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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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DIESEL! Stimmung und Beifall.) Daß auch die „Welt“ die Pflicht hat, dessen eingedenk zu sein, selbst für den Fall, daß sie sensationelle und interessante Artikel in bezug auf die Gegensätze im Zionismus zu bringen imstande sein sollte; denn es ist besser, wenn sie solche Artikel nicht bringt, die einem Teile des Zionismus Schaden verursachen. Die Redaktion der „Welt“ muß derart sein, daß man das Gefühl hat, es sei ein Organ des Judentums, nicht nur des Zionismus, es sei ein Organ in dem das gesamte jüdische Leben, in dem das gesamte hebräische Streben widerscheint, anstatt sich damit zu beschäftigen, ob ein Oppositioneller dies oder jenes gesprochen hat. Darüber haben wir im Kongreß, nicht in unserem Organ zu sprechen. Wir müssen das Gefühl haben, daß an der Spitze der „Welt“ Männer stehen, die mit ihrem ganzen Wesen innerhalb des Judentums stehen, das müssen sie in jedem Artikel empfinden, dann wird der ganze Kampf, wenn er zum Ausbruch kommt, einen ganz anderen Charakter gewinnen, den des jüdischen Geistes, nicht aber den der Parteipolitik. Das ist die Schuld, die ich dem E. A. C. noch vorzuwerfen habe. Viele von uns, auch ich, haben dem E. A. C. bei Uebernahmc seiner Aufgabe gesagt: .Bis zum nächsten Kongreß müssen Sie vergessen haben, daß es eine Parteipolitik gibt, bis zum nächsten Kongreß gibt es für Sie Zionismus und nichts anderes. (Beifall.) Und wenn Sie das nicht vergessen, so werden Sie sich selbst damit schaden, Sie sind unsere Vertrauensleute. Gekämpft haben Sie auf dem Kongreß, nach dem Kongreß müssen Sie diesen Kampf unbedingt einstellen. Sie müssen das erste Beispiel geben, Sie müssen allen Ihren Sekretären, allen ihren Redakteuren, allen Personen, die eine Funktion bekleiden, die Richtschnur geben, daß Sie nirgends sich mit Parteipolitik, daß Sie sich nur mit Zionismus zu befassen haben. (Sehr richtig, Bravo!) Jeder andere Versuch wird Ihnen schaden und nicht nur Ihnen, sondern auch dem Zionismus.“ Diese Mahnung ist leider nicht befolgt worden. Das sind die Beschuldigungen, welche ich gegen das E. A. C. vorzutragen habe. Ich will jetzt daran gehen, Ihnen auch die andere Seite zu zeigen. Ich stimme trotzdem absolut dem zu, daß man dem E. A. C. volles Vertrauen ausspreche, und zwar aus folgenden Gründen: In erster Reihe hat das E. A. C. gearbeitet. Ich habe unzählige Male Gelegenheit gehabt, die Arbeit zu beobachten und ich kann Ihnen sagen: dieses E. A. C. hat mit einer Intensität, mit einer Ergebenheit, mit einer Stetigkeit und Konsequenz gearbeitet, daß dies ihm die Berechtigung verleiht, von uns Vertrauen zu verlangen. (Beifall.) Das E. A. C. hat es verstanden, die Organisation sehr gut weiter auszubauen, es hat neue Mittel gefunden, um die Organisation fast zu einem Mechanismus zu machen, der von selbst arbeitet. Es hat es soweit gebracht, daß man mit Recht sagte, in Berlin könne heute die zionistische .Organisation eine Zeit lang Weiterarbeiten, selbst wenn das gesamte E. A. C. wegbleibt und das ist sehr wertvoll. Gestern hat Herr Jean Fischer eine große Rede gehalten, in der er auseinandersetzte, was politischer Zionismus ist. Eines aber ist mir nicht klar geworden, warum er nämlich den politischen Zionismus monopolisiert. (Sehr richtig.) Ich habe nicht nur politischzionistische Anschauungen, sondern auch in erster Reihe politischzionistische Stimmungen und Traditionen, denn wir haften ja alle so stark an Traditionen. Ich habe mir nun immer wieder die Frage vorgelegt, was Herr Fischer von uns eigentlich wolle. Das ist sehr wichtig, denn ich erkläre, daß Herr Fischer wirklich zu den Besten unter uns gehört, zu den Ehrlichsten, die mit Leib und Seele der Sache ergeben sind. Es handelt sich für ihn nicht nur um Propaganda. Was die Propaganda betrifft, so habe ich schon vorher gesagt, daß ich auf dem Standpunkt stehe, man könne die Propaganda des Zionismus ganz ruhig so weiterführen, wie sie früher war. Es handelt sich für ihn um reale Sachen und der Unterschied besteht nur in der einen Formel — wenn man überhaupt eine Formel nennen kann —: das gegenwärtige E. A. C. arbeitet mit dem Orient und Herr Fischer möchte mit dem Okzident arbeiten. Ich sehe hier nicht den geringsten Unterschied in der Weltanschauung. Es kann Vorkommen, daß man heute mit dem Orient und morgen mit dem Okzident arbeitet Es gibt keine absoluten Prinzipien