Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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D!E3$KELT keinem anderen Zwecke. Die Bank ist ein politisches Instrument. Diese Gelder dürfen Sie nicht anrühren. Wenn Sie heute bei den geänderten Verhältnissen andere Verwendungszwecke haben, so schaffen Sie neue Gelder. Man erhebt gegen uns den Vorwurf, daß uns Bankleuten das Geld die Hauptsache sei. Wir leben seit Jahren in einer Hypnose. Bei welcher Gelegenheit immer wir Geld bedürfen, soll die Bank der Retter in der Not sein. Sie dürfen nicht glauben, daß sechs Millionen ein großes Kapital sind. Hätte die Bank bei jedem solchen Anlasse gegeben, so hätten wir keine Bank mehr. (Beifall und Zwischenrufe.) Ich komme zum Schlüsse. Man behauptet, auf dem Baseler Kongreß hätten die Praktischen gesiegt; man hätte uns dort die Bank gelassen, heute müssen wir sie der Majorität übergeben. Das entspricht nicht den Tatsachen. Wir Politischen hatten in Basel die Majorität, sowohl im Permanenzausschuß, als auch im Kongreß. Wir gaben Ihnen die Leitung nur aus Friedensliebe, um einen Kampf zu vermeiden. Als wir in Basel Ihnen erklärten : „Ihr könnt die Leitung haben“, begann ein Handeln und Feilschen. Die Herren haben uns nicht aus Friedensliebe die Bank gelassen, sondern weil wir fest entschlossen waren, die Bank nicht herzugeben. Wir aber hatten in Basel die Majorität. Wir haben also mit den Praktischen in Basel einen Akkord getroffen und ich verlange, daß sie diesen Akkord nicht brechen. Die politischen Zionisten haben nicht viel geschaffen, „bloß“ den Kongreß, „bloß“ die Organisation, „bloß“ den Nationalfonds, „bloß“ die Ideen, .bloß“ die Zionisten. Nun sind die Praktischen am Ruder. Ich gebe Ihnen den Rat, sammeln Sie ebenfalls in sechs Jahren die Mittel für eine Agrarbank und ich werde Ihnen dann sagen, Sie haben etwas geleistet (Beifall.) Präsident Wolffsohn: Es liegen zwei Anträge vor. Der eine geht dahin, die Debatte zu schließen und an Stelle sämtlicher angemeldeter Redner Generalredner zu wählen. Dr. Bierer (zur Geschäftsordnung) stellt den Antrag, die Redezeit auf fünf Minuten zu fixieren. Es entsteht hierauf eine lebhafte Geschäftsordnungsdebatte. Dr. Nisson Kahan beantragt Schluß der Debatte und Wahl von Generalrednern, deren Zahl später bestimmt werden soll. Der Präsident teilt mit, daß ein von etwa 50 Delegierten Unterzeichneter Antrag eingebracht worden ist, Donnerstag nachmittag eine vertrauliche Sitzung abzuhalten, in der eine eingehende Debatte über eine Reihe von internen Fragen abgeführt werden soll, die nicht für die breite Oeffentlichkeit bestimmt sind. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird sodann einstimmig angenommen und mit großer Majorität beschlossen, daß noch sechs Generalredner sprechen sollen. Die zu Wort gemeldeten Redner werden die Wahl des Generalredners sofort nach Sitzungsschluß vornehmen. Den Vorsitz übernimmt Dr. Bodenheimer. Das Wort erhält Chiefrabbi Dr. Gaster. (Stürmisch begrüßt.) Ich bitte um ganz spezielle Nachsicht, wenn ich jetzt in der Mitte dieser Aufregung mir erlaube, einige Worte an Sie zu richten, gerade weil ich vielleicht außerhalb aller Parteiströmungen stehe. Sie soll kein Beitrag zur Debatte sein im strikten Sinne, denn sonst hätte ich kein Recht auf Ihre Nachsicht. Aber Sie werden es einem Manne entschuldigen, der von vorneherein dem Zionismus mit allem Eifer gedient hat, wenn er gerade jetzt an einem Wendepunkt seine Auffassung des Zionismus hier vorträgt, weil wir hier bisher die großen Fragen ganz unberücksichtigt lassen und weil wir keine Rücksicht auf den Zusammenhang des Zionismus mit den großen Bewegungen genommen haben, die jetzt die Welt erschüttern und weil der Zionismus im Laufe der fünfzehn Jahre so mannigfaltige Wandlungen durchzumachen gehabt hat, daß wir anfangen, selbst irre zu werden an der wahren Bedeutung des Zionismus. Ich will mich auf die Frage des Zionismus innerhalb der jüdischen Welt beschränken, weil wir gerade jetzt doch eine vollständige Wendung in unserem Zionismus vornehmen müssen. Hier Politiker, da Praktiker, so gestaltet sich jetzt die Situation und wir müssen uns jetzt klar werden, was die einen und die anderen wünschen und was wir von hier mit in die Welt hinaus nehmen, um unsere Jugend zu begeistern und die Judenschaft heranzuziehen. Vergessen Sie