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Die Welt · 1913-09-05 · Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. III 51 dafür plaidieren, daß von der Bank zugunsten der Leitung — die doch die politische Repräsentanz der Bewegung ist — genommen werden solle; wir aber sind konsequent und sagen: von der Bank soll für keinen Zweck und einzig und allein für Palästina genommen werdenI Da spricht man aber so häufig über die Notwendigkeit, an die Spitze finanzieller Institute durchaus praktische Leute zu stellen. Wohl ist es wahr, solange man das Direktorium im Sinne hat. Wir aber reden vom Aufsichtsrat, der berufen ist, die politische Linie unserer Tätigkeit zu bestimmen und da erlauben Sie mir, der Ansicht Ausdruck zu verleihen, daß hier ein Schriftsteller oft mehr zu sagen weiß, als mancher „geriebene“ Kaufmann. Die Minderheit sagt uns: „Ja, Pläne könnt Ihr wohl haben, die Macht aber bleibt unser!“ und das ist es, wogegen wir uns auflehnen müssen. Wir wollen nicht nur das Programm bestimmen, sondern auch die reale Möglichkeit besitzen, es in zweckdienliche Taten umzusetzen. Das habe ich Ihnen nur so flüchtig sagen wollen, denn etwas anderes zu sagen war meine Absicht. Es war meine Absicht, vor diesen Hunderten und Tausenden, die hergekommen sind, ein erlösendes Wort zu hören über die großen Probleme unserer zionistischen Politik zu sprechen. Denn tatsächlich gehören die großen politischen Fragen hi eher, während die kleinlichen sogenannten Bankfragen vor ein anderes Forum gehören. Ich werde also bloß über die Politik unserer Leitung sprechen und erklären, daß ich mit dieser Politik eben nicht zufrieden bin, und zwar deshalb nicht, weil unsere Leitung nicht ganz von der Gegenanschauung sich befreien konnte und doch noch etwas „Politik“ getrieben hat. Ich wollte hingegen, daß man mit jenen Treibereien, die man Politik nennt, ganz abbricht. Es besteht zwischen uns und jener Gruppe, an deren Spitze Dr. Nord au steht, eine tief einschneidende Differenz der Ansichten. Wir sind immer noch die Jünger der „Autoemanzipationsschule“ und wollen bloß auf unsere eigenen Kräfte bauen und vertrauen, während jene auch fremde Hilfe in Aussicht nehmen. Und dann zweitens: Unser Zentrum ist im Osten, während jene es im Westen suchen. Und weil wir auf nichts anderes als nur auf unsere Kräfte uns verlassen wollen, müssen wir arbeiten und in der Arbeit unsere Kräfte schmieden. Deshalb sagen wir: Für eine solche Arbeit, die irgendwo anders und nicht bloß im Osten Stützpunkte sucht, dürfen wir gar nichts übrig haben! Unsere Politik liegt einzig und allein im Osten und ich meine da nicht nur Palästina, sondern den ganzen Orient! — Meine Herren! Wir stehen vielleicht jetzt vor einer Wendung in der Weltgeschichte. Der tausendjährige Kampf zweier Weltkulturen, an deren Entstehen wir Juden einen sehr regen Anteil genommen haben, hat vor unseren Augen einen Abschluß gefunden, dessen Tragweite wir vielleicht gar nicht zu erfassen imstande sind. Der Islam ist in den Orient zurückgedrängt worden, aber der Orient will und wird aufleben. Und da können wir Juden wiederum eine Rolle spielen, da wir die geeignetesten Vermittler zwischen Ost und West sein können. Wir sollen nicht bloß Kolonien in Palästina gründen, sondern in den Mittelpunkt des Orients treten und dort die Aufbauer einer neuen Kultur als Synthese zwischen Ost und West werden. Das ist die wichtigste politische Aussicht, der wir entgegenstreben müssen. Wir müssen den Osten daran gewöhnen, in uns Freunde, Verbündete und Kampfesgenossen zu erblicken. Ferner aber ist es ebenfalls eine Zeitaufgabe der zionistischen Politik, das palästinensische Judentum zu ottomanisieren. (Lebhafter Beifall.) Ich war in Palästina und weiß, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind. Aber es ist ein Gebot der politischen Weisheit und wir müssen darauf bestehen, daß es doch einmal geschieht! (Beifall.) Und zuletzt — die Organisierung des palästinensischen Judentums. Die Initiative hiezu wurde schon vor Jahren ergriffen und ich will nicht darauf näher eingehen, warum sie damals mißglückt ist. Genug, daß auch dies schließlich als zeitgemäße Aufgabe erkannt wurde und nunmehr wird in Palästina darauf hingearbeitet. Dies sind die Richtlinien unserer zionistischen Politik, die ich unserer Leitung in Zukunft ans Herz legen möchte. Was aber die abgehende Leitung betrifft, so beantrage ich, den Rechenschaftsbericht zu genehmigen und dazu ihr unseren innigsten und vorbehaltlosen Dank für die bisherigen Leistungen zuteil werden zu lassen. Möge sie uns für die Zukunft erhalten werden! