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Die Welt · 1913-09-04 · Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
Kongreß-Ausgabe II (4.9.1913)
Date
1913-09-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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32 Nr. II DIE2^ELT Wozu brauchen wir eine Histadruth? Wozu ist überhaupt eine separate Organisation notwendig? Ist nicht die Hauptaufgabe unserer Leitung, uns zu hebräisieren? Ich will keine Anklage erheben. Sie haben gesehen, daß die separate Organisation das, was sie wollte, nicht leisten konnte. Ich glaube, das sie es niemals wird leisten können. Denn es ist in der .Welt“ neulich gut ausgeführt worden, man kann nicht die Sprache abtrennen und für sich behandeln. Es ist alles ein lebendiges Ganzes und ich betrachte es als eine der wichtigsten Aufgaben des nächsten Aktionskomitees alles zu tun, was für die Hebräisierung unserer Organition und Judenschaft notwendig ist. Die Histadruth muß ein untergeordneter Teil des Aktionskomitees sein. Das Zweite, um das ich die Leitung bitten möchte, und was ich seit vielen Jahren betone, ist, daß sie der Ausbildung der Theorie ein größeres Augenmerk zuwende. Es geht nicht an, daß eine Organisation von unserer Bedeutung keine einzige Revue hat, in der wissenschaftliche Artikel erscheinen können. Wir erleben es, daß uns im Geiste Nahestehende uns angreifen und wir selbst keine Waffen dagegen Deshalb möchte ich das A. C. bitten, im Vereine mit dem jüdischen Verlag diese wichtige Sache zu unternehmen. Sie ist wichtig, nach innen und nach außen, denn von außen wird unser Niveau danach beurteilt, welches Gesicht wir nach außen zeigen. Der Sozialismus ist lange nicht so verbreitet, wie die sozialistischen Zeitschriften und die sozialistischen Bücher. Ebenso muß es bei uns sein. Wir müssen durch die Höhe unserer Diskussion in den Zeitschriften die Aufmerksamkeit des gebildeten Europa auf uns lenken. Sehe ich von diesen beiden Wünschen ab, so muß ich sagen, daß ich sonst mit der Tätigkeit des A. C., wie schon gesagt, einverstanden bin. Auch ich stehe vollkommen auf dem Standpunkte des Herrn Simon, daß es absolut nicht geht, daß zweierlei oder dreierlei abgeteilte Leitungen im Zionismus bestehen. Ich habe schon seit 6 oder 8 Jahren dagegen Stellung genommen, daß man Dinge, die man aus juristischer Notwendigkeit macht, zur faktischen Notwendigkeit ausbildet, das heißt, daß man unsere Institutionen juristisch verklausuliert und so unabhängig machen will von der obersten Leitung. Es gibt für uns nur eine Leitung für die Organisation, für die Bank und für den Nationalfonds. Das alles ist eines und es ist ganz unmöglich das zu trennen, es ist unmöglich und es ist unwürdig. Geehrter Kongreß! Herr Dr. Hantke hat von den Angriffen gesprochen, welche der Leitung gegenüber in der heftigsten Weise erhoben wurden. Auch wir haben diese Angriffe alle gelesen und uns gesagt, was ist denn das Mittel, was das Bessere, das uns von den Gegnern des Aktionskomitees empfohlen wird und da haben wir zwei Dinge gelesen. In der Rede des einen Gegners hat gestanden, der Nationalfonds ist zu thesaurieren. Er war so gedacht, und er darf nicht zersplittert werden. Ich möchte zunächst feststellen, daß im Momente, wo die zionistische Organisation von der Politik der Thesaurierung abgegangen — die diesbezüglichen Beschlüsse wurden im Jahre 1908 gefaßt und es ist interessant, daß auch das E. A. C. die viel befehdeten Beschlüsse damals einstimmig angenommen hat — ich selbst als Praktiker damals die Politiker apostophiert und befragt habe: Ja, wo bleibt Ihr prinzipieller Widerstand? Geehrter Kongreß! Es ist kein Widerspruch erfolgt. In der Sitzung vom 6. Januar 1908 ist, vom Prinzip der Thesaurierung des Nationalfonds abgegangen worden mit Zustimmung sämtlicher Politiker. Wenn man uns heute sagt: .Ihr System ist falsch, Sie hätten den Nationalfonds thesaurieren sollen“, so antworte ich den Herten: Ihre Schuld ist es, wenn man von Schuld sprechen kann; Ihre Pflicht, solange Sie noch die Macht in der Hand gehabt haben, wäre es gewesen, den Nationalfonds zu thesaurieren und ihm nicht diesen Angriffen auszuliefern: Das haben Sie getan und deshalb bestreite ich den Herren das moralische Recht, anzugreifen, weil wir das tun, wozu Sie Ihre vollste Zustimmung gegeben Das Zweite, was wir gelesen haben, war noch ärger. Es ist in der französischen Ausgabe der Rede des Herrn Dr. Nordau, gesagt worden: .Es ist ja alles gut und schön, was das A. C. in Palästina gemacht hat, aber machen wir jetzt Schluß damit, jetzt haben wir genug experimentiert, jetzt wollen wir nur der großen Idee leben, die nicht untergehen kann.