Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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D1E2&ELT pflegt man unsere Sitzung so vorzunehmen: Erst eine Sitzung des A. C., und darin bespricht man alle Fragen. Das A. C. beschließt, daß hier die Bank eingreifen muß. Dann findet eine Pause statt, jetzt findet eine Sitzung des Aufsichtsrates statt, dann geht eine Anzahl hinaus. Jedesmal fühle ich mich gekränkt, daß einige Kollegen nichts mitzureden haben. Und jetzt, meine Damen und Herren, möchte ich Sie bitten, stimmen Sie dafür, daß das A. C. identisch sein soll mit dem Aufsichtsrat, denn sonst werden wir den Kampf auch weiter haben. Immer werden Sie zwei tatsächliche Leitungen haben. Haben Sie es nötig, alle Personen, die wertvoll sind, in die Leitung hineinzusetzen? Ich habe nichts dagegen. Aber geben Sie allen, die Sie wählen, die Macht in die Hände, das auszuführen. was Sie ihnen vorschreiben. Geben Sie ihnen nicht die Macht, dann werden sie Ihnen nichts zeigen können, und wollen Sie eine richtige Leitung haben, so müssen Sie ihr das geben, was ihr gebührt, was ihr möglich macht, die Arbeit zu leisten. Finden Sie diesen Ausweg und suchen Sie die Herren zu bewegen, daß sie sich nicht dazu hergeben sollen, auf Konsequenzen hinzuweisen, die sie aus einer Ablehnung ziehen müßten. Das darf kein Zionist. Konsequenzen gibt es nicht für uns, nur Pflichten. Und bringen Sie cs den anderen bei, daß sie nur ein Teil des Ganzen sind, und als Teil der Gesamtheit der Disziplin zu gehorchen haben. (Stürmisches Händeklatschen.) Prof.Dr.Weizmann: (Stürmisch begrüßt.)Mein Freund Motzkin hat mich der leidigen Aufgabe enthoben, weiter die Bankfrage hier von dieser Tribüne aus zu erörtern. Ich bedauere es, daß man den Eindruck gewinnen könnte, daß der ganze Zionismus und alle zionistischen Fragen nur auf eine Bankfrage zusammengeschrumpft sind. Wir haben noch andere Fragen hier zu erörtern. Zum ersten Male in meinem Leben bin ich in der überaus glücklichen Lage, mit der Leitung der zionistischen Bewegung einverstanden zu sein. Ich will den Grund hiefür auseinandersetzen und in dieser Erklärung auch das Programm unserer Leitung festlegen, um die Zukunft der zionistischen Tätigkeit festzustellen und schließlich zu sehen, w o Parteipolitik getrieben wird, auf der einen oder anderen Seite. Herr Fischer sagte gestern, als die „Praktischen“ ans Ruder kamen, nannten sie sich „Politische“. Damit wird gemeint, daß wir eigentlich nur ans Ruder wollten, es kam uns nicht darauf an, genau festzustellen, was praktisch und was politisch ist. Dem, Herr Fischer ist nicht so; weder Sie noch Dr. Nordau, noch Dr. Marmore k, noch irgend ein anderer Doktor kann für sich die Politik monopolisieren. An der Politik der zionistischen Bewegung haben wir alle mi unserem Blute gearbeitet und wir haben die Politik auch gelernt. Ich bin mit der Definition der Politik vollständig einverstanden, wie sie Herr Syrkin gegeben hat, aber nicht einverstanden mit den weiteren Folgerungen aus dieser Definition. Es ist wahr, daß die Politik einer nationalpolitische Bewegung die Zusammenfassung des ökonomischen, nationalen und kulturellen Ideenkomplexes des Volkes ist, eine Ansammlung dieser nationalen, kulturellen und politischen Energien zur Aktivität, um ein gewisses Ziel zu erreichen. Das wäre eine nationalpolitischen Bewegung. Und nun frage ich: In welcher Weise hat die gegenwärtige Leitung diese nationale Politik durchgeführt. Sie hat für die Durchführung des Programmes einen ganz klaren Standpunkt eingenommen. Wenn ich aber Herrn Fischer oder Herrn Syrkin oder Herrn Mamorek und alle andern frage, wie soll man diese Politik durchführen, darauf antworten Sie uns: Ja, Ihr wollt es hier wissen, das läßt sich nicht so sagen. Herr Fischer sagt, ich kann Ihnen sagen, wie man es nicht tut, aber nicht, wie man es tut. (Beifall.) Wenn man eine führende Stellung in einer Bewegung hat und wenn man zu einem Kongresse kommt, der die Arbeit der nächsten Jahre dekretieren soll, genügt es nicht, das zu sagen, sonst verschwimmen wir und gehen auseinander, ohne zu wissen, was wir dem Volke sagen wollen. Klar und deutlich muß das Programm festgelegt werden. Aber sich hinter einer Phraseologie zu verschanzen, das ist kein zionistisches Programm und das ist keine politische Arbeit. Politik ist nicht politische Phrase, Politik ist Tat und diese Tat haben die Herren nicht gezeigt. Ich