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Die Welt · 1913-09-05 · Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe III (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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46 Nr. III DIE^EELT Die Arbeit in Palästina ist das einzige, was im Moment der Gefahr zurückbleibt und solche Momente haben wir in der Bewegung schon erlebt, namentlich damals, als die große Diplomatie, die von unserem unvergeßlichen Führer Herzl inauguriert wurde, plötzlich in Brüche ging Da war die Arbeit in Palästina das einzige, was die verzweifelten Herzen wieder aufrichtete. (Stürmischer Beifall.) Diese Arbeit hat auch einen moralischen Wert. Sie vereint alle und daher wünschen wir von der jetzigen Leitung, die meiner Meinung nach auch die nächste sein wird (Beifall), daß sie sich alle Mühe gebe, daß am kündigen Kongreß nicht mehr von einer Absenz Dr. Nordaus und Marmoreks die Rede sein kann, sondern, daß wir alle hier in einem Lager stehen zum Kampfe bereit. (Stürmischer Beifall) Wir sollen aber auch die Leitung in ihrem Bestrebungen unterstützen. Sie verlangt von uns jedem eine Kleinigkeit für den Zentralfonds und der Erfolg der Aibeit beruht nicht auf dem Eifer der Leitung, sondern auf dem Eifer eines jeden Gliedes der Bewegung. Im Namen der galiziscl.cn Landsmannschaft stelle ich den Antrag, der Kongreß möge die Leitung für ihre verdienstvolle Tätigkeit in der letzten Periode Vertrauen und Dank aussprechen. (Zustimmung.) Wir bitten die Leitung, ihr System und ihre Richtung fortzuführen, wie bis jetzt und die Mängel, die hier erwähnt wurden, abzustellen. Sie soll uns alle wieder veieinigen und das Rustzeug schmieden gegenüber dem Feinde, nicht gegen uns selbst. Macchiavelli sagte: „Ueber unbewaffnete Propheten spottet die Geschichte“. Wer nur Prophezeiungen über die Zukunft und die Regenerierung des Judentums predigt, aber nicht gleichzeitig die Waffen schmiedet, über den wird die Geschichte als einen unbewaffneten Propheten spotten. Die Waffe des jüdischen Volkes ist der jüdische Geist und die jüdische Arbeit. Geben Sie den Pflug in die jüdische Hand und kämpfen Sie für den jüdischen Geist! (Stürmischer Beifall.) Jean Fischer (Antwerpen): Ich habe keine starke Redegabe, aber ich stehe hier, um eine Sache zu verteidigen, und es liegt mir daher nicht daran, wenn ich hier als Besiegter weggehe. Ich spreche zu Ihnen nicht im Namen meiner Landsmannschaft, sondern lediglich in meinem eigenen Namen. In der letzten Zeit hat man viel von einer Opposition gesprochen, Herr Dr. Nordau aber hat erklärt, daß er eine solche Opposition nicht kennt. Ich, der ich dieser Opposition angehören soll, kenne diese auch nicht. Ich kann nur für mich allein sprechen. Gestern haben wir die Debatte damit eröffnet, daß zwei Aktionskomiteemitglieder herkamen und der Leitung Lobreden hielten Das hat mich ganz eigentümlich angemutet. Im Grunde genommen steht die heutige Leitung auf dem Standpunkte, daß sie die Exekutive des großen A. C. ist. Wenn wir herkommen und uns selbst Lobreden halten, so weiß ich nicht, wozu wir hierhergekommen sind. Es wäre genügend, stenographische Berichte der A. G -Sitzungen zu verbreiten. Es wundert mich, warum es niemandem eingefallen ist, daß in den letzten Jahren kein E. A. C.-Bericht verbreitet wurde. Herr Simon hat gestern gesagt, wir politische Zionisten seien mit dem französischen Adel zu vergleichen, der nichts gelernt und nichts vergessen hat. Franzosen sind wir nur insoweit, daß wir neben deutsch, englisch, jüdisch-deutsch, französisch sprechen. Adelig sind wir, denn wir sind Nachkommen von Abraham, Isak und Jakob. Das ist der Adel, den ich in Anspruch nehme. Nun hat Herr Simon noch hinzugefügt, daß wir nichts gelernt und nichts vergessen haben. Wegen des Nichlernens befinde ich mich in ausgezeichneter Gesellschaft. Wir haben tatsächlich nichts vergessen, wir stehen noch heute auf dem alten Herzl-Standpunkt. Und wenn Sie glauben, daß es keinen politischen Zionismus gibt, so bitte ich Sie, die Eröffnungsrede nachzulesen, wo Herr Warburg uns von drei Perioden im Zionismus erzählte. Wenn es jetzt schon drei Perioden gibt, dann darf ich Ihnen verkünden, daß wir einer vierten entgegengehen, und zwar werden wir uns der ersten wieder zuwenden. Außerdem hat mir Herr Böhm eine sehr gute Handhabe gegeben, Herrn Simon zu antworten, über das, was wir nicht gelernt und nicht vergessen haben. Er sprach von der Thesaurierung, als