“ Ich habe darauf schon schriftlich erwidert und möchte hier noch sagen: Nein, Herr Dr. Nordau, eine Idee kann untergehen, nämlich dann, wenn sie sich nicht in praktischen Taten umsetzt, sondern immer im Bereiche der Spekulation bleibt. Wir werden diesen Weg nicht gehen, wir werden diesen Rat nicht befolgen. Wir stehen und bleiben auf dem Standpunkt, das die zentralste, wichtigste, umfassendste, ja vielleicht einzige Aufgabe, die wir zu leisten haben, die Arbeit in Palästina ist, und weil unser A. C. in dieser Richtung, in allen diesen Richtungen möchte ich sagen, der Radikalisierung und Nationalisierung der Organisation, der fortschreitenden Palästinaarbeit an der ersten Pionierstelle gestanden ist, deshalb bitte ich Sie, dem E. A. C. Ihr einstimmiges Vertrauen auszusprechen. (Lebhafter Beifall) Präsident W o 1 f f s o h n: .Herr Dr. P a s m a n i k will einen Antrag stellen für den Permanenzausschuß. Ich bitte Herrn Dr Pasmanik das Wort zu ergreifen.“ Dr. Pasmanik: .Damit unsere Arbeiten in ihren Resultaten und an Intensität gewinnen, ist es notwendig, daß wir von Anfang an Arbeitskommissionen wählen. In diesen Kommissionen wird dann das notwendige Material von dazu besonders geeigneten Personen, das heißt Personen, die wir aus unserer Mitte wählen, vorbereitet werden. Das Resultat ihrer Beratungen werden diese Kommissionen vor den Kongreß bringen, dann wird der Kongreß über alles klar sprechen können. Daher stelle ich den Antrag: Der Kongreß beauftragt den Permanenzausschuß in der morgigen Sitzung Vorschläge für die Zusammensetzung folgender Kommissionen zu machen: 1. Eine Palästinakommission; in dieser werden die verschiedenen Fragen, die nicht mehr theoretischer Natur sind, sondern die die größte Bedeutung für die unmittelbar praktische Tätigkeit haben, besprochen und beurteilt werden müssen. 2. Eine Kulturkommission; Sie wissen, daß der Kongreß eine Universitätsfrage besprechen wird. Ich wünsche, daß diese Frage nicht in Hunastimmung, sondern nach kalter Überlegung vom Kongreß entschieden werde. 3. Eine Kommission für Gegenwartsarbeit. Herr Sokolow hat gestern eigentlich ein Programm der Gegenwartsarbeit gegeben; wenn Sie die zweite Hälfte seiner Rede genau analysieren, werden Sie sich leicht davon überzeugen. Die Fragen der Gegenwartsarbeit sind jetzt an der Tagesordnung. Ich beantrage ferner, daß die Palästina-Kommission aus 33 Mitgliedern, die Kultur-Kommission aus 15 Mitgliedern und die Kommission für Gegenwartsarbeit aus 21 Mitgliedern bestehen Präsident Wolffsohn: Ich glaube, daß Herr Dr. Pasmanik, nachdem der Permanenzausschuß noch nicht zusammengetreten ist, den Antrag für Nachmittag zurückstellen wird. Der Antragsteller gibt hiezu seine Zustimmung. Präsident Wolffsohn: Ich werde nunmehr den Einlauf zur Verlesung bringen, jedoch mit Rücksicht darauf, daß dieser außerordentlich umfangreich ist, nur einiges hervorheben. Zunächst bringe ich zur Verlesung einen Brief von Dr. Nordau (Bravo t Lebhafter Beifall und Händeklatschen): Hochgeehrter Kongreß! Obschon unabwendbare Umstände, zum erstenmal seit der Entstehung der zionistischen Organisation, mich verhindert haben, für den XI. Kongreß einen Vertretungsau trag anzunehmen und mich an seinen Arbeiten zu beteiligen, drängt es mich doch, ihm aus der Ferne zu seiner Eröffnung meinen Gruß zu senden. Ich werde seinen Verlauf mit leidenschaftlicher Anteilnahme verfolgen und jedes Wort, das in seinen Sitzungen gesprochen wird, ist sicher, in meiner Seele einen lauten Wiederhall zu wecken Ich wünsche auf das Innigste, der Kongreß möge in der Stadt Herzls stets den ganzen Umfang des Herzl’schen Gedankens im Auge behalten und keinen Augenblick lang vergessen, daß eine Arbeit, die lediglich die Vorbereitung Palästinas zur Aufnahme möglichst zahlreicher jüdischer Einwohner bezweckt, für die Gesamtheit des jüdischen Volkes ohne Nutzen bleibt, wenn nicht gleichzeitig möglichst zahlreiche Juden zu dem Bestreben erzogen

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