Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-09-04 · Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
Date
1913-09-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316572--57904-3376381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. II werden, in dem für sie vorbereiteten Palästina Aufnahme zu suchen. Möge ferner der Kongreß immer der Tatsache eingedenk bleiben, daß die mit harter Mühe geschmiedeten finanziellenWerkzeuge unserer Bewegung nicht robust genug sind, um unvorsichtiger oder rücksichtsloser Handhabung zu widerstehen, und daß ihr Zusammenbruch, wenn auch nicht dem zionistischen Gedanken, aber doch der heutigen zionistischen Organisation tödlich werden könnte. Möchte der Kongreß endlich nicht vergessen, daß man einer großen Sache durch theoretisch einwandfreie Beschlüsse nicht nützt, wenn die gewöhnliche Einsicht vorherzusehen gestattet, daß ihre Verwirklichung zur Zeit unmöglich ist. Ich wünsche aus tiefstem Herzen, daß der XI Kongreß den Zionismus seinem erhabenen Ziel um eine ansehnliche Wegstrecke näherbringen möge, und bin dessen hochachtungsvoll ergebener Dr. M. Nord au. (Der Verlesung folgt lebhafter, langanhaltender Beifall und Bravo-Rufe.) Ferner ist ein Telegramm von Nathan Strauß aus Amerika eingelaufen: Herzliche Grüße an meine Brüder im Zionisten-Kongreß. Ich bedaure außerordentlich, daß ich nicht in der Lage bin, bei Ihnen zu weilen. Mögen Ihre Verhandlungen das Resultat ergeben, jedes jüdische Herz mit Enthusiasmus für unsere Sache zu erfüllen. Der Zionismus ist der klarste Ausdruck des Lebenswillens des Juden in der Gegenwart (Bravo! Lebhafter Baifall) und die fruchtbarste Begeisterung für seine Bestrebungen in der Zukunft. Nathan Strauß. (Bravo! Beifall und Händeklatschen.) Es sind ferner Begrüßungsschreiben eingelangt: Von der Hamaschia aus Jaffa. Ferner von der Irhakodesch Jeruscholajim, von der Zionistischen Federation von Frankreich, vom zionistischen Distriktkomitee in lg lau, von der israelitischen Kultusgemeinde in B u d w e i s, vom zionistischen Landesverband Süd- Afrika in Johannisburg, vom zionistischen Distriktskomitee für Böhmen und von den einzelnen zionistischen Vereinen. Ferner von Dr. Grünberg im Namen der Ortsgruppe Elberfeld, die M. 120'— für den Nationalfonds spendet, von der Ortsgruppe Lübeck, die M. 60'—, und von der Ortsgruppe Köln, die M. 150'— für den Nationalfonds spendet, von Herrn Pineies, von der israelitischen Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau, von den Ortsgruppen Dortmund, Wiesbaden, Berditschew u. a. Präsident Wolffsohn erteilt sodann Herrn Jean Fischer das Wort zur Stellung eines Antrages. Herr Jean Fischer, Antwerpen: (Mit lebhaftem Beifall begrüßt) Ich unterbreite Ihnen folgenden Antrag: Als Antwort auf das Begrüßungsschreiben, welches uns heute hier von Dr Nordau verlesen wurde, beantrage ich, der XI. Zionistenkongreß möge folgendes Telegramm an Dr. Nordau absenden: „Der XI. Zionistenkongreß dankt dem Altmeister und Mitbegründer der zionistischen Organisation, Dr. Nordau, für seine Wünsche zum Kongreß und hofft, ihn noch bei vielen Kongressen als Vorkämpfer für unsere Idee zu sehen und das Vergnügen zu haben, ihn in unserer Mitte zu Dr. Georg Halpern: Sie alle haben das Begrüßungsschreiben, wie es unser verehrter Präsident nennt, gehört, daß Dr. Max Nordau an diesen ersten Kongreß, dem er nicht beiwohnt, gerichtet hat. Ich will mich darauf beschränken, Sie zu bitten, über den Antrag des Herrn Fischer zur Tagesordnung überzugehen. (Lebhafter Widerspruch.) Ich wäre hier nicht erschienen, wenn es sich um eine Begrüßung des Kongresses handeln würde, um den Wunsch eines so alten Gesinnungsgenossen, eines Führers, daß die Arbeit so verlaufen möge, wie er und wie wir alle es wünschen. Darum handelt es sich nicht, wie jeder von Ihnen weiß, der den Brief angehöit hat und nicht weltfremd in der Bewegung ist. Dieser Brief ist keine Begrüßung, dieser Brief ist eine energische Stellungnahme zu den Problemen, die den großen Teil der Arbeit dieses Kongresses ausmachen sollen. Der Kongreß degradiert sich, wenn er die Beantwortung dieses Briefes beschließt, bevor er sich eine eigene Meinung gebildet und dazu Stellung genommen hat. Wenn man 33 schon vor