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Die Welt · 1913-09-07 · 4 (7.9.1913) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (7.9.1913)
Date
1913-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DIESELT Nr. IV Stammes miteinander verbindet, die Aschkenasim wie die Sefardim, die persischen und arabischen, wie die englischen und deutschen, die italienischen und kaukasischen, wie die südafrikanischen und jemenischen Juden. Aber ebenso bedeutsam, wenn nicht noch wichtiger ist es, daß sie alle vergangenen Geschlechter unseres Volkes in allen Zeiten mit einander verbindet, und daß durch sie die ältesten Stammesväter noch heute in innigem Konnex mit den spätesten Enkeln stehen. Deshalb hat diese Kultursprache, die sich stets entwickelt hat, die allen Feinheiten geistigen Lebens zu allen Zeiten folgte und oft voranging, und die ihren Bau trotzdem niemals veränderte, in sich noch heute mehr nationale Kraft, als alle die Sprachen anderer Völker, die in so kurzer Zeit sich so sehr verändert haben, daß wenige Jahrhunderte genügten, um späteren Geschlechtern die Sprache der Vorfahren unverständlich zu machen. Der freie Kulturgeist des jüdischen Stammes bedarf deshalb der hebräischen Sprache, weil er in jeder andern Sprache unfrei sein würde und weil ihm in der hebräischen Sprache der innige Zusammenhang der Juden aller Länder und der Hebräer aller Zeiten gewährleistet ist Nachdem es dem jüdischen Stamme gelungen ist, durch eine einzigartige Kraftanspannung seiner bürgerlichen Schichten und durch hingebungsvolle Selbstaufopferung seiner Intelligenz wie seiner Arbeiterschicht, wenn auch in noch recht kleinem Maße festen Boden unter seinen Füßen in der angestammten Heimat der Väter zu schaffen, so kann und muß er nunmehr daran gehen, die Keime selbständigen, stammestümlichen Denkens und nationaler Gesittung zu pflegen, die allein diesem Stamme die Ewigkeit seines Lebens verbürgen. Schulen und Bildungsstätten aller Art müssen erstehen, um dem neuerwachenden und erwachsenden Volke die gesamte moderne Kultur in einer hebräischen Form zu geben, die den fortschrittlichen Aufstieg und das Festhalten am eigenen Stammestum zugleich verbürgen. Deshalb muß eine Institution geschaffen werden, die der hebräischen Sprache und Literatur ihre volle Aufmerksamkeit widmet, die in sich die geistigen Kräfte zusammenfaßt, die überall vorhanden sind und die nur organisiert zu werden brauchen, um geweckt zu werden, Kräfte, die der hebräischen Sprache und Literatur die Wiedergeburt gewährleisten. Deshalb wünschen die Besten des jüdischen Volkes die Schaffung einer Anstalt nach Art unserer Akademien, die im Lande Israel blühten, als schon einmal das Volk, aus der Verbannung zurückkehrend, seine Kultur in eigenen hebräischen Formen zusammenfaßte. Eine solche Sinhedrijjah in Jerusalem wird einen ungeahnten Einfluß auf die Juden nicht bloß im alten Stammeslande, sondern in allen Ländern ausüben, soweit der flüchtige Fuß die Söhne des Volkes Israel getragen hat. Von hier wird der Geist ausgehen, der die Schulen und Universitäten, die Archive und Bibliotheken, die Museen und Kunststätten beseelen wird, die im Anschluß an diese Kulturbewegung als ihre gewollten Erfolge entstehen werden. Von hier werden die geistigen Strömungen ausstrahlen, die das Volk mit ihrer Wärme durchdringen werden und hierhin werden wiederum die besten und höchsten Kulturerrungenschaften und Anschauungen, die tiefsten und edelsten Gefühle des gesamten Volkes zurückstrahlen und aus dem Geiste des Volkes selbst des Volkes Geist befruchten und aufs neue zeugen. Wie schon jetzt aus dem Bedürfnis und der einzigartigen Opferfähigkeit jüdischer Intelligenz heraus hebräische Mädchenschulen und Gymnasien, Kunstgewerbeinstitute