Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
- Date
- 1913-09-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. II 35 DIESEL! Für das Aktionskomitee wäre es auch sehr schädlich, wenn sich Leute an sie mit der Bitte um Unterstützung wenden und abgewiesen werden. Wenn die Direktoren kein Geld geben, dann ist die Sache eine andere. Es ist vorteilhaft, wenn man auf die anderen die Schuld schieben kann. Das Aktionskomitee könne dadurch an Popularität verlieren. Und noch eine wichtige Sache: Wir wollen alle, daß man sich bestrebe die Bank zu einem kommerziellen Unternehmen zu machen, darin sind wir alle einig. Nun meine Herren, ich müßte Privates erzählen, aber ich kann Sie versichern, daß manche Banken nur deshalb nicht mit uns arbeiten wollen, weil sie glauben, daß hinter uns andere Bestrebungen als nur kommerzielle stehen. Die Punkte, die ich hier auseinandergesetzt habe, sind so triftige, daß eine Identifizierung des Aktionskomitees und des Aufsichtsrates der Bank absolut unsicher wäre. Verstehen sie mich nicht falsch. Es handelt sich hier nicht um eine Personenfrage, sondern um eine prinzipielle Frage. Wenn Sie sagen, daß der Aufsichtsrat einer Bank und das Aktionskomitee einer Bewegung dasselbe sein muß, so ist das grundfalsch. (Rufe: Warum war es so zur Zeit Herzls?) Darauf werde ich gleich zurückkommen. In den letzten JahTen unserer Bank waren nie Aktionskomitee und Aufsichtsrat identisch. Es war nie der Fall. Und wenn man spricht von prinzipiellen Unterschieden oder von Streitigkeiten, so kann ich ebenso für mich wie für den Leiter des Nationalfonds sagen, für mich als Vorsitzenden des Direktoriums. Ich kann mich nie erinnern, daß auf der Basis von Prinzipien irgend ein Unterschied war. Es gab wohl bisweilen Differenzen und diese Differenzen sollen auch sein. Ich verüble es absolut nicht der Leitung einer Bewegung, wenn sie sich in mißlichen Lagen an sie Bank wendet. Ich entschuldige es, aber da muß wenigstens eine Körperschaft da sein, die ehren andere» Standpunkt e'iannmirt. Ja, für diese Zwecke des Zionismus, für die unsere Bank gegründet wurde, dafür steht jeder Groschen frei. Warum sollten Sie jetzt den Irrtum begehen und uns eine Verantwortung auferlegen, die so schwierig wird, auch für die ganze Bewegung? Verwandeln wir uns nicht in eine Gesellschaft, die nur aus dem Fertigen nimmt. Der Zionismus ist ein lebendiger Körper, der weiter arbeiten muß, um seine Ziele zu erreichen, aber nicht um dort zu nehmen, wo man bereits etwas gesammelt hat. Der Präsident der Bewegung ist zugleich der Vizepräsident des Aufsichtsrates. Ein Mitglied des E. A. C. ist Mitglied des Airfsichtsrates und noch ein Mitglied des E. A. C. ist Mitglied des Direktoriums. Daraus werden Sie sehen, daß Beziehungen zwischen dem E. A. C. und der Bank bestehen, auf Grund deren es über alle Vorgänge in der Bank unterrichtet ist. Es ist schon einmal zu Dr. Herzls Zeiten ein sehr ähnlicher Antrag gestellt worden. Es war beim V. Kongreß; damals hat Herr Dr. Farbstein den Antrag gestellt, dem A. C. die Verfügung über die Kolonialbank einzuräumen. In der damaligen Debatte hat sich vor allem Dr. H e r z 1 zu diesen Antrag geäußert und gesagt: „Man hat die Meinung verbreitet, daß es sich darum handelt, dem A. C. die Verfügung über die ganze Bank einzuräumen. Das wäre doch eine Torheit, von der ich gar nicht begreifen kann, daß sie hier vorgebracht werden konnte.“ Das war die Ansicht Dr Herzls. Es hat damals noch eine ganze Reihe anderer Herren sich dagegen ausgesprochen. Zum Beispiel Herr Dr. Jakobsohn und unter gewissen Einschränkungen auch Herr Dr. Weizmann. Aus diesen Namen sehen Sie, daß es sich nicht bloß um gewisse Richtungen gehandelt hat, sondern, daß es damals allgemeine Ansicht war, daß das A. C. und der Aufsichtsrat der Bank ganz verschiedene Körperschaften sind, und daß man sie nicht vermischen soll. Ich bin sicher, daß alle Herren, welche damals dieser Ansicht waren, auch heute noch dieser Ansicht sind, und daß sie dem heutigen A. C. keine Befugnisse einräumen werden, die man Herzl und den damaligen A