ob wir Zionisten keine andere Arbeit hätten, als die Gelder der Bank aufzuspeichern, bis wir da-an zerplatzen, und dann fügt er hinzu: Wären wir wenigstens stehen geblieben, so hätte er Achtung vor uns. Ich erinnere Sie an die langen Kämpfe gegen Wolffsohn; in wessen Namen hat man gekämpft? Im Namen der praktischen Arbeit. Wieso kam er dazu, nachzugeben und praktisch zu arbeiten? Denn wenn man so lange für praktische Arbeit agitiert, so lag es in der Natur der Sache, daß man dieser Strömung nachgtbcn mußte. Darum hat Wolffsohn nachgegeben, und die andern haben auch Amen gesagt. Aber heute stehen wir vor Tatsachen und heute heißt es, abrechnen über dasjenige, was wir der praktischen Arbeit nachgegeben haben. Kaum waten die „Praktischen“ am Ruder, haben sie sich sofort „Politische“ genannt Es muß doch etwas vorgegangen sein, daß sie ihre Parole fallen ließen. «Rufe: Es ist eine Legende!) Das ist keine Legende’. Ich spreche von Tatsachen Die offizielle Leitung hat sich bemüht, durch ihr Organ zu erklären, daß es keine Differenzen gibt. Gegenüber dieser Behauptung sage ich, daß ich im Zionismus zwei Richtungen sehe. Herr Ussischkin hat in seiner gestrigen Rede eine Differenz in der Politik zwischen Westen und Osten festgestellt und Herr Weizmann hat mir in einer A. C.-Sitzung zugerufen: Uns trennt eine Weltanschauung. Ich stehe nicht auf diesem Standpunkte, sonst wäre ich nicht hier. Nach dem X. Kongreß ist ein Mitglied des A. C. nach Rußland gefahren und hat erklärt, der politische Zionismus sei tot. Vielleicht wird er jetzt sagen, der politische Zionismus sei begraben. Sie werden Wunder erleben! Nachdem er begraben ist, wird er wieder auferstehen. Ich bitte Sie, solche Wendungen nicht zu gebrauchen, sonst werde ich sagen: das System der praktischen Arbeit ist bankerott. Wenn ich sagen würde, die von uns bekämpfte praktische Richtung mache aus dem Zionismus eine Kolonisations¬ und Kulturvereinigung, einen Kulturzionismus und Achad-Haamismus, so würden Sie dies nach der Eröffnungsrede des XL Kongresses nicht billigen. Wenn ich anderseits sagen würde, der politische Zionismus will die Bedingungen schaffen, um es dem Juden möglich zu machen, nach Palästina einzuwandern, und sich dort organisiert festzusetzen, und wir deshalb die Aufgabe haben, Hindernisse und Beschränkungen aus dem Wege zu räumen, daß wir in Palästina nur solches zu schaffen haben, was die Einwanderung begünstigt, so werden Sie nach der Eröffnungsrede auch dies nicht als Monopol der politischen Zionisten gelten lassen. Die Tatsachen sprechen eine unwiderlegliche Sprache und mit den Tatsachen will ich mich nicht lange aufhalten. Man hat mich gebeten, nicht lange zu sprechen. (Rufe: Tatsachen!) Ich verspreche Ihnen, daß die Tatsachen Ihnen durch Kann gegeben werden werden. Ich will hier etwas anderes betonen. Es sind namhafte Zionisten aus Palästina zurückgekommen und haben das Urteil fällen müssen : Was wir geschaffen haben, ist etwas Künstliches. Muß ich erst sagen, daß unsere Aufgabe nur darin bestehen kann, Bedingungen zu schaffen, für eine natürliche Entwicklung der Kolonisation, weil künstlich Geschaffenes auf die Dauer nicht zu halten ist? Betrachten wir die Schöpfungen Herzls! Sehen Sie sich den Kongreß und die Organisation an! Glauben Sie wirklich, daß wir aus aller Welt hier zusammengetreten sind, weil man uns Einladungen geschickt hat? Der Zionismus entspricht einem natürlichen Bedürfnis und deshalb sind wir heute hier Wäre dies etwas künstlich Geschaffenes, so wären wir längst auseinandergefallen. Daß dies nicht geschehen ist, ist ein Beweis, daß der Zionismus eine Notwendigkeit geworden ist. Mit der praktischen Arbeit steht es nicht so. Die Vertreter der praktischen Arbeit müssen zu dem Schluß kommen, sie hätten etwas Künstliches geschaffen. Ich meine nämlich die Organisation. Und wenn einmal der Krach hereinbricht, dann bricht auch die Organisation zusammen. Dagegen legen wir Verwahrung ein. Der Zionismus steht immer noch hoch, der Herzl - Zionismus, der das jüdische Volk befreien will. Der Nationalfonds, der unter Herzl gegründet wurde, ist manchmal unsere einzige Freude. Ich will das Verdienst der Leitung des Nationalfonds nicht schmälern. Aber glauben Sie, daß seine Agitation allein das geleistet hat? Der Nationalfonds entwickelt sich, weil Sie alle mit dem Herzen dabei sind. Selbst die Bank, über die man so klagt, ist eine Herzische

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