dem Kongresse heftige, energische Angriffe gegen die Leitung geschleudert hat, so heftig, so energisch, wie man sie sonst nie von so konvenienter Stelle gehört hat, wenn man dann an den Kongreß ein solches Schreiben richtet, dann ist es nicht eine Frage der Begrüßung, eine Frage der Freude, eine Frage der Aussprache zwischen Freunden, es ist eine Frage von Politik und Taktik und von Entscheidung für die Bewegung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Geber solche Dinge geht ein zionistischer Kongreß nicht hinweg mit der Hurrastimmung eines Telegrammes; wir protestieren dagegen. (Beifall.) Ich stelle den Antrag, debattieren wir nicht über dieses Telegramm und schicken wir es nicht weg. Dr. Gaster (London); Ich bitte den Kongreß in einer Frage der Höflichkeit, in einer Frage der Anerkennung der unermeßlichenVerdienste, die Nordau geleistet hat, sich nicht schroff und unüberlegt zu entscheiden. Höflichkeit ist die erste Pflicht, das erste Zeichen eines Gentleman. Wir können auf unserem Standpunkte verharren mit aller Energie. Wir können alle unsere Prinzipien bis zum letzten Punkte verfechten. Aber einem Nordau gegenüber, der ein Freund Dr. Heizls war, der von allem Anfang an an der Bewegung teilgenommen hat, einem Nordau gegenüber werde ich der erste sein, unser Bedauern auszudrücken, daß er nicht in unserer Mitte ist, um ihm den Dank auszusprechen für seine Leistungen und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß wir einer Zeit entgegensehen, wo Nordau wieder mit uns arbeiten wird. Dr. Pasmanik: Sie kennen meine Stellungnahme zur Rede Nordaus. Aber das hindert mich nicht zuzustimmen, daß wir auf einen Begrüßungsbrief von Nordau mit einem Telegramm wie es Herr Fischer vorgeschlagen hat, antworten. Man hat da von Taktik gesprochen. Die heutige Präsidentenwahl spricht auch nicht von der großen Taktik der Mehrheit, sondern wir sind dankbar unseren verdienten Männern. (Beifall.) In diesem Sinne fasse ich das Telegramm auf und beantrage ohne weitere Debatte das Telegramm abzusenden. ,Beifall.) M. Ussischkim (Stürmisch begrüßt, spricht hebräisch): Ich habe die Reden der Herren Fischer und Dr. H a 1 p e r n angehört. Beide sprachen über die gleiche Sache, aber von einem divergierender Standpunkte aus und ich konstatiere, daß jeder dieser Standpunkte seine Berechtigung hat. Ich möchte in keiner Weise den Eindruck hervor rufen, als wären wir auch nur mit einer Zeile des Briefes einverstanden; aber andererseits will ich auch nicht den Eindruck hervorrufen, als wären wir gegen unsere verdienstvollen Männer undankbar, oder als ob wir die Pflichten der Höflichkeit vernachlässigen. Deshalb beantrage ich, daß hier eine kleine Kommission von zwei bis drei Personen eingesetzt wird, die den Text des Telegrammes in einer Weise festsetzt, daß wir weder unseren Ansichten noch unseren moralischen Pflichten untreu werden. Del. Syrkin (beginnt hebräisch): Wir stehen hier vor einer Frage der pursten Courtoisie und keinesfalls des Programms. Wir haben gar keinen Grund gegen die Pflichten der guten Sitte zu verstoßen, während diese in keiner Weise unsere Geberzeugung zu beeinträchtigen geeignet ist. Bedenken Sie ferner, daß unser Bemühen dahin gehen muß, unsere Reihen weiter und weiter zu vermehren, und wir begehen einen unverzeihlichen Fehler, wenn wir unsere treuen Gesinnungsgenossen gegen uns verbittern. Ich beantrage daher, ohne Weheres den Antrag Fischer anzunehmen und Dr. Nordau, neben unserem Dank für seine bisherigen Leistungen auch unseren sehnlichsten Wunsch mitzuteilen; ihn recht bald wieder in unserer Mitte zu sehen. (Deutsch fortfahrend.) Ich beantrage die Entsendung eines Telegrammes an unseren Altmeister Dr. Nordau. Wenigstens hörten wir ein schwaches Echo seiner Stimme. Wir sehen darin einen Beweis, daß er noch mit uns arbeiten wird. Der Kongreß steht vor einer Etikettefrage und nicht vor einer Prinzipienfrage, wenn wir jetzt ein Begrüßungstelegramm absenden und den Wunsch zum Ausdrucke bringen, daß unser Altmeister wieder in unsere Reihen gelange. Dr. Rosenfeld: Wir sind der Ansicht, daß die vorliegende Frage bloß eine solche der Courtoisie ist, und daß die jetzige DIESKELT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.