haben nicht Geld gefordert für einen Zweck, der noch nicht praktisch geworden ist. Es handelte sich einmal um einen Zweck des Nationalfonds und wir haben das Geld vom Nationalfonds gefordert und bekommen, weil es eine sehr wichtige Aufgabe des Nationalfonds gewesen ist. Es ist ein Irrtum, daß wir das Geld von der Bank gefordert haben. Wir haben von der Bank mit Ausnahme einer ganz kleinen Summe von 25.000 Mark nichts ohne Garantie gefordert. Die Garantien aber waren immer derart, daß sie uns auch eine andere Bank diskontiert hätte. Es klingt doch merkwürdig, daß man immer uns gegenüber sagt, wir könnten die Banken gefährden und die Leute, die das sagen, sind doch einmal in der Zwangslage gewesen, von der Bank Gelder für die zionistischen Zwecke zu nehmen und haben es ohne Garantie genommen und nicht wiedergegeben. (Beifall und Händeklatschen.) Die Frage, um die es sich handelt, ist eine moralische. Und dieses E. A. C. trägt das Mal an der Stirne, daß es von Ihnen selbst in wirtschaftlichen Dingen nicht für zuverlässig gehalten wird. Sie wissen alle, daß es sich um wichtige Verhandlungen gehandelt hat, und daß wir gewisse Erfolge erreicht haben, die für die Zukunft wichtig sind, daß wir zum erstenmale für unsere zionistischen Institutionen Kredite von außerhalb bekommen haben. Und wenn diese Geschäfte einen großen Umfang annehmen sollen, dann müssen Sie nach außen hin auch die Situation schaffen, daß man mit uns verhandelt und nicht mit jemandem, dem Sie offiziell selbst bestätigen,

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