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Die Welt · 1913-09-04 · Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
Date
1913-09-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIESEL! der Rechenschaftsperiode über hundert politische Prozesse zu bestehen hatten, die ein systematisches Verteidigungswesen notwendig machten. Und wir ergreifen hier die Gelegenheit, unseren Gg. den Advokaten, für ihr mühevolles Werk unseren Dank auszusprechen. Zugleich konstatieren wir mit Zufriedenheit, daß sämtliche bisnun durchgeführte Prozesse für uns ziemlich günstig sich gestaltet haben. Man ist mit Geldstrafen, höchstens aber mit kurzfristigem Arrest davongekommen. Etwas schwerer hatten wir es mit der mündlichen und schriftlichen Propaganda. Die Nachfrage nach guten, modernen Rednern und Instruktoren war enorm groß, wir aber waren nicht in der Lage, ihnen allen nachzukommen und werden für die Zukunft trachten müssen, diese Lücke auszufüllen. Für die schriftliche Propaganda haben wir einen Zentral- Verlag eingerichtet, der trotz aller Schwierigkeiten doch über 200 Broschüren und Bücher in die Welt hinausgeschickt hat. Wir hatten aber dabei mit Zensurschwierigkeiten zu kämpfen, die uns durch häufige Konfiskationen auch materiell viel geschadet haben. Das Ressort für Gegenwartsarbeit hat sein Augenmerk hauptsächlich auf die Schul- und Erziehungsfragen gelenkt. Wir haben ein Programm für eine jüdische Normalschule ausgearbeitet und veröffentlicht, die später auch von der Bildungs-Gesellschaft fast wörtlich angenommen wurde. Dann haben wir eine Aktion zugunsten der Restaurierung des „Cheder“ inszeniert, die viel zur Gesundung der Ansichten über nationale Erziehung beigetragen hat. Wir sind jetzt auf dem Wege, mit der Bildungs- Gesellschaft Hand in Hand arbeiten zu können, weil zwischen unseren Programmen keine so weite Distanz mehr besteht. Nachdem der Bericht noch die Zahlen der finanziellen Erfolge angibt, schließt er mit folgenden Worten: .Das Erfreulichste an unseren Beobachtungen hinsichtlich des Zionismus in Rußland ist eben dies, daß vor unseren Augen dort eine junge Generation von mutigen Kämpfern für die Renaissance des Judentums emportritt, der wir ruhig die Standarte der Volksbewegung werden übergeben können. Es geht ein mächtiger nationaler Zug durch die jüdische Intelligenz in Rußland und der Tag ist nicht mehr ferne, daß sich alles in einer Idee, in einem Bestreben vereinigen wird: der Wiederauflebung des jüdischen Volkes im jüdischen Lande“. Das Präsidium kündigte dann die Verlesung des Berichtes auch in russischer Sprache an, was aber eine erregte Debatte über die Sprachenfrage auslöste. Manche Delegierten protestierten heftig gegen die absichtliche .Verdrängung“ der jüdischen Volkssprache; manche hingegen gaben ihrem Unwillen Ausdruck, daß man dieser Sprache fast die Bedeutung einer Nationalsprache zumuten will. Das Präsidium erklärte aber, daß hier gar keine andere Absicht vorlag, als nur die, daß man neben dem Hebräischen den Bericht noch in einer Sprache verlesen sollte, die allen Anwesenden verständlich wäre. Diese Erklärung, wie auch die Bemerkung, daß eine eventuelle Anfertigung einer jüdischen Uebersetzung mit großem Zeitverlust verbunden wäre, hatten zur Folge, daß die Versammlung bei der Abstimmung den Antrag auf eine Jargon- Uebersetzung ablehnte. In der Diskussion über den Rechenschaftsbericht machte sich nun jene Opposition Luft, von der man in den intimeren Kreisen schon seit Wochen herumredet, die Opposition der „Jung-Zionisten“, die von einem bekannten, hochbegabten Journalisten und Redner geführt wird. Der allgemeine und Hauptgedanke der Kritik dieser Opposition war nämlich der, daß der gegenwärtige „Merkas“ seine Schuldigkeit nicht tun konnte, weil es ihm an einem zentralen Willen und einheitlicher Initiative fehlte. Wir haben dort bloß eine Adresse, aber keine Leitung gehabt. Wenn in den einzelnen Orten ein Zweifel entstand, wenn man nach einer autoritativen Entscheidung gesucht hat, konnte man sich wohin immer wenden, nur nicht an die Leitung, die eben nicht dagewesen war. Und so haben sich die Ortsgruppen bereits daran gewöhnt, dorthin keinen Blick zu wenden. Am besten wäre die Indolenz des gegenwärtigen Merkas daraus zu ersehen, was er aus dem Helsingforser Programm gemacht hat. Dieses Programm hatte eben den Grundgedanken aufgestellt, daß die Erlösung von heute und von hier ab anfängt. Der Zionismus sei nicht allein der Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina auf neuen Grundlagen, sondern zu gleicher Zeit auch die Ansammlung von nationaler Potenz auf allen Gebieten der nationalen Tätigkeit und die Erwerbung von nationalen Positionen auf der ganzen Linie unserer Aktivität, in der Diaspora wie im Zukunftslande. Völlige Indolenz sollte der Merkas auch in der polnischen Frage bewiesen haben. Hier sei eine Erscheinung vor Augen getreten, die in unserer Geschichte seit langem nicht ihresgleichen hatte. Nicht ein bürgerlicher oder staatlicher Antisemitismus ist