Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
- Date
- 1913-09-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 ■ —- .--------- DIEE^KELT ■ ■■■ Nr. ir Landsmannschafts - Sitzungen, Deutsche Landsmannschaft. Ara Montag, den 1. September, nachmittags 4 Uhr, trat die Deutsche Landsmannschaft im Beethovensaal zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Vorsitzende Herr Dr. H a n t k e, eröfinete die Sitzung, begrüßte die erschienenen Delegierten und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland in diesem Jahre zum eisten Male 9000 Schekel aufgebracht habe, zu denen noch über 1000 Schekel der deutschen Mitglieder des Misrachi hinzukämen, so daß die Zahl der deutschen organisierten Zionisten nunmehr 10.000 überschritten habe. Diese Tatsache sei umso erfreulicher, als die Vereinigung zum ersten Male einer organisierten Assimilation gegenübergestanden habe. Den einzigen Punkt der Tagesordnung bildete die Wahl der deutschen Mitglieder für den Permanenzausschuß. Die Landsmannschaft hat fünf Delegierte zu entsenden. Julius Simon (Mannheim): Ich glaube nicht, daß der Permanenzausschuß in diesem Jahre eine so schwierige Aufgabe zu leisten haben wird, wie auf dem X. Kongreß. Der einzige schwerwiegende Beschluß, über den der Permanenzausschuß zu beraten haben wird, scheint mir die Herbeiführung eines vernunftgemäßen Verhältnisses des Aktionskomitees zu den finanziellen Instituten unserer Organisation zu sein. Sie wissen, daß auf dem X. Kongreß um des Friedens willen ein Kompromiß geschlossen wurde, durch das die zusammengehörigen Faktoren unserer Organisation künstlich auseinandergerissen worden sind. Dadurch ist dem Aktionskomitee eine Verantwortung genommen, die eine Leitung, der wir das Wohl und Wehe der ganzen Bewegung für zwei Jahre anvertrauen, unbedingt übernehmen muß. Das künftige Aktionskomitee muß unbedingt mit dieser natürlichen Verantwortung belastet werden. Je nach der Stellungnahme zu dieser Frage muß die Wahl unserer Vertreter in den Permanenzausschuß erfolgen. Ich schlage Ihnen folgende Herren hiefür vor : Berthold F e i w e 1, Dr. Hermann, Kurt Blumenfeld, Dr. Klee, oder einen anderen Herrn, der der gleichen Richtung, wie Herr Dr. Klee, angehört und mich selbst. Dr. Klee bedauert es, daß Herr Simon noch von zwei verschiedenen Richtungen gesprochen habe. Er ist der Ansicht, daß eine zwingende Notwendigkeit nicht bestehe, die Friedensbeschlüsse des letzten Kongresses zu ändern, daß sich vielmehr nach Ablauf von wiederum zwei Jahren eine befriedigende Lösung von selbst ergeben würde. Deshalb sei eine Zusammensetzung der deutschen Vertreter nach anderen Gesichtspunkten, als sie Herr Simon hervorgehoben, im Interesse des Friedens der Bewegung geboten. Dr. H a n t k e gab zur Orientierung der Delegierten eine kurze Darstellung des organisatorischen Aufbaues der Jüdischen Kolonialbank. Rechtsanwalt Lachmann sieht nicht ein, warum die auf dem letzten Friedenskongreß gefaßten Beschlüsse nicht weiter maßgebend sein sollen. Es läge gar kein Grund zu einer Aenderung vor. zumal selbst der A.-C.-Bericht wertvolle Leistungen der Bank in Palästina anerkannt habe Er warne davor, wertvollen Kräften Arbeitsmöglichkeiten zu nehmen. Er schlägt vor, die Herren Simon, Heymann, Klee, Victor und Gronemann zu delegieren. Herr Motzkin betonte, daß er sachlich mit Herrn Simon vollkommen übereinstimme, wenn er auch nicht der Meinung sei, daß der Permanenzausschuß die richtige Stelle zur Entscheidung dieser Frage sei. Es sei unbedingt notwendig, die auf dem letzten Kongreß geschaffene Anomalie zu beseitigen. Es bestehen in der deutschen Landsmannschaft keine verschiedenen Parteien und es sei höchste Zeit, die künstlichen Gegensätze aus der Welt zu schaffen. Herr Lichtheim schließt sich den Ausführungen von Herrn Motzkin voll an. Es sei eine Notwendigkeit, dem Aktionskomitee den verlangten Einfluß auf die Bank zu verschaffen, schon deshalb, weil sich in der vergangenen Periode aus dem jetzigen Zustande erhebliche Schwierigkeiten ergeben hätten. Die Verlegung des Jüdischen Nationalfonds nach Berlin sei, abgesehen davon, daß sich die Spesen verringern würden, um deswillen zweckmäßig, weil der Nationalfond etwa 90 Prozent unserer gesamten Palästinaarbeit erledige und das Aktionskomitee wieder wie früher über ein auch örtlich ihm angegliedertes Palästinabureau verfügen müßte. Justizrat Dr. Bodenheimer-Köln bedauert, daß hier wieder von Parteigegensätzen gesprochen werde, seiner Meinung nach gäbe es nur Meinungsverschiedenheiten über die Methoden der Arbeit. Herr Lichtheim irre sich, wenn er glaube, daß sich die Spesen des Nationalfonds durch eine Verlegung nach Berlin verringern würden, denn es müßte dann ein besoldeter Direktorposten geschaffen werden. Obgleich er sonst für eine Besoldung der Exekutivbehörde eintrete, halte er es nicht für richtig, den Präsidenten des Nationalfonds, der an die Opferwilligkeit aller Juden