Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. III DIE3$EELT Volk zurück zum Lande; 2. Bettler, die draußen stehen, haben kein Recht, etwas zu verlangen. 3. Wer den Besitz hat, hat das Recht. (Stürmischer Beifall.) Womit gehen Sie nach Hause? Ich sage Ihnen, mit neuen Problemen, die sich in unserer Nähe entwickeln, die von ungeheurer Bedeutung werden können. Wir dürfen die Emigration der türkischen jüdischen Untertanen auf dem Balkan nicht nach dem Westen einsetzen lassen, sondern nach dem Osten. (Beifall und Händeklatschen.) Das ist praktische Politik. Denn wir bringen türkische Untertanen in die .Länder ihrer Väter, die mit ihrer Sprache, Sitten und Gesitzen und mit allem vertraut sind, und ihnen können keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Schaffen Sie zu Hause jüdische Schulen mit jüdischem Geist, jüdischer Geschichte, Schulen, wo der Ahnensaal unserer Vorgänger unseren Kindern vorgeführt wird, wo ihnen die Hoffnung der Vergangenheit beigebracht wird und wo ihnen gesagt wird: Bereitet euch vor für jenes Land. Dort liegt unser Glück und dort ist es zu suchen. (Beifall und Händeklatschen.) Der Vorsitzende macht einige geschäftliche Mitteilungen und schließt die Sitzung. Nächste Sitzung um 1/a5 Uhr Nachmittag. V. Sitzung Am Nachmittag des 4. September Beginn s/55 Uhr. Präsident Wolffsohn : Geehrter Kongreß! Ich habe Ihnen eine Allerhöchste Nachricht zu übermitteln. (Das Haus erhebt sich.) „Die Kabinettskanzlei Sr. k. und k. Apostolischen Majestät! An Herrn David Wolffsohn Wien, Hotel Imperial. Bad Ischl. Seine k. und k. Apostolische Majestät danken Allergnädigst für die im Namen des XI. Zionistenkongresses dargebrachte Huldigung.“ Der Verlesung folgt lebhafter Beifall. Präsident Wolffsohn: Ich gebe nunmehr auch das Telegramm bekannt, welches ich gestern im Namen des Präsidiums an die Kabinettskanzlei Sr. k. und k. Apostolischen Majestät abgeschickt habe: „An Se. k. u. k. Apostolische Majestät den Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn Im Hoflager zu Ischl. Der in diesen Tagen in Eurer Majestät Reichshaupt- und Residenzstadt Wien tagende XI. Zionistenkongreß, an welchem über 500 Delegierte der zionistischen Organisation aus allen Weltteilen teilnehmen, bringt Eurer Apostolischen Majestät seine ehrfurchtsvolle Huldigung dar. Wir denken dabei dankbar des väterlichen Wohlwollens, das Eure Majestät, wie allen Nationalitäten, auch den jüdischen Untertanen Eurer Majestät stets entgegengebracht haben. Im Aufträge des Präsidiums des XI. Zionistenkongresses David Wolffsohn, Präsident.“ (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Präsident Wolffsohn macht sodann die Mitteilung, daß Professor Dr. W a r b u r g wegen eines in seiner Familie vorgefallenen Trauerfalles zum Begräbnisse abreisen mußte, und spricht Prof. Warburg im Namen des Kongresses das Beileid aus. Sodann erteilt er Herrn Simon das Wort. Julius Simon: Geehrter Kongreß! Die zur Bestimmung von Rednern zur Generaldebatte heute mittags zusammengetretenen Delegierten haben sich auf folgende sechs Personen geeinigt, mit der Maßgabe, daß diese sechs Generalredner in der Reihenfolge, in welcher -ich Sie jetzt Ihnen nennen werde, sprechen sollen: 49 1. Aronowitsch, 2. Syrkin, 3. Tschlenow, 4. Wolffsohn, 5. Motzkin, 6. Weizmann. Präsident Wolffsohn erteilt zur Antragstellung Herrn Brutzkus das Wort. Herr Brutzkus stellt folgenden Antrag: 1. Der XI. Kongreß spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen und seinen tiefsten Dank für die von ihm geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt ihm die Decharge. (Zwischenrufe.) 