Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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47 DtE3$EH.T Nr. III Schöpfung und sie besteht und ist gesund. Vor der letzten A. C.- Sitzung war Dr. Jakobson einige Tage in London und ich fragte ihn : Haben Sie etwa unreguläre Sachen festgellt? Daraufhin sagte er mir, er habe nichts Derartiges festzustellen. Ich habe dies dem A. C. mitgetcilt und gesagt, daß das Kapital intakt ist, was man von den anderen Instituten nicht so leicht konstatieren kann. Wir haben, was praktische Arbeit anlangt, nichts anderes zu tun, als was ein Staat und Volk tut. Aber einen Schuhladen eröffnen, Gewerbe treiben, ist nicht unsere Aufgabe. Der Zionismus als solcher kann derartige Kleinlichkeiten nicht machen, schon darum, weil die Sache unfruchtbar ist. Die Zionisten, die sich so nennen, haben alles zu wagen, um in Palästina zu arbeiten. Mit dem Gelde, das in Palästina verloren geht, habe ich kein Mitleid. Unsere reichen Zionisten haben sich noch lange nicht gewöhnt, Opfer zu bringen. Aber wenn wir in Palästina Gründungen schaffen, die kaput gehen, so geben sie nicht nur ein schlechtes Beispiel, sondern wir können dann nie mehr selbst als Organisation die Sache beginnen. Sie erreichen das Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollen. (Wiederholte Gegenrufe!) Ich muß für meine Ueberzeugung einstehen und lasse mich nicht davon abbringen. Wenn wir zu diesem von mir auseinandergesetzten System nicht gelangen werden, so befürchte ich, daß wir zu einer verbesserten Auflage der Alliance Israelite heruntersinken werden, einer besseren allerdings, da die anderen nicht unseren Geist haben: Daneben werden wir auch eine verschlechterte Auflage der I. C. A haben, da diese über mehr Geld verfügt. Wenn wir in Palästina zehn Bezalcl-Unternehmungen haben, die nicht von der Organisation, sondern von privaten Personen geleitet werden, und wenn sie Erfolg haben, so muß das Nachahmung finden. Der Privatmann kann sich nur danach richten, und das was einer Organisation gelungen ist, selbst aufnehmen Deshalb ist unsere Aufgabe, die Privatinitiative anzuregen. Die Politik der praktischen Zionisten drückt sich aus in dem Worte: „Penetration pacifique.* Das ist ein schönes Wort, aber wir dürfen nicht vergessen, daß die Entwicklung der geschichtlichen Ereignisse sich in einem ganz anderen Tempo vollzieht, so etwa, wie wenn ein Fußgänger einem Auto nachlaufen würde. Wir können diesen geschichtlichen Ereignissen mit unseren praktischen Arbeiten nicht einmal nachhinken. Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die sich der Palästinaarbeit entgegenstellen. Das ist meine und meiner Freunde tiefste Ueberzeugung. So lange wir nicht die natürlichen Widerstände entfernt haben, wird ein Fortkommen im größeren Stile überhaupt nicht möglich sein. Das Erstreben politischer Rechte ist das Alpha und Omega des politischen Zionismus; deshalb heißt er ja politisch, und da der Zionismus sich jetzt nicht in dem Rahmen bewegt, von dem ich hier gesprochen habe, deswegen sind die politischen Zionisten unzufrieden. Sie sind nicht bloß unzufrieden mit den Leistungen der zionistischen Organisation, sondern auch mit den Leistungen aller Organisationen zusammen, unzufrieden mit der Gesamtleistung des Judentums, angesichts der Aufgabe, die unser harrt. Aber diese Unzufriedenheit kontrastiert gewaltig mit der Unzufriedenheit, die hie und da in den praktischen Reihen zutage tritt. Wir Politischen begnügen uns nicht mit den Zielen der Praktischen. Wir wollen nicht bloß Kolonisationsarbeit und Kulturzentrum, sondern die Verwirklichung des Baseler Programms in seiner Gänze. Wir wollen die Befreiung vom Goluth, in dem wir leben, und von dem Goluth, der in uns lebt. (Zustimmung.) Die Praktischen werden da wohl fragen : Schön, wie erreicht man das? Ich könnte Ihnen nun eine positive Antwort geben: So wie Sie es machen, nicht! (Ruf: Das ist eine negative Antwort!) Eine Einschränkung muß ich machen, ohne daß ich aber prinzipiell auch nur um Haaresbreite von meinem Standpunkt abweiche. Vielleicht ist es noch möglich, daß Herr Dr. Jakobson einmal auch vor uns hintreten wird und auf einen Erfolg wird hinweisen können. Heute aber, auf dem XI. Kongreß, muß ich sagen, bis heute haben wir nichts erreicht. Wir Politischen verlangen von Ihnen nur einen kleinen Kredit. Man hat in Bezug auf die Forderungen