appelliere, zu besolden. Dr. Z1 o c i s t i-Berlin betont, daß das Aktionskomitee die Verfügung über die Machtmittel der Bewegung erhalten muß. Er halte es jedoch nicht für richtig, solche Persönlichkeiten in den Permanenzausschuß zu wählen, die in den Streitigkeiten vergangener Jahre an zu exponierter Steile gestanden hätten. RA. Gronemann-Berlin ist der Meinung, daß die aufgerollten Fragen technischer Natur seien, und daß über deien Beantwortung ohne Anhörung der Fachmänner nicht entschieden werden könne. Schon aus diesem Grunde könnten diese Fragen nicht die Grundlage bilden für die Wahl der Permanenzausschußmitglieder. Kurt B1 u m e n f e 1 d-Berlin wendet sich gegen die Auffassung von Herrn Gronemann, daß es sich hier um rein fachmännische Fragen handle, vielmehr seien es allgemeine Fragen der Bewegung, über die sich jeder Delegierte selbständig ein Urteil bilden müsse. Im Gegensatz zu Zlocisti ist er der Ansicht, daß gerade die Leute, die den Kampf geführt haben und mit den einschlägigen Fragen vertraut seien, in den Permanenzausschuß gehörten Es sei unrichtig, daß die persönlichen Gegensätze in der letzten Zeit stärker her vor getreten seien, die sachlichen Meinungsverschiedenheiten seien klarer zu Tage getreten. Es handle sich hauptsächlich darum, ob man die Palästinaarbeit, wie es die eine Richtung tue, als reines Geschäft betrachte, auf das die Methode der Rentabilität Anwendung finde, oder ob man, wie es der jetzt herrschenden Richtung gemäß sei, Kolonisationspolitik treibe, zum Zwecke der Vergrößerung unseres Eimlusses in Palästina. Es beteiligten sich ferner an der Debatte die Herren Dr. Isak Straus, Davis Trietsch, Dr. Victor und I. L. G o i t e i n. Man trat darauf in die Wahlen ein, die in geheimer Abstimmung erfolgten. Als gewählt gingen hervor:' die Herren Julius Simon, Dr. Heymann, Berthold F e i w e 1 und Dr Klee. Zwischen den Herren Motzkin und Blumenfeld ist eine Stichwahl erforderlich. Da Herr Dr. Heymann unvermutet aus geschäftlichen Gründen abreisen mußte, wurde die Stichwahl unnötig und die Herren Motzkin und Blumenfeld gelten als gewählt. Rußische Landsmannschaft. Vertretertag der russischen Zionisten. Die erste Vorkonferenz der Delegierten aus Rußland gestaltete sich zu einem Parteitage der russischen Zionisten. Der illegale Zustand der zionistischen Organisation im Zarenreich bildet immer noch ein großes Hemmnis für die Entwicklung unserer Bewegung in diesem Lande. Es gibt Einzelorganisationen, Ortsgruppen, aber keine zusammen fassende, zentralisierende Organisation für das ganze Land, oder wenigstens soll es eine solche nicht geben . . . Davon kam es auch, daß diesmal der Parteitag nicht durch eine Landesbehörde, sondern durch ein Mitglied des E. A. C. eröffnet wurde und auch der Rechenschaftsbericht durch den Sekretär des Berliner Zentralbureaus verlesen wurde. Die Tagung eröffnete das Mitglied des E. A. C., Herr Nahum S o k o 1 o w. mit einer kurzen Ansprache in hebräischer Sprache. Er begrüßt die Versammelten und wünscht ihren Beratungen Erfolg. Das Präsidium wurde in folgender Zusammensetzung gewählt: die Herren Dr. Tschlenow, Dr. S a p i r und Ingenieur Bruk, Vorsitzende; Dr. Bernstein und Goldstein, Sekretäre. Sekretär Dr. Bernstein verliest sodann den Rechenschaftsbericht in hebräischer Sprache und schickt eine Erklärung voraus, daß dieser Bericht in Berlin auf Grund eingelaufener direkter Meldungen der Ortsgruppen (nicht etwa durch Vermittlung einer russischen Zentrale . . .), zusammengestellt wurde Der Bericht konstatiert die überaus schweren Bedingungen, unter denen man in Rußland arbeiten mußte. Die Hochflut der Beschränkungszirkulare, die vielen Ausweisungen, der polnische Boykott — dies alles brachte über das russische Judentum eine neue schwere Krise und hat wiederum die Emigration gesteigert. Diese schweren materiellen Verhältnisse hätten eine zionistische Arbeit fast unmöglich gemacht; aber der Idealismus der Jugend und das fortwährend steigernde Nationalgefühl der Massen hätte die großen Schwierigkeiten überwunden und nun könnten wir dennoch auf eine Summe von Tätigkeit auch in jenem Lande hin weisen. Freilich hat man immer noch nicht die ganze Organisation wiederaufbauen können. Wir haben heutzutage mit 450 Ortschaften den Verkehr hergestellt; das sind aber immer noch erst 77°/0 derjenigen Zahl, die uns einst zur Verfügung gestanden hat. Dabei muß festgestellt werden, daß die Idee der Arbeitsverteilung unter Distrikte sich gut bewährt hat und wir gedenken, dieses Prinzip nicht nur beizubehalten, sondern es dahin auszudehnen, daß von nun ab den Distrikten eine breitere Selbständigkeit und weitgehendere Prärogativen zugeteilt werden. Zum Zwecke der fruchtbareren Tätigkeit haben wir unsere Arbeit in drei Ressorts eingeteilt: 1. Für Palästinaarbeit, 2. für Gegenwartsarbeit, und 3. für Rechtschutz. Um dies letztere zu rechtfertigen, würde es genügen, darauf hinzuweisen, daß wir in