und technische Anstalten emporwachsen, so werden künftige Geschlechter auf ein kulturell reich gesegnetes Land hinblicken müssen, in dem nicht die stärkere Faust, sondern der größere Geist die Herrschaft führt. Dazu bedarf es der bewußten und zielsicheren Schaffung von Kulturinstituten aller Art. Universitäten und Bibliotheken, hebräische Theater und jüdische Museen, Kunstschulen und Volksbildungsstätten jeder Art müssen entstehen, die den Juden des Orients auf eine hohe Bildungsstufe heben und zugleich dem erwachenden nichtjüdischen Orientalen das Verständnis der uraltorientalischen und doch modern-abendländischen jüdischen Bildung vermitteln. Und damit sich nicht etwa in einseitiger Theorie und abstraktem Denken das Volksideal verliere, bedarf es der Regulierung dieser Bedürfnisse und Bestrebungen durch die reichste Fürsorge für alle gewerblichen und technischen Institutionen, für Landwirtschaft und Kunstgewerbefleiß, sowie der umfassenden Fürsorge für Sport und Turnen, für Pflege des Körpers, die dem Geiste die Elastizität erhalten soll, und deshalb schon um seinetwillen nicht verkümmert werden darf. Kurz es bedarf der umfassenden Fürsorge für eine weitausschauende Volkskulturpflege, die dem Stamme, der im Goluth zwei Jahrtausende aufrecht stehen blieb, das selbständige Leben für weitere Jahrtausende erhalten soll. Um für alle diese Notwendigkeiten auch"3, die Möglichkeiten zu schaffen, bedarf es eines nationalen Fonds, der, ein ewiges Eigentum des jüdischen Volkes, -> den ewigen Besitztümern dieses Volkes die notwendigen materiellen Mittel gewähren soll. Deshalb wird parallel zu dem jüdischen Nationalfonds, der den materiellen Grund und Boden für den Neubau des hebräischen Volkes im Lande Israel erwerben muß, ein Kulturfonds notwendig, der die materiellen Mittel schafft, damit der jüdische Geist in diesem Neubau sich ausbreiten und entwickeln kann. Zu diesem Zwecke gründen wir den Jüdischen Kulturfonds Kerenhat-Tarbüt ha-’ibrit Kedem. Wohlbedacht ist dieser Name Kedem, der uns einen neuen Morgen verheißt, einen Morgen, dessen Sonne einem glücklichen Tage unseres Volkes in die Zukunft scheinen soll. Der Osten, nach dem sich unser Volk sehnt, wo das geliebte Zion zu allen Zeiten die Laute Israels zum Liede stimmte, wird wiederum das Ideal unseres Stammes sein. Aber das Wort Kedem bedeutet ja das, „was vor uns liegt“, vor unserer Zeit, es bedeutet jene Vorzeit, in der unser Volk aus einer kleinen hebräischen Hirtenfamilie zu einem Volke erwuchs, das trotz allen Unglücks und aller Verfolgungen niemals ausgerottet werden konnte, und dem in der ererbten Kultur der Urzeit die Bürgschaft ewigen Lebens gegeben ist. Aber das Wort Kedem weist uns auch auf das hin, was in der Zukunft vor uns liegt und ruft uns gebieterisch zu: „Vorwärts!“ Vorwärts für unser Volk, vorwärts für die Kultur, die von einzelnen Völkern geschaffen wird, und doch der Gesamtbesitz der ganzen Menschheit ist. Festhalten am Alten und Schaffen des Neuen, das ist die Losung, die im Worte Kedem liegt. An der Stätte, wo einst ein hochragender Tempel den Völkern der Welt die ewigen Wahrheiten verkündete, die das Erbteil des hebräischen Stammes waren, wo jene Kultur geschaffen wurde, deren Ueberreste die Kulturgedanken der gesitteten Welt umgestaltet haben, soll wiederum die hebräische Sprache erklingen, Israels Sprache in Israels Landen, und soll Kultur schaffen, die, echt orientalisch und hebräisch, die Errungenschaften abendländischen Geistes der Eigenart des Orientes vermählt. Die Schaffung eines hebräischen Kulturzentrums im Vaterlande der hebräischen Bibel, das ist der Zweck und das Ziel des jüdischen Kulturfonds Kedem!

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