Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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66 DIE^ELT Nr. IV hüten und ich weiß, Sie tun es gut und darum will ich, daß Sie es weiter tun. (Beifall.) Aber ich will kein schwiegerväterliches Verhalten von Ihnen, sondern ein brüderliches (Lebhafter Beifall und Zustimmung) und ich schließe, indem ich Sie bitte, dem A. C. für seine aufopferungsvolle Arbeit Ihren Dank und Ihr Vertrauen auszusprechen (Beifall), aber ihm auch die Möglickeit zu geben, zusammen mit dieser Oligarchie die Arbeit fruchtbringend weiterzuführen, zur Ehre der Bewegung und zum Frieden, den ich genau so wünsche, wie Herr Wolffsohn. (Stürmischer Beifall. Rufe Bravo! Hedad Weizmann!) Vizepräsident Bodenheimer übernimmt den Vorsitz und erteilt Herrn Dr. Friedemann zu einer Anfrage das Wort. Dr. Friedemann: Ich muß Ihr Gehör auf einige Minuten erbitten, und zwar für eine Angelegenheit, welche mich und eine Reihe von Parteifreunden jedweder Richtung aufs tiefste erregt hat. Es handelt sich um die Berichterstattung über den Kongreß. Ich will zunächst nicht von der „Welt“ sprechen, sondern von den allgemeinen Zeitungsberichten. Ich finde heute morgens in der Presse, und zwar in sämtlichen Tageszeitungen Wiens gleichlautend einen Passus, daß gestern abends der Kongreß nach der Rede des Herrn Wolffsohn infolge des stürmischen Widerspruchs der Versammlung geschlossen werden mußte. Ich frage den Präsidenten, ob dies auf Wahrheit beruht oder nicht. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Auf diese Frage antworte ich, obgleich es eigentlich überflüssig sein müßte, da ja der ganze Kongreß Zeuge der gestrigen Verhandlung gewesen ist, mit folgendem: Die Akustik des Saales ist vielleicht zu gut und infolgedessen ist das Geräusch und das Flüstern der einzelnen Anwesenden so angewachsen, daß man die Stimme des Präsidenten nicht mehr gehört hat. Es steht fest, daß, nachdem Herr Wolffsohn geendet hatte, volle Ruhe eingetreten ist, wenn auch die Versammlung während der Rede zeitweise stürmisch gewesen ist, und daß der Präsident lediglich aus dem Grunde, weil Herr M o t z k i n erklärte, daß er wegen Erschöpfung nicht mehr im Stande sei, als Generalrcdncr zu sprechen, die Sitzung geschlossen und die Wiedereröffnung für heute morgens 10 Uhr angeordnet hat. Es kann also gar keine Rede davon sein, daß eine Unterbrechung oder Aussetzung der Sitzung wegen eines stürmischen Tumultes oder Widerspruches gegen einen der Redner erfolgt ist. Ich bitte die Herren von der Presse, dies freundlichst so weit als möglich zu berichtigen. Dr. Friedemann: Ich habe noch einen anderen Punkt zu bcspi:chen, der mir sehr am Herzen liegt. Wie kommt es, daß in r.n:erem offiziellen Parteiorgan sich seit gestern Berichte befinden die mit den Tatsachen in Widerspruch stehen? (Sehr richtig.) Ich las in der Nummer der „Welt“ von heute früh folgendes auf der Titelseite: „Dagegen kam nach einer temperamentvollen Verteidigung, mit der Richard L i c h t h e i m einige Angriffe auf die „Welt* zurückgewiesen hatte, der Oppositionelle schärfster Observanz, Jean Fischer, zu Wort, der sich und seinen engeren Gesinnungsgenossen einen Ruhm daraus machte, nichts gelernt und nichts vergessen zu haben“. Ich frage, ob jemand hier in der Versammlung gehört hat. daß die Rede des Herrn Fischer in einem solchen Sinne ausgeklungen ist, und ich frage, ob die von tiefstem innerlichen Interesse und tiefster Begeisterung getragenen Worte eine solche Kritik verdient haben. (Rufe Pfui! Schande! Lärm). Ja es ist schandhaft. (Stürmische Rufe.) Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Friedemann, Sie sind in Ihren Ausführungen viel zu weit gegangen. Ich habe Ihnen das Wort zu einer Interpellation gegeben, Sie aber haben einen unparlamentarischen Angiiff gegen jemanden gerichtet, der wahrscheinlich Mitglied des Kongresses ist. Ich erteile Ihnen einen Ordnungsruf und mache Sie aufmerksam, daß ich nach einem zwei'.en Ordnungsruf genötigt wäre, Ihnen das Wort zu entziehen. Dr. Friedemann : Ich gebe gerne zu, daß das Wort, das ich eben gesagt habe, und das mir in der Erregung entschlüpft ist, sich für den Kongreß nicht qualifiziert. Ich bitte um Entschuldigung (Bravo!) und glaube, daß damit die Angelegenheit erledigtist. Am Schlüsse der Einleitung der „Welt“ heißt es: „Die Sitzung schloß mit einer Rede David Wolffsohns,.der .erklärte, nicht für die Entlastung dieses A. C. stimmen zu können.