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Dr. Gaster übernimmt den Vorsitz. Heinrich Rosenbaum: Im Verlaufe der letzten vier Jahre befand sich die ganze Bewegung unter dem Eintlusse einer bestimmten Hypnose und diese Hypnose dauert selbstverständlich gemäß dem Trägheitsgesetze fort. Der gegenwärtige Zustand ist das Resultat des Kampfes und deshalb ist es selbstredend, daß die einen, die den gegebenen Zustand als eine Folge ihres Sieges betrachten, diese ihre Errungenschaften bewahren wollen, noch mehr, daß sie ihren Sieg bis zu Ende führen wollen, daß wiederum die anderen, die sich besiegt glauben, alle ihre Kräfte anstrengen, um die Positionen zu schützen, die ihnen noch vom vorigen Kongreß geblieben sind. Vor allem muß ich bemerken, daß weder in dem Bericht noch von meinen Vorrednern das größte Verdienst des jetzigen A. C. erwähnt worden ist. Dieses größte Verdienst besteht nicht in methodischen Dingen, nicht in faktischen Fragen, sondern in der Klärung der Idee. Sie werden sich erinnern, daß wir vor zwei Jahren selbst in Bezug auf das Ideal wenig Klarheit hatten. Ich erinnere mich eines Aufsatzes, worin es geheißen hat, daß der Zionismus für die russischen Zionisten nichts Nationales darstellt, sondern bloß die Lösung des Emigrationsproblems. Als ich die Redaktion fragte, wie sie es wagen könne, in einer offiziellen zionistischen Zeitung eine derartige Behauptung aufzustellen, antwortete mir der Redakteur: „Ich teile die Ansicht nicht, aber das ist der bestehende Zustand unter den russischen Zionisten.“ Sie wissen, wieviel in Bezug auf die Aenderung des Programms gesprochen wurde, und zwar nicht wegen der letzten Punkte, worin die Methoden aufgezeigt wurden, sondern gerade wegen der ersten Punkte. Nach zwei Jahren Arbeit unseres E. A. C. wird die Frage der Aenderung des Programms nicht mehr aufgeworfen werden, und die Gefahr, die früher vorhanden war, daß ein Antizionismus in der Form des Zionismus sich einschleicht, ist heutzutage nicht mehr vorhanden. (Sehr richtig!) Das betrachte ich als das größte Verdienst des E. A. C. Ein zweites Verdienst, das zwar erwähnt, aber vielleicht nicht genügend gewürdigt worden ist, ist eine organisatorische Neueurung. Seit Jahren war es eine streng juristische Frage bei uns: Welches sind die Kompetenzen des E. A. C. und welches des Großen A. C.? Wenn es Ihnen scheint, als sei dies nicht so wichtig, so kann ich beweisen, daß diese Kompetenzabgrenzung zu den größten Mißverständnissen geführt hat Heutzutage ist eine solche Frage nicht vorhanden. Ich habe kein Engeres und kein großes A. C. gesehen, ich habe nur Freunde und Genossen gesehen. Allerdings hege ich die Furcht, daß die Herren vom E. A. C. in Zukunft dieses System nicht weiter verfolgen werden, denn gerade in den letzten Tagen haben wir oft gehört, das Engere A. C. fordert, das Engere A. C. stell den Mitgliedern des Großen A C diese oder jene Bedingungent Ich wünsche, daß die Praxis der letzten zwei Jahre wiederkehrt (Sehr richtig!) Was die politische Arbeit des A. C. betrifft, so muß ich leider sagen, daß die recht traurigen Mißverständnisse, die leider eingetreten sind, nicht zu verzeichnen gewesen wären, wenn man über diese Arbeit im klaren gewesen wäre. Ich glaube, ich kann die Richtung des E. A. C. mit einem Worte präzisieren: Es ist eine reale oder realistische Richtung Ich will damit sagen, daß das A. C. nicht eine solche politische Tätigkeit verfolgt, die in den großen Massen des jüdischen Volkes vielleicht Aufsehen hervorrufen würde, sondern eine solche, die praktische Erfolge erwarten läßt. Ob die Herren ihre Sache gut machen oder nicht, darüber gebe ich kein Urteil ab, darüber können auch Sie kein Urteil haben, das kann man höchstens im großen A. C. beurteilen, wo man die Sache genau kennt. Das Prinzip habe ich ihnen gesagt, und darüber können Sie urteilen. Ich für meine Person halte das für den einzig richtigen Standpunkt. (Zustimmung) Was Palästina betrifft, so muß ich sagen, daß das Aktionskomitee, das doch noch unter dem Zeichen der realen Arbeit in Palästina gewählt worden ist, etwas Neues in seinen Methoden hervorgebracht hat. Es kann natürlich die eine oder die andere Arbeit gemacht haben, die früher nicht gemacht worden ist, aber

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