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Die Welt · 1913-09-04 · Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
Date
1913-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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34 Nr. II DIE^ELT Leitung an dem Konflikte mit Dr. Max Nordau nicht schuldlos ist. (Sehr richtig!) Wir sind der Meinung, daß Dr. Max Nordau heute vielleicht hier stünde, wenn man gegen ihn drei Monate vorher höflich gewesen wäre. (Zustimmung.) Ich werde daher für den Antrag Fischer und gegen den Antrag Ussischkin stimmen. Dr. Halpern: Da hier von verschiedenen Rednern erklärt wurde, daß man sich Max Nordau gegenüber mit einem Akte der Courtoisie begnügen will, so ziehe ich zugleich im Namen des Herrn Ussischkin unsere Anträge zurück. (Lebhafter Beifall.) Präsident Wolffsohn: Es liegt jetzt nur noch der Antrag Jean Fischer vor. Das Präsidium wird noch die Redaktion des beantragten Telegrammes vornehmen und ich bitte jeden, der dafür ist, die Hand zu erheben (Geschieht). Ich bitte um die Gegenprobe (Geschieht.). Der Antrag ist mit wenigen Gegenstimmen angenommen. (Stürmischer Beifall.) Die nächste Sitzung findet nachmittags um 4 Lhr statt. Schluß der Sitzung um 1 Uhr 10 Minuten. II!. Sitzung am Nachmittag des 3. September. Präsident W olffsohn eröffnet die Sitzung um 4 Uhr 20 Minuten und erteilt Herrn Finzi das Wort zum Bericht des Legitimationsausschusses. Finzi (Troppau): Im Namen des Legitimationsausschusses erstatte ich Ihnen folgenden Bericht: Es wurden dem Legitimatlonsausschusse 510 Mandate zur Prüfung überwiesen. Gegen elf Mandate wurde seitens einzelner Wähler, ganzer Wählergruppen, respektive Organisationen, Protest eingelegt. Nach eingehender Prüfung des vorliegenden Materials empfiehlt der Legitimationsausschuß die Proteste aus der Bukowina (Wahlkreis Czernowitz), Westösterreich (Wahlkreis Trautenau und Wahlkreis Komotau), Galizien (Wahlkreis larnopol, Chyrow, Brzezany, ferner Palästina (vom jüdischen Handwerkerbund) abzuweisen und die Mandate zu verifizieren. In den Wahlkreisen Przemysl und Nikolajew hat das Lemberger Zentralkomitee auf Grund von Protesten nach Konstituierung des Legitimationsausschusses Neuwahlen angeordnet. Dennoch stellen wir den Antrag, der hohe Kongreß möge das Ergebnis dieser Neuwahl genehmigen, ln zwei galizischen Wahlkreisen, und zwar S a n o k und S k o 1 c, sind wir auf Grund der zu diesen Protesten vorliegenden Akten zu der Ansicht gelangt, daß in diesen Wahlkreisen tatsächlich statutenwidrige Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, weshalb die Mehrheit des Legitimationsausschusses dem Kongresse vorschlägt, diese zwei Mandate gänzlich zu kassieren Aus Palästina sowie seitens der Föderation Poale Zion wurden je zwei Delegierte mehr gewählt, als der Zahl der abgelieferten Schekolim entspricht. Diese zwei Mandate wurden vom Legitimationsausscliusse beanstandet und sowohl aus Palästina als auch von der Poale Zion wurde auf die zwei Mandate Verzicht geleistet. Der Legitimationsausschuß hatte zum erstenmal Wahlergebnisse auf Grund des vom X. Kongresse beschlossenen Statutes zu prüfen und ist bei Prüfung der Mandate und besonders der Proteste zu der Ansicht gelangt, daß das vorliegende Organisationsstatut hinsichtlich der Vorschriften über die Durchführung der Delegiertenwahlen ergänzungsbedürftig ist. Der Legitimationsausschuß stellt daher den Antrag, das E. A. C. möge in der nächsten Jahreskonferenz den Entwurf einer Wahlordnung vorlegen, die nach Genehmigung durch die Konferenz bereits bei den nächsten Kongreßwahlen anzuwenden wäre. Gewisse Grundsätze, die der Legitimationsausschuß bei der Prüfung der diesmaligen Wahlen sich zur Richtschnur genommen hat, wird er dem E. A. C. als Material für die neue Wahlordnung zur Verfügung stellen. (Beifall.) Dr. Leon Reich: Ich habe im Legitimations-Ausschuß ein Minoritätsvolum gegen den Beschluß über die Kassierung zweier Delegierten-Mendate angemeldet. Ich tue dies in dem Bewußtsein, daß ich eine gerechte Sache vertrete, daß hinter mir alle diejenigen stehen, die die Verhältnisse in Galizien und die Verhältnisse, unter denen die Wahlen durchgeführt wurden, kennen, im Bewußtsein, daß hinter mir die galizische Landsmannschaft steht, die mich beauftragt hat, dieses Minoritätsvotum zu begründen. (Beifall.) Sie