nicht, daß mit dem Kongresse eigentlich die zionistische Arbeit nicht aufhört, sondern von hier soll die Neuregelung ausgehen, nicht nur für den Zionismus in der weiten Welt, sondern auch als die Direktive für die neu zu wählende Leitung. Mich interessiert nicht, wer an der Spitze steht. Es handelt sich darum, zu wissen, was an der Spitze steht, welches Prinzip. Welche Gesichtspunkte sollen die leitenden werden für die nächsten Jahre, in welcher Weise sollen die Ideale erhöht und im Sinne des Großen (auf das Herzlbild auf der Tribüne weisend), nicht im Sinne der Kleinen weitergeführt werden. (Beifall.) Wir haben jetzt hier von der Tribüne gehört, daß diejenigen, die sich Politiker nennen, die wahren Nachfolger und Erben des großen Mannes sind. Das ist die Psychologie aller Sektierer und Dogmatiker, die für sich die ganze Lehre und Weisheit des Meisters beanspruchen und ihn fossil machen. Das war die Bedeutung von Herzl, daß er nie fossil gewesen und nie fossil geblieben ist. Er war mobil, er ist von dem Staate, den er ursprünglich geplant, zum .Judenstaat“ gekommen. Und vom .Judenstaat“ kam er zu dem Staate von Juden für Juden und im Lande der Juden. Wie hat sich die Politik an den Politikern gerächt? Ich will die Zeit des Kongresses nicht zu sehr in Anspruch nehmen, um Ihnen die Geschichte des Charters zu erzählen. Es war die Frage, was wir in Konstantinopel verlangen sollten, und ich habe in einem Gespräche mit Herzl ihn auf das Beispiel von Sir Lawrence 01 i p h a n t hingewiesen, der mit einer Empfehlung von Lord Beaconsfield in Konstantinopel einen Charter für das Haurangebiet verlangte und ich sagte: „Hier haben Sie ein Vorbild. Verlangen Sie was seinerzeit England und Frankreich unterstützten. Der Charter ist ein mystisches Wort geworden. Nun, der Charter ist nicht gekommen. Ist Herzl stehen geblieben, hat er die Hände in den Schoß gelegt, hat er gesagt: Jetzt schließen wir? Nein! Er hat eingesehen, daß es noch eine andere Politik gibt, die wir praktisch nennen. Was sind die anderen geworden? Ich will keine Polemik führen. Ich habe keine Absicht, es handelt sich hier um die Frage, wo hat uns die Politik hingeführt? Da kann ich sagen, wenn man früher von Luftmenschen gesprochen hat, so können wir jetzt von Luftpolitik sprechen. Ja, diese Politik hat nach Unganda geführt und zum Territorialismus! (Zustimmung.) Darin liegt die Gefahr, daß die Herren Politiker ignorieren oder nicht erkennen wollen, warum in der Türkei gegen uns eine Strömung entstanden ist. Weil die Feinde der Juden der Türkei zugeflüstert haben: Die Juden wollen einen Teil der Türkei an sich reißen und wollen eine Judenfrage schaffen, wie es eine bulgarische und armenische gab. (GroßeUnruhe und Rufe: Die Debatte ist geschlossen!) Ich spreche nicht zur Debatte, es ist eine sachliche, ruhige, historische Darstellung. (Unruhe.) Ich bitte um Nachsicht. Sie müssen es doch einem Mann gestatten, der mit seiner ganzen Seele und seinem Geiste dem Zionismus gedient hat und dienen wird, die brennenden Punkte hervorzuheben. Wenn ich etwas sage, was dem einen oder anderen mißfällt, dann müssen Sie es mir entschuldigen. Es ist die erste und letzte Rede, die ich wahrscheinlich auf dem Kongresse halten werde. Wir hatten Kämpfe gegen einen Teil derjenigen, die anderer Ansicht waren, um die Bank für den Jischub Erez Israel allein zu bewahren, ja wir hatten einen Kampf in London bitter durchzukämpfen, damit die Bank nur unseren Zwecken dienen soll, und zwar ausschließlich palästinensischen. Lassen Sie mich noch ein Wort hinzufügen. Es ist ein wichtiges Moment, das uns in England besonders berührt, daß der Zionismus der Welt klar entgegengebracht werde als eine allgemeine jüdische Gesinnung, die mit lokalen Interessen nichts gemein hat. Es ist keine deutsche Bewegung, ich will, daß Sie dies endlich begreifen, denn es ist in die englische Presse lanciert worden: Das Zentrum ist in Deutschland und die Bewegung diene deutschen politischen Interessen. Es ist dies von denselben Feinden ausgegangen wie in der Türkei.Wir müssen feststellen, daß wir weder deutsch, noch englisch, sondern einzig und allein jüdisch sind, und jüdischen Inter- Interessen dienen. (Stürmischer Beifall.) Zu gleicher Zeit muß ich Sie an ein Wort erinnern, das von hoher Seite gesagt wurde und das als Fingerzeig dienen müsse: 1. Bringen Sie Ihr