war derjenige, der verantwortlich war für das Wort vom synthetischen Zionismus, den wir haben wollen, und ich bin nicht mit Herrn Lichtheim einverstanden, daß die Synthese vollzogen ist. Aber sie ist bereits im Prozesse des Werdens. Herr Fischer sagte, man muß Bedingungen schaffen. Das ist ein Wort, ein Begriff, der aus einem anderen Quartier stammt. Eine Bedingung ist etwas Abstraktes, ist eine Null, solange sie nicht an ein Ding geknüpft wird. Bedingungen selbst schweben in der Luft und um Bedingungen zu erzeugen, muß man Dinge schaffen. (Lebhafter Beifall.) Welche Dinge hat die Leitung zu schaffen versucht, um diese Bedingungen herzustellen, und wie haben die sogenannten Freunde der Politik diese Dinge und Bedingungen behandelt? Ich habe gar nicht die Ambition, in Bankfragen hineinzureden, aber es gibt doch gewisse Begriffe, die nicht so ungeheuer schwer sind, daß sie nur von Bankiers verstanden werden können. Man hat die P. L. D. C. gegründet, die politisch, vom Standpunkte der Herren dazu da war, Bedingungen zu schaffen für die Erwerbung von Land in Palästina, für die Vorbereitung des Landes; kurz, eigentlich soll diese kleine P. L. D. C. das ausführen, was ein Staat ausführt Die P. L. D. C. war nun unglücklich, so und soviel Pfund verlöten zu haben, weil sie diese vorbereitende Arbeit geleistet hat, weil sie Ländereien gekauft hat, in die sie gewisse Summen hineinstecken und diese Summen natürlich von ihrem Konto abschreiben mußte, und das, obgleich das Land in seinem Werte - gestiegen ist, das heißt die P. L. D. C. hat das gemacht, was ein Staat macht, der Wege, Eisenbahnen baut und wüstes Land bewässert und dadurch den Wert des Landes steigert, dadurch vielleicht bares Geld verliert, aber politisch einen ungeheuren Wert eizielt. (Sehr richtig! Beifall.) Nun hat man eine Buchung vorgenommen, man hat das investierte Geld abgeschrieben und urbi et orbi erklärt: Die P. L. D. C. ist bankerott, sie ist ein bankerottes, faules Unternehmen, wollen Sie nun ein anderes Unternehmen schaffen? Bedingungen kosten Geld, das sollten Sie als Bankiers wissen; wenn man Bedingungen gratis bekommen könnte, wären alle Juden Zionisten. Bedingungen kosten Geld und ein Staat muß Geld verbrauchen, um in der Zukunft wieder das herauszuschlagen, was er augenblicklich geopfert hat. Und wie haben die Herren der Politik gegen die P. L. D. C. gekämpft; fortwährend wurde gegen die kleine, miserable Organisation, die eigentlich nicht imstande war, etwas zu machen, ein Feldzug inszeniert! Wenn die P. L. D. C. noch nichts getan hat, so sind uns Herr Kann und seine Freunde in erster Linie dafür verantwortlich. Man hat den B e z a 1 e 1 gegründet. Diese Gründung selbst ist natürlich vom Standpunkt des Schulwesens auch nicht sehr viel, für uns aber war der Bezalel eine Zelle, aus der sich ein weiterer Zionismus entwickeln und der gewisse Bedingungen in Palästina schaffen wird, das heißt eine Hausindustrie schaffen, Familien, die jetzt von der Chaluka demoralisiert werden, einen Erwerb geben wird. Gesetzt, eine solche Sache würde Millionen kosten, welcher Staat und welche Organisation, die für die Regeneration des Volkes arbeitet — und hauptsächlich doch für die Regeneration der Palästina-Juden arbeitet, die doch in erster Linie in Betracht kommen — hätte nicht gesagt, ich setze Millionen auf diese Sache und wenn es auch Millionen kostet, die Sache muß sein. Die Hausindustrie muß geschaffen werden! (Lebhafter Beifall. — Unruhe.) Nun, es ist wahr, daß der Bezalel vielleicht ein schlechtes Geschäft ist, aber .alle solche Unternehmungen werden schlechte Geschäfte bleiben, sie müssen mehr kosten, man kann nicht das sogenannte kaufmännische System anwennen, m i t dem kaufmännischen System werden Sie Palästina nicht erobern. (Beifall und Händeklatschen.) Heute kostet in Palästina ein Dunam Landes so und soviel Franken. Morgen kann man vielleicht einen Preis bezahlen, der vom kaufmännischen Standpunkte tausendmal größer ist, als derjenige, der jetzt bezahlt wird und ich frage Sie: Werden Sie das Land kaufen oder nicht? (Rufe: Ja!) Sie sind gezwungen, den Böden zu kaufen, wenn Sie Palästina haben wollen. Sie werden also für das Land in Palästina noch einen viel höheren Preis bezahlen, als Sie jetzt zahlen. Meine Herren, wollen Sie Bedingungen schaffen, mit dem Bleistift in der Hand, um abzurechnen, ob es morgen einen Ertrag bringt, und nicht sehen, was übermorgen