“ Ich frage den Präsidenten, ob sich aus dem Kongreßstenogramm ergibt, daß Herr Wolffsohn diese Erklärung abgegeben hat. Ich weiß nur, daß er erklärt hat, daß, wenn beide Anträge des E. A. C, nämlich der Entlastungsantrag und der Antrag auf Reform des Aufsichtsrates, zusammengeworfen würden, er nicht dafür stimmen könnte. (Sehr richtig!) Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Diese Schlußerklärung des Herrn Dr. Friedemann stimmt. Die Berichterstattung entspricht demnach nicht den Tatsachen. (Sehr richtig!) Ich ersuche daher die Berichterstattung der „Welt“, in dieser Richtung mit allergrößter Vorsicht zu üben. Redakteur Dr. Becker: Ich will jetzt im Rahmen dieser Debatte nur auf den ersten Teil der Ausführungen des Herrn Dr. Friedemann antworten und Ihnen mitteilen, daß der Zeitungsbericht, den Sie heute gelesen haben und den Dr. Friedemann erwähnt hat, nicht vom Preßbureau des Kongresses verbreitet worden ist, sondern von einer hiesigen Korrespondenz, die sonst sehr objektiv berichtet. Sie hat schon einmal in bezug auf die hebräische Rede des Herrn U s s i s c h ki n, die angeblich nicht verstanden wurde, sofort eine Berichtigung ergehen lassen, und es wird auch diesmal der wahre Sachverhalt von der Korrespondenz in Form einer Richtigstellung mitgeteilt werden. Es ist ja kein Wunder, wenn der betreffende Herr auf der Galerie da oben nicht alles richtig versteht. Wegen des Berichts der „Welt“ werde ich Ihnen erst nach Schluß dieser Verhandlung antworten, weil ich es für unsachlich halte, jetzt auf Dinge einzugehen, die mit den wichtigen Angelegenheiten, die hier zur Verhandlung stehen, nicht das mindeste zu tun haben. (Oho!-Rufe.) Denn alle Delegierten, die über diese Dinge abstimmen werden, haben die Rede des Herrn Wolffsohn, die aus technischen Gründen in der heutigen Nummer noch nicht gebracht werden konnte, gehört und werden sie in der morgigen Nummer im Wortlaute lesen. Jetzt lehne ich es entschieden ab, darauf zu antworten. (Oho!-Rufe.) Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Wir können Herrn Dr. Becker nicht zwingen, jetzt schon zu antworten. Er wird nach Schluß der Debatte noch einmal das Wort ergreifen. Das Wort erteile ich jetzt Herrn Kaplanski. Kaplansky: Ich weiß nicht, wer für die Berichterstattung in der „Zionistischen Korrespondenz“ und in der „Welt* verantwortlich ist. Ich richte daher an das Präsidium die Anfrage, wieso es denn kommt, daß die Wiedergabe der Reden in der „Zionistischen Korrespondenz“ mit den Berichten in der „Welt“ nicht übereinstimmt. Die Rede meines Freundes Chasanowitsch zum Beispiel ist in der „Zionistischen Korrespondenz“ in der Weise wiedergegeben, daß nur die paar anerkennenden einleitenden Worte verzeichnet sind und die Gesamtkritik unterdrückt oder sagen wir mit Himbeersaft begossen ist. (Sehr richtig!) Abgesehen davon hat es die Korrespondenz nicht einmal für notwendig befunden, der Oeffendichkeit zu sagen, in wessen Namen der Redner gesprochen hat. Chasanowitsch figuriert in dem Berichte als der Sprecher einer zionistischen Arbeiterpartei, die hier gar nicht vertreten ist. Die Korrespondenz hat die Pflicht, wenn sie einen Redner schon vorstellt, zu sagen, daß er im Namen der sozialistischen Fraktion des Kongresses gesprochen hat. Zum Schlüsse frage ich, ob es möglich ist, daß die Redaktion der Tagesausgabe der „Welt“ die Losung für diesen Kongreß ausgibt. Wählend wir hier zweifelsohne von dem Wunsche beseelt sind, aus diesem Kongreß einen Friedenskongreß zu machen und nicht einen Kriegskongreß, erklärt die Welt, bevor die Debatte abgeschlossen ist, daß es sich darum handelt, Zugkräfte vom zionistischen Karren abzuspannen. Ich frage, ob die „Welt* dem Kongreß sagen darf, daß wir diese oder jene Richtung aus dem Zionismus stoßen sollen. Ich verwahre mich entschieden gegen diesen Ton der „Welt“ und bitte das Präsidium, Abhilfe zu schaffen. Ich bitte auch das A. C„ das mit den Trompetenstößen einiger Kampfhähne nicht einverstanden sein kann, auf die „Welt“ einzuwirken. (Beifall.) Lipski (englisch): Ich schlage im Namen von 33 ame-