2. Der Kongreß drückt dem Großen A. C. sein uneingeschränktes Vertrauen aus und fordert, daß demselben als höchster Instanz der Bewegung ein entscheidender Einfluß auf die Bestimmung der Richtlinien der Tätigkeit der Finanzinstitute eingeräumt wird. (Lebhafter Beifall, Bravo-Rufe.) Präsident Wolffsohn erteilt Herrn Aronowitsch das Wort. Delegierter J. Aronowitsch (Delegierter des Hapoöl Hazair, Palästina, spricht hebräisch) führt aus: Die Stärkung unserer wirtschaftlichen Positionen in Palästina sei die Hauptaufgabe der Organisation. Wir dürfen aber dabei nicht engherzig kaufmännisch verfahren. Wenn es sich um die Wiedergewinnung des nationalen Bodens handelt, darf nicht auf den landläufigen Preis Rücksicht genommen werden. Der Zweck aller Palästinaarbeit ist es, unserem Volke zu normalem Dasein zu verhelfen. Zu einem normalen Dasein gehört aber eigene Arbeit, eigene Sprache, eigene wirtschaftliche und geistige Güter. Diesem Zwecke kann aber unsere Palästinaarbeit nur dann dienen, wenn sie von unserer Oiganisation geleistet wird, da Privatpersonen immer ihre eigenen Interessen voranstellen würden. Redner spricht sich deshalb gegen die Auffassung aus, als ob die zionistische Organisation in Palästina nur Bedingungen, nicht aber Dinge zu schaffen hätte. Der Organisation werden die Mittel eines ganzen Volkes zur Verfügung stehen, wenn sie schöpferische Arbeit im Lande leisten wird. Die Ghalukah bringt jährlich zirka fünf Millionen Franken ein, aber viel größere Aussichten würde der Nationalfonds haben, wenn er all seine Einnahmen sofort in lebendige Palästinaarbeit umwandeln würde. Diese Gesichtspunkte bestimmen nun unser Verhältnis zur Leitung. Wir hatten in den letzten zwei Jahren außerordentlich große Arbeitsmöglichkeiten vor uns, wie wir sie während der letzten dreißig Jahre nicht hatten. Leider aber blieben diese Möglichkeiten unbenützt Die wenigen tausend Dunam Land, die wir während dieser Zeit erworben, die 1500 Jemeniten, die während derselben Zeit nach Palästina kamen, bedeuten sehr wenig im Vergleich zu dem, was man hätte leisten können. Das Aktionskomitee hat aber nicht mehr leisten können, weil es nicht über die Machtmittel der Organisation verfügte. Das A. C. hat das getan, was es unter diesen Verhält- . nissen machen konnte. Das A. C. hat bewiesen, daß es den besten Willen und die richtige Auffassung von unseren Aufgaben hat. Redner bemängelt ferner, daß manche Mitglieder des A. C. bei ihren Privatunternehmungen in Palästina gegen das Prinzip der jüdischen Arbeit verstoßen. Des weiteren beschwert sich Redner darüber, daß die hebräische Sprache, die ja gemäß dem Beschlüsse des Haager Kongresses die offizielle Sprache der Organisation sei, stiefmütterlich behandelt werde. So seien all die offiziellen Rechenschaftsberichte und Mitteilungen des Kongresses lediglich in deutscher Sprache erschienen. Resümierend betont der Redner, daß er und seine Freunde das Arbeitsprogramm der Leitung billigen, daß aber die Arbeit darunter zu leiden hatte, daß die Leitung auf die finanziellen Institute nicht den gebührenden Einfluß hatte. Er fordert deshalb das E. A. C. auf, auf seine1" Forderung bezüglich der Finanzinstitute zu beharren. Sodann erteilt der Pr äsident Wolffsohn Herrn Syrkin das Wort. Dr. Bodenheimer übernimmt den Vorsitz. Syrkin (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Um mich nicht in die Einzelheiten des umfangreichen und mannigfaltigen Berichtes des E. A. C. zu verlieren, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit riur