in bezug auf Politik von vornherein. Klar aber ist, daß wir in einer solchen Situation sind und mit Rücksicht auf die Verhältnisse in Palästina und im gesamten Orient immer sein werden, daß jeder andere Rat, der uns erteilt wird, uns nur die Prämissen gibt, die zur Erreichung unseres Zieles führen können. Jeder andere Rat bleibt nicht nur ein Rat, sondern er wird zu einer Katastrophe. Ich sehe in dem Rate des Herrn Fischer nichts, wodurch wir unser Ziel positiv erreichen könnten, vieles aber, wodurch wir den Teil der Arbeit, den wir in Palästina und Konstantinopel leisten müssen, absolut unmöglich machen würden. Mit welchem Rechte nimmt sich Herr Fischer heraus, uns zu sagen, daß diejenigen, die gerade für die jetzige Politik arbeiten, nicht politische Zionisten, diejenigen aber, die für die andere Politik arbeiten, wohl politische Zionisten sind? (Beifall.) Wenn er gesagt hätte, es seien politische Zionisten, aber ihre Politik sei falsch, so würde ich es verstehen. Steht man auf dem Standpunkte — ich vertrete diesen Standpunkt — daß wir Zionisten etwas für unsere nationale Wiedergeburt in Palästina zu erwarten haben, wenn der Orient stark sein wird — und wir können keinen anderen Weg finden — dann muß man sagen, daß das E. A. C., soweit uns bekannt, alle seine Kräfte eingesetzt hat, um nach dieser Richtung Erfolge zu erzielen. Wenn man behauptet, diese Erfolge träten nicht mit solcher Klarheit hervor, daß man sie genau mit Buchstaben und Formeln feststellen könnte, so ist das kein Beweis, denn damit könnten sie unsere gesamte zionistische Arbeit in der Vergangenheit widerlegen. Unsere zionistische Arbeit ist jetzt besser als vor zwei Jahren, obwohl auch die in der Vergangenheit Erfolge gehabt hat. Möglich ist, daß die Leitung unter den gegebenen Verhältnissen nicht mehr in der Lage war, die politische Arbeit weiterzulühren, aber klar ist es, daß die Beziehungen, welche angeknüpft worden sind, viel stärker geworden sind, daß die Fäden nach jeder Richtung hin mit einer gewissen Geschicklichkeit geknüpft worden sind und daß wir das erreicht haben, was wir unter den gegenwärtigen Umständen im Zionismus erreichen konnten. Gewiß, wir haben heute keinen Herzl und auch keinen ähnlichen Mann unter uns. Aber deswegen uns darauf zu versteifen, daß jede Arbeit und jede positive Leistung nur im Vergleiche zu dem, was Herzl heute etwa hätte leisten können, zu werten ist, das verstehe ich nicht. Was die Arbeit anbetrifft, so muß mich Herr Fischer erst von zwei Dingen überzeugen, indem er nämlich positive Tatsachen gibt, die die Grundlage für eine andere Politik und für andere Personen bilden. Wenn ich mich hievon überzeugt haben werde, so werde ich der Erste sein, der das Gegenteil von dem heute Gesagten sagt. Aber im Laufe von zwei Jahren hat er mich nicht davon überzeugen können. In einer Beziehung stimme ich mit Herrn Fischer überein: wir müssen sämtliche Kräfte, die für unsere Lage in Betracht kommen, heranziehen und ich bedauere es außerordentlich — aber das bezieht sich nicht bloß auf die Jetztzeit, sondern auch auf die früheren Jahre — daß Kräfte wie Dr. Nordau für die wichtigste Arbeit eigentlich niemals herangezogen worden sind. Es genügt nicht, daß man sich mit Dr. Nordau hin und wieder beraten hat. Heute ist der Zionismus viel entwickelter und verzweigter, heute muß man die Sachen genauer kennen. Wir wissen sehr wohl, daß Dr. Nordau oft ganz verschiedene Ansichten in bezug auf die Politik geäußert hat, abei es ist bedauerlich, daß man ihn und andere nicht in der Weise ausgenützt hat, daß sie voll und ganz in unserer Arbeit stehen. Wollen wir uns nicht täuschen: Nordau hat in der letzten Zeit manchen Fehler begangen, aber alle diese Fehler resultieren aus einer einzigen Tatsache, aus der nicht genügenden Information, aus der unrichtigen Information, die er erhalten hat. Würde ein Mann wie Nordau die richtigen Informationen erhalten, dann bin ich überzeugt, daß er selbst sehen würde, welche Voraussetzungen für die politische Arbeit vorhanden sind und daß er unter diesen Voraussetzungen nur diejenige Arbeit für möglich halten würde, die ich Ihnen empfohlen habe, und die die gegenwärtige Politik des E. A C. nach außen hin bildet. Es ist eben eine Frage der Geschicklichkeit der Leitung, solche Männer richtig zu informieren. Es gibt noch etwas, was ich dem E. A. C. auf das positive Konto schreibe, das ist seine Arbeit in den verschiedenen Lands-

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