Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 4 (7.9.1913)
- Date
- 1913-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. IV 61 DIE^ELT - Schluß der Generaldebatte Einstimmige Annahme des Vertrauensvotums für das E. A. C. — Vertagung der Entscheidung über die Anträge der Leitung Vizepräsident Stand erteilt das Wort dem nächsten General- Sechste Sitzung. Freitag, am Vormittag des 5. September. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. Vizepräsident Stand eröffnet die Sitzung. Er erteilt zunächst Herrn Bentwich das Wort zur Verlesung einer Adresse des englischen .Orden of Ancien FM accabaeans Grand Beacon'. Bentwich verliest die Adresse zunächst in englischer und dann in deutscher Sprache: Im Aufträge'des Ordens „Ancient Maccabaeans“ (dem einzigen nationalen Orden im vereinigten Königreich, der nahezu 3000 Mitglieder zählt), begrüße ich freudig und befriedigt den XI. Zionistenkongreß in Wien und möchte den Mitgliedern des Aktionskomitees für ihre schwierige Arbeit und für ihren großen Eifer in der Ausführung der Organisationsarbeit unseren tiefgefühlten Dank aussprechen. Wir erneuern unser Gelübde der Loyalität gegen das jüdische nationale Parlament. Der Orden verlangt, gemäß seiner festgesetzten Statuten, daß jedes seiner Mitglieder sich als Anhänger des Zweckes der zionistischen Arbeit erklärt und sich eidlich verpflichtet, dabei zu helfen, dem jüdischen Volk eine Heimstätte im Lande seiner Väter zu errichten, so daß die Executive unserer großen internationalen Organisation sich auf die Maccabaeans als erprobte Förderer der Bewegung verlassen können. Ihre Politik in praktischer Arbeit zur Verwirklichung unserer Ideale hat das allgemeine Vertrauen wieder hergestellt und den Orden in den Stand gesetzt, innerhalb weniger Monate ein Anfangskapital von ^10,000 zu sammeln: die erforderlich sind, für die Ausführung ihres Millionen Mark- Landankaufprojekts zum Zwecke der Erwerbung von Landbesitz in Palästina. Und da der Orden die große Notwendigkeit und Bedeutung einer steten und durchgreifenden Durchführung seiner Grundsätze einsieht, gelobt er, die gegenwärtige Leitung bei jedem ferneren Schritt, der zur Befestigung ihrer Stellung in der Verwaltung der nationalen Institutionen notwendig werden wird, zu unterstützen, um einen vollkommenen Erfolg ihrer Bemühungen zu erlangen, für unser Volk und für die Stätten unseres Gottes. Hierauf erteilt der Vorsitzende Vizepräsident Stand das Wort zur Begrüßung des Kongresses namens der ägyptischen Zionisten dem Delegierten Zeror, der eine stärkere Berücksichtigung der Propaganda in Aegypten empfiehlt. Vizepräsident Stand dankt im Namen des Kongresses für die Begrüßung und erteilt hierauf Herrn Simon das Wort zur Antragstellung. Simon: Ich habe dem Kongreß für die Verhandlungen folgenden Antrag zu unterbreiten: Der Kongreß gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die oberste Leitung der zionistischen Bewegung in organisatorischer, politischer und finanzieller Hinsicht in den Händen des Großen A. C. als Vertreter des Kongresses liegen muß. Der Kongreß erwartet, daß durch Verhandlungen zwischen den Vertretern des E. A. C. und den Vertretern der Finanzinstitute die Grundlagen geschaffen werden für die Verwirklichung dieses Prinzipes. (Sehr richtig! Beifall.) Das Wort zur Antragstellung erhält Dr. Margulies: Ich habe die Ehre Ihnen im Namen der westösterreichischen Landsmannschaft, welche sich mit sämtlichen Stimmen gegen zwei auf den nachfolgenden Antrag geeinigt hat, folgende Resolution vorzuschlagen: Der Kongreß spricht dem E. A. C. in Billigung der von ihm geleisteten erfolgreichen Arbeit seinen Dank und sein uneingeschränktes Vertrauen aus. (Beifall.) Der Kongreß hält es in Uebereinstimmung mit den Forderungen des E. A. C. für eine unerläßliche Voraussetzung der Fortentwicklung der zionistischen Arbeit, daß dem Großen A. C. über die Finanzinstitute und den Jüdischen Nationalfonds der entscheidende Einfluß eingeräumt