der politischen Zionisten gesagt, sie verlangen nichts Positives, sie wollen nur die Leitung stürzen, sie wollen Opposition machen. Glauben Sie uns, daß wir nur unsere Ueberzeugung vertreten und Sie nicht einfach bekämpfen wollen. Wenn man mich hier fragt, wie man denn arbeiten soll, so muß ich erwidern: die politische Arbeit entzieht sich einer öffentlichen Diskussion. Ich will Ihnen das beweisen mit den Worten der Leitung selbst. Es ist gerade vorhin die Rede gewesen von den berühmten Artikeln der „Welt“. Redner zitiert einen Artikel aus der Nummer 23 des Jahrgangs 1913 der „Welt“ und fährt fort: Auf sämtliche Leser muß das den Eindruck machen, als ob dieser zweite Artikel die Antwort wäre auf den Artikel der „Welt“ in der vorhergehenden Nummer. So war es nicht und ich kann dem Bureau — an die „Welt“ habe ich den Artikel nicht geschickt — nicht verzeihen, daß mau meinen Artikel nicht gleich in der zweiten Nummer abgedruckt hat. Man hat mich oft gefragt, warum haben Sie den Artikel nicht geschrieben, den Sie versprachen? Dieser Artikel lag zehn Tage vor dem Erscheinen dieser Nummer im Bureau der „Welt“, die Redaktion wußte also von ihm. Trotzdem steht hier eine Zeile, als ob hier eine Antwort wäre auf diese Antwort, t L i c h t h e i m : Diese Darstellung ist falsch.) Das ist aber nicht genug. Als mir der Artikel am Tage nach seinem Erscheinen vorgelesen wurde, merkte ich, daß ein Satz daraus fehlt. In meinem zweiten Artikel heißt es nämlich; „Die Ereignisse bestätigen leider, was wir Oppositionelle vorausgesagt haben, und man behauptet weiter, alle Tatsachen zum Hohn, die Politik der Majorität sei die beste.“ Da fehlt ein Satz, auf den ich ganz besonders Gewicht legen muß. Es soll heißen : „Die Ereignisse und die Mitteilungen, weiche das E. A. C. am 6. März d. J. an das A. C. zu machen gezwungen war.“ Dieser Hauptsatz meines Artikels steht nicht darin. Ich glaube, man hätte so loyal sein können und mich fragen: „Gestattest du, daß man dies ausläßt?“ (Lebhafter Beifall) Allerdings habe ich von der Leitung ein Schreiben als Antwort auf meine Zuschrift erhalten, indem mir mitgeteilt wird, man könne diesen Passus, da er auf vertrauliche Mitteilungen Bezug nimmt und man bei Abdruck desselben gezwungen wäre, auf den vertraulichen Inhalt dieser Mitteilungen einzugehen, nicht zum Abdruck gelangen lassen Ich glaube Ihnen damit den Beweis erbracht zu haben, daß ich von der Politik nicht sprechen kann. Ich frage aber den Kongreß, der hier Richter sein soll, wer hier Recht hat; ich frage, ob dieser Satz irgend etwas mehr sagt, als in den ganzen Artikeln enthalten ist. (Lebhafte Zwischenrufe.) Es handelt sich nur darum, festzustellen, daß niemand das Recht hatte, von einer Irreführung der öffentlichen Meinung seitens der Opposition zu sprechen. Wogegen ich mich noch kurz wenden muß, ist folgendes: Wir befinden uns auf dem Wege, zu einer Partei im Judentum herabzusinken. Immer wieder taucht das Wort „Partei“ auf und auch der Geist der Partei. Lesen Sie im Berichte, wie oft das Wort „Partei drinnen vorkommt. Wir sind aber keine Partei und wollen es nicht werden. Es ist hier davon gesprochen worden, daß wir die Bank übergeben müssen, weil die Leitung die Verantwortung habe. Zu diesem Kapitel habe ich folgendes zu bemerken: Es ist irrig, daß vor der zionistischen Öeffentlichkeit bloß die Leitung die Verantwortung hat. Jeder Delegierte trägt Verantwortung. Ich habe mich in einem Schreiben an die Leitung gegen die Auffassung verwahrt, als ob wir keine Verantwortung hätten. Herr Dr. H a n t k e hat mir im vorigen Jahre bei der Jahreskonferenz gesagt: „Ich sehe nicht ein, warum Sic Verantwortung tragen müssen.“ Deshalb habe ich den Herren geschrieben, daß jeder von uns in seinem Kreise verantwortlich ist für jeden Fonds, den er sammelt, für alle Gelder, die er anlegt, für alle Versprechen, die er gemacht hat, für alle Ideale, die wir aufgerichtet haben. (Lebhafte Zustimmung.) Man verlangt also, daß wir die Bank übergeben sollen, weil es nicht angeht, daß die Leitung über die Bank nicht verfügen soll. Wenn wir aber keine Kontrolle hätten, wenn wir keinen Aufsichtsrat hätten, so müßten wir eine Kontrolle schaffen; da wir aber eine Kontrolle haben, hüten Sie sich, diese abzuschaffen. Außerdem hebe ich hervor, nur im Rahmen des politischen Zionismus hat das jüdische Volk die 6 Millionen der Bank gegeben und zu