es, der den Juden seiner Rechte berauben will, sondern ein Ueberfall eines Volkes auf das andere, und da wäre es gerade die Pflicht der Zionisten, als berufene Vorkämpfer der Nation, gewesen sein, dieser Provokation entgegenzutreten und ihr eine gehörige Antwort zu erteilen. Weiterhin wendet sich die Opposition gegen das russische Parteiblatt und erklärt, es habe seinen ehemaligen Einfluß größtenteils eingebüßt, weil es eben blutarm geworden, weil es im besten Falle noch informativ, nicht aber belehrend geblieben ist. Als Abwehrmittel gegen diesen Verfall des russischen Zionismus empfiehlt die Opposition folgende Maßnahme: Von den vielen Punkten unseres Partei-Programmes sollen zwei oder drei besonders aktuell gewählt werden < als solche erscheinen der Opposition die Kulturarbeit zugunsten der hebräischen Sprache und hebräischen Schule — einerseits, und der polnische Boykott anderseits) und diese werden als Plattform für die Wahl eines Merkas für die nächste Periode. Nach einem oder zwei Jahren müsse dann der Merkas Rechenschaft über das Geleistete abgeben. Auf diese Weise werden wir dem Merkas bestimmte, ganz präzisise Direktiven erteilen können und wir werden auch wissen, was wir von ihm zu verlangen haben. In einer langen Reihe folgten die Kritiker, die diese Grundgedanken und Forderungen in der verschiedensten Weise variierten. Eine kaum geringere Anzahl von Redner ergriff aber auch zur Verteidigung des Merkas das Wort, und zwar waren darunter die ältesten und erprobtesten Arbeiter des Zionismus in Rußland vertreten. Sie wiesen auf die äußeren Schwierigkeiten und auf den inneren Indifferentismus gerade der „Kritiker“ hin und hoben hervor, daß auch das wenige, was geschehen ist, mit Rücksicht auf die Verhältnisse immer noch als Riesenleistung anzusehen sei. Dabei ließen die Herren von Merkas manches bitte, e Wort des Vorwurfs an die Adresse der Kritiker fallen, das stellenweise zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Zum Schluß der Diskussion wurde eine Resolution auf Erteilung der Decharge unter Anerkennung der aufopfernden und fruchtbaren Tätigkeit gestellt. Es wurde von einigen Delegierten beantragt, die Resoiuiion zu teilen, und zuerst über die aufopfernde und dann erst über die Fruchtbarkeit der Tätigkeit abzustimmen; aber der Merkas verzichtete aus eigener Initiative auf die Bezeichnung „fruchtbar“ und somit kam der Antrag zur Abstimmung und fand einstimmige Annahme. Es wurde eine Kommission von etwa 50 Personen gewählt, die über sämtliche Fragen der zukünftigen Arbeit beraten und einen Teil ihrer Vorschläge der Plenarsitzung zum Beschluß vorlegen wird. Im Laufe der Debatte tat einer der Redner des Auftritts Dr. T s c h 1 e n ows gegenüber dem Finnländischen Senator Meche- 1 i n in Moskau Erwähnung. Die Konferenz veranstaltete bei diesem Anlasse Dr. Tschlenow eine stürmische Ovation. M. R Amerikanische Landsmannschaft. Am Montag nachmittags fand im Beethovensaal die erste Versammlung der Kongreßdelegieiten der amerikanischen Landsmannschaft statt. Der Vorsitzende des Exekutivkomitees der amerikanischen Federation, Herr Louis Lipsky. begrüßte die erschienenen Delegierten und wurde zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Als Sekretär der Sitzungen der amerikanischen Landsmannschaft wurde Herr Wolffsohn gewählt. Die erste auf der Tagesordnung stehende Frage war diejenige, wieviele, beziehungsweise welche amerikanischen Delegierten für den Peimanenzausschuß vorzuschlagen seien. Herr B a t o schlug vor, so viele Delegierte der amerikanischen Landsmannschaft vorzuschlagen, wie nach der Zahl der amerikanischen Delegierten zulässig sei. Eine sodann vorgenommene geheime Wahl ergab das Resultat, daß in den Permanenzausschuß die folgenden Delegierten entsendet werden sollen: Katzmann, Shulman, Sigl, Meyer, Mossinsohn. Als zweite Frage wurde diejenige der Haltung der amerikanischen und kanadischen Permanenzausschuß-Mitglieder gegenüber der Wahl des Kongreßpräsidenten erörtert. An einer scharfen Diskussion über diesen Punkt beteiligten sich die Herren Schachtel, Goldschmidt, Cohen u. a. Es wurde schließlich eine Resolution augenommen, daß die amerikanischen Mitglieder des Permanenzausschusses ihre Stimme in erster Reihe für Herrn Wolffsohn, oder, falls dieser nicht gewählt werden sollte, für Herrn Bodenheim er abgeben sollten. Für das Amt des Vizepräsidenten sollen die amerikanischen Vertreter Herrn Lipsky vorschlagen. Darnach wurde die Versammlung aus technischen Gründen auf Dienstag vertagt. Ungarische Landsmannschaft. Die ungarische Landsmannschaft konstituierte sich wie folgt: Präsident David K o h n, Schriftführer Dr. Josef Schönfeld. In den Permanenzausschuß wurde Dr. Nisson K a h a n entsandt. Die Landsmannschaftsitzungen werden täglich um V-.>3 Uhr in Gaffe Marienbrücke abgehalten. Sämtliche Gäste aus Ungarn sind willkommen. Die Landsmannschaft vereinigte sich mit der südslavischen und beide Gruppen werden gemeinsam vergehen.

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