müssen Zutrauen haben zur zweitgrößten Organisation der zionistischen Weltbewegung. Sie müssen vertrauen, daß eine Delegation, die hier über 50 Mandate verfügt und in den letzten Jahren einen solchen Ausbau der Organisation gezeigt hat, sich nicht unredlicher Mittel bedient hätte, um durchaus noch zwei Mandate zu ergattern. Die galizische Landsmannschaft müßte die Kassierung dieser zwei Mandate als eine moralische Ohrfeige empfinden. (Beifall.) Dr. Walter Munk: Ich glaube, daß das Vertrauen, das Herr Dr. Reich für die galizische Landsmannschaft in Anspruch nimmt, mindestens in demselben Maße dem Legitimations- Ausschüße gebührt, der nach gewissenhafter Prüfung, und von durchaus objektivem Geiste geleitet, entschieden hat. (Unruhe und Widerspruch.) Sollte der Kongreß irgend einen Zweifel an der Unparteilichkeit des Legitimations-Ausschusses hegen, so möge er das Material einer von allen Landesverbänden zusammengesetzten Kommission vorlegen und von ihr nachprüfen lassen. Wir zweifeln nicht an dem Ergebnis. (Unruhe.) Präsident Wolffsohn: Es wird zunächst der Antrag des Legitimations-Ausschusses, der sich auf die Verifizierung von protestierten Mandaten und zwei Neuwahlen bezieht, zur Abstimmung gebracht. Wer dafür ist, erhebe die Hand! (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe! Der Antrag ist einstimmig ange nommen. Der Legitimations-Ausschuß stellt ferner den Antrag, die Wahlen in den zwei galizischen Wahlkreisen S a n o k und S k o 1 e zu kassieren. Wer dafür ist, erhebe die Hand! (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe! (Geschieht.) Der Antrag ist a b g e lehnt. (Stürmischer Beifall.) Wir fahren nun in der Debatte über den Bericht des Herrn Dr. Hantke fort. Das Wort hat Herr Dr. Katzeneisohn. Dr. Katzenelsohn: Ich glaubte nicht, daß ich heute das Wort werde ergreifen müssen, unser Bankreferat ist erst am nächste n Dienstag, und ich glaubte, mir meine Ausführungen bis dahin aufsparen zu können. Aber Herr Dr. Hantke hat bereits heute einige Andeutungen über die Bank gemacht, und das zwingt mich dazu, bereits heute aufzuireten. Den ersten Worten des Herrn Dr. Hantke habe auch ich selbst stark applaudiert, daß die Leitung niemals die Banken für die Zwecke der Leitung beanspruchen werde. Das ist ein schöner Entschluß, dem wir zustimmen können. Vor zwei Jahren stand unser Freund Dr. Hantke auf einem anderen Standpunkt: er sagte, die Bank müsse Geld hergeben, damit die Leitung sich halten könne. Dieselbe Forderung ist voriges Jahr bei der Jahreskonferenz erhoben worden. Umsomehr freut es mich nun, daß er jetzt mit uns allen zur Ueberzeugung kommt, daß dieser Standpunkt ganz richtig ist, daß jene Institute für andere Zwecke da sind, als für diese momentanen Bedürfnisse. Dr. Hantke denkt, wie ein Mitglied des Engeren Aktionskomitees einer Bewegung denken muß, die sich an die Verhältnisse anpassen muß. Ganz anders aber ist es bei uns, bei den Direktoren einer Bank, oder einem Aufsichtsrat Setzen Sie sich in die Lage, wenn wir vor einem Jahre so gedacht und auf einmal unsere Anschauung geändert hätten. Herr Dr. Hantke meint, daß das Aktionskomitee der Bewegung und der Aufsichtsrat indentifiziert werden müssen und hier möchte ich Sie vor dieser Ansicht warnen. Meiner Ansicht nach wäre dies das größte Unglück nicht nur für die Bank, sondern auch für das Aktionskomitee. Man vergleicht uns oft mit einer Regierung und sagt, daß die Finanzinstitute der Regierung in die Hände der Regierung kommen müßten. Ich halte es für gewagt, einen derartigen Vergleich zu ziehen, aber gerade dieser Vergleich zeigt, daß die Reichsbank nie in den Händen der Regierung ist und niemals sein darf. Es ist eine ganz besondere Leitung. Als man im vorigen Jahrhundert in Frankreich versucht hat, die Reichsbank mit der Regierung zu vermengen, da hat die französische Reichsbank — es ist allerdings ein Beispiel, das uns ferne liegt, aber cs zeigt, wie man nicht die Begriffe vermengen darf — bankerottiert. Bei uns liegt die Sache viel einfacher: Das Aktionskomitee ist Kunde der Bank, wir machen Geschäfte, wir haben für sie Aufträge zu erledigen. Ist es richtig, das die Kundin und die Leitung dieselbe sei? Ich glaube, daß ein jeder zugeben wird, daß das kein richtiges Verhältnis ist

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