C. nicht anvertraut hat. Ich möchte daher den Kongreß bitten, daß er diese Anträge, die zur Zeit des Dr. Herzl nicht durchgedrungen sind, ebenso ablehnt, wie es der ■damalige Kongreß getan hat. Dr. Kapotkin (Samarkand): (hebräisch): Von einem dunklen Winkel der Diaspora, vom Turkestanischen Samnrkand, bin ich hierher gekommen, um als Delegierter am XI. Kongresse teilzunehmen, und ich bringe dem verehrten Kongresse die wärmsten Grüße der dortigen russischen und bucharischen Juden. (Lebhafter Beifall.) Verehrter Kongreß! Ich war auch am VII. Kongreß als Delegierter beteiligt, aber damals hatte ich kaum das Recht, im Namen der Bucharer Juden zu sprechen: Sie hatten damals noch wenig am Zionismus teilgenommen. Sie betrachteten sich damals als vom Himmel heruntergefallene Juden, die mit der Judenschaft der übrigen Welt gar nichts Gemeinsames hat. Zwar hatten sie ein Herz für Jerusalem, aber nur im religiösen Sinne Sie haben Häuser in der Vorstadt von Buchara gebaut und das Stadtviertel „Rechowoth“ nennen lassen; aber die zionistische Bewegung kannten sie nicht und legten ihr keine Bedeutung bei. So war es vor acht Jahren. Aber seitdem hat sich so vieles geändert. Die Macht des Galuth hat auch sie erreicht und in die Enge gedrängt. Jetzt wissen sie, daß sie blos ein Bruchteil des jüdischen Volkes sind und ihr Geschick kein anderes sein kann als das des ganzen Volkes. Und r.un sehen Sie, daß unter den Vertretern sämtlicher jüdischen Volksteile auch der Platz der Bucharer Juden nicht leer geblieben ist. Ich gebe meiner bestimmten Hoffnung Ausdruck, daß die Bucharer Juden in Zukunft erst recht viel für den Zionismus leisten werden. (Stürmischer Beifall ) Ussischkin spricht hebräisch. Der deutsche Wortlaut der Rede wird morgen nachgetragen. (Schluß des Berichtes folgt in der nächsten Nummer). Das an Dr. Nordau gerichtete Telegramm hat folgenden Wortlaut: Dr. Max Nordau Cottage du Mar par Armecy Haute Savoye. Der XI. Zionistenkongreß spricht dem Altmeister Dr. Nordau seinen Dank für die an ihn gerichtete Begrüßung aus und hofft zuversichtlich, den Mitbegründer der Zionistischen Organisation noch auf vielen Kongressen in seiner Mitte zu haben. Das Präsidium: David W o lf f s o h n, Präsident Dr. G a s t er, Dr. B o d e n h e i m e r, Julius S i m o n, Dr. E h r 1 i c h. Adolf Stand, Vizepräsidenten. NOTIZEN Unser Gesintmngsgenosse Herr Albert Ozmo, National- Fondskonrmissär für Sarajevo, ist von einem schweren Schlage getroffen worden. Sein Vater Juda Ozmo starb dieser Tage in Ploesti im 65. Lebensjahre. Der Verblichene war ehemals in Bjelina (Bosnien) Mitglied des Kultusvorstandes und Gemeinderepräserrtanz. Der Jüdische Ruderclub Jvria (Berlin, Niederschönweide) hat zum Kongreß einen Vieier entsandt. Die Mannschaft besteht aus den Herren Rechtsanwalt E x i n e r, Referendar Hirschfeld, Referendar Schwabe, cand. med. Wolft und Stud. Mandelbaum. Der Vierer Jvria verließ am Montag, den 25. August, Regensburg und legte, vom Wetter außerordentlich begünstigt, die 450 km lange Fahrt ohne jeden Unfall in acht Tagen zurück. Die Herren trafen Dienstag, den 2 September, früh, in Wien ein. Wie wir erfahren, werden am kommenden Sonnabend zirka 30 Aufnanmen, die auf der Tour gemacht wurden, am schwarzen Brett des Kongresses ausgestellt werden. Die Methode zur Erlernung der hebräischen Sprache auf Grund von 900 Bibelversen für Schule und Haus von J. L. Rabinowicz in Boskowitz (Mahren) wird demnächst vollständig erscheinen. Das Reinerträgnis widmet der Verfasser dem J. N. F. Bestellungen können während des Kongresses dem Verfasser aufgegeben werden. Adresse : Kongreß-Post-Amt. Im großen Festsaal des hiesigen Hotels Imperial empfing am Montag nachmittag Fiäulein Trude Herzl die Mitglieder der galizischen Landsmannschaft, die unter Führung des Herrn Adolf Stand erschien. Dem Empfang, der sehr herzlich verlief, wohnte auch der Kongreßpräsident W o 1 f f s o h n, sowie zahlreiche Mitglieder der Vorstände unserer Organisationsinstitutionen bei. Dr Frau Silbermann übergab Fräulein Herzl ein geschmackvolles Blumenarrangement. .