werde. (Bravo! Lebhafter Beifall.) Leo Motzkin: Geehrter Kongreß! Ich komme auf die gestrige Debatte zurück, und zwar sowohl auf die Rede des Herrn Fischer als auch auf die Rede des Herrn W o 1 f f s o h n. Ich sage, ich werde auch auf die Rede des Herrn Fischer zurückkommen, obwohl diese einen rein theoretischen Charakter hat. Ich halte es aber nicht für überflüssig, daß bei uns die theoretischen Grundlagen besser festgesetzt werden. Herr Fischer hat gestern den früheren Zionismus zu begründen gesucht und ich muß Ihnen sagen, daß ich auch heute einen Teil der Ausführungen des Herrn Fischer voll und ganz billige, das heißt, heute stehe ich auf dem Standpunkte, daß wir dem Zionismus seine umfassende Begründung nicht nehmen dürfen, daß wir uns nicht darauf beschränken können zu sagen, unsere jetzige Arbeit in Palästina sei bereits die Erreichung unseres Zieles. Ich bin der Ansicht, daß wir unsern Gegensatz zur gesamten Judenheit in bezug auf diese Tendenz auch weiter kundgeben müssen. Wir wissen sehr wohl, daß wir auch heute nur einen kleinen Teil des Judentums bilden und daß wir unser hohes Ziel eigentlich erst erreichen können, wenn dieser kleine Teil sich in das gesamte Judentum verwandeln würde. Dies ist der Standpunkt, den wir nimmermehr aus den Augen lassen dürfen und nimmermehr dürfen wir zugeben, daß man in der Arbeit, die wir für Palästina leisten, schon alles erblickt, was den Zionismus ausmacht. Wir wissen auch heute, daß es damit nicht allein getan ist, und daß wir vor allen Dingen nicht zufrieden sein sollen. Seien wir ganz ehrlich miteinander : Worin besteht eigentlich-der Unterschied zwischen den beiden Richtungen, welche es gibt? Nicht in bezug auf die Arbeit, sondern in bezug auf die Zufriedenheit und Unzufriedenheit, das heißt, es gibt einen Teil unter uns, und zwar ist dies der größere, welcher zufrieden ist mit dem jetzigen Stadium. (Ich spreche jetzt nicht vom E. A. C., sondern, ob wir befriedigt sind von der Position, die wir jetzt in der Judenheit einnehmen.) Und es gibt einen anderen Teil, der mit diesem jetzigen Stadium nicht zufrieden ist und darin besteht der große Unterschied, aber dieser Unterschied ist bloß eine Stimmungssache. Dieser Unterschied kann sich verdichten in den verschiedenen Reden, in den verschiedenen Monographien, in den verschiedenen Preßartikeln, dieser Unterschied kann sich aber nicht verdichten in unserer wirklichen realen Arbeit, wie sie notwendig ist. Diesen Unterschied, diese Differenz hätte auch die Leitung sich zu Gemüte führen müssen, als sie die Arbeit übernahm. Eine Leitung, die von einem Kongreß gewählt wird, der nur einmal in zwei Jahren tagt, muß sich von vornherein sagen, daß sie die Vertreterin des gesamten Zionismus ist, und daß sie nicht das Recht hat, auch nur einen kleinen Teil des Zionismus zurückzustellen und dies hat die Leitung nicht verstanden, das muß ich hier ausdrücklich erklären. Die Leitung hat zwar gestrebt Personen aus der Opposition soviel als möglich heranzuziehen, sie hat aber nicht gesucht, die Gefühle des anderen Teiles zu schonen, sie daran zu gewöhnen, daß die Leitung der Richtung der Majorität an der Spitze ist. Dies war ein Fehler der Leitung. Die größte Kunst einer solchen Leitung muß es sein und ihre Pflicht und Schuldigkeit ist es, immer daran zu denken, daß wir eine freiwillige Organisation sind, und daß es ihre erste Aufgabe ist, diese Organisation zusammenzuhalten. (Beifall.) In allererster Reihe hat die Leitung den Fehler begangen, daß sie nicht nach diesem Prinzipe verfuhr in der .Welt“ selbst. Es wurde schon darüber gesprochen, darum werde ich mich hierüber nicht in ausführlicher Weise äußern, aber ich kann es nicht unterlassen, auch meinerseits noch einmal zu betonen, daß es keine verantwortlichere Aufgabe gibt, als die Redaktion der .Welt“, daß die „Welt“ von uns allen samt und sonders ganz gleich, in welchem Lager wir auch stehen, als unser Organ betrachtet wird. (Sehr richtig! Zu-